(navigation image)
Home American Libraries | Canadian Libraries | Universal Library | Community Texts | Project Gutenberg | Biodiversity Heritage Library | Children's Library | Additional Collections
Search: Advanced Search
Anonymous User (login or join us)
Upload
See other formats

Full text of "Die Jagd der Vorzeit"

Digitized by the Internet Archive 
in 2013 



http://archive.org/details/diejagddervorzeiOOsoer 






Die Jagd der Vorzeit 



Von 






Dr. W. Soergel 

a. o. Professor an der Universität Tübingen 



Mit 28 Abbildungen im Text 
und 1 Tabelle 







Jena 
Verlag von Gustav Fischer 

1922 



Hofbuchdruckerei (F. Mitzlaff) Rudolstadt 



Vorwort. 

Es ist in neuerer Zeit wiederholt betont worden, daß die 
Lösung der großen Probleme, überhaupt die entscheidende Förderung 
unserer Kenntnisse von der ältesten Geschichte des Menschenge- 
schlechts nicht so sehr von der Prähistorie, als vielmehr von der 
Geologie und der Paläontologie zu erwarten seien. Ohne die Be- 
deutung der prähistorischen Wissenschaft und ihrer Methoden, so- 
weit sie rein zur Anwendung kommen, für die Erforschung der 
diluvialen Menschheit verkennen zu wollen, teile ich diese Auf- 
fassung. Das gegenseitige Altersverhältnis der verschiedenen dilu- 
vialen Menschenrassen zueinander, der verschiedenen diluvialen Kul- 
turen zueinander; die Wanderungen der alten Rassen, vor allem 
die Richtung dieser Wanderungen und die daraus sich ergebenden 
Schlüsse über das Herkunfts- resp. Ursprungsgebiet; Art und Aus- 
maß der aus Benutzung ortsfremden Steinmaterials zu vermutenden 
Handelswege in älterer Zeit, das alles sind Fragen, die nur die 
Geologie zu beantworten imstande sein wird. Ausschließlich der 
Paläontologie fällt die Aufgabe zu, die körperlichen Eigenschaften 
der alten Rassen zu erforschen, die Verwandtschaftsverhältnisse fest- 
zustellen, die Stammesgeschichte des Menschengeschlechts aufzuhellen 
und gemeinsam mit der Geologie die Ursachen aufzuzeigen, die eine 
Entwicklung zum Typus Mensch bedingt, innerhalb dieses Typus 
die Herausbildung vieler Arten resp. Rassen veranlaßt haben. Aber 
auch die Frage nach der Lebensweise und Lebenshaltung, und 
damit letzten Endes nach der geistigen Kultur der diluvialen Men- 
schen, die bisher so gut wie ausschließlich aus den Äußerungen 
ihrer Kunst in Bildern, Skulpturen, Gravierungen und Schmuck- 
gegenständen, aus den Werkzeugen (Artefakten) und ihrer techno- 
logischen Deutung im Vergleich mit den Werkzeugen und Waffen 
heutiger primitiver Stämme, und zuletzt auch aus der Lagerung 
der gefundenen Skelette (Bestattungen) beurteilt wurde, gehört nicht 
ausschließlich zur Domäne der prähistorischen Wissenschaft. Sie 



IV 

kann hier allein keine vollständige Antwort geben. Denn die haupt- 
sächlichste Betätigung der diluvialen Menschen, aus der vor allem 
Lebensweise und Lebenshaltung verständlich sind, entzieht sich einer 
Erforschung durch nur prähistorische Methoden: die Jagd. Ent- 
scheidend sind hier wiederum Geologie und Paläontologie, die allein 
uns ein Bild von der Umwelt vermitteln, in der der diluviale Mensch 
lebte, von der er in höherem Maße als heutige primitive Stämme ab- 
hängig war. Die Paläontologie gestattet uns vor allem aus den 
Küchenabf allen der diluvialen Menschen Ausmaß und Art des Ein- 
griffs der Jäger in die tierische Umwelt und damit im Vergleich 
mit Jagdarten heutiger primitiver Stämme die Jagdmethoden zu 
beurteilen. Da die Jagd als wesentlichste Nahrungsquelle im Mittel- 
punkt jedweder körperlichen und geistigen Betätigung stand, so 
dürfen ihre Methoden, die in diesem Buche untersucht worden sind, 
als Gradmesser gelten für die Stellung des diluvialen Menschen 
innerhalb der organischen Welt, und damit als Gradmesser nicht nur 
seiner körperlichen, sondern auch seiner geistigen Entwicklungshöhe. 

W. Soergel. 



Inhalt- Seite 

Vorwort HI 

Zur Einführung 1 

1. Grundlagen und Methoden zu einer kritischen Beurteilung der dilu- 
vialen Jagd; Divergenz der neueren Ansichten : . . 1 

2. Die Gliederung des Eiszeitalters nach Klimaperioden, Gesteinen, 
Faunen, Menschenarten und Kulturen 3 

II. Die Waffen der diluvialen Jäger " 

III. Die Stellung der diluvialen Jäger innerhalb der diluvialen 
Tierwelt 27 

IV. Die Jagd der diluvialen Menschen auf Fische, Vögel und kleinere 
Säugetiere 40 

1. Fische 40 

2. Vögel 44 

3. Kleinere Säugetiere 48 

V. Die Jagd des diluvialen Menschen auf das mittlere Großwild . . 52 

1. Die großen Raubtiere 54 

2. Wisent und ür 58 

3. Elch 60 

4. Riesenhirsch 64 

5. Schwein 67 

6. Edelhirsch, Damhirsch, Reh 69 

7. Pferd 71 

8. Rentier 74 

VI. Die Jagd auf den diluvialen Waldelephanten 78 

1. Die biologische Deutung der Taubacher Fundschicht 79 

2. Die Altersstaffelung im Elephantenmaterial verschiedener Fundorte, 
insbesondere Taubachs und Predmosts, in ihrer Bedeutung für die 
paläolithische Jagd 82 

3. Jagdmethoden der Gegenwart und die Jagdmethode der diluvialen 
Jäger 98 

4. Elephantenjagd des Homo Heidelbergensis . . . 104 

5. Das Aussterben des Waldelephanten 106 

VII. Die Jagd auf das Mammut 109 

1. Jagd mit Hilfe von Steppenbränden auf ganze Herden 112 

2. Angriffsjagd auf einzelne Tiere 114 

3. Fallgrubenfang 121 

4. Kritische Bemerkungen zu Noacks Schilderung einer Mammutjagd 124 
VIII. Die Jagd auf das Merksche Nashorn 129 

IX. Die Jagd auf das wollhaarige Nasho-n 140 

X. Jagd und Jäger 144 



I. Zur Einführung. 



1. Grundlagen und Methoden zu einer kritischen Beurteilung der 
diluvialen Jagd; Divergenz der neueren Ansichten. 

Vor fast 10 Jahren habe ich versucht 1 ) das Problem der 
paläolithischen Jagd, das bis dahin in wissenschaftlichen Arbeiten 
kaum mehr als gestreift, in populären Darstellungen aber mit zu 
wenig Kritik und zuviel Phantasie behandelt worden war, auf 
einem neuen Wege einer Lösung näher zu bringen : ich bearbeitete 
das erhaltene Beutematerial des diluvialen Jägers, die Knochen und 
Gebißreste der größeren diluvialen Säugetiere aus den wichtigsten 
Fundstellen verschiedener Kulturperioden soweit möglich statistisch 
und versuchte das Zahlenmaterial nach verschiedenen Richtungen 
hin auszuwerten. Es leitete mich dabei der Gedanke, daß die erhal- 
tenen Reste der einzelnen Beutetiere gestatten müßten, die Zahl der 
Jagdmöglichkeiten des diluvialen Jägers auf die einzelnen Tierarten 
außerordentlich einzuschränken, ja vielleicht jeweils eine einzige als 
die wahrscheinlichste oder allein mögliche zu erweisen. Das gelang 
für eine Anzahl von Tierarten mit Hilfe der folgenden Kriterien, 
deren Zusammenstellung sogleich die angewandte Methode in ihren 
Grund zügen erkennen läßt: 

1. Die relative Häufigkeit einer Tierart in der überlieferten 
Gesamtbeute. 

2. Das Massen Verhältnis jugendlicher und alter Tiere unter den 
Beuteresten einer Tierart. 

3. Die aus den Steingeräten (Artefakten) der Kulturstufen zu 
erschließende "Waffenkultur der Jäger. 

4. Der auf Grund der erhaltenen Tier- und Pflanzenwelt und 
der allgemein -geologischen Daten zu erschließende Land- 
schaftscharakter der jeweiligen Jagdgebiete des diluvialen 
Menschen. 



x ) W. So er gel, Das Aussterben diluvialer Säugetiere und die Jagd des 
diluvialen Menschen. G. Fischer, Jena 1912. 

So er gel, Die Jagd der Vorzeit. 1 



5. Die Lebensweise jeder in der erhaltenen Jagdbeute ver- 
tretenen Tierart, ihre Wehrhaftigkeit und ihre Fluchtkraft. 

6. Die speziellen Fundunistände an den einzelnen prähistorischen 
Stationen. 

7. Die Jagdmethoden heutiger Naturvölker auf die entsprechen- 
den Tierarten und die dazu benutzten Waffen. 

Es ist einleuchtend, daß aus diesem Tatsachenkomplex viel be- 
stimmtere Vorstellungen über die Jagd der diluvialen Vorzeit er- 
wachsen mußten, als sie früher bei rein spekulativer Behandlung 
des Jagdproblems gewonnen worden waren. Die ganze Frage 
konnte in Tatsachen, die einer wissenschaftlichen Prüfung zugänglich 
waren, verankert werden. 

Die Ergebnisse dieser Arbeit, die in erster Linie feststellen 
wollte, welchen Anteil der diluviale Mensch an dem während oder 
am Ausgang der Diluvialzeit erfolgten Verschwinden vieler größerer 
Säugetiere hatte, welches die Ursachen des Erlöschens dieser Tiere 
waren, haben späterhin in zwei Punkten Widerspruch erfahren. 
Noack 2 ) wendete sich in einigen in der deutschen Jägerzeitung er* 
schienenen Aufsätzen, die der Schilderung einer Mammut- und einer 
Riesenhirschjagd gewidmet sind, gegen die von mir begründete An- 
nahme, daß die paläolithischen Jäger Elephanten und Nashörner in 
Fallgruben gefangen hätten, er hält eine direkte Angriffsjagd für 
wahrscheinlicher. Profe gab im Mannus 3 ) einen Überblick über 
die Jagd der Vorzeit, wobei die Jagd der Paläolithiker in Anlehnung 
an meine Arbeit in gleichem Sinne besprochen wird, abgesehen 
von den Elephanten und Nashörnern, für die auch dieser Autor 
Fallgrubenfang für nicht möglich, ja eine planmäßige Jagd über- 
haupt für unwahrscheinlich hält. Ganz allgemein läßt sich der 
Unterschied in der Auffassung der paläolithischen Jagd auf Elephant 
und Nashorn, wie er in den drei genannten Arbeiten zum Ausdruck 
kommt, dahin zusammenfassen, daß Noack die Jagdmöglichkeiten 
der Paläolithiker günstiger, Profe ungünstiger beurteilt als ich. 
Eine solche Divergenz der Ansichten darf nun keineswegs als Be- 
weis gelten dafür, daß unser Thema für eine wissenschaftliche Be- 
handlung überhaupt noch nicht reif sei, daß heute noch die nötigen 

2 ) Th. Noack, Die Jagd im Wandel der Zeiten. Deutsche Jägerzeitung, 
B<L 62, 1913, Nr. 1; Bd. 63, 1914, Nr. 29 und 25. 

3 ) 0. Profe, Vorgeschichtliche Jagd. Mannus, Zeitschr. f. Vorgeschichte 
Bd. 6, Heft 1 und 2, 1914. 



3 

Grundlagen für eine Erörterung dieser Fragen fehlten und sehr 
verschiedene, ja konträre Ansichten gleichermaßen begründet werden 
könnten. Die Frage: Wie haben die Menschen der verschiedenen 
paläolithischen Kulturstufen die großen Säuger der Diluvialzeit er- 
legt, gestattet für eine Anzahl von Arten heute schon eine Beant- 
wortung, die nicht mehr in den Bereich des rein hypothetischen 
fällt. Die Verschiedenheit der veröffentlichten Ansichten rührt 
vielmehr her von der Ungleichwertigkeit des jeweils von den ver- 
schiedenen Autoren herangezogenen Tatsachenmaterials. Bei einem 
so komplexen Problem, wie es die paläolithische Jagd darstellt, ist 
eine befriedigende Lösung natürlich nur zu gewinnen, wenn die ein- 
schlägigen Tatsachen aller Wissensgebiete, die zur Frage in irgend- 
einer Beziehung stehen — und das sind besonders Geologie, Palä- 
ontologie, Anatomie, Zoologie, Biologie, Prähistorie und Ethnologie — , 
in hinreichendem Maße Berücksichtigung finden. Eine starke Ver- 
nachlässigung nur eines Tatsachenkomplexes muß die Lösung in 
eine falsche Richtung abdrängen. 

Die Schwierigkeiten, die durch die vielerlei einspielenden 
Wissensgebiete der Behandlung der Frage durch einen Autor er- 
wachsen, darf nicht abhalten, eine Lösung zu versuchen; sie führt 
schon heute, wie ich glaube in späteren Abschnitten zeigen zu 
können, teilweise zu eindeutigen Ergebnissen. Gerade die Kenntnis 
der paläolithischen Jagd, ihrer Methoden und ihrer Erfolge, ist von 
größter Bedeutung für die Einschätzung der paläolithischen Gesamt- 
kultur, für die Beurteilung der Entwicklung, die seit frühesten 
Zeiten die materielle und in engster Wechselbeziehung zu ihr die 
geistige Kultur genommen hat. Der diluviale Mensch war in aller- 
erster Linie Jäger; kennen wir seine Jagd, so kennen wir seine 
vornehmste und alles andere überragende Betätigung, in der sein 
Wollen und Können zum Ausdruck kam, aus der sein Denken und 
Fühlen Richtung und mannigfache Anregung gewann. Die Jagd 
ist gewissermaßen der Brennpunkt seiner Existenz. Von ihm aus 
wird es gelingen, seine Lebensweise und Lebenshaltung, die Grund- 
züge seiner sozialen Verhältnisse, seine geistige Kultur und vielerlei 
„ethnographische" Fragen mehr und mehr aufzuhellen. 

2. Die Gliederung des Eiszeitalters nach Klimaperioden, Gesteinen, 
Faunen, Menschenarten und Kulturen. 

Die folgenden Abschnitte führen uns in eine Periode der Erd- 
geschichte, an deren Erforschung sehr verschiedene Wissenschaften 



beteiligt sind. Ihre Ergebnisse, insbesondere die Feststellungen über 
die Abfolge der Klimate, die Abfolge im Auftreten der verschiedenen 
Tierarten und Pflanzengemeinschaften, der verschiedenen Menschen- 
rassen und der menschlichen Kulturen bilden vielfach die Grund- 
lage, wenigstens den Rahmen unserer Untersuchung. Einige Kenntnis 
von diesen „historischen" Tatsachen ist deshalb notwendig zum 
Verständnis der späteren Ausführungen, in denen die nicht allgemein 
bekannten Fachausdrücke nicht immer vermieden werden konnten. 
Die Schwierigkeiten, die daraus demjenigen erwachsen, der dem 
ganzen Forschungsgebiet ferner steht, sollen behoben oder doch 
gemildert werden durch die unten folgende Tabelle, in der die 
Gliederung des Eiszeitalters nach den einzelnen geologischen Perioden, 
den Klimaten, den jeweiligen Gesteinsbildungen, den charakteristischen 
Tierarten, den jeweils bei uns verbreiteten Menschenrassen und 
Kulturen eine kurze Darstellung erfahren hat. 

Dem wiederholten Wechsel von Eisvorstößen oder Eiszeiten 
und eisfreien Perioden oder Zwischeneiszeiten entspricht der Wechsel 
von kalten und von gemäßigten Klimaperioden. Beide finden ihren 
geologischen Ausdruck in der ganz verschiedenen Gesteinsbildung: 
Geschiebemergel als die vom Eis verfrachteten und beim Abschmelzen 
abgelagerten Schuttmassen, Löß als vom Wind verfrachtetes und 
aufgehäuftes Feinmaterial, Kies und Schotter als von Flüssen ge- 
rollter und abgelagerter, unter starker mechanischer Verwitterung 
entstandener oder von Gletschern zugeführter Gesteinsschutt wurden 
in den Eiszeiten gebildet; Kalktuffe, Tone, Torflager, lokal beschränkte 
Sand- und Kiesablagerungen der Flüsse wurden in den durch einen 
geregelten und reichen Wasserhaushalt ausgezeichneten Zwischen- 
eiszeiten gebildet, in denen gleichzeitig unter dem Einfluß eines 
humiden Klimas die eiszeitlichen Gesteine durch lösende und zer- 
setzende Wirkung der einsickernden Regenwässer oft bis in be- 
trächtliche Tiefe verändert wurden, verwitterten. 

Im gleichen Rhythmus lösen sich zu wiederholten Malen in 
weiten Gebieten Europas die Pflanzen gemeinschaften ab, die der 
Landschaft letzten Endes das Gepräge geben, und die Tiergesell- 
schaften: es wechseln Tiere und Pflanzen eines trockenen, kalten 
mit solchen eines gemäßigten Klimas, es wechseln Zeiten, in denen 
Steppen, mit solchen, in denen Waldlandschafte^n die größte Ver- 
breitung besaßen. 

Dieser Wechsel, sowohl der der Gesteinsbildung als der der 
Verteilung der Lebewesen betraf naturgemäß am stärksten die- 



jenigen Gebiete, die zeitweise vom Eise bedeckt waren, wie beispiels- 
weise große Teile Norddeutschlands oder das nördliche Alpenvorland, 
oder die dem zeitweilig vereisten Gebiet nicht zu fern lagen, wie 
beispielsweise die stets eisfrei gebliebenen Gebiete Mittel- und 
Süddeutschlands zwischen dem nordischen und dem alpinen Ver- 
eisungsgebiet. In Gebieten, die den jeweils vereisten Zonen ferner 
lagen, wie beispielsweise große Teile Westeuropas, ist die klima- 
tische Einwirkung einer Vereisung und ihre Folgen für Ab- und 
Zuwanderungen innerhalb der Tier- und Pflanzenwelt, für die Ver- 
schiebung der Verbreitungsgebiete „kalter" und „gemäßigter" Lebe- 
wesen natürlich schwächer gewesen. Die Übersicht unserer Tabelle 
über den Wechsel der Klimate, der Landschaften, der Tier- und 
Pflanzenwelt ist deshalb als Schema zu bewerten, das, jedenfalls 
für die Eiszeiten, keinen unbeschränkten Geltungsbereich in Europa 
besitzt und im wesentlichen nur für Mitteleuropa zutrifft. 

Die Abfolge der verschiedenen diluvialen Menschenrassen läßt 
keine engen Beziehungen zu dem Klimawechsel derart erkennen, 
wie er für die Abfolge der Tier- und Pflanzengesellschaften deutlich 
ist. Wie die der meisten Raubtiere war die Lebensmöglichkeit des 
menschlichen Jägers nicht an ein bestimmtes Klima gebunden. 
Engste Beziehungen zeigen sich aber zwischen den einzelnen 
Menschenrassen und den einzelnen Kulturen: bestimmte Rassen 
erscheinen als Träger bestimmter Kulturen. Diese eiszeitlichen 
Kulturen, die man unter dem Begriff der älteren Steinzeit oder des 
Paläolithikum zusammenfaßt, lassen sich auf zwei große Gruppen 
verteilen: Das Altpaläolithikum mit den Kulturen des Chelleen, 
Acheuleen und Mousterien, in denen nur Stein, meist Feuerstein 
zu Werkzeugen, Artefakten geschlagen wurde; und das Jung- 
paläolithikum mit den Kulturen des Aurignacien, Solutreen, Magda- 
lenien und Azilien, in denen außer Stein auch Knochen und Ge- 
weih vielfach Verwendung fanden. Beiden Kulturgruppen war 
im Gegensatz zur jüngeren Steinzeit, dem Neolithikum, das Schleifen 
der Steine und die Töpferei unbekannt. 

Zu der Gliederungstabelle ist noch besonders zu bemerken, 
daß die für die Mindeleiszeit und vor allem die Günz-Mindel- 
Zwischeneiszeit angegebenen Säugerbestände, wenigstens bezüglich 
einer Anzahl wichtiger Arten, noch nicht als hinreichend gesichert 
gelten können, da für diese Perioden die zeitliche Einordnung einiger 
wichtiger Fundstellen noch nicht zweifelsfrei feststeht. Als sicher 
kann gelten, daß die Kiese von Süßenborn bei Weimar der bisher 



als I. angesehenen norddeutschen Eiszeit ( = Mindeleiszeit des Alpen- 
gebietes) angehören. Ob die Kiese von Mauer zum wesentlichen 
Teil, wie hier angenommen wurde, etwas älter, zum Teil gleich- 
altrig sind, oder ob sie als jünger betrachtet werden müssen, kann 
hier im einzelnen nicht erörtert werden. Auf keinen Fall aber 
können die Kiese von Mauer in die der IL norddeutschen oder 
Bißeiszeit voraufgehende Zwischeneiszeit gestellt werden ; stets bleibt 
deshalb die zeitliche Stellung des Homo Heidelbergensis weit vor 
dem Chelleen. 



Die Gliederung des Eiszeitalters nach geologischen Perioden, Klimaten, Gesteinsbildungen, Säugetierbeständen, Menschenrassen und Kulturen. 

(Die relative zeitliche Dauer der einzelnen Perioden ist in der Höhe der einzelnen Rubriken nicht zum Ausdruck gebracht worden, ebensowenig die relative zeitliche Dauer der einzelnen Menschenrassen und Kulturen in de 

Spannweite der einzelnen Klammern.) 



Die geologischen Perioden. 
Norddeutschland. I Alpen. 



Das Klima und der vorherrschende 

Landschaftscharakter der jeweils nicht 

vereisten Gebiete Mitteleuropas. 



Die jeweils gebildeten Gesteine und die 
jeweils vorherrschende Art der Gesteins- 
verwitterung. 



Charakteristik 

(Es handelt sich um eine Auswahl der < 
bevorzugt: 1. Arten der Großtierwelt. 2. Art 



he Saugetiere. 

rklich gefundenen Arten; es wurden dabei 

i von ausgeprägter klimatischer Anpassung.) 



Geologische Gegenwart 



Postglazialzeit. 



3. oder Baltis.hoi 

Vorstoß der 

Eismassen 

der III. Eiszeit. 



Rückzugs- 
schwankung. 



Große Rückzugs- 
sch wankung. 



. Hauptvorstoß der 

Eismassen 

der 111. Eiszeit. 



II. Zwisehencisxeit. 



I. Zwischeneiszeit. 



Bühlvorsloß 



Achen- 
schwankung. 



2. Phase 
der Würmeiszeit 
(=Pencks Würm- 
eiszeit.) 



Große Rückzugs- 
schwankung. 



1. Phase 
der Würmeiszeit. 

(= Größte 
Vergletscherung 
der Schweiz.) 



I. Eiszeit. Mindeleiszeit. 



[ Vorlaufig noch zur Günz-Mindel- 

| Präglazialzeit ge- I Zwischeneiszeit. 

m zogen, aber in Thü- 

■ ringen Beweise für 

B eine der im Alpen- 

^H gebiet entsprechen- 

^B den Gliederung vor- 

i 



Präglazialzeit 



Gemäßigtes Klima. Weite Ausdol m ; - 

der Waldgebiete, in historischer Zeit 

eingeengt" durch Ausbreitung der 

menschlichen Kultursteppe. 



Kalktuff; Ton; Torf; Sand und Kies voi 

wiegend als Uiiihigernngsprodukte ältere 

Sande und Kiese. 

Chemische Verwitterung. 



Waldfauna Genua niens zu Tacitus Zeit (in historischer Zeit in weiten Gebieten ausgerottet:: 

Wisent (Bison europaeus), Auerochse (Bos primigenius), Elch (Alces paltnatus), Edelhirsch 

(Cervus elaphus). Reh (Cervus capreolus), Biber (Castor über), Brauner Bär (Ursus aretns), 

Wolf (Canis lupus), Fuchs (Canis vulpes), Luchs (Felis lynx), Dachs (Meles taxus). 



Durch Klima Schwankungen charakteri 

sierte Übergangsperiode zum geiualiig 

ten Klima. Allgemein Vordringen de 

Waldgebiete. 



Kalktuff; Ton: Torf; Sand und Kies vor- 
wiegend als Unilagei-uugsprodukte älterer 
Sande und Kiese. 
Vorwiegend chemische Verwitterung. 



Wisent (Bison sp.), Auerochse (Bos primigenius), Elch (Alces palmatus), Edelhirsch 

(Cervus elaphus), Reh (Cervus capreolus', Biber (Castor fiber). Brauner Bär (Ursus aretos), 

Wolf (Canis lupus), dazu seltener bis sehr selten: Rentier (Rangifer tarandus), Riesenlmsch 

(Cervus euryceros), Löwe (Felis spelaea). 



Kontinentales bis kaltes Klima. Kalte 

Steppen in^. mäßiger Ausdehnung. In 

Mittel- und Südwest deiitn-hland offene 

Waldgebiete, lokal Wald. 



Gesehiebemergel; Jüngster 
Kies, Schotter. 
Vorwiegend mechanische Ver 



Löß, Sand, 



Wildpferd (Equus Przewalskii). Wisent (Bison p 

base (Lepus variabilis), Zwergpfeifhase (Lag 

torquatus), Brauner Bär (Ursus aretos), Wol 



scus), Rentier (Rangifer tarandus), Schnee- 
rnys pusillus), Halsbandlemming (Myodes 
(Canis lupus), Eisfuchs (Canis lagopus). 



Gemäßigtes kontinentales bis gemüßig- 
tes Klima. Waldgebiete verbreitet und 
im Vordringen. 



Ton; lokal Saud und Kies; Torf; Schiefer 

kohlen. 

Vorwiegend chemische Verwitterung. 



Mammut (Elephas primigenius), Wildpferd (Equus Przewalskii), Wisent (Bison priscus), 

Reh (Cervus capreolus), Rentier (Rangifer tarandus), Wildschwein (Sus scrofa ferus), Biber 

(Castor über), Hase (Lepus timidus), Brauner Bär (Ursus aretos), Wolf (Canis lupus), Fuchs 

(Canis vulpes). Eisfuchs (Canis lagopus), Luchs (Felis lynx), Vielfraß (Gulo borealis). 



Kaltes trockenes Klima. Weite Aus- 
dehnung der kalten Steppe : näher dem 
vereisten Gebiet Tundra. 



Gesehiebemergel: Jüngerer Löß II; Kies 

und Schotter der Niederterrasse. 

Mechanische Verwitterung. 



Mammut (Elephas primigenius), wollhaariges Nashorn (Rhinoceros antiquitatis), Wild- 
pferde (Equus germanieus und Przewalskii), Wisent (Bison priscus), Auerochse (Bos primi- 
genius), Moschusochse (Ovibos moschatus), Elch (Alces palmatus), Riesenhirsch (Cervus 
euryceros), Rentier (Rangifer tarandus), Zwergpfeifhase (Lagoniys pusillus), rötlicher Ziesel 
(Speiuinphilus rufescens), Halsband- und Oblemming (Mvodes lorquatus und ohensis) lläi 
(Ursus sp.), Vielfraß (Gulo borealis). 



Furfooz-Rasse 

(Rundschädel ohne besonder 
tive Merkmale). 



Rasse von Cro-Magnon 

(hochwüchsig, von massigem Knocke 
, bau: Langschädel mit relativ niedi 
gern Gesicht, breit ausladenden Joe 
bogen und hoch gewölbter Stil 
Kinnvorsprung vorhanden ). 



Ziemlich gemäßigtes Klima; V 

land und offener Wahl besitzen gl 

Ausdehnung; lokal Wald. 



Kalktuff (z.T. unrein); Ton; Torf; Sclriefer- 
kohlen: Sand und Kies. 
Chemische Verwitterung. 



Mammut (Elephas primigenius). Nashorn (Rhinoceros Merkii sp.), wollhaariges Nashorn 
(Rhinoceros antiquitatis). Wildpferd (Equus germanieus), Wildesel (Equus hemionus), Edel- 
hirsch (Cervus elaphus), östliches Reh (Cervus cf. pygargus), Rentier (Rangifer tarandus), 
Siebenschläfer (Myoxus giis), Brauner Bär (Ursus aretos), Höhlenbär (Ursus spelaeus), Wolf 
(Canis lupus), sibirischer Steppeniltis (Foetorius Eversmanni). 



Kaltes trockenes Klima. Weite Aus- 
dehnung der kalten Steppe: näher 
dem vereisten Gebiet Tundra. 



Geschiebemergel; Jüngerer Löß 

und Schotter der Mittelterra 

Mechanische Verwitterung 



Mammut (Elephas primigenius), wollhaariges Nashorn (Rhinoceros antiquitatis), Wildpferde 
(Equus germanieus und Przewalskii), Wildesel (Equus hemionus), Wisent (Bison priscus), 
Moschusoehse (Ovibos moschatus), Riesenhirsch (Cervus euryceros), Rentier (Rangifer 
tarandus), Zwergpfeifhase (Lagomys pusillus), rötlicher Ziesel (Spermophilus rufescens), 
Halsband- und Oblemming (Myodes torquatus und obensis), Höhlenbär (Ursus spelaeus), 
Eisfuchs (Canis lagopus), sibirischer Steppeniltis (Foetorius Eversmanni). 



Gemäßigtes Klima, etwas milder als 
heute : Waldgebiete in großer Aus- 



I: Ton; Torf ; Schieferkohlen; lokal 

Sand und Kies. 
Chemische Verwitterung. 



Wahlelephant (Elephas antiquus), Merksches Nashorn (Rhinoceros Merkii), Wildpferd (Equus 
Abeli), Wisent (Bison priscus), Auerochse (Bos primigenius), Elch (Alces cf. palmatus), 
Riesenhirsch (Cervus euryceros), Edelhirsch (Cervus elaphus), Reh (Cervus capreolus), Dam- 
hirsch (Cervus dama), Wildschwein (Sus scrofa ferus), Biber (Castor fiber), Siebenschläfer 
(Myoxus glis), Brauner Bär (Ursus aretos), Höhlenbär ( Ursus spelaeusk Löwe (Felis spelaea), 
Panter (Felis pardus sp.), Luchs (Felis lynx), Wildkatze (Felis catus ferus), Wolf (Canis lupus). 



Kaltes trockenes Klima; weite Aus- 
dehnung der kalten Steppe, näher 
dem vereisten Gebiet Tundra. 



Geschiehemergel ; Älterer Löß (II. Gruppe) ; 

Kies und Schotter der Hochterrassen. 

Mechanische Verwitterung. 



Mammut (Elephas primigenius), wollhaariges Nashorn (Rhinoceros antiquitatis). Wil.lpfcrd 

(Equus germanieus), Wisent (Bison priscus), Moschusochse (Ovibos moschatus), Steinbock 

(Capra ibex), Riesenhirsch (Cervus euryceros), Rentier (Rangifer tarandus), Murmeltier 

(Arctomys marmotta), Höhlenbär (Ursus spelaeus)'? 



Aurignac-Rnsse 

(kleinwüchsig, grazil gebaut; Lang- 
schädel mit starken aber nicht ver- 
schmolzenen Augenbrauenbögen ; gut 
gewölbte Calotte ; Kinnvorsprung teils 
deutlich). 



Neaudertaluiensch 

I kleinwüchsig, von plumpem Knochen 
bau; Beine relativ kurz; mächtige! 
Langschädel mit flach gewölbter Ca 
lotte; große runde Augenhöhlen voi 
niäcliiigen Augeiihrauenwülsten über 
dacht, von denen Stirn durch Furch, 
abgesetzt; Kinnvorsprung fehlt, 
schnauzenartige Mundpartie). 



Kalktuff; Ton; Torf;- lokal Sand und Kies. 
Chemische Verwitterung. 



Waldelephant (Elephas antiquus), Merksches Nashorn (Rhinoceros Merkii), Wisent (Bison 

priscus), Riesenhirsch (Cervus euryceros), Edelhirsch (Cervus elaphus). Bär (Ursus spelaeus'?), 

Löwe (Felis leo fossilis); nur im Westen: Flußpferd (Hippopotamus major). 



Kaltes trockene.,- Kiima: kalte Steppen 

in weiter Ausdehnung; näher dem 

vereisten Gebiet Tundra. 



Gesehiebemergel; Älterer Löß (I. Gruppe). 
Kies und Schotter der jüngeren Deeken- 
schotter. im Alpenvorland, der unteren 

präglazialen Terrasse in Mitteldeutschland. 
Mechanische Verwitterung. 



Mammut vorfahr (Elephas trogonlherii), etrurisches Nashorn (Rhinoceros etruseus), Zebra 
(Equus Süßenbornensis), Wildpterde (Equus germanieus praeenrsor und mosbaehensis), Wisent 
(Bison priscus), Moschusoehse (Praeovibos priscus), Riesenhirschvorfahr (Cervus es äff. ver- 
ticornis), Edelhirsch- (Cervus elaphus), Großes Reh (Cervus capreolus sp ), Elch (Alces 
latifrons). Rentier (Rangifer tarandus), Ziesel (Spermophilus sp.), Höblcnbarvorfahr (Ursus 
Deningeri), Vielfraß (Gulo borealis). 



Gemäßigtes Klima, wahrscheinlich 
milder als heute. Waldlandsebat'ten 



Ton; lokal Sand und Kies: wahrsche 

lieh auch Torf und Kalktuff. 

Chemische Verwitterung. 



Wahlelephant (Elephas antiquus). etrni isebes Nasborn (Rhinoceros etruseus). primitives 
Merksches Nasborn (Rhinoceros Jlerkii), Wihlpfcrd (Equus mosbaehensis), Wisent (Bison 
priscus), Elch (Alces cf. latifrons), Edelhirsch (Cervus elaphus), Reh (Cervus capreolus), 
Wildschwein (Sus scrofa priscus), Biber (Castor fiber), Höhlenbärvorfahr (Ursus Deningeri;. 
kleiner Bär (Ursus arvernensis), Löwe (Felis leo fossilis), Panther (Felis pardus sp.), Streifen- 
hyäne (Hyaena mosbaehensis). 



Houio Heidelbergeiisis 

(nur Unterkiefer bekannt von plu 
pem, massigem Bau mit stark antb 
poiden Zügen). 



Kaltes, trockenes Klima. Kalte Steppen 

verbreitet, näher dem vereisten Gebiet 

Tundra. 



Geschiehemergel; Altester Löß (im Alpen- 
vorland); Kies und Schotter der älteren 
Deckenschotter im Alpenvorland, der 
oberen präglazialen Terrasse in Mittel- 
deutschland. 
Mechanische Verwitterung. 



Xmlele), baut (Elephas meridionalis) und Übergangsform zum Mammutvorfahr (El. meridio- 

nalis trogontherii), etrurisches Nashorn (Rhinoceros etruseus), Zebra (Equus ex äff. Stenonis), 

Wisent (Bison priscus), Riesenhirschvorfahr (Cervus verticornis). 



Gemäßigtes Klima, wohl kontinentaler 
als heute. Offener Wald und Weide- 
land. 



Sudele], baut (Elephas meridionalis), etrurisches Nashorn (Rhinoceros etruseus), Zebra (Kquu 

cf. Stenonis), Wisent (Bison cf. priscus), Elch (Alces cf. latifrons), Riesenhirschvorfah 

(Cervus verticornis), Großer Edelhirsch (Cervus ex. äff. elaphus), Flußpferd (Hippopotamu 

major), Großer Biber (Trogontherium Cuvieri). 



II. Die Waffen der diluvialen Jäger, 

Art und Erfolg der Jagd des diluvialen Menschen waren in 
erster Linie abhängig von den Waffen, über die er verfügte. Wollen 
wir uns von dieser Jagd ein Bild machen, so ist es also vor allen Dingen 
nötig, auf Grund der erhaltenen Stein- und Knochenwerkzeuge und 
unter Zuhilfenahme ethnographischer Tatsachen und Forschungs- 
ergebnisse, eine möglichst gesicherte Vorstellung von der Art und 
Stärke der Waffen zu erlangen. Das kann auf diesem Wege zu- 
nächst nur in den großen Zügen geschehen; inwieweit die vom 
technologischen Standpunkt aus als möglich erkannten Waffen auch 
wirklich vorhanden waren, inwieweit es sich in den einzelnen Typen 
um ganz rohe, in ihrer Fernwirkung beschränkte oder feiner ge- 
arbeitete und wirksamere Waffen handelte, das werden im einzelnen 
erst die in späteren Abschnitten durchgeführten Untersuchungen 
über die Jagdmethode auf die verschiedenen Tiere entscheiden 
können. Dieser Abschnitt gilt nur der Fügung eines allgemeinen 
Rahmens, und wir werden hier vor allem zu prüfen haben, welche 
Bewaffnung den Menschen der altpaläolithischen Zeit, in der weder 
Knochen noch Hörn (Geweih) verarbeitet wurden, möglich gewesen 
sein kann. Für das Jungpaläolithikum sind die gefundenen Stein- 
und Knochenartefakte nach der Seite ihrer praktischen Verwertung 
meist so eindeutig, beweist die subtile Bearbeitung von Speer- und 
Pfeilspitzen eine so hohe Waffenkultur, daß unschwer ein hin- 
reichendes Bild von der Wehrkraft dieser Jäger gewonnen werden 
kann. Eine ganz gesonderte Behandlung beider Hauptstufen des 
Paläolithikum hat sich aber nicht streng durchführen lassen; viele 
negative Momente gegenüber heutigen primitiven Stämmen sind 
beiden gemeinsam, wiederholt gibt uns die jüngere Stufe bestimmte 
Anhaltspunkte zur Beurteilung der älteren, so daß die bei einer 
streng getrennten Behandlung sich bietenden Vorteile durch den 
Nachteil häufiger Wiederholungen aufgehoben würden. 

Lange Zeit und gelegentlich wohl auch bis zum heutigen Tage 
wurde der Standpunkt vertreten, daß den Menschen der altpaläoli- 



thischen Zeit nur "Waffen rohester Art zu Gebote gestanden hätten. 
Man dachte an einfache Holzspeere, die vorn mit den geschlagenen 
Steinen dieser Periode bewehrt waren, und glaubte, daß mit solchen 
Speeren der Mensch die großen Säugetiere der Diluvialzeit, auch 
Elephanten und Nashörner angegriffen und erlegt habe. Wie Ver- 
suche gelehrt haben, die nach L. Pfeiffer auch Profe angestellt 
hat, ist die „Durchschlagskraft" solcher rohen Wurfwaffen auf 
elastische, mit dichtem Haar bedeckte Häute, auch bei straffer 
Fleischunterlage, eine sehr geringe, die nicht genügt haben kann r 
dem vielfach sehr wehrkräftigen, zum mindesten nuchtkräftigen 
Beutetier nennenswerte Wunden beizubringen. Profe, 1. c, Anm. 3 r 
sagt darüber: „Untersucht man unter voller Würdigung der ange- 
deuteten anatomischen Verhältnisse die für das Eolithikum, das 
Chelleen, Acheuleen undMousterien charakteristischen Werkzeugtypen 
auf ihre Wirkungsweise und Kraft, so gelangt man zu der unab- 
weisbaren Überzeugung, daß sie als Angriffswaffen auf die großen 
Säugetiere der älteren Steinzeit nicht gedient haben können. Die 
harmlosen Eolithen, die kräftigen, aber meist stumpfen Chelleskeile 
können aus den eben angeführten Gründen als Stich- oder Hieb- 
waffen gegen die großen Raubtiere, den Elephanten, das Mammut, 
den Urstier, allgemein nicht gedient haben; den leichteren Wild- 
arten gegenüber können sie trotz deren Flüchtigkeit allgemein 
schon eher in Betracht kommen. 

Die Frage, ob die Mousterien-Geräte als Lanzen oder Spieße 
auf mittelgroße Säugetiere gebraucht werden konnten, habe ich durch 
eigene Versuche zu lösen mich bemüht. Die Beschaffenheit der aus 
der Grotte von P 1 a c a r d stammenden Mousterien-Geräte ließ von 
vornherein eine erhebliche Spitzenwirkung bei Stich und Stoß nicht 
erwarten. In der Tat gelang es nicht, mit der Spitze des an einem 
Holzschaft befestigten Schabers die Weichen eines frisch getöteten 
kräftigen Kalbes zu durchstoßen. Nur an mit Muskeln unterlegten 
Stellen der Hinterschenkel vermochte der Silexspeer eben die Haut 
zu durchdringen. Dagegen war die Schnittwirkung der Werkzeuge 
beim Abhäuten und Zerlegen eine ganz erstaunliche. Die Durch- 
trennung selbst strafferen Unterhautgewebes, der starken Sehnen- 
bänder an den Gelenken, der Muskulatur gelang mühelos in 
kurzer Zeit." 

Dieser experimentelle Befund ist der Auffassung altpaläoli- 
thischer Artefakte als Speerspitzen sehr ungünstig. Der Hinweis 
auf das Vorkommen ähnlich einfacher Speere bei den Eingeborenen 



der Admiralitätsinseln, wo dem Holzschaft vorn bis über handlange 
und fast handbreite, meist dreikantige Spitzen aus Obsidian aufge- 
setzt sind (siehe Abb. 1), kann eine solche J a g d bewaff nung für 
den altpaläolithischen Men- 
schen nicht wahrscheinlicher 
machen. Über die Verwen- 
dung dieser Speere bei den 
Admiralitätsinsulanern sind 
wir nicht genauer unter- 
richtet. Es ist aber sehr 
bemerkenswert, daß es dort 
an größeren Beutetieren, für 
die eine solche Waffe er- 
forderlich sein könnte, nur 
zwei, ein Känguruh und ein 
Wildschwein gibt; wenn es 
sich nicht um eine Kriegs- 
waffe handelt, so wird am 
ehesten an eine Prunkwaffe 
zu denken sein. Sicher ist 
bei der weit nach vorn ver- 
schobenen Lage des Schwer- 
punktes, daß die Wurfweite 
solcher Speere auch in ge- 
übter Hand nur eine relativ 
beschränkte sein kann, und 
daß sie deshalb für die Jagd 
im allgemeinen nicht zweck- 
mäßig sind. Das würde in 
viel höherem Maße gelten 
für Speere, die mit den 
Faustkeilen der Stufen von 
Chelles und von St. 
Acheul bewehrt waren, 
denn erstens ist Feuerstein 
bedeutend schwerer als Ob- 
sidian, bewirkt also eine viel 

beträchtlichere Beschwerung des Kopfendes und damit wesentlich 
kürzere Wurfweite des Speeres, und zweitens haben diese Faustkeile 
(siehe Abb. 2) im Gegensatz zu den Obsidianspitzen weder eine hin- 




Fig. 1. Speerspitzen aus Obsidian von den Ad- 
miralitätsinseln. 1 / 3 n. Gr. Originale im iStädt. 
Museum zu Weimar. 



10 



reichend scharfe Spitze, noch scharfe, schneidige Kanten. Taug- 
licher als Speerspitzen könnten die meist grazileren, in eine längere 

Spitze ausgezoge- 
nen Faustkeile der 
Stufe von La Mi- 
coque erscheinen 
(siehe Abb. 3). Aber 
auch sie sind, ob- 
gleich vielfach 
flacher gearbeitet, 
nicht schneidig ge- 
nug an den Kanten 
und können ihrer 
ganzen Form nach 
ebenfalls nur eine 
Keilwirkung, nicht 
die kombinierte 
Stich- und Schneide- 
wirkung gehabt ha- 
ben, die wir von 
einer zweckmäßigen 
Speerspitze erwar- 
ten. Nur eine relativ 
geringe Anzahl von 
dünnen, fein gear- 
beiteten Faustkei- 
len der Stufen von 
St. Acheul und La 
Micoque könnten 
als Bewehrung von 
"Wurfwaffen gedeu- 
tet werden. Aber 
auch sie würden die 

Fig. 2. Faustkeile des Chelleen (unterste Reihe und Spitze eines Speeres 
mittlere Reihe Mitte) und des Acheuleen (oberste Reihe noch erheblich be- 
lasten und damit 
die Wurfweite der 
Waffe stark beschränken. Für Jagdwaffen erscheinen deshalb auch 
derartig bewehrte Speere, ganz abgesehen davon, ob der Alt- 
paläolithiker eine nicht zu plumpe Befestigungsart kannte, nicht 




und mittlere Reihe rechts und links) von St. Acheul 
ca. 1 / 3 n. Gr. Originale im Stadt. Museum zu Weimar 



11 

sonderlich geeignet, zumal bei der größeren Zerbrechlichkeit des 
fein gearbeiteten Spitzenteils jeder der gewiß auch damals nicht 
seltenen Fehlschüsse eine starke Verletzung oder Zerstörung der 




Fig. 3. Faustkeile und Handspitzen von La Micoque ca. 2 /s n - ^r. Originale 
im Stadt. Museum zu Weimar. (Die kreisrunden dunklen Stellen bezeichnen auf- 
geklebte Museumsetiketten.) 

Waffe zur Folge haben mußte. Eher ist für die feineren Faustkeile 
an eine Verwendung zu Stoßwaffen, die auch jagdlichen Zwecken 
dienen konnten oder zu Kriegswaffen, zu denken. Mit einem Unter- 
schied in der Verwendung der einzelnen Waffen ist ja überhaupt 



12 

zu rechnen. Wir wissen von Krapina und auch von Ehrings- 
dorf, daß die Träger der Mousterienkultur Kannibalen gewesen 
sind. Allein schon diese Tatsache läßt gelegentliche Kämpfe ein- 
zelner Horden voraussetzen. Und für solche Kämpfe konnten sich 
Waffen, die für Jagdzwecke nicht vollwertig waren, als sehr 
brauchbar erweisen. Denn Krieger zu Krieger stehen ganz anders 
zueinander als Jäger zu Jagdtier. Im letzten Fall ist es neben 




Fig. 4. Handspitzen des Mousterien, Le Moustier. ca. 2 / 5 n. Gr. Originale im 

Stadt. Museum zu Weimar. 



einer direkten vor allem auch eine indirekte Abwehr, wie sie im 
Vorhandensein eines Fells und einer Fettschicht und in der Flucht- 
kraft des tierischen Gegners besteht, die der Jäger durch seinen 
Angriff resp. Überfall zu überwinden trachtet. Im ersten Fall wird 
dagegen der Angriff vielfach von beiden Seiten zugleich geführt. 
"Waffen von kurzer "Wurfweite und Stoßwaffen können ausschlag- 
gebende Bedeutung erlangen. Hier könnten die feineren Faustkeil- 
typen eine viel zweckmäßigere Verwendung gefunden haben als 
zur Bewehrung von Jagdwaffen. Ich persönlich neige dazu, auch 



13 

in den sehr gut gearbeiteten Stücken nur Handwerkszeug zu sehen, 
daß zur Bearbeitung von Holz, zum Zerlegen der Jagdtiere usw 
gebraucht wurde. 

Und dasselbe gilt schließlich für dasjenige Artefakt des Alt- 
paläolithikums, das vor allem zu einer Deutung als Speerspitze ver- 




Fig. 5. Handspitzen der altpaläolithischen (Mousterien-) Kultur von Ekringsdorf, 
aus der Homofundschicht von Bruch Kämpfe in Ehringsdorf. ca. 5 / n n. Gr. Ori- 
ginale im Stadt. Museum zu Weimar ausgestellt. 



leiten könnte: die Moustierspitze in ihren verschiedenen Formen (s. 
Abb. 4, 5, 6), die schon selten im älteren, häufiger im jüngeren 
Acheuleen und der Stufe von La Micoque gefunden wird (vergl. 
Abb. 3, mittleres Artefakt der mittleren und die Artefakte der unteren 
Reihe) und im gesamten Mousterien sehr verbreitet ist. Fast aus- 



14 

nahnislos ist die Spitze nicht scharf genug, die Kanten "durch meist 
steile Retuschen zu hoch abgestutzt, das ganze Artefakt für eine 
Speerspitze zu dick. Durch flache Retuschen schneidiger und dünner 
gearbeitete Spitzen sind selten, häufig sind beide Kanten in der 
Neigung der Kantenretusche sehr verschieden und erweisen schon 
dadurch, daß es sich nicht um Speerspitzen handeln kann. Nicht 




Fig. 6. Handspitzen des jüngeren Mousterien von La Quina. ca. 1 / 3 n. Gr. 
Originale im Stadt. Museum zu Weimar. 



selten trifft man in der Spitze und an den Kanten sehr gut ge- 
arbeitete Moustierspitzen, die auf der Oberseite noch die natürliche 
Rauhigkeit des Feuersteins, die Grenzfläche zum Muttergestein zeigen 
(siehe das mittelste Artefakt in Abb. 3, je 2 in der oberen Reihe der 
Abb. 4 und 6). Da solche Spitzen an den retuschierten Stellen eben- 
sogut gearbeitet sind wie andere vollständig von frischen Bruch- 
resp. Schlagflächen begrenzte, so müssen sie für ihren speziellen 



15 

Zweck ebenso brauchbar gewesen sein wie diese. Und dieser Zweck 
kann dann niemals Bewehrung von Wurfspeeren gewesen sein, weil 
an Speerspitzen alle die Reibung erhöhenden, die Schußwirkung 
also beeinträchtigenden Rauhigkeiten beseitigt sein müßten. Die 
Gesamtheit der typischen gut retuschierten Moustierspitzen können 
wir also mit Sicherheit aus dem Waffeninventar ausscheiden. 

Im Allgemeinen darf man sagen, daß mit keinem Artefakt der 
altpaläolithischen Kulturen ein Wurfspeer, der auf größere Ent- 
fernung geschleudert noch entscheidende Wunden beibringen soll, 
hinreichend bewehrt werden kann. Haben die Altpaläolithiker aber 
entgegen dem oben erwähnten experimentellen Befund einen Teil 
ihrer geschlagenen Steine in dieser Weise benutzt, so müßte es doch 
als sehr unwahrscheinlich gelten, daß sie mit solchen Waffen die 
großen wehr- und fluchtkräftigen Säuger in offener Jagd haben er- 
beuten können. Der Kraftaufwand des Jägers beim Angreifen und 
Verfolgen der Tiere hätte ein unverhältnismäßig großer, die Gefähr- 
dung der eigenen Person durch die Wehrhaftigkeit des Wildes eine 
unverhältnismäßige starke sein müssen. Das Mißverhältnis zwischen 
Leistung des Jägers, Gefährdung des Jägers und Möglichkeit des 
Erbeutens, zwischen Angriffswaffen des Jägers und Wehrhaftigkeit 
und Fluchtkraft des starken Wildes wäre ein viel zu großes gewesen 
und hätte bei Jagden heutiger primitiver Rassen keine Parallele. 
Solche Erwägungen und die Meinung, daß für den Menschen der 
altpaläolithischen Kulturstufen eine andere, wirksamere Bewaffnung 
nicht wahrscheinlich gemacht werden könnte, führte mich zu der für 
einzelne Arten auch in der Zusammensetzung des gefundenen Beute- 
materials gestützten Auffassung, daß der Altpaläolithiker fast aus- 
schließlich Fallgrubenfang getrieben, daß er neben Nashorn und 
Elephant auch den Bär, den Auerochsen, den Wisent und andere Tier- 
arten der Großtierfauna in Fallgruben gefangen habe. Heute möchte 
ich dem Fallgrubenfang des Altpaläolithikums eine so stark vor- 
herrschende Stellung innerhalb seiner Jagd nicht mehr einräumen, 
wenigstens nicht auf alle Arten der mittleren Großtierfauna. Ich 
beurteile mit anderen Autoren die Bewaffnung des altpaläolithischen 
Jägers günstiger. Noack läßt in der von ihm geschilderten Mammut- 
jagd die Jäger spitze Pfähle und Speere gegen die Mammute schleu- 
dern; und in der Tat muß es den Paläolithikern auch früher Kul- 
turstufen möglich gewesen sein, sich spitze Pfähle oder Speere aus 
Holz herzustellen. Ein kantiger Feuerstein, gleichgültig ob retuschiert 
oder nicht, wie ihn jede Kulturstufe besaß, genügt allein, um im 



16 

Verein mit Feuer einen Stab anzuspitzen. Ein Nachschleifen auf 
Stein, und es kommt gar nicht auf bestimmte Gesteinsarten an, oder 
ein Zurechtschneiden und Glätten mit einem scharfen Feuerstein- 
messer kann solchem Speer eine sehr achtbare Spitze verschaffen 
und dem Paläolithiker eine recht brauchbare Wurfwaffe an die Hand 
gegeben haben. Mit welcher geringen Mühe mit Feuersteingerät 
Holz geschnitten, geschabt, überhaupt bearbeitet werden kann, das 
lese, wer nicht durch eigene Versuche sich überzeugen will, in 
Pfeiffers steinzeitlicher Technik 4 ) nach. Die Herstellungs weise 
solcher Holzspeere ist auch bei primitiven Stämmen der Gegenwart 
noch eine sehr einfache und geht über das, was dem Paläolithiker 
technisch möglich gewesen sein muß, vielfach nicht hinaus. Über 
die Herstellung der Holzspeere bei den Bainings auf Neupommern 
schreibt Parkinson („30 Jahre in der Südsee"): „Sie werden einiger- 
maßen rund abgeschabt und das eine Ende zugespitzt, sowie im Feuer 
gehärtet. Trotz der rohen Arbeit sind sie in den Händen der Bainings 
eine gefährliche Waffe, denn von Jugend an übt man sich im Werfen 
und erreicht mit der Zeit eine erstaunliche Gewandheit und Fertig- 
keit." Die Verfertigung solcher Waffen ist sicher schon im Chelleen, 
vielleicht noch früher möglich gewesen, sie dürfte natürlich mit der 
Vervollkommnung der Feuersteintechnik, mit dem Ausbau des Feuer- 
steingerätinventars als dem Arbeitszeug, mit dem Holz geschnitten, 
geschabt, geglättet wurde, stetig verbessert worden sein. Ihren Höhen- 
punkt hat die Waffentechnik schließlich in jungpaläolithischer Zeit 
mit dem Einsetzen von Knochen- und Hornspitzen erreicht. Erst 
diese jüngere Zeit verfügte auch über Steinartefakte, die zur Be- 
wehrung von Speeren und Wurfpfeilen als geeignet gelten können. 
Insbesondere die Lorbeerblattspitze und auch die Kerbspitze des 
Solutreen könnten diesem Zweck gedient haben. Aber auch hier, 
wo ja in Knochen, Elfenbein und Geweih ein viel geeigneteres 
Material für Speerspitzen vorhanden war, ist mir die Verwendung 
der genannten Steinartefakte, die sich keineswegs in allen Solutreen- 
stationen und meist nur in wenigen Stücken gefunden haben, zu 
geschäfteten Messern, Dolchen, überhaupt kurzen Stoßwaffen viel 
wahrscheinlicher. 

Selbstverständlich ist mit dem Nachweis der Möglichkeit noch 
keineswegs der Nachweis erbracht, daß die altpaläolithischen Jäger 



4 ) L. Pfeiffer, Die steinzeitliche Technik und ihre Beziehungen zur Gegen- 
wart. G. Fischer, Jena 1912. 



17 

auch wirklich Holzwaffen, d. h. Waffen mit Holzspitzen be- 
sessen haben müßten. Kniturf ragmente lassen sich mit Hilfe von 
Analogieschlüssen allein nicht mit der einer objektiven Kritik ge- 
nügenden Sicherheit rekonstruieren, weil jede primitive Kultur unter 
bestimmten Verhältnissen sich entwickelt, deshalb immer einseitig 
sein muß und viele der in ihr schlummernden Möglichkeiten unter 
den jeweils gegebenen Verhältnissen gar nicht ausbildet. Nach 
unseren Anschauungen sehr nahe liegende Entdeckungen sind häufig 
nicht gemacht worden, man denke nur daran, daß die Jungpaläo- 
lithiker niemals auch nur versucht haben einen Stein zu schleifen, 
obwohl sie Geweih und Knochen vielfach geschliffen haben. Die 
Ethnologie und Prähistorie kennen genug Beispiele für diese Er- 
scheinung, von denen manches von einer alle primitiven Kulturen 
der Gegenwart überschauenden Warte vielleicht sonderbar und un- 
begreiflich erscheinen könnte. Es besteht unter diesen Umständen 
von vornherein die Gefahr, daß man Kulturfragmente — und um 
solche handelt es sich ja ausschließlich in dem Stein- und Knochen- 
material der paläolithischen Kulturstufen — zu vollkommen, zu ab- 
gerundet ergänzt. 

In unserem Falle lassen sich diese an sich berechtigten Be- 
denken zerstreuen vor der Summe von Erfahrungstatsachen, die 
für das Vorhandensein von reinen Holzwaffen in altpaläolithischer 
Zeit sprechen. Zunächst muß man sich völlig frei machen von der 
Ansicht, daß uns in dem bearbeiteten Stein- und Knochenmaterial 
der Paläolithiker die gesamte materielle Kultur oder ein sehr großer 
Bruchteil derselben erhalten geblieben wäre. Es ist nur ein Teil 
davon, wenn auch der wichtigste, nämlich die Grundlage für die 
Herstellung alles dessen, was nicht erhaltungsfähig war. Die Voraus- 
setzung, daß die paläolithische materielle Kultur nur Gegenstände 
aus Stein und Knochen umfaßt habe, also nur solche Dinge, die 
fossil erhaltungsfähig sind, ist zu absurd, um ernsthaft in Erwägung 
gezogen zu werden. Wie die Befunde an heutigen primitiven Kul- 
turen lehren, verschwindet dieser Grundbestand des Handwerks- 
zeugs, und als solchen möchte ich die Steinartefakte vorzugsweise 
auffassen, gegenüber der Fülle von Objekten, die aus vergänglichen 
tierischen und pflanzlichen Stoffen hergestellt werden. Das gilt auch 
für diejenigen Stämme, deren materielle Kultur, wie bei den Busch- 
männern, einen recht geringen Bestand aufweist. Es würde für den 
Laien, und ich glaube auch für den Fachmann außerordentlich lehr- 
reich sein, nebeneinander die gesamte materielle Kultur eines primi- 

Soergel, Die Jagd der Vorzeit. 2 



18 

tiven Stammes und aus der Gesamtmasse das, was über viele tausende 
von Jahren in Kiesen, Lehmen, Tuff kalken usw. erhaltungsfähig 
wäre, also die Geräte oder Geräteteile aus Knochen und aus Stein 
ausgestellt zu sehen. Diese Gegenüberstellung würde uns einen 
ungefähren Maßstab für die Beurteilung unserer paläolithischen 
..Kulturen" geben und uns zeigen, wie sehr wir in dem, was uns 




Fig. 7. Steinwerkzeuge der Tasmanier. ca. 2 / 5 n. Gr. Originale im Stadt. Museum 

zu Weimar. 



überliefert ist, nur einen Bruchteil der ehemaligen Gesamtkultur zu 
erblicken haben. Zum direkten Vergleich mit unseren diluvialen 
Jägern empfehlen sich besonders die leider ausgerotteten Tasmanier, 
deren Artefakt-Handwerkszeug auf außerordentlich früher, den 
Eolithen in mancher Beziehung genäherter, etwa altpaläolithischer 
Stufe stand (vgl. Abb. 7), diesen Leuten aber trotzdem die Her- 



19 

Stellung langer, hölzerner Speere, 1 / 2 m langer spitzer Wurfhölzer 
neben vielen anderen Dingen ermöglichte. Bedenken wir, daß den 
diluvialen Menschen Europas die Pflanzenwelt zur Lebenshaltung 
keineswegs das bot, was den primitiven Völkern der Gegenwart die 
Flora der Tropen und Subtropen, daß aber diese begünstigten Völker 
ihre Jagdwaffen nach allen Richtungen ausbauten, so werden wir 
für äußerst wahrscheinlich halten müssen, daß die diluvialen Stämme, 
die viel stärker auf die Jagd als wesentlichste Nahrungsquelle an- 
gewiesen waren, die einfachste und natürlichste Möglichkeit aus- 
genutzt, daß sie sich reine Holzwaffen gefertigt haben werden. Es 
soll dabei, und davon wurde ja schon oben gesprochen, nicht in 
Abrede gestellt werden, daß für bestimmte Zwecke, für Stoßwaffen 
oder Wurfwaffen mit kurzer Flugbahn (Kriegswaffen) auch ge- 
schlagene Steine als Spitzen schon in altpaläolithischer Zeit Ver- 
wendung fanden. Man könnte gerade in der mehr reißenden Wir- 
kung solcher Steinspitzen gegenüber der schneidenden resp. stechenden 
schärferer Holzspitzen einen Vorteil für den altpaläolithischen Jäger 
sehen wollen. Demgegenüber ist zu bedenken, daß der diluviale 
Mensch eine schnell wirkende, möglichst tiefe Verwundung, die dem 
Beutetier keine oder nur eine kurze Flucht gestattete, anstreben 
mußte. Inmitten einer an großen Raubtieren geradezu außerordent- 
lich reichen Tierwelt, über die der nächste Abschnitt berichtet, war 
die Verfolgungskraft des menschlichen Jägers nur eine geringe, auf 
jeden Fall sehr beschränkte. Beim Abwägen der Vorteile, die 
Speere mit Holz- oder mit Steinspitzen dem diluvialen Menschen 
gewährten, wird man auch die besonders dichte Behaarung aller 
Tiere zur Zeit eines rauhen Klimas nicht vergessen dürfen. Gegen 
eine solche dichte Schutzdecke mußten spitze Holzspeere viel erfolg- 
reicher sein als Speere mit Steinspitzen, denn die Steinspitzenformen 
aller altpaläolithischen Kulturen — und für diese vor allem kommen 
reine Holzspeere in Frage — sind mit ganz verschwindenden Aus- 
nahmen stumpf am Spitzenende und nicht schneidig scharf an den 
Kanten. 

Schließlich ist die Wurfweite der Holzspeere sicher eine be- 
trächtlichere, ihre Herstellung einfacher. Die feste Verbindung einer 
aus besonderem Material gefertigten Spitze mit dem Holzschaft des 
Speeres, und zwar so, daß die Waffe nicht zu plump und schwer- 
fällig wird, setzt eine über die Stufe der Altpaläolithiker wohl 
schon hinausgehende Entwicklung der materiellen Kultur voraus. 
Einklemmen oder Anbinden der Steinspitze würde die Wirkung der 



20 

Waffe in jeder Hinsieht so sehr einschränken, daß auch von 
diesem Gesichtspunkt aus die nur aus Holz gefertigten Waffen 
unbedingt als die stärkeren und deshalb in Anbetracht aller Um- 
stände als die für das Altpaläolithikum wahrscheinlichsten gelten 
müssen. 

Was die spezielle Gestaltung dieser Holzwaffen, (von denen, 
da sie nur unter ganz besonderen Verhältnissen erhaltbar oder als 
Hohlformen nachweisbar sein können, bisher nichts aufgefunden 
worden ist), besonders die Gestaltung des vorderen Endes angeht, 
so ist anzunehmen, daß der Querschnitt der Speere an der Spitze 
wie am Schaft drehrund, oder vorn rundoval gewesen ist. Ganz 
flache, lanzettförmige Spitzen mit zwei seitlichen Schneiden — eine 
viel wirkungsvollere Waffe — finden wir heute aus Holz vorwiegend 
dort, wo den Jägern Bambus zur Verfügung steht, oder doch ein 
geeignetes Hartholz vorhanden ist. Beides hat dem diluvialen Jäger 
Europas gefehlt, er konnte als Nomade nur frisches, günstigstenfalls 
längere Zeit abgestorbenes, nicht aber länger zweckmäßig abge- 
lagertes Holz verwerten, wie es manchen heutigen einfachen, aber 
seßhaften Rassen möglich ist. Sein Holzmaterial war deshalb minder- 
wertiger und zur Herstellung von Speeren mit flacher, doppel- 
schneidiger Spitze wenig oder nicht geeignet. Für das sehr wahr- 
scheinliche Fehlen derartiger Speere läßt sich auch noch ein zweiter 
Grund aufführen. Wo in der Vorzeit ein Wechsel im Herstellungs- 
material von Waffen und Geräten eingetreten ist, dort ist in der 
"Übergangszeit und wiederholt noch länger in die neue Zeit hinein 
mit dem neuen Material die alte Form wiederholt resp. beibehalten 
worden. Hätten die Altpaläolithiker Holzspeere mit ilachen, lanzett- 
förmigen Spitzen besessen, so hätten die mit dem Aurignacmenschen 
bei uns einrückenden Jungpaläolithiker oder deren vielleicht schon 
etwas früher in Europa heimische Vorfahren die Vorzüge einer 
solchen Waffe erkannt und sich zu eigen gemacht. Sie hätte un- 
bedingt auf die Form der aus Knochen gefertigten Speerspitzen 
von Einfluß sein müssen, zumal sich aus verschiedenen Knochen 
leicht flache, längliche Stücke gewinnen lassen und schon die Ge- 
weihbildung eines der häufigsten Jagdtiere dieser Zeit, des Rentieres, 
•auf flache Formen hinwies. Noch nie aber hat man andere als im 
Querschnitt runde oder ovale knöcherne Speerspitzen gefunden. 
(Großer zu kleiner Durchmesser an dem unteren Ende von knöchernen 
und elfenbeinernen Speerspitzen verhalten sich etwa wie 3 : 2 und werden 
nach der Spitze zu allmählich gleich.) Auch darin sehe ich einen 



21 

Hinweis auf die Art der altpaläolithischen und der paläolithischen 
Holzspeere überhaupt. 

Ob die Spitzen der Holzspeere stets glatt, oder ob sie zum 
Teil eingekerbt und mit Widerhaken versehen gewesen sind, läßt 
sich nicht beurteilen. Aus jungpaläolithischer Zeit jedenfalls kennen 
wir in den verschiedenartigen Harpunen mit "Widerhaken versehene 
Speerspitzen. Daß damit bewehrte Speere auch zur Jagd auf 
stärkeres Wild, nicht nur zur Fisch jagd benutzt wurden, dürfte aus 
Bisonbildern hervorgehen, denen Harpunen aufgemalt sind. Es 
braucht kaum betont zu werden, daß in solchen Fällen die mit 
Widerhaken versehenen Spitzen eine feste, nicht eine lose, den 
eigentlichen Harpunen eigentümliche Verbindung mit dem Holz- 
schaft des Speeres gehabt haben werden. 

Außer Holzspeeren werden Wurfhölzer verschiedener Gestalt 
und Wurfkeulen eine Rolle gespielt haben, insbesondere bei Jagd 
auf kleineres Wild. Daneben haben die Jungpaläolithiker, jeden- 
falls die Jäger des Magdalenien Speerschleudern oder „Wurfhölzer" 
(Propulseur) besessen, wie sie heute noch bei vielen Stämmen ver- 
breitet sind; mit ihrer Hilfe kann den Speeren größere Wurfweite 
und Durchschlagskraft verliehen werden. Möglicherweise sind sie 
auch dem Altpaläolithiker bekannt gewesen, uns aber aus dieser 
Zeit, in der Knochen und Geweih noch nicht verarbeitet wurden 
und alle Waffen nur aus Holz gefertigt werden konnten, natürlich 
ebensowenig erhalten wie die Holzspeere selbst. 

Diese Holzspeere, die in jungpaläolithischer Zeit durch Ein- 
setzen von Knochenspitzen eine wesentliche Vervollkommnung er- 
fuhren, sind zur Konstruktion von Jagdfallen, ähnlich der auf Ceram 
und Buru gebräuchlichen Speerfalle, wahrscheinlich nicht benutzt 
worden; sicher nicht im Altpaläolithikum. Denn das würde nicht 
nur Bekanntschaft mit der Elastizität des Holzes, und diese Be- 
kanntschaft ist natürlich anzunehmen, sondern auch ihrer Nutzbar- 
keit mit Hilfe eines gespannten Fadens irgendwelcher Art in einem 
besonderen, sehr naheliegenden Fall voraussetzen: Dem Bogen. Und 
für dessen Vorhandensein haben wir nicht einmal in den Höhlen- 
bildern oder in den Gravierungen aus jungpaläolithischer Zeit, sehen 
wir von den jüngsten spanischen, nicht unbestritten noch dem 
Paläolithikum zugeteilten Felsmalereien ab, einen Anhaltspunkt. 
Ebensowenig in den überlieferten Artefakten. Denn die Pfeilspitzen 
aus Knochen und Stein, die aus jungpaläolithischen Kulturen in 
größerer Menge vorliegen, erweisen noch keineswegs den Besitz 



22 

des Bogens. Solche Pfeile können, wie heute noch bei primitiven 
Stämmen mit Hilfe von Wurf hölzern, Pfeilschleudern geworfen 
worden sein. 

Es ist also für das Jungpaläolithikum die Kenntnis des Bogens 
und damit die der Jagdfallen, die auf die Elastizität des Holzes auf- 
gebaut sind, zum mindesten ganz unsicher. Diese Jagdfallen dürfen 
wir aus dem Bestand der Jagdwaffen der jungpaläolithischen Jäger 
aber mit größerer Bestimmtheit deshalb ausscheiden, weil sie nur 
in Waldgebieten anwendbar sind, nur dort sich entwickelt haben 
können, zu Zeiten der Jungpaläolithiker aber bei uns gerade die 
Steppen eine weite Ausdehnung besaßen; waldfreie und waldarme 
Gebiete waren die Jagdgründe der jungpaläolithischen Jäger. 
Spezielle Jagdwaffen für Waldgebiete können bei ihnen nur eine 
ganz verschwindende, praktisch nicht ins Gewicht fallende Rolle 
gespielt haben. 

Für den Altpaläolithiker können wir den Bogen und auf das 
gleiche Prinzip gegründete Jagdfallen mit Sicherheit ausscheiden. 
Einer großen Anzahl von primitiven Stämmen der Gegenwart, und 
unter ihnen gerade den primitivsten, z. B. den Australiern und 
Tasmaniern, ist, resp. war der Bogen unbekannt und wir haben 
nach Ausweis der überlieferten älteren diluvialen Kulturen allen 
Grund, den Altpaläolithikern eine so hochstehende Waffe, damit 
die Kenntnis des Prinzips, und deshalb auch die Sperrfallen abzu- 
sprechen. Ein späterer Abschnitt (IV) wird zeigen, daß Alt- wie 
Jungpaläolithikern der Bogen sicher unbekannt war. 

Inwieweit Schleuder und Bola Verwendung fanden, ist nicht 
sicher zu beurteilen. Es könnten in diesem Sinne aber Steinkugeln 
gedeutet werden, die in einigen Mousterienstationen Frankreichs 
und Spaniens in größerer Zahl gefunden worden sind und die sicher 
als ein von Menschen ausgelesenes Material an ihren Fundplatz ge- 
langt sind. Obermaier 5 ) denkt an Lederschleudern oder Lasso 
mit eingenähten Steinen oder einen Holzstock, an dessen Ende der 
Stein eingeklemmt wird. Nach dem Eindruck, den spätere Ab- 
schnitte uns von den geistigen Fähigkeiten des Neandertalmenschen 
vermitteln, kann ich nur die letzte Deutung für möglich halten. 
Auf jeden Fall hat der Neandertalmensch, wenn wir uns an die 
tatsächlichen Funde halten, nicht allgemein eine solche Stein- 



5 ) Obermaier, H., Der Mensch der Vorzeit. Allgemeine Verlagsgesellschaft 
Berlin — München— Wien 1912. 



23 

Schleuder besessen. Wahrscheinlicher, aber durch Artefaktmaterial 
auch nur spärlich und kaum zwingend zu belegen, ist, daß die 
Jungpaläolithiker, die Aurignac- und die Cro-Magnonrasse wirk- 
samere Schleudern, vielleicht auch die Bola gekannt haben. Die 
Verwendung von Wurf schlingen, vor allem von Stock- und Fang- 
schlingen, ist für diese Zeit recht wahrscheinlich. Eine jung- 
paläolithische, allerdings nach meinem Empfinden nicht ganz klare 
Gravierung, kann in diesem Sinne gedeutet werden. 

Außer mancherlei Wurf warfen : Wurfspeeren, Wurf pf eilen, Wurf- 
keulen usw., die für die Jagd am wichtigsten sind, hat der diluviale 
Mensch jeder Kulturstufe zweifellos Stoßwaffen verschiedener Art be- 
sessen, wie sie für den Jungpaläolithiker ja in Knochen- und Geweih- 
dolchen erwiesen sind. Auch dem Altpaläolithiker, der Knochen und 
Geweih noch nicht verarbeitete, können kurze Stoßwaffen nicht fremd 
gewesen sein. Denn diese kurzen, vielleicht mit Steinspitzen vorn 
bewehrten Waffen liegen auf dem Entwicklungsweg, den die Waffe 
von der Zeit, als Waffe und Werkzeug noch eins waren, bis zur 
Erfindung des Wurfspeeres genommen hat. An geeigneten Stein- 
spitzen hat es, jedenfalls im Acheuleen und Mousterien, wie wir 
oben sahen, nicht gefehlt. 

Für die Beurteilung der Stärke von Wurf- und Stoßwaffen 
und damit der Art und des Ausmaßes der vorzeitlichen Jagd ist 
letzten Endes die Beantwortung der Frage wichtig, ob der Paläo- 
lithiker Europas über geeignete pflanzliche oder tierische Gifte zur 
Bestreichung seiner Waffen verfügte. Wir dürfen diese Frage ver- 
neinen, mit Bestimmtheit jedenfalls für den Altpaläolithiker. Aber 
auch die Rinnen und Riefen, die an knöchernen Pfeilspitzen der 
Stufe von Solutre gelegentlich angetroffen werden, können als sichere 
Beweise für Verwendung von Giften nicht gelten. Solche Gifte 
sind pflanzlichen Stoffen, und das gilt für alle mitteleuropäischen 
Giftpflanzen, auf einfache Weise nicht zu entziehen. Zum mindesten 
ist langes Kochen, fast ausnahmslos Einkochen notwendig, um Gift- 
lösungen von der erforderlichen Konzentration zu erhalten. Es ist 
sehr unwahrscheinlich, daß dem Paläolithiker, der die Töpferei nicht 
kannte, also nur organische Kochbehälter besaß, und der wahrschein- 
lich nur durch Einlegen erhitzter Steine in seine Wasserbehälter 
kochen konnte, auch nur einfache Methoden der Giftbereitung 
vertraut oder überhaupt technisch möglich waren. Außerdem konnte 
ihm die mitteleuropäische Pflanzenwelt und Tierwelt (Schlangen, 
Amphibien, Aas), und das ist entscheidend, keine Gifte von schneller 



24 

Wirkung verschaffen. Wohl enthalten die Hautdrüsen unserer 
Salamander und Kröten in ihren milchigen Absonderungen ein Gift, 
mit dem Fische, Enten, Kaninchen, Meerschweinchen und sogar 
Hunde getötet werden können, wenn nur eine geringe Menge unter 
die Haut eingespritzt wird. Die starke Wirkung ist aber auf kleinere 
Tiere beschränkt. Zu einer schnellen Tötung großer Beutetiere, 
wozu heute noch von Indianern das viel stärkere Gift amerikanischer 
Laubfrösche verwertet wird, genügen unsere heimischen Amphibien- 
gifte nicht. Und das gleiche kann mit Bestimmtheit von unseren 
Pflanzengiften behauptet werden. Selbst die stärksten unter den 
pflanzlichen Giften, das der Nieswurz und der Tollkirsche, reichen 
für diesen Zweck nicht aus. Und in einer schnellen Wirkung 
allein liegt für einen Jäger, der nur oder fast nur der Nahrung 
wegen jagt, der Vorteil vergifteter Waffen. Wo heute mit Gift- 
pfeilen und Giftspeeren gejagt wird, schneiden die Jäger nach Er- 
beuten des Wildes sofort das Fleisch um die Treffstelle aus, um ein 
AVeiterziehen des Giftes im Tierkörper zu verhindern. Denn fast 
alle starken Gifte, und das gilt vor allem auch für die Amphibien- 
gifte, wirken nicht nur, wenn sie direkt durch Verwundung in die 
Blutbahn gelangen, sondern auch, wenn sie durch den Magen dem 
Körper mitgeteilt werden. Wer mit vergifteten Waffen zur Be- 
schaffung von Nahrung jagt, der muß schnell erbeuten, also über 
sehr starke Gifte verfügen. Langsam wirkende Gifte, die dem Wild 
eine längere Flucht gestatten, vor allem solche, die erst nach weit- 
gehender Durchseuchung des Körpers wirken, kommen deshalb von 
vornherein gar nicht in Frage. Selbst wenn der paläolithische Jäger 
solche Gifte hat gewinnen können, was mir sogar für den Jung- 
paläolithiker unwahrscheinlich ist, so hätte ihm. ihre Verwertung 
zumindesten einen Teil des mühevoll erlegten Jagdwildes ungenieß- 
bar in die Hände geliefert. Eine Steigerung der jagdlichen Renta- 
bilität, und allein von diesem Standpunkt aus ist die Jagd primitiver 
Stämme zu beurteilen, können wir deshalb in der Verwendung 
solcher langsam wirkenden Gifte nicht erblicken; wir müssen an- 
nehmen, daß der Paläolithiker nicht mit vergifteten Waffen gejagt 
hat. Hat aber der Jungpaläolithiker Herstellungsweisen solcher 
Gifte gekannt und läßt sich für die Einkerbungen an knöchernen 
Lanzen- und Pfeilspitzen im Vergleich mit den Waffen heutiger 
primitiver Stämme sehr wahrscheinlich machen, daß es sich um 
Giftrinnen handelt, so müssen wir viel eher an Kriegswaffen als 
an Jagd waffen denken. 



25 

iUs letzte und gewissermaßen indirekte Waffe ist schließlich 
noch der Grabstock zu erwähnen, der zur Anlegung von Fallgruben 
verschiedener Art — sie brauchen keineswegs stets groß gewesen 
zu sein, auch heute werden für große Tiere oft kleine Fallgruben 
hergestellt, in denen nur ein Bein des Tieres sich fängt — Ver- 
wendung finden konnten. Schon der diluviale Mensch ist ein Alles- 
esser gewesen, der einen Teil seiner Nahrung der Pflanzenwelt ent- 
nommen haben wird. Wie heute eßbare Wurzeln und Knollen 
überall, wo sie vorkommen, von den Eingeborenen gesammelt, resp. 
gegraben werden, so wird auch der diluviale Mensch Europas die 
unter der Oberfläche liegenden eßbaren Pflanzenteile gekannt und 
herausgeholt haben. Die Erfindung eines einfachen, zweckmäßigen 
Grabegeräts, eines Grabstockes, wie ihn die Buschmänner heute 
noch führen, wird deshalb eine der frühesten Erfindungen gewesen 
sein, die . die Menschen gemacht haben; und wir können den Paläo- 
lithikern den Besitz eines solchen, natürlich nicht überlieferbaren 
Gerätes ohne weiteres zusprechen. 

Wir dürfen uns also den Menschen der alt- und vor allem der 
jungpaläolithischen Zeit als mit Wurf- und Stoßwaffen wohl aus- 
gerüstet vorstellen, allerdings im Altpaläolithikum, und das werden 
spätere Abschnitte wahrscheinlich machen, noch kaum in dem Maße 
bezüglich der Durcharbeitung und Wirksamkeit der Waffen, wie es 
die im vergangenen Jahrhundert ausgerotteten Tasmanier gewesen 
sind. Diese Bewaffnung des Paläolithikers, die angesichts der Welt, 
in der er lebte, keineswegs stark, herrschaftssichernd erscheint, wurde 
zweifellos ergänzt durch eine genaue Kenntnis von der Lebensweise, 
der Wehr- und Fluchtkraft der einzelnen Tiere. Mit zahlreichen 
Listen, gelegentlich vielleicht unter Zuhilfenahme von Verkleidungen, 
wie sie heute noch üblich sind, hat er seine Waffen mindestens mit 
•dem Erfolg geführt, der zur Sicherung seiner Existenz nötig war. 
An der Hand der paläolithischen Höhlenmalereien hat Profe 1. c. 
Anm. 3 gezeigt, daß der diluviale Jäger des Jungpaläolithikums mit 
der Anatomie der Tiere wohl vertraut war und sehr genau die 
Stellen kannte, an denen ein Speer oder ein geschleuderter Pfeil 
am wirkungsvollsten angebracht werden konnte. 

Völlig entbehrte der diluviale Mensch aber einer Jagdhilfe, die 
sich heute bei Stämmen aller Zonen, hoch- wie niedrigstehenden 
weit verbreitet findet, der gezähmten Tiere. Weder Reit- noch 
Tragtiere, wie Pferd, Rentier, Rind, noch den wertvollsten Jagd- 
gehilfen, den Hund hat er besessen. Das läßt sich für alle paläo- 



26 

lithischen Kulturstufen mit Sicherheit behaupten: niemals zeigt das 
in den Küchenabfällen überlieferte Knochenmaterial zähmbarer 
Arten eine solche Zusammensetzung nach Altersstufen, daß auf 
einen Schlachtverbrauch gezähmter Tiere geschlossen werden müßte, 
in keinem Falle fanden sich anatomische Anzeichen einer Domesti- 
kation; und nie sind an den Knochen der Beutetiere Nagespuren 
gefunden worden, wie sie beim Besitz des gezähmten Hundes un- 
bedingt zu erwarten wären. 

Der diluviale Mensch war Jäger durchaus aus eigener Kraft. 



III. Die Stellung des diluvialen Jägers 
innerhalb der diluvialen Tierwelt. 

Mit der Bewaffnung haben wir bisher nur den einen Faktor 
kennen gelernt, der Art und Ausmaß einer Jagd bestimmt, gewisser- 
maßen nur die positive Seite in der Stellung des paläolithischen 
Jägers. Es gibt aber noch eine andere, die man als negative Seite 
bezeichnen kann und die bei Beurteilung der vorzeitlichen Jagd 
nicht übersehen werden darf: ich meine die vielerlei Einschränkungen, 
die die jagdliche Betätigung damals von Seiten der Umwelt erfuhr. 
Der Mensch war nicht der einzige Jäger im diluvialen Europa, er 
selbst war nicht nur Jäger, sondern auch Beute. Außer vielartigen 
Pflanzenfressern war unsere diluviale Tierwelt reich an großen 
Raubtieren. Der Löwe (Felis spelaea), der Panther (Felis pardus» 
magna, antiqua), 2 große Bären (Ursus spelaeus und Ursus arctos), 
2 Hyänen (Hyaena spelaea und striata), der Wolf (Canis lupus) und 
der Luchs (Felis lynx) sind zur Zeit der paläolithischen Jäger bei 
uns verbreitet gewesen und in vielen Gebieten, z. B. Thüringen zur 
letzten Zwischeneiszeit mit Ausnahme der Hyaena striata, gleich- 
zeitig vorgekommen. Es ist sehr zu beachten für die uns beschäfti- 
gende Frage, daß gerade die gefährlichsten unter diesen Raubtieren 
ihre lebenden Verwandten an Größe ganz beträchtlich, bis zu x / z 
übertrafen, — das gilt für den Löwen, zum Teil für den Panther, 
in hohem Maße für den Höhlenbären, der unter allen bekannten 
fossilen und rezenten Bären die gewaltigsten Ausmaße erreichte, und 
schließlich auch für den braunen Bären, der mächtiger als seine 
heute in Asien und Europa lebenden Nachkommen dem gefürchteten 
Grizzlybären Nordamerikas an Größe und r >hl auch an Wildheit 
gleichkam — , während unter den paläolithLchen Jägern die älteren, 
die Neandertalrasse und die Aurignacrasse gerade auffallend klein- 
wüchsig waren und nur eine Körpergröße von etwa 1,6 m erreichten. 
Erst die jüngere diluviale Rasse von Cro-Magnon, zu deren Leb- 
zeiten Panther, Höhlenbär und die Hyänen teilweise erloschen, teil- 



28 

weise aus Europa verschwunden waren, zeigte einen höheren Wuchs 
mit Körpergrößen bis 1,9 m. Gerade in den Zeiten, als die meisten 
und die größten Raubtiere in Europa hausten, sind die kleinsten 
der paläolithisehen Menschenrassen bei uns heimisch gewesen, so daß 
schon deshalb, sehen wir ganz von der immerhin bescheidenen Be- 
waffnung dieser Menschen ab, die allgemeine Stellung dieser Jäger 
innerhalb der sie umgebenden Tierwelt als weit ungünstiger gelten 
muß, als die der meisten lebenden primitiven Rassen, in deren Wohn- 
oder Wanderbereich Löwe, Tiger, Panther und andere große Raub- 
tiere verbreitet sind. 

Diese Raubtiere waren nicht nur gefährliche Konkurrenten, die 
vielfach vom Jäger angeschossenes Wild wohl vor ihm erbeuteten, 
oder den Jäger überhaupt an einer weiteren Verfolgung hinderten, 
sie waren sicherlich auch die Feinde des Jägers, denen er jährlich 
einen nicht unbeträchtlichen Tribut zu zahlen hatte. Wir werden 
uns davon am ehesten einen ungefähren Begriff machen können mit 
Hilfe einiger, einer englischen Statistik entnommenen Zahlen über 
die Opfer, die die großen Raubtiere noch gegenwärtig, wo Feuer- 
waffen eine so weite Verbreitung haben, vom Menschen fordern. 

In Indien wurden 1911 allein vom Tiger 767 Menschen getötet; 
in China werden jährlich Tausende den Tigern, Wölfen und Bären 
zur Beute. Im Amurgebiet wurden 1909 während des kurzen sibi- 
rischen Sommers 200 Menschen vom Tiger zerrissen und im gleichen 
Jahr sollen etwa 5300 Menschen in Sibirien den Bären und Wölfen zum 
Opfer gefallen sein. Entsprechende Zahlen werden aus dem Ver- 
breitungsgebiet des Löwen gemeldet. In Uganda, das längst durch 
eine Eisenbahn erschlossen ist, wurden von Löwen im Jahre 1909 
22 Europäer, 12 Inder und 167 Eingeborene getötet. Auf 200 schätzt 
man in Portugiesisch-Ostafrika, auf etwa 600 im Kongogebiet die 
jährliche Zahl der menschlichen Opfer. Und in all diesen Fällen 
handelt es sich um Menschen und Menschenrassen, die ungleich 
besser als die paläolithisehen Jäger, zum weitaus größten Teil mit 
Gewehren bewaffnet sind; zum größeren Teil um Rassen, die seßhaft 
sind und deshalb in viel höherem Maße sich Schutz- und Abwehr- 
mittel schaffen können als der nomadisierende paläolithische Mensch. 
Auch vor Einführung der Feuerwaffen waren sie ungleich besser 
bewehrt als der Paläolithiker, fast alle kannten und verarbeiteten 
das Eisen, alle besaßen den Bogen. Und trotzdem haben die Ein- 
geborenenstämme in verschiedenen Teilen Afrikas jahrhundertelang 
vergeblich versucht, den Löwen wenigstens aus der Nähe ihrer Siede- 



29 

hingen zu vertreiben; es ist ihnen nicht gelungen, ihren Bedränger 
ohne Hilfe europäischer Waffen erfolgreich zu bekämpfen In welchem 
Maße muß dann erst der paläolithische Jäger, dem außer dem ge- 
waltigen Höhlenlöwen noch zahlreiche andere Raubtiere gefährlich 
waren, in seiner ganzen Lebenshaltung von der tierischen Umwelt 
abhängig gewesen sein, wie stark erscheint dadurch seine Bewegungs- 
freiheit als Jäger eingeschränkt! Nicht unter einem freien Wollen 
allein, sondern in Wechselwirkung mit einem zumeist viel stärkeren 
Müssen haben sich seine Jagd und seine Jagdmethoden herangebildet. 
Wir begreifen, welche ungeheuere Bedeutung die Kenntnis des Feuers, 
das auch der Altpaläolithiker schon zu benutzen gelernt hatte, für 
die Entwicklung des Menschengeschlechts gehabt haben muß. Es 
schützte ihn, der keineswegs immer in Höhlen gehaust hat oder 
hausen konnte, des Nachts vor den Raubtieren und bewahrte die bei 
einem nomadisierenden Jägerleben naturgemäß nur volkarmen Horden 
vor starken, den Bestand gefährdenden Abgängen. Diese Waffe be- 
saß er vor allen anderen Tieren gegen seine Tierfeinde, sie allein 
ermöglichte ihm den Aufstieg und sicherte ihm nach langem Bingen 
die Herrschaft, die er in altpaläolithischer Zeit auch über einen kleinen 
Wohn- oder Wanderbereich noch keineswegs besaß. 

Nicht die Waffen allein über die der Paläolithiker verfügte, 
bestimmten die Methoden seiner Jagd und die Grenzen seiner Jagd- 
erfolge, sondern mindestens in gleichem Maße auch die in der tieri- 
schen Umwelt liegende ständige Drohung. Nicht nur zu erbeuten, 
sondern auch nicht Beute zu werden, war sein Bemühen. Seine 
Jagd war ein Kampf, nicht nur mit den zum Teil recht wehrhaften 
Beutetieren unter den Pflanzenfressern; und der Mensch der Dilu- 
vialzeit erscheint keinesfalls, wie manchmal schon behauptet worden 
ist, als ein Vernichter der Tierwelt. Er wird unter den geschilderten 
Umständen keineswegs der erfolgreichste Jäger der Diluvialzeit, 
wenigstens nicht vor und in der altpaläolithischen Zeit gewesen 
sein, zweifellos haben die großen Raubtiere unter den Pflanzen- 
fressern ungleich zahlreichere Opfer gefordert. Und wenn das über- 
lieferte Material manchem gegen eine solche Auffassung zu sprechen, 
die an vielen Orten erhaltenen, zum Teil sehr zahlreichen Beute- 
reste des menschlichen Jägers gerade auf außerordentlich erfolgreiche 
Jagd des Menschen hinzudeuten scheinen, so vergißt eine solche be- 
denkenfreie Beurteilung allein auf Grund der überlieferten Beute- 
masse einen durchgreifenden biologischen Unterschied zwischen den 
menschlichen und den tierischen Jägern. Die meisten Raubtiere? 



30 

der Löwe, der Panther, der Luchs, der Wolf, der braune Bär ver 
zehren ihre Beute im Dickicht des Waldes, in der Hauptsache jeden- 
falls an Orten, wo für die Überreste der Mahlzeiten, ehe sie völlig 
vergingen, keine oder äußerst geringe Aussichten bestanden von ge- 
steinsbildenden Ablagerungen irgendwelcher Art eingedeckt und 
so erhalten zu werden. Der Mensch aber wählte seinen Lagerplatz, 
wo die Beute verzehrt wurde, nach Ausweis zahlloser paläolithischer 
Stationen offenbar vor allem von dem Gesichtspunkt aus, gegen 
Überfälle durch Raubtiere oder feindliche Horden völlig oder doch 
soweit als möglich geschützt zu sein; und diese Schutzplätze waren, 
wie wir sogleich sehen werden, vorzugsweise Stellen der Gesteins- 
bildung. In vielen Fällen, besonders im Jungpaläolithikum, wo wir 
den wandernden Jäger mitten in den Lössteppen antreffen, mögen 
auch andere Rücksichten mitgesprochen haben, jedenfalls können wir 
heute den besonderen Vorteil einer Lagerstelle im Sinne einer Siche- 
rung gegen Angriffe dort nicht mehr erkennen, der für die weit- 
aus größere Menge aller ausgegrabenen Stationen ganz offensichtlich 
ist. In der Hauptsache lassen sich die Lagerstellen nach dem ge- 
nannten Gesichtspunkt auf 3 Ortlichkeiten verteilen. Der diluviale 
Jäger verzehrte seine Beute: 

1 . In Höhlen und vor allem an Höhleneingängen, vor breiteren 
Felsnischen, unter Felsdächern, alles Ortlichkeiten, die neben Wetter- 
schutz mindestens auf einer Seite vor Angriffen sicherten. Hierher 
gehört weit über die Hälfte aller paläolithischen Stationen. 

2. Am Ufer von Flüssen und Bächen und wahrscheinlich vor- 
zugsweise dort, wo eine U-förmige Flußschlinge wenigstens 2 oder 
3 Seiten des Lagerplatzes vor Überfällen schützte. Von solchen 
Stellen aus, die bei Hochwässern überflutet, bei Stromverlegungen 
ins Strombett versetzt werden konnten, sind Artefakte und Beute- 
reste recht häufig in den Wasserbereich und in die Sand- und Kies- 
massen geraten. Als Fundstellen dieser Art seien genannt Markklee- 
berg, Hundisburg, Amiens, Abbeville und Rohrbach bei Heidelberg. 

3. An Seen und Tümpeln, auch hier auf vorspringenden Land- 
zungen kleineren und größeren Ausmaßes, auf Trockenstellen in über- 
wässerten Gebieten, die gegen Überfälle einen ersten Schutz boten. 
Als Beispiele nenne ich die paläolithischen Stationen im Beckenton 
von Rabutz, im Tuffkalke von Taubach, Ehringsdorf, Weimar, 
Bilzingsleben. 

Alle diese Stellen, einschließlich der freien Stationen im Löß, 
sind für Gesteinsbildung, für Überdeckung der Beutereste und ihre 



31 

Erhaltung außerordentlich günstig. Wir dürfen sagen, der Mensch 
verzehrte seine Beute vorzugsweise an Stellen dauernder oder in 
kurzen Intervallen intermittierender Gesteins bildung. Deshalb ist 
uns so viel von seinen Jagdzügen erhalten. Ein biologischer Unter- 
schied bedingt hier also letzten Endes den Unterschied im Grad 
der Überlieferung menschlicher und tierischer Jagdbeute und läßt 
bei flüchtiger Betrachtung den Menschen gegenüber den Raubtieren 
als einen viel gewaltigeren Jäger erscheinen. Dort aber, wo die 
Beute der Raubtiere einmal unter ähnlich günstigen Bedingungen 
eingedeckt und erhalten werden konnte, erweist sich der Jagderfolg 
der Tiere als mindestens ebenso bedeutend. Man denke nur an die 
zahllosen, von Menschen nie besiedelt gewesenen Höhlenbärenhorste 
Schwabens, Frankens, Polens, Dalmatiens und Frankreichs, — das 
Verhältnis zwischen den nur von Höhlenbären und den auch zeit- 
weilig von Menschen „besiedelt" gewesenen Höhlen mag mit 90 : 10 
eher zu niedrig als zu hoch gegriffen sein, — und die Fülle der 
dort aufgefundenen Knochen der von Bären geschlagenen Tiere. 
Ich nenne nur einige bekanntere und besonders ergiebige Höhlen: 
Charlottenhöhle bei Hürben, Hohlenstein im Lonetal, Sibyllenloch 
an der Teck, Arnsteinhöhle bei Mayerling, Tischoferhöhle bei Kuf- 
stein. Man denke an die Hyänenhorste (Lindentaler Hyänenhöhle, 
zeitweise; Irpfelhöhle in Schwaben; Rösenbeckerhöhle im Kreise 
Brilon; die Ofnet (zeitweise) und andere), die vom Elephantenkalb 
an bis hinab zu den größeren Arten der Mikrofauna — die Beute- 
reste kleinerer Raubtiere und der Raubvögel kommen hier nicht in 
Betracht — , Reste fast aller damals lebenden Tiere geliefert haben, 
genau so wie die heute von Hyänen bewohnten Höhlen in ihrem 
Knochenmaterial Reste von allen möglichen Tieren, Kamel, Büffel, 
Ochse, Schwein, Hund, Schaf usw. enthalten 6 ). 

Als Opfer von Höhlenbär und Hyänen haben aber auch in den 
von Menschen ein- oder mehrmals aufgesuchten Höhlen eine größere 
Anzahl von Tierresten zu gelten, die oft fälschlich der menschlichen 
Jagdbeute zugezählt werden. Was uns als Beute allein dieser beiden 
Raubtiere erhalten ist, steht den bisher ausgegrabenen Beuteresten 
des menschlichen Jägers keineswegs nach. Wir dürften das mit 
noch größerer Sicherheit behaupten, wenn nicht viele Raubtier- 
höhlen, nachdem man durch Probegrabungen das Fehlen mensch- 
licher Spuren festgestellt hatte, gar nicht ausgegraben worden wären. 

6 ) Brief des Kapitäns Sykes aus Poona an Buckland. Edinb. new. phil. 
Journ. 1827. Referat im Neuen Jahrb. f. Min. 1828, S. 73. 



Und dabei handelt es sich doch nur nm die Bente von zwei unter 
acht großen diluvialen Raubtieren. Von der Beute der anderen 
sechs, und zweifellos auch vom beträchtlichsten Teil der Beute des 
Höhlenbären und der Höhlenhyäne, ist uns nur ein ganz minimaler 
Bruchteil überliefert worden. Das gilt naturgemäß auch für den 
beträchtlichsten Teil der menschlichen Beute; bezüglich der besseren 
Erhaltungsbedingungen infolge anderer Wahl des Lagerplatzes 
bleibt für die menschliche Beute gegenüber der tierischen aber 
eine sehr starke Vorzugsstellung bestehen, die bei Bewertung der 
paläolithischen Jagderfolge volle Berücksichtigung verdient. 

Ebensowenig darf ein zweites einschränkendes Moment über- 
gangen werden; das Knochenmaterial einer Fundstelle, ja gelegent- 
lich das einer Fundschicht entstammt der Beute mehrerer oder 
vieler, zeitlich um Monate, oft wohl um Jahre oder Jahrzehnte ge- 
trennter Jagdzüge. Wir dürfen die Zeiträume nicht unterschätzen, 
während deren das Beutematerial einer Fundstelle aufgehäuft wurde. 
An wenigen Stellen ist ein schlüssiger Beweis zu liefern, daß 
große Beute einem einzigen Jagdzug entstammt; daß eine uns heute 
einheitlich erscheinende Fundschicht nicht im Laufe mehrerer Jahre 
durch wiederholte, aber kurze Besuche geschaffen wurde. Wir wissen 
aus österreichischen Höhlen, daß der Mensch beim Herrichten seines 
Lager- oder Feuerplatzes in oder vor der Höhle den Boden nicht 
unberührt ließ; er wurde mehr oder weniger anges*chürft, nicht 
selten oberflächlich umgewühlt, so daß alte und neue Beutereste, 
alte und neue Aschen- und Holzkohlenreste sich mischten und 
schließlich aus wiederholter Anwesenheit, aus dem Material ver- 
schiedener Jagdzüge eine für uns vielfach nicht mehr im einzelnen 
trennbare Fundschicht mit den Artefakten einer Kulturperiode ent- 
stand. Wir treffen in vielen Kulturschichten neben den Knochen 
der menschlichen Beutetiere in großer Zahl die Knochen kleiner 
und kleinster Säuger und Vögel, die nur in Raubvogelgewöllen in 
den Bereich der Kulturschicht gelangt sein können. Da Raub- 
vögel über Stellen, an denen der Mensch einen Lagerplatz bezogen 
hat, erstens der Beunruhigung, zweitens des aufsteigenden Feuer- 
rauchs halber, nicht ihren Ruhesitz zum Fressen wählen werden; 
da oberhalb solcher Lagerstellen horstende Raubvögel durch längeren 
Aufenthalt des Menschen unbedingt vergrämt werden müssen, so 
beweisen Gewöllreste in Kulturschichten stets einen intermittierenden 
Besuch des Lagerplatzes durch den Menschen, und damit eine inter- 
mittierende, vielleicht über viele Jahre oder Jahrzehnte sich hin- 



33 

ziehende Entstehung einer uns einheitlich scheinenden Kultur- 
schicht. 

Unter solchen Umständen können selbst große Beutezahlen nicht 
mehr als Beweise gelten für besonders große Jagderfolge des 
paläolithischen Jägers, am wenigsten dort, wo sich die Beutemasse 
über mehrere, durch die eingelagerten Artefakte unterschiedene 
Schichten verteilt. 

Mit diesen prinzipiellen Einschränkungen bezüglich der allge- 
meinen Bewertung der menschlichen Beutereste soll keineswegs aus- 
geschlossen werden, daß unter besonders günstigen Umständen die 
jagdlichen Erfolge des paläolithischen Jägers beträchtliche gewesen 
sein können, gelegentlich schon in altpaläolithischer Zeit, in höherem 
Maße schließlich im Jungpaläolithikum. In dieser Zeit hatte sich 
das Verhältnis zwischen Jäger und Beutetier durch die höhere 
kulturelle Entwicklung der Jäger und ihre wesentlich vervoll- 
kommnete Bewaffnung (Speer und Pfeilspitzen aus geglättetem 
Knochen und Geweih) sehr zugunsten des Jägers verschoben; neue 
aussichtsreichere Jagdmethoden müssen möglich geworden sein. Der 
Jäger wird von dieser wachsenden Überlegenheit in vollstem Maße 
Gebrauch gemacht haben, zumal in der Bewertung der Beutetiere 
ebenfalls ein Umschwung eingetreten war. Der Jungpaläolithiker 
jagte nicht mehr allein unter dem Gesichtspunkt der Nahrungs- 
gewinnung, er jagte auch zwecks Gewinnung von Knochen und 
Geweihmarterial, die zu "Werkzeugen und Waffen verarbeitet wurden. 
Das bedeutete ohne Zweifel einen neuen Ansporn und damit letzten 
Endes eine nicht unwesentliche Steigerung seiner Beute. Auch aus 
dieser Zeit sind aber Fundstellen mit bemerkenswerter oder wenigstens 
auffällig großer Beute selten. Ziemlich erfolgreich sind die Aurigna- 
cien Jäger in den Lößsteppen Österreichs und Mährens gewesen, wenn- 
gleich hier keineswegs alle in den Kulturschichten gefundenen Tier- 
reste als menschliche Beute betrachtet werden müssen oder dürfen. 

Das gilt besonders für die Kulturschicht im Lößhügel von 
Predmost, die neben vielen anderen Tierarten, vor allem von Pferd, 
Rentier, Wolf und in überragendem Maße vom Mammut Knochen- 
reste geliefert hat. Nach den Tatsachenangaben in der Literatur 
habe ich 1912, 1. c, Anm. 1, die Anzahl der hier gefundenen Mammute 
auf 200 — 300 geschätzt. Absolon 7 ) möchte ihre Zahl mit Maska 
auf etwa 1000 beziffern, was mir zu hoch gegriffen scheint, es dürfte 

7 ) In K 1 a a t s c h - Heilbronn, Der Werdegang der Menschheit und die Ent- 
wicklung der Kultur. Bong, Berlin 1918. 

So er gel, Die Jagd der Vorzeit. 3 



34 

maximal mit 5 — 600 zu rechnen sein. In dieser Fundstelle sehen 
manche den Beweis für eine außerordentlich erfolgreiche Jagd des 
paläolithischen Menschen. Ich habe demgegenüber schon 1912 die 
Gründe aufgeführt, die einer Auffassung der in Predmost über- 
lieferten Mammutknochen und -Zähne als Beutereste des mensch- 
lichen Jägers durchaus widerstreiten. Aus den Fundverhältnissen. 
dem häufigen Vorkommen großer Knochen, die der menschliche Jäger 
niemals von einer entfernt gelegenen Erbeutungsstätte zum Kalkstein- 
felsen von Predmost geschleppt haben kann (denn viele dieser 
Knochen, wie Unterkiefer, Schädel, Becken, Schulterblatt usw. boten 
weder an sich, noch durch das ihnen ansitzende Fleisch ent- 
sprechende Vorteile) und aus dem nach Maska verhältnismäßig 
häufigeren Vorkommen von größeren zusammenhängenden Skelett- 
teilen geht eindeutig hervor, daß die Mammute an der Stelle ihrer 
späteren Auffindung oder doch in unmittelbarer Nähe verendet sind. 
Hätte sie der Mensch hier erlegt, so könnte er sie doch niemals 
einzeln nacheinander oder in kleinen Trupps auf irgendeine Weise 
erbeutet haben. Denn alle Elephanten sind sehr vorsichtige und 
scheue Tiere, die durch eine häufige Beunruhigung, wie sie schon 
der Anfang einer solchen Jagdperiode gewesen sein müßte, auf 
lange Zeit, und hält die Beunruhigung an, dauernd aus dem Gebiet 
vertrieben worden wären. 

Wären die Mammute dem Menschen zum Opfer gefallen, so 
hätte er sie alle auf einmal erbeuten müssen; an mehrere, zeitlich 
um Jahre getrennte Jagdzüge an der gleichen Stelle kann nicht 
gedacht werden, da die große Fundschicht nach allen Mitteilungen 
einheitlich war und sterile Zonen, wie sie in einer jagdfreien Zwischen- 
zeit durch neue Lößüberwehungen usw. hätten entstehen müssen, 
gänzlich fehlen. Der Mensch müßte also eine sehr große Herde 
erbeutet haben, und das wäre nur mit Hilfe von Steppenbränden 
möglich gewesen, wie sie heute noch in Afrika bei den Elephanten- 
jagden der Eingeborenen die wesentlichste Rolle spielen. Heute 
sind von den gut bewaffneten Jägern viele hunderte, ja tausende 
nötig, um mit dieser Jagdmethode Herden bis zu 50 Stück zu er- 
beuten. Wie volkreich müßte der Predmoster Jägerstamm gewesen 
sein, um 2 — 300 oder gar 5 — 600 Mammute auf einmal einzukreisen 
und zu töten? Wo wir heute jagende Nomadenstämme antreffen, 
die Buschmänner im tropischen Afrika, oder die Tungusen im nörd- 
lichen Sibirien: stets ist ihre Volkszahl sehr gering, stets jagen sie 
in kleinen Horden, ja teilweise nur in Familien. Wo sie sich vor- 



35 

übergehend für bestimmte Jagden zu größeren Horden vereinigen, 
wie die Tungusen zu ihren Rentierjagden im Herbst, da pflegt die 
Zahl der Jäger die hundert kaum zu übersteigen. Wochen und 
Monate müßten sie aus ihrem weiten Wanderbereich sich sammeln, 
um zu vielen hunderten oder tausenden zusammenzukommen. Nach 
allem, was wir aus den paläolithischen Funden erschließen können, 
ist es damals nicht anders gewesen; in volkarmen Horden war der 
Mensch spärlich über sehr große Gebiete verteilt. Mag der Pred- 
moster Jägerstamm relativ volkreich gewesen sein, für Mammut- 
jagden mit Hilfe von Steppenbränden war er auf jeden Fall zu 
klein, er hätte auf diese Weise auf einmal nicht 30, geschweige 
denn 500 oder mehr Tiere erbeuten können. 

Soviel sich gegen die Auffassung der Predmoster Mammutreste 
als Beutereste des menschlichen Jägers geltend machen läßt, soviel 
spricht dafür, daß der Mensch hier eine verendete Herde vorfand, 
ja alle Momente finden nur bei dieser Deutung eine befriedigende 
Erklärung. Dabei scheint es mir noch gar nicht einmal sicher, daß 
der Mensch das Leichenfeld bald nach Verenden der Tiere besucht 
hat. Im kalten Trockenklima der Lößzeit ist eine Verwesung sicher 
nicht so schnell wie in unserem heutigen humiden Klima voran- 
geschritten, oder doch in anderer Weise erfolgt. Frisch waren die 
Mammutkadaver beim Eintreffen der Jäger sicher nicht mehr. Das 
Sortieren einzelner Knochen auf Haufen deutet doch wohl darauf 
hin, daß schon damals die Knochen vom Fleisch entblößt waren 
oder doch leicht zu entblößen waren. Wer weiß, wie schwer sich 
frisches Fleisch vom Knochen löst, wird es von vornherein für sehr 
unwahrscheinlich halten, daß die Paläolithiker sich dieser Mühe unter- 
zogen hätten, nur um die Knochen, mit denen sie offensichtlich nichts 
weiter anzufangen wußten, teilweise sortiert auf Haufen zu stapeln. 
Auch dieses Moment spricht völlig gegen eine jagdliche Erbeutung 
der Mammute, besonders stark gegen eine Einzeljagd; es ist nur im 
Rahmen unserer Auffassung verständlich. Das gleiche gilt für das 
überaus zahlreiche Vorkommen des Wolfes, das bei Erbeutung der 
Mammute durch den Menschen, besonders bei der von Ab solo n 
neuerdings vertretenen Einzel jagd, biologisch gar nicht zu erklären 
ist. Nach meiner Ansicht sind die Wölfe ' vor dem Eintreffen des 
Menschen am Mammutleichenfeld gewesen und haben, wie heute 
noch die sibirischen Wölfe an den ausgetauten Mammutkadavern, 
sich an den Kadavern gütlich getan. Der Mensch hat sie dann, 
nachdem er viele erschlagen hatte, endgültig vertrieben. Nicht 

3* 



36 

wenige der Wolfsreste mögen allerdings von Tieren herrühren, die 
beim Kampf um die Beute von ihren Artgenossen zerbissen worden 
sind, wie es heute noch häufig vorkommt. Nahrung gaben dem 
Menschen vor allem Rentier und Pferd. Beide sind im Fund- 
material von Predmost in einer Anzahl vertreten, die auf ansehn- 
liche Jagderfolge hindeutet. Auch hier aber, wo die Mächtigkeit 
und der Inhalt der Fundschicht auf einen längeren Aufenthalt des 
Menschen hinweisen, müssen wir uns vor Überschätzung hüten. Hat 
das Mammutleichenfeld mehrere Horden des gleichen Stammes an- 
gezogen, so daß vielleicht gegen 100 Menschen sich hier über 
mehrere Monate aufgehalten haben, so erscheint auch die Beute an 
Rentier und Pferd nicht mehr so außerordentlich. Bei Erwägung- 
aller Umstände, bei Einrechnung der Zeit als wichtigen Faktor zur 
Beurteilung von Beuteresten verliert auch Predmost sehr viel von 
seiner außergewöhnlichen Stellung. Es erweist recht erfolgreiche 
Jäger, aber keineswegs den menschlichen Jäger als einen Vernichter 
der Tierwelt. 

Eine Sonderstellung unter allen paläolithischen Stationen nimmt 
die Fundstelle am Fuß des Felsens von Solutre ein. Hier sind mit 
den SjDuren menschlicher Tätigkeit und den Knochen von allerhand 
Beutetieren untermischt die Reste von etwa 10000 Pferden — wie 
diese Zahl berechnet wurde, entzieht sich meiner Beurteilung — auf- 
gefunden worden. Zur Erklärung einer solchen gewaltigen An- 
häufung von Knochen getöteter Tiere wird zu berücksichtigen sein: 

1. Daß der vorn steil abstürzende, nach hinten allmählig ein- 
nachende breite Felsen von Solutre einzig günstige Jagdmöglich- 
keiten gerade auf Pferde bot; (Hierzu ist ergänzend zu bemerken, 
daß nicht alle in den Resten vertretenen Pferde an Ort und Stelle, 
also durch Treiben von Pferdeherden gegen den Felsrand erbeutet 
worden zu sein scheinen. Es sollen im Knochenmaterial die vier 
Füße und Kiefer am häufigsten sein, Wirbel seltener. Das würde 
darauf hindeuten, daß auch von entfernt gelegenen Jagd- resp. Er- 
beutungsstellen erlegte Tiere als Balg, in dem wohl die besten Fleisch- 
teile transportiert wurden, an die Lagerstelle am Fuß des Felsens 
von Solutre geschafft worden sind. Da auch diese anderen Jagd- 
stellen für eine erfolgreiche Jagd resp. Treibjagd unverhältnismäßig 
günstig gewesen sein können, so wird durch einen Nachweis ver- 
schiedener Jagdstellen unsere Annahme besonders günstiger Jagd- 
möglichkeiten nicht widerlegt, vielleicht etwas eingeschränkt.) 



37 

2. Daß zahlreiche Generationen an diesem Jagderfolg beteiligt 
gewesen sein dürften, also mit sehr vielen Jahren zu rechnen ist. 
Trotzdem muß der Jagd erfolg an dieser Stelle als beträchtlich gelten; 
er zeigt uns, daß der diluviale Mensch selbst höherer Kulturstufen 
günstige Gelegenheiten in vollem Maße und immer wieder ausnützte, 
was uns umgekehrt aber auch auf eine gewisse Notwendigkeit zu 
solcher Ausnutzung, also auf einen im allgemeinen harten Lebens- 
kampf schließen läßt. Denn der wilde Jäger aast nach allen Er- 
fahrungen nicht mit dem Wild, technische Nutzung der Beute im 
großen, die mit der Entwicklung des Handels einsetzende Gewinn- 
sucht sind ihm fremd und sind niemals ein Antrieb gewesen für 
seine Jagd. 

Ausnahmsweise beträchtliche Anhäufungen menschlicher Jagd- 
beute, besonders wo sie offensichtlich auf Ausnahmen in der Jagd- 
möglichkeit beruhen, können nicht bestimmend sein für die allgemeine 
Beurteilung der paläolithischen Jagd; wir dürfen ihre Erfolge, wozu 
eine flüchtige Betrachtung des Fundmaterials einladen könnte, nicht 
überschätzen. Die Eingriffe des Menschen in die Säugetierwelt 
waren im Paläolithikum zweifellos geringer als die der Raubtiere, 
wesentlich geringer vor allem im Altpaläolithikum und der ihm 
vorangehenden Zeit. Stets war der Mensch nicht nur Jäger, sondern 
auch Beute. Seiner Jagd fehlte, und das kann nicht genug betont 
werden, jede Spur einer sportlichen Note, für die eine gewisse sichere 
Herrschaft über die Umwelt erste Voraussetzung ist. Mit List und 
Verschlagenheit und nicht nur mit Waffen, sondern auch mit der 
genauesten Kenntnis von der Lebensweise, der Wehr- und Flucht- 
kraft seines Wildes, der Fährlichkeit seiner zahlreichen Feinde aus- 
gerüstet," führte er seine Jagd. In zähem, hartem Kampf hat er 
sich behauptet und schließlich durchgesetzt. Unendlich langsam ist 
sein Aufstieg gewesen, ist er freier geworden gegenüber den ein- 
schränkenden Einflüssen der tierischen Umwelt, denen er in alt- 
paläolithischer Zeit in sehr hohem, in jungpaläolithischer Zeit noch 
in viel beträchtlicherem Maße unterworfen war, als heutige primitive 
Stämme, in deren Wohn- und Wanderbereich Löwe, Tiger, Bär, 
Wolf usw. verbreitet sind. 

Im Rahmen dieser Anschauungen über die Stellung des Men- 
schen innerhalb der diluvialen Tierwelt, zu denen wohl jeder kommt, 
der sich eingehender mit den Säugetieren der Eiszeit und den sie 
betreffenden biologischen Fragen auf Grund von Fundmaterial be- 
schäftigt hat, erscheint der in der neueren populären Literatur 



38 

wiederholt vorgetragene Gedanke, daß der Urmensch in einer frühen 
Zeit die Tiere mühelos erschlug, da sie ihn und die von ihm 
drohenden Gefahren nicht kannten, geradezu naiv. Klaatsch hat 
diesen Gedanken sogar als sehr fruchtbar bezeichnet für die Er- 
klärung einer schnellen Ausbreitung des Menschen über weite Ge- 
biete; denn wenn in einem Landstrich die Tiere mißtrauisch ge- 
worden, sich nicht mehr so leicht totschlagen ließen, so soll der 
Mensch einfach weitergezogen sein, um unter einer noch harmlosen 
Tierwelt wieder mühelos Beute finden zu können. (Daß zur An- 
nahme einer besonders schnellen Ausbreitung der Menschen gar kein 
Grund vorliegt, dafür also auch eine Erklärung gar nicht gefunden 
zu werden braucht, sei nur nebenher bemerkt. In der Diluvialzeit 
haben sich viele Tiere mindestens ebenso schnell über sehr große 
Gebiete verbreitet, ich erinnere nur an die Elefanten.) Diese Auf- 
fassung stützt sich im wesentlichen darauf, daß Polarreisende die 
Pinguine äußerst harmlos antrafen. Sie umdrängten die Menschen 
geradezu und ließen sich ohne Scheu von ihnen berühren. Die An- 
wendung dieser Beobachtung und anderer im Prinzip gleicher oder 
ähnlicher auf das ursprüngliche Verhältnis zwischen dem diluvialen 
Jäger und der diluvialen Tierwelt, erscheint als eine sehr unglück- 
liche. Zunächst war der Mensch wohl den Pinguinen, nicht aber 
der diluviale Mensch den diluvialen Tieren oder überhaupt seinen 
tierischen Zeitgenossen ein absolut unbekanntes Wesen. Er ist nicht 
als fertiger Jäger resp. ausgesprochener Fleischesser unter sie ge- 
treten. Die Tiere haben in altdiluvialer, wohl kaum schon in 
früherer Zeit, die Entwicklung des Menschen vom Pflanzen- zum 
Allesesser resp. Fleischesser gewissermaßen miterlebt. Diese Ent- 
wicklung dürfte mit dem Essen von Aas, das heute noch bei afrika- 
nischen Stämmen nicht unbeliebt ist, eingesetzt haben; allmählich 
wird der Mensch getrachtet haben, sich Fleisch durch Töten der 
Tiere zu verschaffen. Seine Jagd wird sich dabei zunächst auf 
kranke und altersschwache Tiere beschränkt haben müssen. Diese 
sicherlich über recht lange Zeiträume sich erstreckende Entwicklung 
hat die Tierwelt miterlebt; ihr läuft parallel eine Entwicklung resp. 
dauernde Ergänzung des Erfahrungsschatzes der Tiere, die längst 
dem Menschen gegenüber mißtrauisch und scheu geworden sein 
müssen, ehe dessen Kulturstufe ihm eine wirkliche Jagd gestattete, 
die mehr war als ein vorzeitiges Erbeuten des natürlichen Abgangs 
an kranken und schwachen Tieren. Wäre aber der Mensch unter 
der altdiluvialen Tierwelt Europas wirklich plötzlich als gewisser- 



39 

maßen fertiger Jäger resp. Fleischesser erschienen, so hätte er nicht, 
wie die Polarreisenden, in den von keinerlei Raubtieren bedrohten 
Pinguinen, harmlose und furchtlose Tiere angetroffen, sondern durch 
das Zusammenleben mit zahlreichen großen, ganz verschieden 
jagenden Raubtieren sehr scheue und vorsichtige und daneben 
zum Teil auch sehr abwehrgeübte Tiere, die mit einer auf Harm- 
losigkeit des Wildes gegründeten Jagdmethode keineswegs zu er- 
beuten, oder wie man gesagt hat, einfach totzuschlagen oder totzu- 
werfen waren. 

Die von Klaatsch und anderen vertretene Auffassung ver- 
kennt durchaus die Stellung des Menschen in der diluvialen Tier- 
welt und die Entwicklung, die der Mensch notwendigerweise vom 
Pflanzen- zum Allesesser reSp. Fleischesser durchgemacht haben 
muß. Je weiter diese Entwicklung zurückliegt, desto weniger be- 
rechtigt ist diese Auffassung für die diluviale Menschheit oder ihre 
ältesten Vertreter. Schließlich steht im Gegensatz dazu die am 
Beutematerial des diluvialen Menschen zu erweisende Tatsache, daß 
die Jagd des diluvialen Menschen durchaus nicht begann mit leicht 
zu erschlagenden Tieren; gerade große, plumpe, widerstandsfähige 
und zählebige Tiere, wie Elefant und Nashorn finden wir, wie ich 
1912 1. c. Anm. 1 gezeigt habe, vorherrschend in der Beute der 
älteren, stark zurücktretend in der Beute der jüngeren diluvialen 
Jäger, so daß die Entwicklung der Jagd zweifellos von besonderen, 
jedenfalls ganz anderen Momenten beherrscht wurde, als einer ein- 
fachen Zunahme des Mißtrauens, der Scheu, der Furcht der Tiere 
vor dem Menschen. 

Es ist von vornherein, und gerade in frühen Zeiten der Mensch- 
heit, kein „Siegeszug" gewesen, den der Mensch über die Erde an- 
trat, er ist es nach hartem Kampf erst geworden. 



IV. Die Jagd der diluvialen Menschen 
auf Fische, Vögel und kleinere Säugetiere. 

Fische, Vögel und kleinere Säugetiere haben im Haushalt der 
Paläolithiker eine meist nur bescheidene Rolle gespielt. Die Stellung 
dieser so verschiedenen Tiergruppen* zum diluvialen Menschen ist, 
vom Standpunkt der Jagdmöglichkeit betrachtet, in den Grundzügen 
ähnlich gewesen. In keinem Falle hatte der Jäger — von den 
großen Raubvögeln dürfen wir hier absehen — die "Wehrkraft der 
Tiere zu fürchten, die bei seiner Jagd auf das Großwild, wie spätere 
Abschnitte zeigen werden, oft von entscheidender Bedeutung war. 
Die Schwierigkeiten der Kleintierjagd lagen erstens in der geringen 
Größe des Wildes und der dadurch bedingten geringeren Treff- 
möglichkeit; zweitens in der Fähigkeit der Tiere, sich einer Ge- 
fährdung durch Flucht an Stellen zu entziehen, wohin ihnen der 
Mensch nicht folgen konnte oder die doch seiner Waffen Wirkung 
entrückt waren. Das gilt für Fische und Vögel ganz allgemein, für 
die kleineren Säugetiere insofern, als sie bei Gefahr sofort im Ge- 
strüpp, in selbstgegrabenen oder natürlichen Höhlen und Schlupfen 
Deckung suchen. Diese beiden Momente mußten für Jäger, die mit 
einfachen Waffen zum Nahrungserwerb jagten, die in vielen großen 
und kleinen Raubtieren starke, auch Fallen- und Schlingen] agd be- 
einträchtigende Konkurrenten besaßen, die Rentabilität der „Nieder- 
jagd" beträchtlich herabdrücken. Trotz dieser geringen Bedeutung 
der „Niederjagd" im Rahmen der diluvialen Gesamtjagd ist aber 
ihr spezielles Ausmaß in den einzelnen Kulturperioden, ihre spezielle 
Wildwahl, wie sie aus den überlieferten Beuteresten hervorgehen, 
für die Beurteilung der diluvialen Menschenarten, ihrer Lebensweise 
und ihrer Waffen von großem Interesse. 

1. Fische. 

Fischreste sind unter dem Beutematerial der Altpaläolithiker 
außerordentlich selten, sie fehlen weitaus den meisten, ja man darf 



41 

sagen, fast allen altpaläolithischen Kulturschichten. Unter den deut- 
schen Fundplätzen hat nur die große Fundschicht im Kalktaff von 
Taubach einige Fischwirbel geliefert, die, allerdings nicht mit abso- 
luter Sicherheit, als Beutereste des Menschen in Anspruch genommen 
werden dürfen. Gerade hier in unmittelbarer Nachbarschaft eines 
auch damals sicher fischreichen Flusses ist die außerordentliche 
Seltenheit von Fischresten sehr bemerkenswert; zumal mit einem 
vorzeitigen Vergehen, einer ungünstigen Überlieferungsmöglichkeit 
zarter Knochen bei dem zur Konservierung sehr geeigneten Gestein 
der Fundschicht nicht gerechnet werden kann. Ebensowenig kann 
lässiges, kleinere Objekte nicht beachtendes Aufsammeln der Fund- 
stücke die Ursache sein für das so gut wie vollständige Fehlen von 
Fischresten unter dem geborgenen Knochenmaterial, denn in den 
zahlreichen und reichhaltigen Fundschichten im Kalktuff von 
Ehrin gsdorf, die sehr genau und häufig unter Kontrolle von Fach- 
leuten abgesammelt werden, haben sich Fischreste nicht gefunden. 
Diese Tatsache kann schließlich auch nicht, und darauf möchte ich 
hier schon hinweisen, damit erklärt werden, daß der Mensch die 
Fische gleich an der Fangstelle roh gegessen hat, was bei einigen 
primitiven Jägerstämmen der Gegenwart gelegentlich vorkommt. 
Wo Fangplatz und Lagerplatz so nahe beieinander gelegen haben, 
wie es bei Taubach und Ehringsdorf damals der Fall gewesen sein 
müßte, da kann ein Aufzehren der Tohen Fischbeute abseits vom 
Lager- und Feuerplatz niemals die Regel gewesen sein. Und das- 
selbe gilt, vielleicht in noch höherem Maße für die altpaläolithische 
Fundschicht im Tonlager von Rabutz 8 ): Wie zahlreiche Funde von 
Hechten (Esox lucius) im Ton unter der Fundschicht beweisen, hat 
hier ehemals ein recht fischreicher See bestanden, an dem die Jäger 
wiederholt gerastet und ihre Jagdbeute zerlegt und gebraten haben. 
Und doch ist kein Fischrest aus der eigentlichen Fundschicht zu- 
tage gekommen. Diese Tatbestände, deren prinzipielle Bedeutung 
in Anbetracht des großen bisher untersuchten Beutematerials aus 
west- und mitteleuropäischen altpaläolithischen Stationen durch 
gelegentliche neue Fischrestfunde nicht geschmälert werden könnte, 
beweisen, daß der Altpaläolithiker, der Neandertalmensch, Fischfang 
und Fisch jagd planmäßig nicht, man darf sagen, überhaupt nicht 
getrieben hat. Daß seine Waffen und Geräte hierzu nicht geeignet 
gewesen seien, kann nicht als hinreichende Erklärung für diesen 

8 ) W. So er gel, Der Rabutzer Beckenton. Geologie, Paläontologie, Biologie. 
Veröffentl. des Provinzialmuseums zu Halle a. S. 1920. 



42 

merkwürdigen Befund gelten. Denn eine ganze Anzahl von- Fisch- 
arten unserer Gewässer, und zwar bis zu Längen von über 40 cm, 
lassen sich leichtlich mit der Hand fangen, und im Gebiet unkorri- 
gierter Flüsse und Bäche sind leicht kleinere Wasseradern oder Alt- 
wässer so abzudämmen, daß die abgesperrten Fische ohne besondere 
Waffen und Gerätschaften herausgeholt werden können. Beide 
Methoden werden in verschiedenen Varianten von heutigen primitiven 
Stämmen überall geübt. Nur von den ausgerotteten Tasmaniern 
wird angegeben, daß sie keinen Fischfang getrieben hätten; über 
diesen Stamm sind aber so widersprechende Mitteilungen veröffent- 
licht worden, daß man auch' diese Angabe nur mit Skepsis betrachten 
und sie nicht zur Grundlage besonderer Vergleiche machen kann. 
Daß dem Neandertalmenschen die übrige Tierwelt hinreichend 
Nahrung gab, er also auf Fische, gewissermaßen freiwillig, verzichten 
konnte, ist völlig unwahrscheinlich. Denn das Erjagen der größeren 
Säugetiere war für ihn, wie wir später sehen werden, recht mühe- 
voll und gefährlich, so daß der Verzicht auf den ungefährlichen 
und müheloseren Fischfang ganz unverständlich erschiene. Zum 
anderen wissen wir von heutigen primitiven Stämmen, daß sie alles 
Eßbare zu erlangen trachten und eine Abwechselung im Küchenzettel 
durchaus nicht unterschätzen. Der vollständige Verzicht auf eine 
auch ohne besondere Mühe erfolgreich zu betreibende Jagdart beim 
Neandertalmenschen, der einen viel schwereren Kampf um seine 
Existenz zu führen hatte als heutige primitive Stämme, muß deshalb 
unbedingt tiefere Ursachen haben. Und zwar kann bei einer solchen, 
im ganzen so tiefstehenden Menschenart nur eine natürliche, nicht 
eine aus abergläubischen Vorstellungen allein fließende Ursache in 
Frage kommen. Vielleicht darf man sie sehen in einer besonderen 
Abneigung des Neandertalmenschen gegen das flüssige Element, in 
dessen Nähe er wohl sehr häufig vor tierischen und menschlichen 
Feinden schutzbietende Lagerplätze suchte, mit dem er aber eine 
intensivere Berührung möglichst vermied. Diese Auffassung könnte 
eine gewisse Stütze darin erhalten, daß der Neandertaler nach seinen 
körperlichen Eigenschaften kein besonderer Freund des Wassers 
gewesen sein kann: er kann kein guter Schwimmer gewesen sein. Der 
plumpe und schwere Knochenbau, der unverhältnismäßig große, nach 
vorn gebeugt getragene Schädel müssen die Schwimmfähigkeit recht 
ungünstig beeinflußt haben. Dürfen wir in der Scheu vor dem 
Wasser den Grund erblicken für den sonst ganz unverständlichen 
Verzicht auf den Fischfang, dann würde sich gerade für die Menschen- 



43 

art, die in verschiedenen körperlichen Merkmalen (z. B. große, runde 
Augenhöhlen, starke, ineinander fließende Überaugenwülste, Art 
resp. Eeihenfolge des Zahnersatzes) anthropoide Züge trägt, auch in 
einem biologischen Zug eine auffällige Parallele mit den Menschen- 
affen ergeben. Denn auch diese scheuen in der freien Natur, wie 
überhaupt viele Affen, eine intensivere Berührung mit dem Wasser 
in hohem Maße; nirgends wird von Menschenaffen berichtet, daß 
sie schwimmen oder daß sie schreitend nicht zu tiefe, breitere 
Wasserläufe überqueren. Dagegen wissen wir, daß größere, nicht 
im Astwerk der Bäume zu passierende Flüsse für sie sehr beträcht- 
liche, ja unüberwindliche Hindernisse bilden, daß solche das Ver- 
breitungsgbiet stark zergliedernden Flüsse den dauernden Konnex 
innerhalb des Bestandes einer Art (Orang Utan) so weitgehend 
unterbunden haben, daß es zur Rassen- resp. Unterartbildung in 
verhältnismäßig junger Zeit gekommen ist. 

Besteht unsere Auffassung zu Recht, so liegt weiterhin der 
Gedanke nahe, daß vielleicht eine über das sonst beim Menschen 
übliche Maß weit hinausgehende oder sogar eine anders verteilte 
starke Behaarung des Neandertalmenschen dessen Wasserscheu 
wesentlich mitbedingt hat. Mit rein menschlichen Verhältnissen 
wird man bei dieser in der Mischung anthropoider und menschlicher 
Züge so merkwürdigen Menschenart auch hier keineswegs von vorn- 
herein rechnen dürfen. 

Wie dem aber auch sei, übersehen werden darf die auffällige 
Tatsache, daß der Neandertaler keinen Fischfang getrieben hat, 
nicht; besonders deshalb nicht, weil er in diesem Verhalten ganz 
isoliert steht gegenüber allen jüngeren Menschenrassen. Denn alle 
primitiven Stämme der Gegenwart fischen, soweit ihnen ihr Wohn- 
und Wanderbereich Gelegenheit bietet, und auch die Menschen- 
rassen des Jungpaläolithikum sind nebenher Fischer, zum Teil sogar 
recht eifrige Fischer gewesen. Vom Aurignacien an sind Fischreste 
in der Beute nicht mehr so selten. Neben dem Handfang gestatteten 
Knochenharpunen ein Speeren, Haken aus Knochen und Geweih 
ein richtiges Angeln der Fische. Mit der höchsten Entwicklung 
der Knochen- und Geweihbearbeitung im Magdalenien erreichten 
auch Fischjagd und Fischfang ihren Höhepunkt. Einen bedeuten- 
den oder gar ausschlaggebenden Anteil an der Gesamtbeute haben 
die Fische aber auch in dieser Periode nicht besessen; immerhin 
waren sie ein wichtiges, planmäßig beschafftes Nahrungsmittel, zu 
dessen * Erwerb eigene Geräte, Angelhacken, Harpunen mit Schaft- 



44 

ose gefertigt wurden, das auch in den Musestunden den jungpaläo- 
lithischen Jäger beschäftigte, wie einige Gravierungen beweisen, 
in denen Forelle, Hecht und Salm erkannt werden konnten. 

2. Vögel. 

Ein ähnlicher Unterschied zwischen Alt- und Jungpaläolithikum, 
wie wir ihn eben für Fischfang und Fischjagd kennen gelernt haben, 
besteht bezüglich der Vogeljagd. Vogelreste gehören in den alt- 
paläolithischen Stationen, jedenfalls im zweifellosen Beutematerial des 
Neandertalmenschen zu den größten Seltenheiten. In den reichen 
Fundschichten des Kalktuffgebietes von "Weimar-Ehringsdorf-Taubach 
sind nur ganz wenige Knochenreste von Vögeln gefunden worden; in 
der Fundschicht im Tonlager von Rabutz nur ein Knochen und 
einige Knochenfragmente. In Krapina fanden sich nur zwei Knochen 
eines Hühnervogels und mehrere Knochen eines großen Raubvogels 
(Adler?). Häufiger sind Vogelreste gelegentlich im Verband alt- 
paläolithischer Fundschichten angetroffen worden, die unter Fels- 
dächern oder in oben offenen Spaltenhöhlen entstanden sind. Die 
Mousterienschicht des Sirgenstein hat mehrere Knochen vom Moor- 
schneehuhn (Lagopus albus) und vom Alpenschneehuhn (Lagopus 
alpinus) geliefert. Hier ist aber gar nicht zu beweisen, daß es sich 
um menschliche Beutereste handelt. Viel wahrscheinlicher ist für 
diese Stelle die Deutung der Vogelknochen als Gewöllreste von 
Raubvögeln, zumal beide Vogelarten in der nächst jüngeren Schicht 
des Sirgen steinprofils, der unteren Nagetierschicht, die sich aus- 
schließlich aus Gewöllresten von Raubvögeln, vielleicht auch Beute- 
resten des Eisfuchses zusammensetzt, sehr zahlreich vertreten sind. 
Im* eiszeitlichen wie im zwischeneiszeitlichen Beutematerial der alt- 
paläolithischen Jäger Europas fehlen Vogelreste so gut wie ganz. 
Die sehr geringen Spuren, die hier und dort nachweisbar sind, 
können eine planmäßige Jagd nicht erweisen, sie deuten nicht einmal 
auf Gelegenheitsjagd, erklären sich vielmehr zwanglos aus dem Um- 
stand, daß streifenden Jägern auch einmal ein kranker oder von 
kleinen Raubtieren gebissener Vogel in die Hände fallen muß. 

Auch hier beanspruchen die Befunde im Kalktuffgebiet von 
Weimar-Ehringsdorf-Taubach entscheidende Bedeutung. Nach Aus- 
weis von Vogeleiern, die im Kalktuff, aber nicht im Bereich der 
durch den Menschen enstandenen Fundschichten, gefunden worden 
sind, waren eine ganze Anzahl verschiedener Wasservögel vorhanden, 
die im Röhricht der Kalktuff absetzenden Weiher nisteten. In Analogie 



45 

mit ähnlich Wassereichen Gebieten der Gegenwart dürfen wir an- 
nehmen, daß im Ilmtalgebiet zwischen Taubach und Weimar sogar 
ein reiches Vogelleben geherrscht haben wird. Wenn trotzdem in 
der Beute des Jägers Vögel und gerade die jagdbaren, zum Teil 
in Eiern nachgewiesenen Arten, der Wildschwan, die Wildgans, die 
Wildente fehlen, so ist offensichtlich Vogeljagd nicht getrieben 
worden. Und in gleicher Weise hat der Altpaläolithiker an dem 
sicher ebenfalls vogelreichen Rabutzer See diese reiche Nahrungs- 
quelle ungenutzt gelassen. 

Dieser völlige Verzicht auf Vogeljagd, auf Erbeuten eines zu 
allermeist nicht wehrkräftigen Wildes, ist wiederum sehr bezeichnend 
für den Neandertalmenschen und unterscheidet ihn von allen primi- 
tiven Jägerstämmen, die in vogelreichen Revieren leben. Auch 
von dieser Jagd kann ihn nur ein sehr gewichtiger Grund abgehalten 
haben. Zwei Erklärungen scheinen möglich. Hat er geeignete 
Wurfwaffen, etwa Bumerang ähnliche Wurfkeulen oder einfache 
Steinschleudern — und auf die letzteren könnten in französischen und 
spanischen Mousterienstationen gefundene Steinkugeln hindeuten — 
besessen, so hätte er sie nur auf die im Wasser schwimmenden oder 
die auffliegenden, nicht auf die im Röhricht versteckten Vögel 
anwenden können. Er hätte also die erlegte Beute aus dem Wasser 
holen müssen. Ist unsere oben geäußerte Auffassung von einer 
Wasserscheu des Neandertalers richtig, so hätte sie ihn ebenso von 
solcher Vogeljagd wie von der Fischjagd abhalten müssen. Unver- 
ständlich aber bliebe, daß er auch Landvögel, die doch ebenfalls in 
der letzten Zwischeneiszeit vorhanden waren und in der letzten 
Eiszeit nach Ausweis der Fände sogar sehr häufig gewesen sein 
müßen, vollständig verschont hat. Diese Tatsache beweist, daß nur 
in einer mangelhaften Bewaffnung der Grund für den vollständigen 
Verzicht auf Vogeljagd gesehen werden kann. Ich glaube deshalb 
nicht, daß der Neandertaler über Bumerang ähnliche Wurfhölzer 
oder über Steinschleudern von nur einiger Treffsicherheit verfügte; 
an den Besitz von Pfeil. und Bogen ist natürlich nicht im entferntesten 
zu denken. Aber auch Fallen- und der einfache Schlingenfang 
müssen ihm unbekannt gewesen sein, denn gerade der letztere hätte, 
wie die Wasservogel jagd heutiger einfacher Jägerstämme beweist, 
in der letzten Zwischeneiszeit mit größtem Erfolg im Ilmtal der 
Gegend von Weimar angewendet werden können; er hätte in 
glazialen Zeiten dem Jäger auf Schneehuhn und Birkhuhn, wie 
heute noch im skandinavischen Norden, reiche Beute gebracht. 



46 

Keine Spur dieser mühelosen, auch dem nomadisierenden 
Jäger möglichen und heute noch "von ihm geübten Jagd ist nach- 
weisbar. 

So erscheint uns der Neandertalmensch, der Träger der alt- 
paläolithischen Kulturen, als ein außerordentlich einfach struierter 
Jäger von sehr engem Gesichtskreis; seine geistigen Fähigkeiten, 
die uns die Jagd am vollständigsten wiederspiegelt, durchaus 
adäquat dem fast tierischen Gesichtsausdruck, den wir aus dem 
Schädel erschließen können; in seiner geistigen Beweglichkeit 
und Spannweite keineswegs vergleichbar mit den primitiven 
Jägerstämmen der Gegenwart und ebensowenig denen des Jung- 
paläolithikums. 

Der Eintritt des Jungpaläolithikums, das Erscheinen der Rasse 
von Aurignac und später der Cro-Magnon-Rasse in Europa, bedeutet 
für die Vogeljagd einen, wenn auch keinen tief einschneidenden 
"Wechsel. Auch jetzt noch spielen Vögel in der Beute eine recht 
untergeordnete Rolle, aber eine größere Anzahl von Vogelarten ist 
doch gelegentlich, eine sehr kleine Anzahl in planmäßiger Jagd 
erbeutet worden. "Wir können unsere Erörterungen auf die Arten 
beschränken, die durch wiederholtes sehr häufiges Vorkommen im 
Beutematerial auf eine planmäßige Jagd hindeuten; nur bei ihnen 
beansprucht die Frage nach der Jagdmethode ein höheres Interesse. 
Selten gefundene Arten können und werden wohl auch meist 
Zufallsbeute sein, aus der Schlüsse auf bestimmte Jagdmethoden nicht 
abgeleitet werden können, denn der wilde, stets aufmerksame und 
„schußbereite" Jäger trifft auf seinen Streifen gelegentlich alle 
möglichen, sonst für ihn nicht jagdbaren Tiere in solcher Situation, 
daß er sie mit an sich ungeeigneten Waffen erbeuten kann. Den 
Erfolg verdankt er einer zufälligen Situation, nicht eigentlich seinen 
Waffen und einer bestimmten Jagdmethode. Und solcher Beute 
sind die meisten nachweisbar oder wahrscheinlich von Menschen 
erlegten Vögel in den jungpaläolithi sehen Kulturschichten zuzu- 
rechnen. Eine Ausnahme bilden nur das Moorschneehuhn (Lagopus 
albus) und das Schneehuhn (Lagopus alpinusj. Und auch hier ist 
das Material der Fundschichten dort, wo neben Vogelresten Reste 
kleiner Säuger, besonders Nager häufig sind, wo überhaupt die ganze 
Situation die Möglichkeit offen läßt, daß Raubvogelgewölle in die 
Schicht hineingeraten sein können, mit großer Vorsicht zu benutzen. 
Die ungeheure Zahl von Schneehühnern (3112) und von Moorschnee- 
hühnern (2960;, die in den Magdalenienschichten der Felsnische 



47 

Pilisszäntö in Ungarn von Kormos 9 ) gefunden worden ist, muß wie 
Lambrecht gezeigt hat, ausschließlich auf das Konto von Raub- 
vögeln gesetzt werden. Das gleiche dürfte für die große Menge von 
Schneehühnern in der Magdalenienschicht des Schweizersbildes gelten, 
wenngleich hier — am Schweizersbild haben sich „sehr zahlreiche 
Knochen des ganzen Skeletts" (S tu der 10 ) gefunden — vielleicht ein 
Teil der menschlichen Beute zugehören könnte. An anderen Fund- 
stellen kann der Mensch mit höherer "Wahrscheinlichkeit, selten 
aber mit wirklich absoluter Sicherheit als Jäger in Anspruch 
genommen werden. In der Kastlhänghöhle 11 ) im Altmühltal lagen 
die Beutereste des Magdalenienjägers tief im Innern der oben 
geschlossenen Höhle. Hier werden die in der Kulturschicht gefundenen 
Reste des Alpen- und Moorschneehuhns als Beute des menschlichen 
Jägers betrachtet werden können, wenn auch eine Mitwirkung des 
häufig gefundenen Eisfuchses keineswegs auszuschließen ist. Ebenso 
wird man in Predmost die durch die ganze Kulturschicht verteilten 
Schneehuhnreste, wenigstens zum Teil dem menschlichen Jäger 
zuschreiben können. Für die Schneehuhnreste im Keßlerloch, die 
wie die Knochen sicherer menschlicher Beutetiere, zerschlagen sind, 
vertritt Hescheler 12 ) mit Bestimmtheit die Auffaßung, daß sie 
der menschlichen Beute zugehören. Eine planmäßige Jagd auf 
Alpen- und Moorschneehuhn ist also immerhin wahrscheinlich, sie 
ist aber nur für sehr wenig Fundorte mit den der Literatur zu 
entnehmenden Angaben über Fundumstände, Erhaltungszustand der 
Knochen usw. wirklich zu beweisen; auffallend bleibt jedenfalls die 
Tatsache, daß nirgends angebrannte Schneehühnerknochen erwähnt 
werden, daß stets dort, wo Schneehühner häufig sind, entweder 
zahllose Reste kleiner Nager gefunden werden, die die Bedeutung 
der Raubvogeljagd für die Zusammensetzung des Knochenmaterials 
beweisen, oder Eisfüchse und Füchse, die besonderen Feinde der 
Schneehühner, häufig sind, oder beides zusammen trifft. "Wir dürfen 

9 ) Th. Kormos. Die Felsnische Pilisszäntö. Mitt. aus d. Jahrb. d. Kgl. 
ungar. geol. Reichsanstalt. XXill. Bd. 6 H. 1916. 

10 ) Th. S tu der. Die Tierreste aus den pleistocänen Ablagerungen des 
Schweizersbildes bei Schaffhausen in Nüesch, Das Schweizersbild. 1896. 

n ) J. Fraunholz und H. Obermaier. Die Kastlhäng-Höhle, eine Rentier- 
jägerstation im bayr. Altmühltale. Beiträge zur Anthropol. u. Urgeschichte Bayerns. 
XVIII. Bd. 1911. 

12 ) C. Hescheler. Die Tierreste im Keßlerloch bei Thaingen, inj. Heierli 
Das Keßlerloch bei Thaingen. Denkschrift d. Schweiz, naturf. Gesellsch. Bd. 
XLTII. 1907. 



48 

aber trotz dieser bedenklichen Momente wenigstens mit einer zeit- 
und stellenweise planmäßig geübten Schneehuhnjagd rechnen; wir 
tun das hier noch aus einem besonderen methodologischen Grund: 
Aus den möglichen Jagdmethoden auf eine Tierart lassen sich auf 
die Bewaffnung der Jäger Schlüsse ableiten, die aus dem Artefakt- 
material allein nicht zu gewinnen sind. Will man sich vor einer 
Unterschätzung dieser Jäger und ihrer Waffenkultur hüten — und 
der Kulturmensch, der dem Gedankenkreis und den Erfindungs- 
möglichkeiten primitiver Jäger so fern steht, ist leicht geneigt zu 
unterschätzen, — so ist es richtiger in nicht ganz sicheren Fällen 
mit einer Jagd zu rechnen, als sie abzulehnen. Ist das Endergebnis 
für die Waffenkultur bei Annahme oder Ablehnung der Jagd gleich, 
so bedeutet eine Argumentation auf der Basis der Annahme doch 
stets eine vollständige Sicherung dieses Ergebnisses. 

Die Schneehuhn jagd erforderte keine besonderen Waffen. Die er- 
staunliche Häufigkeit der Moorschneehühner „gewährt dem nur einiger- 
maßen geschickten Jäger ergiebige Ausbeute". Die Nordländer jagen 
sie leidenschaftlich, vor allem im Winter mit Netzen und Schlingen. 
„Man kennt die Lagerstelle des Wildes und stellt hier zwischen 
dem Birkengestrüpp, zu welchem die Hühner der Äsung halber 
kommen müssen, mit dem besten Erfolg sein Fangzeug auf" 13 ). 
Solche Schiingenjagd ist auch für die Jungpaläolithiker die wahr- 
scheinlichste, die vielleicht gerade im Winter, wenn andere Jagd 
zu beschwerlich oder unmöglich wurde, diesem kleinen Wild sich 
zuwandten. An Pfeil und Bogen darf auch hier für die Jungpaläo- 
lithiker nicht gedacht werden. Denn der Besitz dieser Waffe hätte 
ihnen eine große Anzahl jagdbarer Vögel erreichbar gemacht, hätte 
unbedingt zu einer planmäßigen Vogeljagd auf vielerlei Art führen 
müssen, von der im Beutematerial nichts nachzuweisen ist. Die be- 
scheidene Rolle, die Vögel im Haushalt der Aurignacien- und Magda- 
lenienjäger gespielt haben, schließt für beide den Besitz von Waffen 
aus, die ohne starke, vorsichtiges Kleinwild scheuchende Bewegung 
des Jägers eine große Fernwirkung und Treffsicherheit besaßen. 
Die Jäger haben den Wurf pf eil, aber offensichtlich nicht den Bogen 
gekannt. 

3. Kleinere Säugetiere. 

Auch unter den kleineren Säugetieren können nur diejenigen 
hier berücksichtigt werden, die durch häufiges Vorkommen im Beute- 

13 j Zitate über Lebensweise, Wehrkraft usw. der einzelnen Tiere sind, wo 
nichts besonderes bemerkt, stets dem Brehm entnommen. 



49 

material auf eine planmäßige Jagd hindeuten. Arten, die selbst in 
sehr reichen Fundschichten nur in ein oder zwei Individuen ver- 
treten sind, können im Sinne unserer früheren Ausführungen bei 
der Vogeljagd nur als Gelegenheits- oder Zufallsbeute betrachtet 
werden, die für Erörterung von Jagdmethoden ungeeignet ist. Als 
wirkliches Jagdwild des Menschen können dann nur sehr wenige 
Arten gelten. 

Die unter eiszeitlichem Klima bei uns heimischen Altpaläolithiker, 
ein Teil der Acheuleen- und der Mousterienjäger, haben kleinere 
Säugetiere überhaupt nicht gejagt. In der letzten Zwischeneiszeit 
ist nur der Biber, als einziger Kleinsäuger, Beute des Neandertal- 
menschen gewesen. In der großen Fundschicht im Kalktuff von 
Taubach sind die Reste von etwa 60 Bibern gefunden worden. Auch 
in Krapina ist er in dem überlieferten Knochenmaterial „verhältnis- 
mäßig häufig", vielleicht aber nicht in jedem Fall — das gilt für 
die Biberfunde aus der untersten Schicht — als Beute des Menschen 
zu betrachten. 

Diese Biber jagd läßt nicht voraussetzen, daß der Neandertal- 
jäger entgegen unserer bei der Fisch jagd gewonnenen Auffassung 
sie im Wasser geübt hätte. Die Biber suchen ihre Nahrung, die 
ja die nächste Nachbarschaft am Flußufer keineswegs lange Zeit 
allein liefern kann, zumeist auf dem Lande. „Haben sie gesichert, 
so steigen sie ans Land und gehen 50 Schritt und noch weiter vom 
Flusse ab, um Bäume zur Äsung oder zu ihren Bauten abzuschneiden." 
Ihre Bewegungen auf dem Lande sind dabei sehr unbeholfen. „Beim 
Gehen wird ein Bein um das andere bewegt; denn der fast auf der 
Erde schleifende Bauch läßt eine rasche, gleichmäßige Bewegung 
nicht zu. Bei größter Eile führt der Biber Sätze aus, welche an 
Plumpheit und Ungeschicklichkeit die aller übrigen mir bekannten 
Landsäugetiere übertreffen und ein wechselndes Auf werfen des Vorder- 
und Hinterteils hervorbringen, trotz alledem aber fördern." Daß 
ein solches Tier auf dem Lande dem lauernden Jäger leicht zur 
Beute werden mußte, ist einleuchtend. Ein einfacher Holzspeer, 
vielleicht nur ein Stock oder eine Wurfkeule sind für solche Jagd 
völlig ausreichende Waffen. Es ist, soweit Waffen und Geschick 
des Jägers in Betracht kommen, die denkbar einfachste Jagd, die 
auf irgendein Säugetier möglich ist; und es ist wiederum sehr be- 
bezeichnend für den Neandertaler, daß er nur diese Jagd auf 
kleineres Wild geübt und auf die Erbeutung anderer Kleinsäuger 
verzichtet hat. 

So er gel, Die Jagd der Vorzeit. 4 



50 

In der Jagd' der Jungpaläolithiker, sowohl der Aurignac- als 
der Cro-Magnon-Rasse haben kleine Säuger eine nur wenig größere 
Bedeutung besessen. Von kleineren Raubtieren finden wir nur den 
Fuchs (Canis vulpes), vor allem aber den Eisfuchs (Canis lagopus) 
häufig unter der menschlichen Beute. Beide dürften aber im all- 
gemeinen nicht, wie einzelne Autoren meinten, des Fleisches halber, 
wohl auch nicht allein des Pelzes halber erlegt worden sein. Nur in 
Zeiten der Not wird der Mensch das keineswegs schmackhafte Wildpret 
verwertet haben; darauf weist der Erhaltungszustand der Knochen 
meistens hin: sie sind selten wie anderes Knochenmaterial zer- 
trümmert, noch seltener angebrannt. Mir scheint die wesentlichste 
Ursache zu dieser Jagd in der Lebensweise, vor allem dem Charakter 
besonders des Eisfuchses zu liegen. Über die unglaubliche Zu- 
dringlichkeit, die der Eisfuchs in allen Gebieten seines Vorkommens 
zeigt, finden sich im Brehm ausführliche Angaben. Es ist vor- 
gekommen, daß er nachts die den Jäger einhüllenden Renntier- 
decken annagte; unter Tags folgt der dummdreiste Räuber den 
Jägern unausgesetzt und läßt sich weder durch Steinwürfe noch 
durch Flintenschüsse vertreiben. Man darf darnach annehmen, 
daß der Eisfuchs um die Lagerplätze der jungdiluvialen Jäger 
häufig herumlungerte, daß er wieder und wieder versuchte, an 
die Abfälle der menschlichen Mahlzeiten heranzukommen, sich bei 
vorübergehender Abwesenheit der Jäger sofort über die Abfall- 
haufen hermachte und hier vom zurückkehrenden Jäger regel- 
recht vertrieben werden mußte. Ein solches Tier mußte den Jägern 
häufig zur Beute werden; es war mit Stock, Wurfkeule und Speer 
einfach zu erlegen. 

In höherem Sinne ist von den kleineren Säugern nur einer,. 
der Schneehase (Lepus variabilis) Beutetier der jungpaläolithischen 
Jäger gewesen. Wie bei den Schneehühnern ist allerdings auch hier 
vielerorts damit zu rechnen, daß die überlieferten Knochenreste 
Gewöllen von großen Raubvögeln entstammen. Bei einer ganzen 
Anzahl von Fundstellen, vor allem der Magdalenienstation am 
Schweizersbild, wo Schneehasenreste sich außerordentlich häufig 
gefunden haben, beweist aber die Aufspaltung der Knochen und 
das Zurücktreten junger Tiere, die unter Raubvogelbeute überwiegen 
müßten, daß der Schneehase als menschliche Beute zur Lagerstelle 
gelangt ist. Zu diesen Fundstellen dürfen außer dem Schweizers- 
bild (mit über 100 Schneehasen) noch das Keßlerloch (mit 500 Schnee- 
hasen), die Kastlhänghöhle im Altmühltal, die Byciscala in Mähren, 



51 

von freien Stationen Predmost gerechnet werden; überall ist minde- 
stens ein Teil der meist sehr zahlreich vertretenen Schneehasen von 
Menschen erbeutet worden. 

Auf den Besitz besonders weittragender Schußwaffen (Pfeil 
und Bogen) deutet auch die Schneehasenjagd nicht hin. Mit Speer 
und Wurfpfeil wird der Jäger allerdings den Schneehasen nicht 
haben jagen können. Möglicherweise hat er wie gegen das Schnee- 
huhn so hier vorrherrschend Schlingenfang geübt, vielleicht aber 
auch eine feiner gearbeitete "Wurfkeule benützt. Bumerang ähnliche 
Wurfkeulen sind für Niederjagd sehr geeignet, wir finden sie bei 
heutigen Jägerstämmen in weiter Verbreitung und noch heute 
dienen sie den Pueblo-Indianern in Neu-Mexico zur Jagd auf 
Kaninchen. 

Daß der in zwei Eiszeiten bei uns heimisch gewesene Neander- 
taler diese Schneehasen jagd nicht betrieben hat, deutet ebenso wie 
der Verzicht auf jede Vogeljagd darauf hin, daß er besser gearbeitete, 
weitreichende Wurfkeulen nicht besaß und auch den Schlingenfang 
nicht kannte. 

Wir sehen im Ganzen, daß kleineres Wild für die Küche der 
Paläolithiker nur eine geringe Bedeutung besessen hat. Die Haupt- 
nahrungsquelle bildete stets die Großtierwelt, die uns in ihren 
Beziehungen zum paläolithischen Jäger in den nächsten Abschnitten 
beschäftigen soll. 



V. Die Jagd des diluvialen Menschen auf 
das mittlere Grosswild, 

Unter der höchstwahrscheinlich zutreffenden Voraussetzung, 
daß die Altpaläolithiker vollständig aus Holz gefertigte Speere besaßen, 
erscheint mir ihre Jagd resp. ihre Jagdmöglichkeit auf mittleres 
Großwild heute in einem etwas günstigeren Lichte als früher. 
Doch ist unbedingt, besonders nach den Ergebnissen des vorher- 
gehenden Abschnitts, daran festzuhalten, daß wir mit sehr einfachen 
Jagdmethoden rechnen müssen und keineswegs ohne weiteres die 
Jagdmethoden heutiger primitiver Stämme, auch nicht die einfachen, 
in ihrer Gesamtheit für den Altpaläolithiker annehmen dürfen. 
Für den Jungpaläolithiker dagegen, der eine kulturelle Höhe über 
Tasmaniern und Australiern besessen hat und darin etwa den 
Eskimos entsprach, ehe sie mit dem geschmiedeten Eisen Bekannt- 
schaft machten, dürfen wir alle einfachen unter den Jagdmethoden 
heutiger primitiver Stämme unbedenklich voraussetzen. 

Jedenfalls gestatteten die Holzwaffen schon dem altpaläolithischen 
Jäger, dem wir die gleiche erstaunliche Unerschrockenheit zusprechen 
dürfen, wie wir sie von primitiven Jägerstämmen der Gegenwart 
kennen, eine Angriffsjagd auf manche Arten des mittleren Groß- 
wildes, auf Pferd, Bison, Auerochse und alle Arten von Hirschen. 
Fallgrubenfang wird auf diese Tiere deshalb nicht in dem aus- 
schließlichen Maße geübt worden sein, wie ich früher anzunehmen 
geneigt war. 

Das Ausmaß der menschlichen Jagd auf die genannten Arten 
resp. die Beteiligung dieser Arten an der menschlichen Jagdbeute 
bleibt dabei natürlich die gleiche, wie ich sie 1912 auf Grund des 
tatsächlich gefundenen Materials geschildert habe. Für das Problem 
des Erlöschens großer diluvialer Säuger, das Problem des Aussterbens, 
ist die Annahme von weitertragenden, spitzen Holzwaffen schon in 
altpaläolithischer Zeit und ihre Folgen überhaupt belanglos. Denn 
gerade diejenigen Tiere, auf die mit Erfolg diese Holzwaffen benutzt 



53 

werden konnten, also Bison, Auerochse, Edelhirsch, Pferd, Reh, Elch, 
Rentier, Riesenhirsch haben, abgesehen vom Riesenhirsch, den 
paläolithischen Jäger überlebt und zur neolithischen, ja historischen 
Zeit Mittel- und Nordeuropa in großen Beständen bewohnt. Die 
einzige am Ende der Diluvialzeit resp. in der älteren Postglazialzeit 
erloschene Art dieser Größengruppe, der Riesenhirsch, ist nach- 
weislich sehr selten Jagdbeute des Menschen gewesen. 

Im einzelnen müssen die Jagdmethoden der Paläolithiker auf 
die Arten des mittleren Großwildes natürlich sehr verschieden ge- 
wesen sein. Die Jagd mit einfachen Waffen erfordert volle Aus- 
nützung der Lebensgewohnheiten des Wildes, genaue Kenntnis seiner 
Wehr- und Fluchtkraft und weitgehendste Anpassung der Jagd- 
methode an den speziellen Charakter der Landschaft, in der eine 
Tierart heimisch ist, und an die jeweilige Jahreszeit. Erst sehr 
starke Waffen machen den Jäger in hohem Maße unabhängig, 
wenigstens von der Stärke des Wildes und mancherlei Besonder- 
heiten des Wohnbereichs und leiten eine Nivellierung der Jagd ein. 
Die paläolithische Jagd muß deshalb ebenso abwechslungsreich ge- 
wesen sein, wie wir sie von heutigen primitiven Jägerstämmen 
kennen; jede der angewandten Jagdmethoden war das Ergebnis aus 
vielartigen Erfahrungen. Das alles beherrschende Prinzip aber war 
die Rentabilität, das Verhältnis zwischen Leistung und Gefährdung 
des Jägers und der Wahrscheinlichkeit des Erbeutens. Deshalb sind 
keineswegs alle Arten des mittleren Großwildes Beutetiere des 
Menschen gewesen: manchen konnte der paläolithische Jäger nur 
unter besonders günstigen Umständen entgegentreten, sie waren nur 
Gelegenheitsbeute, anderen war er mit seinen Waffen in kaum einer 
Situation gewachsen. 

Wir werden uns im folgenden nur mit denjenigen Arten näher 
beschäftigen, die durch häufiges Vorkommen in der Beute mehrerer 
Fundstellen, oder durch spärlicheres, aber regelmäßiges Vorkommen 
in der Beute zahlreicher Fundstellen als in planmäßiger Jagd er- 
legte Beutetiere des Menschen erwiesen sind. Wir übergehen, was 
nur seltene, nur Gelegenheitsbeute war, denn es läßt weder auf die 
Jagdmethode noch auf die Waffenstärke der Jäger Schlüsse zu. 
Dahin gehören unter den Raubtieren der Löwe, der Panther, die 
Hyänen, der Luchs; unter den Pflanzenfressern vor allem der Stein- 
bock und die Gemse, in deren, an anderen seiner ■ Beutetiere meist 
ärmeren, damals allerdings tiefer als heute herabreichenden Revieren, 
der Mensch nur selten erschien, und die durch ihre sehr beträcht- 



54 

liehe Fluchtkraft eine planmäßige, auf rentable Methoden gestützte 
Jagdmethode von vornherein ausschlössen. Unberücksichtigt bleibt 
• schließlich auch die Saigaantilope, die, obwohl sie in der freien 
Steppe in Rudeln, im Herbst sogar in sehr starken Herden lebt, 
also zum Nahrungserwerb jagende Nomaden wohl hätte zur Jagd 
reizen können, nur sehr selten erbeutet worden ist. 

1. Die großen Raubtiere. 

Die großen Raubtiere sind nur mit wenigen Ausnahmen Beute- 
tiere des Menschen in dem Sinne gewesen, daß eine planmäßige 
Jagd auf sie betrieben wurde. Löwe, Panther und die Hyänen sind 
unter dem menschlichen Beutematerial in so verschwindend wenigen 
Fällen gefunden worden, daß der Schluß, der Mensch habe sie nur 
in Notwehr angegriffen, unabweisbar ist. Das gleiche gilt für den 
"Wolf, dessen Knochen und Gebißreste unter der menschlichen Beute 
im allgemeinen äußerst selten sind. Nur an einigen Stellen im Löß 
Xiederösterreichs und Mährens, wo der "Wolf wie heute im südlichen 
Rußland in großen Rudeln gelebt und gejagt haben muß, ist er 
häufiger im Beutematerial vertreten. Eine planmäßige Jagd wird 
aber auch hier nicht auf ihn stattgefunden haben: der Mensch hat 
ihn zumeist wohl nur dann erlegt, „wenn er in ihm einen unangenehmen 
Konkurrenten der eigenen Jagd fühlte und von ihm belästigt wurde. 
Das gilt im besonderen von Predmost, wo er die herumschweifenden, 
immer hungrigen Räuber teils in Fallgruben gefangen, teils wohl 
mit primitiven Schlagwaffen — im südlichen Rußland werden noch 
heute Wölfe mit Stöcken erschlagen, die vorn mit einer eisernen 
oder bleiernen Kuppe beschwert sind — von der eigenen Beate und 
dem Mammutleichenfeld vertrieben haben mag." (So er gel 1912.) 

Von den großen Raubtieren sind nur die Bären im wahren 
Sinne des Wortes Beutetiere des Menschen gewesen. In sehr 
bescheidenem Ausmaße trifft das zu für den gewaltigen Höhlen- 
bären. Auch in den vom Menschen einmal bewohnt gewesenen 
Höhlen gehören die meisten Bärenreste natürlich eingegangenen Tieren 
an, nur selten ist der Beweis zu führen, daß die Reste von Menschen 
erlegten Tieren angehören. Ganz sicher scheint das, abgesehen von 
wenigen Einzellfällen, zu sein für den Sirgenstein, wo nach R. R. 
Schmidt 14 ) die Bärenreste der untersten, ein primitives Mousterien 
führenden Kulturschicht kulinarische Abfälle der Paläolithiker sind, 



14 ) R. R. Schmidt, Die diluviale Vorzeit Deutschlands, Stuttgart 1912 



55 

und für die Schipkahöhle in Mähren, wo die große Menge zer- 
schlagener Knochen von jungen Höhlenbären den Menschen als 
Jäger erweist. 

Die Jagdmethode wird in Anlehnung an die Szenerie der 
Landschaft eine einfache gewesen sein. An einen direkten Angriff 
war mit Holzwaffen anf ein so großes, durch einen dichten Pelz 
und über viele Monate des Jahres durch eine dicke Fettschicht 
geschütztes Tier nicht zu denken. Man wird den Höhlenbären 
beim Ein- und Auswechseln aus der Höhle von oben her mit Stein- 
würfen erschlagen, vielleicht durch Ausräuchern betäubte Tiere auch 
mit Erfolg angegriffen und überwältigt haben. In derartigen 
felsigen, in der Szenerie sehr wechselreichen Gebieten, in denen der 
Höhlenbär vorzugsweise zu Hause war, wird der erfahrene Jäger 
die verschiedensten Methoden zur Anwendung bringen können, die 
selbst mit primitiven Waffen einen Erfolg verbürgen. 

Eine ungleich größere Rolle hat der braune Bär in der Beute 
der diluvialen Jäger gespielt. Das gilt besonders für die Alt- 
paläolithiker von Taubach-Ehringsdorf, wo der braune Bär für 
Taubach mit 21,2, für Ehringsdorf mit 10 % an der Gesamtbeute 
beteiligt ist, dann für die Höhle Jachymka in Mähren, wo die auf- 
geschlagenen Knochen des Bären unter dem Beutematerial der 
Jungpaläolithiker durchaus vorherrschen. 

Die Jagd hatte auch hier mit einem gewaltigen durch einen 
dichten Pelz geschützten Tiere zu rechnen. Wir wissen von unserem 
braunen Bären, dem Nachkommen des diluvialen Ursus arctos, daß er 
ein mißtrauisches, aber gutmütiges und wenig angriffslustiges Tier ist. 
Wird er aber selbst angegriffen, so kann er zu einem gefährlichen 
Gegner werden. Krementz, der lange Jahre den Bären in den 
Rokitnossümpfen in Wolhynien beobachtet und viel gejagt hat, 
sagt darüber: 

„Der Angriff des Bären ist ein meist plötzlicher und rascher, 
wobei er entweder durch eine schnelle und heftige Seitenbewegung 
einer Vorderbrante den Gegner zu schlagen sucht, oder sich im 
raschen Trollen plötzlich i n unmittelbarer Nähe des Gegners auf den 
Hinterbranten erhebt und durch einen heftigen Stoß mit den Vorder- 
branten den Feind niederzuwerfen sucht, oder aber er versetzt ihm 
einen kräftigen Schlag und Ruck und beißt mitunter noch rasch 
zu, hält sich jedoch, wenn Menschen und Hunde in der Nähe sind, 
nie lange bei seinem Opfer auf, sondern sucht das Weite." 



50 

Daß „die Bärenjagd zu dem gefährlichsten "Waidwerk gehört" 14 ) J 
darüber sind sich die meisten Gewährsmänner einig, „kühles Blut 
und sichere Hand, gute und erprobte "Waffen sind- unerläßliche 
Erfordernisse eines Bärenjägers". „Gute Hunde, vor denen alle Petze 
eine ganz außerordentliche Furcht bekunden, bleiben unter allen 
Umständen die besten Gehilfen des Jägers". 

So beurteilt man heute die Bärenjagd, heute, „wo die aus- 
gezeichneten Schußwaffen, wo eine gutgeschulte, jedem Wink des 
Jägers gehorchende Hundemeute ein Entkommen des aufgespürten 
AVildes fast unmöglich machen." (Soergel, 1912.) Die Stellung des 
diluvialen Jägers, besonders des Altpaläolithikers erscheint bei 
solcher Wehrhaftigkeit des Wildes recht ungünstig. Sicher hat bei 
ihm Fallgrubenfang, wie er heute noch von Asiaten auf Bären 
getrieben wird, eine Rolle gespielt. Mit dem Grabstock, den wir 
schon dem Altpaläolithiker zugestehen müssen, können solche Gruben 
im Waldboden wohl schnell genug ausgehoben werden. „Daß der 
diluviale Mensch gerade diese Jagd beim Bären mit gutem Erfolg 
anwenden konnte, lehrt uns die Lebensweise dieses Tieres. „Wenn 
nicht beunruhigt, hält er seinen Wechsel fest und trifft an gewissen 
Punkten seines Standreviers alltäglich beinahe um dieselbe Stunde ein, 
so daß alte bärenkundige Busch Wächter zuweilen wohl imstande sind, 
anzugeben, an welcher Stelle des Reviers die ihnen wohlbekannten 
Petze sich zu einer gewissen Tageszeit befinden". Daß die Taubacher 
Jäger „bärenkundige Buschwächter" waren und den Mangel ihrer 
Bewaffnung bis zu einem gewissen Grade durch reiche Erfahrung 
in der Lebensweise des Jagdtieres und durch List wettmachen 
konnten, müssen wir ihnen wohl zugestehen." (Soergel 1912.) 

Neben Fallgrubenfang möchte ich eine Angriffsjagd, besonders 
für den Jungpaläolithiker, nicht ganz ausschließen. Der Mut ein- 
facher Jäger, ihr Vertrauen in die eigene Kraft und Gewandtheit 
sind ganz erstaunlich. Ein Überfallen des Bären auf dem regel- 
mäßig begangenen Wechsel, ein Angreifen zu mehreren mit starken 
Holzspeeren erscheint mir nicht unmöglich. Es könnte sogar, 
jedenfalls mit den Waffen der Jungpaläolithiker eine Jagd geübt 
worden sein, wie sie Pfizenmayer 16 ) von den Tungusen in Nord- 
ostsibirien beschreibt: „Der Tunguse reizt den im Lager aufgefundenen 

15 ) Zitate über Lebensweise, Wehrkraft usw. der einzelnen Tiere sind, wo 
nichts besonders bemerkt ist, stets dem Brehm entnommen. 

16 ) E. Pfizenmayer. Unter tungusischen Jägern in Nordostsibirien, Wild- 
und Hund. X. Jahrg. Nr. 34, 1909. 



57 

Bären durch Zurufe und indem er seine bissigen Hunde auf ihn 
hetzt, die den Bären stets von hinten zu attakieren suchen. Dem 
nun den Jäger wütend annehmenden Meister Petz stößt der flinke 
Tunguse, einer beabsichtigten Umarmung oder einem ihm zugedachten 
Brantenschlag gewandt ausweichend, seinen Spieß ins Herz, wobei 
er das freie Ende des Holzteils gegen die Erde stemmt, so daß sich 
der Bär durch seine eigene Wucht aufspießt. Gewiß ein deutliches 
Zeichen des Mutes dieser Urwaldsöhne, dem stärksten Raubtier des 
nordsibirischen Waldes, das den Jäger meist aufgerichtet um ein 
gutes Stück überragt, mit dieser einfachen Waffe zum Kampf 
entgegenzutreten". Auch ohne Hunde kann ein Bär zum Angreifen 
gereizt werden, und die mit langen Knochenspitzen bewehrten Speere 
der Jungpaläolithiker sind auch für solche Jagd durchaus tauglich 
gewesen. Der Altpaläolithiker wird mit seinen reinen Holzwaffen 
einem solchen Kampf, der nach Pfizenmayers Angaben auch bei 
den Tungusen nicht immer zugunsten des Jägers endigt, kaum 
gewachsen gewesen sein, jedenfalls einen solchen Kampf nicht 
gesucht haben. Eallgrubenfang und Überfall des Bären auf dem 
Wechsel mit Wurf- oder Stoßlanzen bleiben für ihn die allein 
möglichen resp. rentablen Jagdmethoden. 

Die seltene Jagd auf den Höhlenbären, die mehr lokal oder 
zeitweise planmäßig betriebene Jagd auf den braunen Bären lassen 
die Tatsache unberührt, daß im allgemeinen die großen Raubtiere 
nur in geringem Maße an der menschlichen Beute beteiligt gewesen 
sind. Mit einer einzigen Ausnahme die aber beim Durchrechnen 
des gefundenen Materials vielleicht als nicht zu Recht bestehend 
sich erweist, der Höhle Jachymka, haben stets die Pflanzenfresser 
die Hauptmasse der Beute geliefert. Diese verschiedene Beteiligung 
ist auch bei stark bewaffneten Jägern stets deshalb zu erwarten, 
weil Pflanzenfresser in jedem Gebiet ungleich zahlreicher sind als 
Raubtiere, sie muß aber in besonderem Grade unbedingt dort ein- 
treten, wo bei einfach bewaffneten Jägern die Wahl des Wildes in 
stärkstem Maße von der Wehrhaftigkeit der einzelnen Wildarten 
abhängig gewesen sein muß. Und diese Jagdauslese kommt auch 
in dem aus Pflanzenfressern sich zusammensetzenden Beuteteil noch 
deutlich zum Ausdruck; besonders wehrhafte Pflanzenfresser treten 
im allgemeinen in der Beute stark zurück, gewinnen nur lokal eine 
größere Bedeutung. 



58 

2. Wisent und Ur. 

Das gilt zunächst für "Wisent und Ur, von denen der erste 
zur Diluvialzeit in zwei verschiedenen Rassen, sowohl in Wald- 
gebieten als in Steppengebieten, zu Hause war, also dem Menschen 
in Interglazial- und Glazialzeiten als Jagdwild zur Verfügung stand. 
Der Ur ist zu allen Zeiten nur selten Beute des diluvialen Jägers 
gewesen. Seine Darstellungen auf Höhlenbildern und Gravierungen 
sind bemerkenswerterweise auch ganz beträchtlich seltener als die 
des Wisent. Der Wisent ist in altpaläolithischer Zeit vor allem im 
Ilmtal bei Taubach-Ehringsdorf in größerer Zahl erlegt, er ist im 
Jungpaläolithikum Frankreichs, besonders in den Stationen des 
Aurignacien und Sokutreen zahlreich im Beutematerial des mensch- 
lichen Jägers gefunden worden. Die Bedeutung, die er zu dieser 
Zeit in Westeuropa für den Menschen besaß, geht schließlich 
auch aus den Höhlenbildern hervor, auf denen er einzeln und in 
Herden häufig dargestellt worden ist. Im allgemeinen hat er aber, 
ziehen wir West-, Mittel- und Osteuropa in Betracht, im Haushalt 
des Paläolithikers eine nur untergeordnete Rolle gespielt. Und 
wenn auch in jungpaläolithischer Zeit bei der Wahl des Wildes 
besondere Gesichtspunkte, Brauchbarkeit des Knochen- und Geweih- 
materials zur Waffen- und Werkzeugfertigung mit im Vordergrund 
standen, so ist das starke Zurücktreten eines in großen Herden 
lebenden, sehr fleischreichen Wildes doch auffällig. Mir scheint in 
diesem Zusammenhang die Wehrhaftigkeit des Wildes volle Berück- 
sichtigung zu verdienen. „Wildheit, Trotz und Jähzorn sind be- 
zeichnende Eigenschaften auch dieser Wildrinder." „Ein gereizter 
Stier, dessen Wut keine Grenzen kennt, ist ein sehr bedrohlicher 
Gegner." Für die mit einfachen Holzspeeren bewaffneten Alt- 
paläolithiker bedeutete „ein überall dichter und reicher, aus langen, 
meist gekräuselten Grannen und filzigen Wollhaaren bestehender 
Pelz" eine die Waffen Wirkung stark beeinträchtigende Schutz wehr. 
Außerdem darf das Größenverhältnis zwischen Wild und Jäger nicht 
übersehen werden. Während der diluviale Wisent beträchtlich 
größer und stärker war als die lebende europäische Art, sind die 
Neandertalmenschen auffallend klein gewesen und erreichten nur 
Körperhöhen von 1,6 m. Angriffsjagd wird in Anbetracht dieser 
Schutz- und Wehrkraft und der Größe des Wildes nicht die alleinige, 
jedenfalls nicht die herrschende Jagdmethode in altpaläolithischer Zeit 
gewesen sein; man wird den Wisent, wie die Magyaren des frühen 
Mittelalters, häufiger in Fallgruben erbeutet haben. Solche Fall- 



59 

gruben brauchen keineswegs in ihrer räumlichen Ausdehnung der 
Größe der Tiere entsprochen zu haben. Auch auf große Tiere sind 
heute alle möglichen Arten kleiner Fallgruben in Gebrauch, deren 
"Wirkung sich auf ein Festhalten, Einklemmen, Einbrechen mit 
folgendem Knochenbruch beschränkt. Zahlreiche auf begangenen 
Wechseln und im weiteren Bereich der Tränken ausgehobene kleine 
Gruben und Löcher von bestimmter Gestalt und Bewehrung — und 
technisch ist ihre Herstellung dem Altpaläolithiker zweifellos möglich 
gewesen — werden stets einige, vor allem weniger gewitzte jüngere 
Tiere, wie sie im Tuffkalk von Taubach überwiegen, in die Hände 
des Jägers liefern. Sie erfüllten ihren Zweck vollkommen, wenn 
sie die Wehrkraft und die Fluchtkraft des einmal eingebrochenen 
Tieres dauernd oder auch nur eine Zeitlang minderten. 




Fig. 8. Mensch und Bison, sog. Bisonjagd. 
Knochengravierung aus dem Magdalenien von Laugerie basse (Dordogne). Samm- 
lung Girod. Nach einem Abguß des Museums in Saint Germain en Laye. 
y 2 n. Gr. Aus Verworn, Anfänge der Kunst. 



Erst die knochen bewehrten Wurfwaffen der Jungpaläolithiker 
eröffneten einer Angriff sjagd günstigere Aussichten. Eine Gravierung 
auf Rengeweih (s. Abb. 8) zeigt uns, wie der Jäger sich an das Wild 
heranpirschte. Gelang es ihm, unbemerkt auf 40 oder 50 m nahe 
zu kommen, so konnte er mit Erfolg den Speer oder "Wurfpfeil ent- 
senden. Die Stellen des Tieres, an denen eine tiefe Wunde ent- 
scheidend ist, waren den Paläolithikern, wie zahlreiche Höhlenbilder 
zeigen, wohl bekannt, und die Treffsicherheit ihrer Speere wird 
nicht geringer gewesen sein, als bei heutigen primitiven Stämmen. 
Darwin 17 ) berichtet von den Australiern, daß sie auf 30 Yards 
(= "27,5 jn) mit den vom Wurf holz geschleuderten Speeren eine 
aufgestellte Mütze durchschossen. 



17 ) Ch. Darwin, Reise eines Naturforschers. Übersetzt von V. Carus. Stutt- 
gart 1899, Schweizerbarts Verlag. 



60 

Eine Angriffs]' agd ist also, soweit sie von den "Waffen der Jäger 
abhing, sehr wohl möglich gewesen, wenigstens im Jungpaläolithikum, 
sie ist nach dem Zeugnis einer Gravierung auch geübt worden. 
"Wenn der Wisent als Beutetier trotzdem im allgemeinen so stark 
gegen andere Arten zurücktritt, so sehe ich den Grund nicht allein 
darin, daß Pferd und Ren in mancher Hinsicht nutzbringendere 
Beutetiere waren, sondern auch in dem Umstand, daß der land- 
schaftliche Charakter der Gebiete, in denen die Jungpaläolithiker vor- 
zugsweise zu Hause waren, einer Angriffsjagd auf ein so wehrkräftiges 
und wehrlustiges Wild nicht günstig war. In den weiten Steppen, 
die in jungdiluvialer Zeit große Gebiete besonders Mittel- und Ost- 
europas einnahmen, wird schon ein unbemerktes Herankommen an 
die Tiere nicht immer leicht resp. möglich gewesen sein, vor allem 
aber bot ein freies, baumarmes Gelände dem Jäger so gut wie 
keinen Schutz gegen den Angriff verwundeter oder gereizter Tiere. 
Es scheint mir in diesem Zusammenhang sehr bemerkenswert, daß 
zu jungdiluvialer Zeit im südlichen Frankreich der Wisent erfolg- 
reicher gejagt worden ist, in einem Gebiet, das in keiner Phase 
des Eiszeitalters einen reinen Steppencharakter getragen hat und 
daher dem Jäger günstigere Angriffsmöglichkeiten und erhöhten 
Schutz zugleich gewährte. 

In der Wehrkraft der Wisente, in ihrem leicht reizbaren, zum 
Jähzorn neigenden Charakter, ihrem unerschrockenen Angreifen und 
Verfolgen des Jägers, sehe ich deshalb letzten Endes den Grund für 
ihre geringe Beteiligung am Beutematerial der jungpaläolithischen 
Jäger in Mittel- und Osteuropa. 

& Elch. 

Von ähnlichen Gesichtspunkten aus ist die außerordentliche 
Seltenheit des Elchs in den paläolithischen Küchenabfällen zu be- 
urteilen, wenngleich wir diesen auf Wald, zum mindesten Buschwald 
angewiesenen Hirsch in den Stationen der jungpaläolithischen Steppen- 
jäger von vornherein nicht, oder doch nur selten erwarten dürfen. 
Er ist aber auch dort, wo Edelhirsch, Reh und Riesenhirsch in der 
Jagdbeute vorhanden sind, sehr spärlich vertreten. Aus dem reichen 
Material der großen Taubacher Fundschicht kenne ich vom Elch nur 
einen Zahn, ein Geweihfragment und das von Pohl ig beschriebene 
schädelechte Geweih; in der Ehrin gsdorf er Hauptfundschicht (Homo- 
fundschicht im Bruch Kämpfe) fand er sich nach meinem ersten 
Nachweis bald in weiteren Resten, die aber auch nur auf 5, d. h. im 



Gl 

Rahmen der gesamten Beutemasse auf sehr wenige Individuen hin- 
deuten. Auf eine allgemeine Seltenheit des Elch innerhalb der 
damaligen Tierwelt möchte ich aus diesem Befund nicht ohne weiteres 
schließen, wahrscheinlicher ist mir, daß dieser Jagd besondere 
Schwierigkeiten entgegenstanden, und es bestärkt mich in dieser 
Annahme die Angabe Pf izenmayers 1. c. Anm. 16, daß die Tungusen 
heutigen Tages den Elch als einen viel gefährlicheren Gegner an- 
sehen, als selbst den Bären. Diese gefürchtete Wehrkraft liegt nicht 
nur in dem Geweih des Elchhirsches, sie liegt ebenso in den „harten 
und scharfen Schalen" der Vorderläufe, die Hirsch wie Tier, „mit 
ebensoviel Geschick wie Nachdruck" zu benutzen verstehen. Die 
bescheiden bewaffneten Altpaläolithiker werden vor dem Elch, der 
gereizt auch selbst zum Angriff übergeht, keinen geringeren Respekt 
gehabt haben, als die mit Feuerwaffen, Pfeil und Bogen und mit 
eisenbewehrten Spießen ausgerüsteten Tungusen der Gegenwart; sie 
werden ihn auch dort, wo er zum Standwild gehörte, nur wenig 
gejagt resp. angegriffen haben. Naturgemäß wird vor allem der 
Elchhirsch dem angreifenden Jäger gefährlich gewesen sein, wir 
werden deshalb von vornherein vermuten können, daß Elchjagd, wo 
sie nicht nur ganz gelegentlich, dem Zufall folgend, geübt wurde, 
sich im wesentlichen auf die Tiere beschränkte. In diesem Sinn ist 
es sehr bemerkenswert, daß in der großen Ehringsdorfer Fundschicht 
(Bruch Kämpfe) neben Gebiß- und Knochenresten von fünf Indi- 
viduen nur ein Geweihfragment, eine schädelechte Stange mit dem 
unteren Ansatz der Schaufel gefunden worden ist. Allerdings fällt 
die Erbeutung dieser Elche, wie ich in einer anderen Arbeit be- 
beweisen werde, zwischen März und Juli, also in eine Zeit, da das 
Geweih des Elch sich noch in Entwicklung befindet, im Bast steckt. 
Nur starke Elchhirsche tragen schon im Juli ein völlig verrecktes, 
Ende Juli ein gefegtes Geweih. Da aber vom Edelhirsch auch 
Bastgeweihe verschiedentlich in der gleichen Schicht gefunden 
worden sind, so wären auch für den Elch Geweihreste häufiger zu 
erwarten, wenn Elchhirsche im entsprechenden Verhältnis wie Elch- 
tiere erlegt worden wären. Aus der auffallenden Seltenheit von 
Elchgeweihen darf man darum den Schluß ziehen, daß ganz vor- 
wiegend Elchtiere erbeutet wurden, die Jagd auf den Elchhirsch aber 
als zu gefährlich resp. als unrentabel zurücktrat. 

Wir können die paläolithische Elchjagd nicht verlassen, ohne 
eines sehr merkwürdigen Befundes zu gedenken, der sich für den 
Elch (Alces latifrons sp.) der altdiluvialen Mauerer Sande, der Fund- 



stelle des Homo Heidelbergensis, unseres ältesten europäischen 
Menschen, ergeben hat: Das vollständige Fehlen von Geweihresten 
des Elch, der nach den Gebißresten mit 14 Individuen in der bisher 
aufgefundenen Maurer Fauna vertreten ist. Dieses Fehlen ist um 
so auffallender, als in anderen altdiluvialen Kiesen, in „Mosbach 
sowohl als in Süßenborn, ungefähr ebensoviel Individuen im Gebiß 
als im Geweih nachgewiesen sind. Andererseits gehören Geweihe 
vom Rothirsch und Reh in Mauer zu den häufigeren fossilen Resten. 
Wollte man einwenden, das Fehlen von Elchgeweihen sei reiner 
Zufall, so kann man dem entgegenhalten, daß sowohl in Mosbach 
als in Süßenborn zuerst die gewaltigen Geweihe resp. Stangen- 
stümpfe gefunden wurden und später erst die Zähne, die in groben 
Kiesmassen nur vom geübten Auge erkannt werden. Im übrigen 
ist in Mauer nun schon über 20 Jahre mit Aufmerksamkeit ge- 
sammelt worden, jahrelang unter periodischer Kontrolle von Fach- 
leuten. Schon vor dem Fund des menschlichen Unterkiefers hat 
Schoetensack häufig Mauer besucht, und nach dem Fund kann man 
sagen, ist wohl kein halbwegs erhaltbarer, größerer Knochen ver- 
loren gegangen. Und trotzdem ist nie ein Elchgeweih, nie das 
Bruchstück eines solchen gefunden worden, obgleich das Fundinventar 
fast aller vorkommenden Arten in den letzten Jahren ungefähr 
gleichmäßig bereichert wurde. Geologische Verhältnisse, Erhaltungs- 
fähigkeit, irgendwelche Zufälligkeiten müssen meines Erachtens des- 
halb von vornherein ausscheiden bei Erklärung dieses eigenartigen 
Verhaltens. Desgleichen haben alle aus den Lebensverhältnissen und 
Lebensgewohnheiten der Art sich ableitenden Deutungen sehr wenig 
Wahrscheinliches an sich, weshalb ich auf eine Erörterung der 
Möglichkeiten, die sich aus dem zeitlichen Ablauf der Geweihent- 
wicklung, Abwerfen, Aufsetzen und Fegen, und aus einem Vergleich 
dieses zeitlichen Ablaufs beim Elch mit dem beim Rothirsch und 
Reh ergeben, verzichte" 18 ). 

Dieser merkwürdige Unterschied im fossilen Elchmaterial 
zwischen Mauer einerseits, Süßenborn und Mosbach anderseits, 
würde nicht aufgehoben werden durch den eventuellen Fund einer 
oder einiger Elchstangen in Mauer, besonders dann nicht, wenn 
gleichzeitig das Knochen- und Gebißmaterial eine Vermehrung 
erführe. Die über nunmehr 3 Jahrzehnte sich erstreckende wissen- 
schaftliche Kontrolle des Fundortes, die man für die Zeit nach dem 

18 ) W. So er gel, Die diluvialen Säugetiere Badens. I. Teil. Mitt. d. großh. 
geol. Landesanstalt, IX. Band, I. Heft 1914. 



63 

Auffinden des Unterkiefers im Jahre 1907 als eine dauernde bezeichnen 
kann, schließt für die Zukunft jede normale Korrektur resp. Ergänzung 
des Elchmaterials von Mauer aus. Würden Gebisse und Geweihe 
in der kommenden Zeit durch reichliche Geweihfunde auf das normale, 
d. h. das in Süßenborn und Mosbach beobachtete Verhältnis gebracht, 
so würde mit dem Verschwinden des einen ein anderer ebenso 
merkwürdiger Unterschied gegenüber den anderen Fundorten hervor- 
treten: Die Gliederung des fossilen Elchmaterials innerhalb der 
Maurer Kiese in einen Komplex mit ausschließlich Gebiß- und 
Knochenresten, in einen zweiten mit ganz vorwiegend Geweihresten. 
Was in Zukunft auch vom Elch in Mauer gefunden werden mag, 
die Tatsache, daß in den sehr beträchtlichen, innerhalb eines halben 
Jahrhunderts abgebauten Kiesmassen niemals ein Elchgeweih, aber 
Gebißreste von 14 Elchen gefunden worden sind, kann ihrer biolo- 
gischen Bedeutung niemals entkleidet werden. Ein zufälliges 
Ergebnis ungenügenden oder über zu kurze Zeit fortgesetzten 
Sammeins liegt also keinesfalls vor, es ist in dem Befund mit 
besonderen biologischen Ursachen zu rechnen, die keine, zumindestens 
außerordentlich wenige geweihtragende Elche in die Ablagerung 
hineingeraten ließen. Diese Ursachen können weder in einer Be- 
schränkung des Aufschotterungsvorganges auf die Zeit, da der Elch- 
hirsch kein Geweih oder den fossil nicht erhaltbaren frühesten 
Teil trug, oder in einer Beschränkung der dem Wild im engeren 
Bereich unkorrigierter Flüsse drohenden natürlichen Gefahren auf 
diese Zeit gesucht werden, noch in der Tätigkeit der Raubtiere. 
Denn große, den Elch gefährdende Raubtiere sind in den Mosbacher 
Sauden in gleicher, wenn nicht größerer relativer Häufigkeit gefunden 
worden, sind also in der Tierwelt der damaligen Zeit bei Mosbach 
mindestens so häufig gewesen als bei Mauer und können deshalb 
nicht für den Unterschied in der Zusammensetzung des Elchmaterials 
an beiden Fundorten verantwortlich gemacht werden. 

Unsere Feststellungen über die Elchjagd der Ehringsdorfer 
Paläolithiker scheinen mir für den Mauerer Befund die einzige 
Deutungsmöglichkeit zu bieten : Die in den Mauerer Kiesen gefun- 
denen Elchreste sind im wesentlichen Jagdbeutereste des Homo 
Heidelbergensis, der entsprechend dem Vorherrschen der weiblichen 
Elche in der Ehringsdorfer Beute des Neandertalmenschen, nur 
weibliche Tiere erlegte. Diese Auffassung gewinnt eine gewisse Stütze 
darin, daß Homo Heidelbergensis auch den Elephanten und sehr 
wahrscheinlich auch das Nashorn erbeutet hat, wie spätere Abschnitte 



64 

dieses Buches zeigen werden. Auf eine Jagd dieses Menschen 
scheinen mir auch die auffallend große Zahl gut erhaltener Fund- 
stücke und die gerade in letzter Zeit häufiger gefundenen zusammen- 
hängenden Skelettpartien hinzudeuten, wie sie in anderen Kiesen meist 
vollständig fehlen, oder doch überaus selten sind. Es wäre sehr wichtig, 
das gesamte in den Mauerer Kiesen gefundene Knochenmaterial mit 
dem von Süßenborn und Mosbach zu vergleichen und zu prüfen, 
ob im Vorkommen sonst in Kiesen seltener oder niemals gefundener 
Knochen sich Mauer deutlich von den beiden andern Fundorten 
unterscheidet. Auf jeden Fall sind die heute erkennbaren Unter- 
schiede schon so groß, daß eine besondere Erklärung nicht zu 
umgehen ist. Und die auffallende Übereinstimmung mit den, allein 
durch den diluvialen Menschen bestimmten Verhältnissen in Taubach- 
Ehringsdorf, sowohl in der Zusammensetzung des Elchmaterials als 
der des Elephanten- und in geringem Maße auch des Nashorn- 
materials, deuten meines Erachtens auch für Mauer mit Bestimmtheit 
auf den Menschen als urhebenden Faktor hin. Hier eröffnet allein 
die biologische Analyse des Fundmaterials den Weg zur Kenntnis 
der Lebensweise, der kulturellen Entwicklungshöhe unseres ältesten 
diluvialen Menschen. Hat dieser Mensch wie ich glaube, den Elch 
gejagt und in dem Sinne eine Jagdauslese betrieben, daß er nur 
den Elchtieren, nicht aber den Elchhirschen nachstellte, so muß er 
eine Angriffsjagd geübt haben. Er muß also Waffen irgendwelcher 
Art besessen haben, die wohl kaum nur aus dem rohen, mit der 
Hand zu schleudernden Stein bestanden, sondern wahrscheinlicher 
aus Holz gefertigte, vielleicht noch sehr rohe Speere waren. Gelangen 
wir durch die biologische Erforschung der Jagd einmal zu einer 
gesicherten Vorstellung über die kulturelle Entwicklungshöhe des 
Homo Heidelbergensis, so wird das Ergebnis auch für stammes- 
geschichtliche Fragen, für die Beurteilung der verwandtschaftlichen 
Stellung des Homo Heidelbergensis zu späteren diluvialen Menschen- 
arten nicht ohne Bedeutung sein. 

4. Riesenhirsch. 

Kaum zahlreicher als der Elch ist der Biesenhirsch unter der 
Beute der paläolithischen Jäger vertreten. Berücksichtigen wir, 
daß dieser Hirsch nach den Funden im freien Diluvium nicht nur 
in den Zwischeneiszeiten bei uns gelebt, sondern auch zu Zeiten 
eines vordringenden eiszeitlichen Klimas sich noch lange bei uns 
gehalten hat, also in Mittel- und Westeuropa Zeitgenosse der meisten 



65 

paläolithischen Kulturen war, so erscheint seine Beteiligung an der 
paläolithischen Beute außerordentlich gering. In den meisten 
paläolithischen Stationen Mitteleuropas fehlt er völlig, wo er vor- 
handen ist, gehört er stets zu den selteneren oder seltensten Arten 
der Großtiere unter der Beute. Diese auffällige Seltenheit des 
Riesenhirsch in den Küchenabfällen der paläolithischen Jäger, die 
doch alles gejagt haben dürften, was ihnen im Rahmen einer 
gewissen Rentabilität erreichbar war, spricht meines Erachtens dafür, 




'?■*?*$ 



Fig. 9. Riesenhirsch (Cervus euryceros). Nach einem Original von Charles 
Knight im American Museum of Natural History. Aus Osborn, The age of 

Mammals. 



daß aus irgendwelchen Gründen diese Jagd nicht so einfach, nicht 
so sicher Erfolg versprechend war, als es nach Noacks Schilderung 
(1. c. Anm. 2) einer Riesenhirsch jagd in Taubach scheinen könnte. 
Und auch hier möchte ich die Wehrhaftigkeit des Wildes als einen 
stark mitbestimmenden oder ausschlaggebenden Faktor betrachten. 
Bei Beurteilung der Noackschen Schilderung — Jäger spüren in 
sumpfigem "Waldgelände ein kleines Riesenhirschrudel auf, isolieren 
bei der Verfolgung den durch sein Geweih auf der Flucht ausser- 
ordentlich behinderten Hirsch von den Tieren und erlegen ihn 

S o e r g e 1 , Die Jagd der Vorzeit. 5 



schließlich, als er, im Sumpfgebiet Rettung suchend, gerade dort 
durch die Schwere seines Kopfschmuckes sich verstrickt — darf 
man natürlich nicht vergessen, daß der Autor eine besonders erfolg- 
reiche, unter glücklichen Umständen bewerkstelligte Jagd schildern 
wollte und mußte, und darf wohl vermuten, daß der Autor damit 
nicht den Typus einer paläolithischen Riesenhirsch jagd festlegen 
wollte; den Typus, wie er sich bei gleichbleibenden Waffen des 
Jägers, gleichbleibender Wehrhaftigkeit und Fluchtkraft des Wildes, 
gleichbleibendem Charakter des Wohngebietes des Wildes für die 
Jagd auf jede Tierart herausbilden muß. Schwankungen in diesen 
Momenten bedingen natürlich zahlreiche, aber untergeordnete 
Varianten der Jagdmöglichkeit und Jagdmethode, die bei einer 
allgemeinen Beurteilung der paläolithischen Jagd in den Hinter- 
grund treten müssen. Ersetzen wir in Noacks Schilderung die mit 
rohen Feuersteinspitzen bewehrten Speere durch reine Holzsperre, so 
bewegt sich die Darstellung vielleicht im Rahmen des Möglichen, 
keinenfalls aber im Rahmen dessen, was auf Grund tatsächlicher 
Funde gefolgert werden muß. Zunächst dürfte das Gelände, in dem 
der Riesenhirsch (Abb. 9) mit seinem über 3 m klafternden Geweih 
heimisch war, nicht dichtes Waldgebiet mit Sumpfgelände gewesen 
sein. Waldarmes Grasland, Park- und Haglandschaften, niedere 
Buschwälder an den Ufern der Ströme boten ihm unstreitig bessere 
und entsprechendere Lebensbedingungen. Dort muß er nach Aussage 
seines Vorkommens in fossilen Faunen zu Hause gewesen sein; 
in reinen Waldfaunen ist er stets selten oder fehlt vollkommen. 
Daß das große Geweih seinem Träger oft verhängnisvoll wurde, ist 
wahrscheinlich; ich glaube aber nicht, daß diese Behinderung und 
Gefährdung so evident war, wie N o a c k sie schildert, wo der Hirsch 
schon in den ersten Stadien der Flucht weit hinter den Tieren 
zurückbleibt. Es ist nicht zu vergessen, daß der allerdings stark 
bewehrte Kopf auf einem außerordentlich verstärkten Nacken- und 
Rumpfskelett aufsaß, also ein gewisser Ausgleich stattgefunden hatte. 
Wäre diese Jagd so leicht gewesen, so müßten wir Riesen- 
hirschreste in den Küchenabfällen der Paläolithiker ungleich häufiger 
antreffen, und, wenn Noacks Schilderung zu Recht bestände, vor 
allem Reste männlicher Tiere. Gerade das letztere trifft aber für 
den Fundort, wo der Riesenhirsch in Mitteldeutschland noch relativ 
häufiger Beute des paläolithischen Menschen geworden ist, das 
Kalktuffgebiet von Ehringsdorf nicht zu. In der großen Fundschicht 
(Homo-Fundschicht) im Bruch Kämpfe sind bis jetzt an Gebissen 



67 

und Einzelzähnen die Reste von ca. 7 Riesenhirschen gefunden 
worden, aber nur einmal die basalen Teile des Geweihs an einem 
größeren Schädelfragment, und kein isoliertes Geweihstück. Ähnlich 
verhält es sich im Taubacher Fundmaterial. Hier ist der Riesen- 
hirsch mit etwa 6 Individuen vertreten, außer Kiefern, Einzelzähnen 
und Knochen sind aber nur eine Abwurfstange und mehrere Geweih- 
fragmente vertreten. Ich habe in den vielen deutschen Sammlungen, 
über die die Taubacher Funde verstreut sind, kein schädelechtes 
Geweihstück aus der Taubacher Fundschicht gesehen. Da vom 
Edelhirsch nebst Knochen und Gebißresten in größerer Anzahl auch 
schädelechte Geweihreste, sogar Bastgeweihe aufgefunden worden 
sind, so scheint die große Seltenheit von schädelechten Riesenhirsch- 
geweihen darauf zu deuten, daß wie beim Elch im wesentlichen 
nur weibliche Tiere erlegt wurden. Die Jagd auf den Hirsch muß 
zumindesten viel weniger geübt worden sein, und hier wie beim 
Elch wahrscheinlich deshalb, weil sie zu gefährlich, also unrentabel war. 

5. Schwein. 

Das Schwein ist die letzte Tierart unter dem mittleren Groß- 
wild, deren allgemeine Seltenheit in der Beute der diluvialen Jäger 
mit der Wehrhaftigkeit des Wildes in ursächlichem Zusammenhang 
stehen könnte. Hier spielt aber zunächst ein anderer Umstand eine 
ungleich entscheidendere Rolle. Das Schwein ist ein reiner Wald- 
bewohner, der nur selten in waldarmen, dann aber stets in feuchten 
und sumpfigen Gebieten angetroffen wird. Es kann also nur in 
Zwischeneiszeiten in Mitteleuropa gelebt haben. Die meisten paläo- 
lithischen Kulturstufen, und gerade die jungpaläolithischen, denen 
die Hauptmasse aller ausgegrabenen „Stationen" zugehört, fallen 
aber zeitlich mit Eiszeiten zusammen, so daß die Gelegenheit zur 
Saujagd im Paläolithikum von vornherein beschränkt war und das 
Schwein notwendigerweise in der paläolithischen Gesamtbeute zurück- 
treten muß. Daß es aber auch in Frankreich, wo ein eiszeitliches 
Klima stets weniger zur Geltung kam und der Wald in weiten 
Gebieten niemals vollständig der kalten Steppe gewichen sein kann, 
unter der paläolithischen Beute sehr selten ist, ja dem Beutematerial 
zwischeneiszeitlicher Kulturen vielfach fehlt, das deutet auch hier 
auf die Wehrhaftigkeit des Wildes als den die Jagdauslese des 
Paläolithikers wesentlich mitbedingenden Faktor. Auf die Wehr- 
kraft des Wildschweines, die Stärke seiner geschickt benutzten Hauer 
und die Gefährlichkeit der mit ihnen geschlagenen Wunden brauche 

5* 



68 

ich nicht näher einzugehen. Sie sind ebenso bekannt, wie die An- 
griffslust der Tiere, die sowohl dem Keiler als der Frischlinge 



gejagt haben, wenn er unter möglichst geringer Gefährdung seiner 
Person die Stärke seiner Waffen voll zur Geltung bringen konnte, 
also nur unter besonders günstigen Umständen. Und solche möchte 
ich für die Jäger der letzten Zwischeneiszeit bei Taubach annehmen, 
in deren Beute an Großwild das Schwein die fünfte Stelle einnimmt. 
Thüringen, und insbesondere das Ilmtal zwischen Mellingen und 
Weimar, müssen dem Wildschwein damals sehr günstige Lebens- 
bedingungen geboten haben. Die feuchte Flußniederung der Um, 




«J^-*-" 



Fig. 10. Wildschwein- Jagd. 

Diluviale Felsmalerei aus der „Cueva del Charco del Agua Amarga", unweit Alcafiiz 

(Provinz Teruel). Nach Originalkopie von Prof. H. Obermai er. l / 3 n. Gr. 



die von kalkabsetzenden Quellen überrieselten, mit kleineren und 
größeren Wasserbecken übersäten Talhänge, mußten die Wildschweine, 
die regelmäßig mit Eintritt der Dämmerung ihre Suhlen aufsuchen, 
geradezu anlocken. Als wehrhaftes, seiner Stärke sich wohl bewußtes 
* Tier, gibt es sich selbst dort, wo große Raubtiere nicht fehlen, 
ziemlich sorglos dem Genüsse seines Bades hin, und hier können 
auch Jäger mit einfachen Waffen besonders günstige Gelegenheit 
zur Erbeutung der Tiere finden. An eine freie Jagd, ein Auf- 
suchen des Wildes in seiner Walddickung, an ein Verfolgen ist 
nicht zu denken. Solche Jagd wird erst den Jungpaläolithikern 
mit ihren stärkeren Waffen möglich gewesen sein, sie ist vor allem 
in Spanien von Jägerstämmen geübt worden, die vielleicht noch der 
jüngsten Phase des Eiszeitalters zugehören. Die Darstellung in 



führenden Bache eigen ist. Der Paläolithiker wird dieses Wild nur 




69 

Abb. 10, die ich der Liebenswürdigkeit von H. Ober maier verdanke, 
zeigt uns in einer Felsmalerei eine solche freie Wildschweinjagd. 

6. Edelhirsch, Damhirsch, Reh. 

Diese drei Waldtiere werden wir unter der Beute der dilu- 
vialen Jäger zahlreicher nur aus Zeiten erwarten dürfen, in denen 
ein gemäßigtes Klima bei uns herrschte und weite Teile Mittel- 
europas bewaldet waren. Da die Jungpaläolithiker ausschließlich, 
die Altpaläolithiker zweimal Zeitgenossen einer Vereisung gewesen 
sind, in der die kalte Steppe den Wald außerordentlich zurück- 
drängte, so müssen im gesamten paläolithischen Beutematerial die 
drei Hirsche naturgemäß stark zurücktreten. Sie sind aber auch 
in den Zwischeneiszeiten nirgends bevorzugtes Jagdwild gewesen. 

In Frankreich, wo auch in glazialen Zeiten Waldtiere Lebens- 
möglichkeiten besaßen, fehlt der Edelhirsch im Beutematerial 
keiner Kultur völlig, ist aber stets nur in bescheidenem Maße ver- 
treten. In Mitteleuropa sind die Tuffkalke von Weimar-Ehringsdorf- 
Taubach die einzige Stelle, wo seine in größerer Menge gefundenen 
Reste auf eine erfolgreiche Jagd hindeuten. Im Beutematerial der 
Taubacher Jäger nimmt er die sechste, in dem der Ehringsdorfer 
Jäger (Homo-Fundschicht in Bruch Kämpfe) die fünfte Stelle ein, 
bleibt dabei aber an Häufigkeit hinter anderen Tierarten sehr weit 
zurück. Ich habe früher die Ansicht vertreten (1. c. Anm. 1), daß 
ein Teil der gefundenen Hirschreste nicht vom Menschen, sondern 
von Raubtieren erbeuteten Tieren angehört. Da sich Biß- und 
Nagespuren aber weder an den Taubacher noch an den Ehrings- 
dorfer Knochen haben nachweisen lassen, überhaupt biologische An- 
haltspunkte dafür, daß in den Travertinen der Gegend von Weimar 
menschliche und tierische Beute gemischt seien, sich nicht gefunden 
haben, so müssen wir auch alle Hirschreste der menschlichen Beute 
zuzählen. 

Die angewandte Jagdmethode beansprucht hier kein besonderes 
Interesse, da der Besitz von Holzwaffen schon dem Altpaläolithiker 
eine volle Überlegenheit über seine Beute sicherte und ihn nicht 
zu besonderen, von denen heutiger mit Speeren bewaffneter Stämme 
abweichenden Jagdmethoden zwang. Das starke Überwiegen aus- 
gewachsener Tiere in. allen Altersstadien" in der Ehringsdorfer und 
an der Taubacher Edelhirschbeute zeigt, daß die engere Wahl des 
Beutetiers hier vollkommen in der Hand des Menschen lag, der als 



70 

rein praktischer Jäger ein größeres, fleischreicheres Tier naturgemäß 
einem kleinen Kalb vorzog. 

In ungleich geringerem Maße als der Edelhirsch sind Dam- 
hirsch und Reh Jagd wild des paläolithischen Menschen gewesen, so- 
wohl in West- als in Mitteleuropa. Für den Damhirsch ist in 
Mitteleuropa das Kalktuffgebiet der Gegend von Weimar überhaupt 
die einzige Stelle. Ich konnte ihn aus der Fundschicht des Weimarer 
Travertinkomplexes (ehemaliger Bruch Röhr) nur einmal, und eben- 
falls nur einmal in dem Fundmaterial von Taubach nachweisen. 
Diese Seltenheit, die keineswegs auf ein sehr spärliches Vorkommen 
des Damhirsch in damaliger Zeit ohne weiteres schließen läßt, ist 
sehr auffallend; denn der Damhirsch schlägt sich zu größeren Rudeln 
zusammen als der Edelhirsch, so daß für den angreifenden Jäger 
eine viel größere Wahrscheinlichkeit besteht, wenigstens ein Tier zu 
treffen; er hält ferner, was ebenfalls die Jagdaussichten beträchtlich 
erhöht, seine Wechsel gut ein, und kann schließlich keinesfalls als 
ein besonders wehrhaftes Tier in dem Sinne bezeichnet werden, daß 
diese Wehrkraft einen einschränkenden Einfluß auf die menschliche 
Jagd ausgeübt haben könnte. Ich sehe den Grund für die sehr 
geringe Beteiligung am Beutematerial in der geringen Größe des 
Damwildes. So lange für den Altpaläolithiker die Möglichkeit be- 
stand mit nicht wesentlich größerer Anstrengung größere Tiere zu 
erbeuten, war sein Interesse für geringeres Wild ähnlicher Art nicht 
groß genug, um ihn zu einer planmäßigen Erjagung zu reizen. 

Und aus dem gleichen Grunde ist, glaube ich, das Reh in der 
Beute der zwischeneiszeitlichen Jäger so spärlich vertreten, in Mittel- 
wie auch in Westeuropa. Nur wo sehr große Beutemengen über- 
liefert sind, hat man es zahlreicher, aber an Menge stets gegen 
andere Tierarten weit zurücktretend aufgefunden. Für Mitteleuropa 
sind wiederum die Kalktuff vorkommen von Weimar, Ehringsdorf 
und Taubach die ergiebigsten Fundstellen gewesen, wo es in allen 
Fundschichten der drei Gebiete mit etwa 30 Individuen vertreten 
sein mag. In der Homo-Fundschicht im Bruch Kämpfe zu Ehrings- 
dorf sind die Reste von 7, in der großen Taubacher Fundschicht 
die Reste von 12 Rehen gefunden worden, eine sehr bescheidene 
Anzahl, wenn man berücksichtigt, daß eben diese Fundschiebt in 
Taubach die Reste von über 100 Nashörnern, über 70 Bären und 
über 60 Elephanten geliefert hat. Neben der geringen Größe, die 
vielleicht auch für die Treffmöglichkeit nicht ohne Belang war, 
wird besonders die Lebensweise der Rehe einer ergiebigen Jagd im 



' 71 

alten Ilmtal nicht förderlich gewesen sein. Das Reh schlägt sich 
nur zu kleinen Trupps von meist nur 3—5 Stück zusammen, so das 
die Wahrscheinlichkeit eines Jagderfolges mit einfachen Waffen von 
vornherein geringer sein muß als bei stärker geradelten Tieren; es 
sucht nicht regelmäßig eine Tränke auf, wenn Tau und Regen sein 
Futter hinreichend überfeuchten, es blieb also dem wasserreichen 
Ilmtalbereich, an das vorzugsweise die Jagd der Paläolithiker ge- 
bunden war, in viel höherem Maße fern als die meisten anderen 
Tiere, die unter der paläolithischen Beute von Ehringsdorf und 
Taubach, vertreten sind. 

Nicht nur die Wehrkraft, auch die Lebensweise und die 
Größe des Jagdwildes sind für die paläolithische Jagd wichtige 
Faktoren der Rentabilität gewesen, die letzten Endes natürlich durch 
die Angriffskraft des Menschen und seine auf ihr aufgebauten Jagd- 
möglichkeiten bestimmt wurde. 

7. Pferd. 

Von den bisher in ihrer Eigenschaft als Jagdwild des diluvialen 
Menschen besprochenen Tierarten ist mit vielleicht einer Ausnahme 
(der braune Bär in der Höhle Jachymka) keine irgendwo und 
irgendwann das bevorzugte, in den Beuteresten vorherrschende 
Jagdwild des Paläolithikers gewesen. Das gilt, soweit die alt- 
paläolithische Jagd in Frage kommt, auch für das Pferd, das als 
ausgesprochener Steppenbewohner in den zwischeneiszeitlichen Wald- 
zeiten, in die die Kulturen des Chelleen und des jüngeren Acheuleen 
resp. des Micoquien und ein Teil der dem Mousterien zugerechneten 
Kulturen fallen, naturgemäß im Tierbestand Mittel- und West- 
europas gegenüber den eigentlichen Waldtieren zurücktrat. In der 
Fundschicht im Tonlager von Rabutz bildet es etwa 3%, in der 
großen Taubacher Fundschicht etwa 6%, in der etwas jüngeren, 
gegen Ende der letzten Zwischeneiszeit entstandenen sogenannten 
Homo-Fundschicht im Bruch Kämpfe zu Ehringsdorf etwa 20% der 
Gesamtbeute. Auffallend häufig, vielleicht sogar das häufigste 
Beutetier scheint es bei La Micoque gewesen zu sein, doch entzieht 
sich bei den nur ganz kursorischen Angaben der Literatur 19 ) einer 
Beurteilung, ob ihm eine Durchrechnung des Materials nach 
Individuen die erste Stelle in der Beutemasse belassen würde. Auf 



19 ) 0. Hauser. La Micoque. Leipzig 1916 (hier die weitere Literatur) 
H. Obermaier 1. c. Anm. 5. 



jeden Fall ist selbstverständlich, daß lokal besonders günstige Jagd- 
mögliclikeiten zu j eder Zeit diese oder jene Art einmal zum häufigsten 
Beutetier des Menschen machen können. Für die allgemeine 
Beurteilung können solche Ausnahmen nicht maßgebend sein; wir 
dürfen daran festhalten, daß für die altpaläolitischen, zwischeneis- 
zeitlichen Jäger das Pferd keine ausschlaggebende, meist sogar eine 
recht untergeordnete Rolle gespielt hat. Es ist aber auch im 
Beutematerial der Acheuleen-Jäger der vorletzten, und dem der 
Mousterien- Jäger der letzten Eiszeit im allgemeinen kaum stärker 
als andere Tierarten vertreten, obwohl es in diesen Zeiten sehr 
häufig gewesen sein muß. Niemals steht es im Beutematerial an 
erster oder an zweiter Stelle. Man gewinnt den bestimmten Eindruck, 
daß diese geringe Beteiligung des Pferdes an der Beute der Alt- 
paläolithiker auch in Zeiten seiner besonderen Häufigkeit nicht nur 
auf einer freien oder ganz freiwilligen Jagdauslese dieser Menschen 
beruht; daß sie vielmehr die Folge verschiedener, Jagdauslese, 
Jagdart und Jagderfolg absolut beherrschender Faktoren gewesen 
ist, denen die freie Willensbestimmung des Menschen durchaus 
untergeordnet war. Unter diesen Faktoren betrachte ich als aus- 
schlaggebend den Körperbau der Neandertalrasse, des Trägers der 
altpaläolithischen Kulturen. Die Massigkeit der Knochen, der 
gewaltige, nach vorn gebeugte Schädel, der Bau der unteren 
Extremität, besonders des Fußes, die auch bei Streckung des Beines 
im Stand noch etwas nach vorn gebeugten Knie erweisen einen 
auf dem Boden nicht besonders beweglichen, behenden Menschen- 
schlag. Die gennanten Merkmale lassen für den Neandertaler gerade 
die Eigenschaften vermissen, die für den Jäger der Steppen, für eine 
erfolgreiche Jagd auf flüchtige Steppentiere Voraussetzung sind. 
Alle Jagdarten, die auf einem Treiben und Scheuchen von Pferden 
beruhen, sind diesen Menschen deshalb nicht oder in günstigem, 
stark zerrissenem Gelände nur in bescheidenem Maße möglich 
gewesen. Und dieser Mangel wurde durch eine besondere Wirkungs- 
weite der Waffen sicher nicht ausgeglichen; es war nur ein beschränkter 
Raum, den der Altpaläolithiker mit seinen Waffen beherrschte, und 
eine wichtige Voraussetzung für eine Waffen Wirkung muß stets die 
Möglichkeit gewesen sein, möglichst nah, zumindestens 50 — 70 m 
unbemerkt an das Wild heranzukommen. Solcher Jagd bot natur- 
gemäß gerade die freie Steppe besondere Schwierigkeiten. 

Mit dem Beginn des Jungpaläolithikums, dem Einrücken einer 
neuen, schlanker gebauten Rasse, den Aurignacmenschen in das 



73 

Wohnbereich der Neandertaler ändert sich sofort die Stellung des 
Pferdes in der menschlichen Beute. Neben den körperlichen, den 
Anforderungen an das Jagen in Steppen ungleich besser entsprechenden 
Eigenschaften dieser Menschen sind es noch zwei weitere Momente, 
die den größeren Jagderfolg auf flüchtiges Herdenwild, insbesondere 
auf das Pferd verstehen lassen. Erstens besaßen die mit Knochen- 
spitzen bewehrten und sicherlich auch sonst besser gearbeiteten 
Speere dieser Jungpaläolithiker eine größere Wurfweite und auch 
auf größere Entfernung noch eine hinreichende Wirkung; zweitens 
mußte gerade das Pferd als besonders erwünschte Beute erscheinen, 
da seine zwar schlanken, aber festen, dickwandigen Extremitäten- 
knochen ein gutes Material für Knochenwerkzeuge aller Art lieferten. 
Und das wird ein besonderer Ansporn gerade zur Pferdejagd gewesen 
sein, die nun im Aurignacien und Solutreen ihren Höhepunkt 
erreichte. In der Aurignacienschicht der Ofnet bildet das Pferd 
allein 60% der Beutereste; in der gleichen Zeit war es in Nieder- 
östereich und Mähren Hauptjagdobjekt des Menschen und überwiegt 
bei teilweise ebenso starker Beteiligung des Rentieres in der 
menschlichen Jagdbeute von Joslowitz, Willendorf, Predmost, Zeisel- 
berg, Hundsteig bei Krems und anderen Aurignacienstationen. In 
den Aurignacienschichten der belgischen Höhlen erweist es sich 
nächst dem Ren als häufigste Jagdbeute des Paläolithikers, und 
das gleiche gilt für viele französische Höhlen. In der Aurignacien- 
station am Fuße des Felsens von Solutre sind die Reste von ca. 
10000 Pferden gefunden worden. 

Dieselbe hohe Bedeutung behält es im Solutreen, und erst im 
Magdalenien tritt es deutlich hinter dem Rentier zurück, ist aber 
lokal noch stark, in der Höhle Kostelik mit 42 °/ an der Jagdbeute 
beteiligt. 

Die Jagdmethode wird je nach dem Landschaftscharakter eine 
verschiedene gewesen sein. Eine Angriffsjagd auf einzelne Tiere 
einer Herde wird bei der Scheu und der Fluchtkraft des Wildes 
nicht die entscheidende Rolle gespielt haben. Der jungpaläolithische 
Jäger wird seiner Jagd vor allem die Scheu, das Schrecken der 
Pferde, das durch ganz geringfügige Ursachen hervorgerufen, oft 
große Herden in panikartiger, besinnungsloser Flucht davonjagen 
läßt, nutzbar gemacht haben. Schon wenige, gut postierte Jäger 
können unter diesen Umständen genügen, eine Pferdeherde in Rich- 
tungen zu treiben, wo Fallgruben oder steil abstürzende Felsen den 
Tieren verhängnisvoll werden. Nur mit dieser Jagdmethode erklären 



74 

sich die teilweise überraschenden Jagderfolge. Inwieweit sie sich 
im einzelnen durch die prozentuale Beteiligung von alten und jungen 
Tieren in der Pferdebeute beweisen läßt, kann mangels hinreichender 
Angaben in der Literatur nicht entschieden werden. Junge und 
altersschwache oder gebrechliche Tiere sind jedenfalls in etwas 
größerer Zahl unter der Beute zu erwarten, als sie in einer Herde 
normalerweise vertreten sind. Auf einem solchen "Wege müßte sich 
der Unterschied der Jagdmethoden, die im Alt- und im Jungpaläo- 
lithikum geübt wurden, zahlenmäßig belegen lassen, denn die vor- 
wiegend Einzeljagd treibenden Altpaläolithiker werden, wie wir es 
bei ihrer Hirschjagd festgestellt haben, erwachsene, also große und 
fleischreiche Tiere den kleinen Fohlen vorgezogen haben. Es ist 
in diesem Sinne bemerkenswert, daß wenigstens in der altpaläo- 
lithischen Pferdebeute von Taubach und Ehringsdorf junge Tiere 
mit Milchgebiß vollständig zurücktreten, erwachsene in der Vollkraft 
stehende Tiere durchaus überwiegen. 

Ob Schleuder und Bola in jungpaläolithischer Zeit zur Pferde- 
jagd Verwendung fanden, läßt sich nicht ermitteln, jedenfalls fehlen 
bis heute im Artefaktmaterial wie in den Felszeichnungen sichere 
Anhaltspunkte für ihr Vorhandensein in damaliger Zeit. 

8. Das Rentier. 

Stärker noch als die des Pferdes ist die allgemeine Stellung 
des Rens innerhalb der Gesamtbeute der paläolithischen Jäger 
bestimmt durch die wechselnden Klimate des Eiszeitalters. Als 
Bewohner der Tundra und der kalten Steppe fehlte es naturgemäß 
den Zwischeneiszeiten und damit der Jagdbeute der zwischeneiszeit- 
lichen Jäger. Erst mit dem Aufkommen einer Eiszeit, dem Vor- 
rücken der Eismassen und der Ausbreitung der kalten Steppe über 
weite Teile Mittel- und Westeuropas zog es bei uns ein und war 
nach Aussage der in Kiesen und Lössen gefundenen Skelettreste 
zur Zeit des glazialen Klimas häufig und weit verbreitet. Wenn 
es trotzdem in den eiszeitlichen Kulturen des Altpaläolithikums, dem 
Acheuleen der vorletzten und dem Mousterien der letzten Eiszeit 
keine ausschlaggebende, im ersten Fall sogar eine sehr bescheidene 
Rolle als Jagdwild gespielt hat, so dürfte das ähnliche Ursachen ge- 
habt haben, wie sie für die altpaläolithische Pferdejagd oben besprochen 
worden sind. Der Neandertalmensch war einer Jagd auf die Tiere 
der freien Landschaft, der Steppe körperlich weniger gewachsen, er 
war zu schwerfällig. Seine Jagdmethode wurde im höchsten Maße 



75 

bestimmt vom Milieu; und innerhalb seiner Möglichkeiten bevorzugte 
seine Jagdwahl stets größere und fleischreiche Tiere. Eine primitive 
Rentabilität beherrscht seine Jagd, die er in keinem Gebiete souverain, 
niemals mit derjenigen Überlegenheit über die Tierwelt ausüben 
konnte, die erst die Voraussetzung für eine freie Jagdwahl ist. 

Mit dem Erscheinen der Aurignacmenschen in Europa, mit dem 
Einsetzen des Jungpaläolithikums änderte sich wie für das Pferd, so 
für das Ren das Verhältnis zum diluvialen Jäger: Es wird nächst 
dem Pferd das bevorzugteste Jagdwild des Menschsen, das an der 
Beute der Aurignac- und Solutre-Jäger häufig ebenso zahlreich, 
selten zahlreicher als das Pferd beteiligt ist. Die besonderen körper- 
lichen Eigenschaften der neuen Rasse, ihre weit vollkommenere Be- 
waffnung und die damit errungene größere Bewegungsfreiheit, die 
ein Einwandern in die offenen Steppen und eine freiere Wahl des 
Wildes gestatteten, schließlich die Bedeutung der Geweih- und 
Knochenartefakte in diesen Perioden, für die geeignetes Rohmaterial 
ständig beschafft werden mußte: das sind die wesentlichsten Ur- 
sachen für die Umwertung der Beutetiere, die höhere Wertung des 
Rentieres. 

Sie erreicht ihren Höhepunkt im Magdalenien. Und wiederum 
ist die, allerdings nicht so einschneidende Umstellung in der Wahl 
des Wildes, wie wir sie zwischen Alt- und Jungpaläolithikum fest- 
gestellt haben, an das Erscheinen einer neuen Menschenrasse, der 
Rasse von Cro-Magnon gebunden, wiederum spielt die Wahl des 
Rohmaterials für Werkzeug und Waffen, die Steigerung der Knochen- 
und Geweihbearbeitung eine beträchtliche Rolle. Mit seltenen Aus- 
nahmen dominiert das Ren nun in der Beute der diluvialen 
Jäger. Was der Bison für die Indianer in Nordamerika bedeutete, 
das Rentier heute bedeutet für die Lappen, die nordostsibirischen 
Stämme und einige Indianerstämme Alaskas, das war das wilde 
Ren damals den Jägern des Magdalenien. Auf dieses Wild 
muß ihre ganze Lebenshaltung eingestellt gewesen sein; es ist die 
Zeit, die mit Recht als Rentierzeit bezeichnet worden ist. Die 
zahlreichen Fundstellen brauchen hier nicht aufgezählt zu werden. 
In den Magdalenienstationen von Ost-, Mittel- und Westeuropa über- 
wiegt es durchaus in der Beute; in der Magdalenienstation von 
Munzingen in Baden bildet es über 50% der gefundenen Beutereste, 
im Keßlerloch ist es nach Studer mit 79,4%, im Schweizersbild 
wit 75% beteiligt. Allein diese beiden Stationen haben die Reste 
von 925 Rentieren geliefert. 



76 

Die Jagdmethode wird in den einzelnen Perioden des Paläoli- 
thikums eine verschiedene gewesen sein. Einzeljagd, Angreifen und 
Erlegen eines oder einiger Tiere, daneben wohl auch Fallgruben - 
fang, wie er heute noch getrieben wird, werden im Altpaläolith ikum 
im Vordergrund gestanden haben, und wohl auch durch die ganze 
jungpaläolithische Zeit geübt worden sein. Wo im Jungpaläolithi- 
kum allerdings sehr viele Tiere erlegt worden sind, besonders wo 
jüngere Tiere einen höheren Prozentsatz bilden, dürfte Herdenjagd 
die herrschende gewesen sein. Im Keßlerloch bilden junge Tiere 
nach Studer Y 4 , in Schweizersbild V 3 der erbeuteten Rentiere. In 
Munzingen sind unter 29 Individuen der Ausgrabung des Jahres 
1914 6 jugendliche, noch nicht ganz ausgewachsene Tiere und 6 Kälber. 
Eine solche Zusammensetzung der Beute wird kaum durch Einzel- 
jagd erzielt worden sein. Denn junge und sehr junge Tiere boten 
keineswegs solche Vorteile, daß die Einzeljagd sie bei doch gleich- 
zeitig vorhandenen erwachsenen Tieren so oft hätte wählen müssen. 
Ihr Knochenmaterial ist nicht vollwertig, meist minderwertig zur 
Verarbeitung, ihr Geweih sehr gering, die Fleischmasse unbedeutend. 
Höchstens das weichere Fell, das die Jungpaläolithiker sicherlich 
zu bearbeiten verstanden, könnte einen Anreiz zur Erbeutung gerade 
junger Tiere geboten haben. Einen entscheidenden Einfluß kann 
ich diesem einzigen Vorteil gegenüber mancherlei Nachteilen aber 
nicht zuerkennen. Ich sehe in einer starken Beteiligung junger 
Tiere den Beweis für Herdenjagd. Von den Jägernomaden Sibiriens 
wird das Ren hauptsächlich im Frühjahr und Herbst gejagt, „wenn 
es auf seinen alljährlichen großen Wanderungen enge Schluchten 
und Pässe durchschreitet oder Flüsse auf stets den gleichen Furten 
durchquert. Ist der vordere Teil einer großen Herde im Wasser, 
so schießen die Nomaden auf kleinen Booten heran und erbeuten 
mit Messern und Spießen in kurzer Zeit eine Menge Tiere. Auf 
derartigen Wanderungen gehen aber stets die weiblichen Tiere mit 
den Kälbern voran. Wird der erste Teil des Zuges angegriffen, 
was ja auch viel praktischer ist als der Schluß mit den wehrhafteren 
Männchen, so muß der Prozentsatz junger Tiere in der Beute ein 
hoher sein. Und wir bekommen damit ein Massen Verhältnis alter 
und junger Tiere, wie es im Keßlerloch und im Schweizersbild 
gefunden wurde?" (Soergel, 1912). 

Diese Wanderungen sind heute verursacht durch verschiedene 
Insekten, die durch ihr massenhaftes Auftreten die Rentiere veran- 
lassen, ihre Weidegebiete zu wechseln. In den eiszeitlichen Steppen 



77 

Europas wird es nicht anders gewesen sein, wir werden mit großen 
Wanderungen aus derselben oder einer ähnlichen Ursache rechnen 
dürfen. Aber auch ohne die Annahme weiter, regelmäßiger Wan- 
derungen ist eine solche Herdenjagd in jungdiluvialer Zeit möglich 
gewesen. Wir wissen, daß die nordsibirischen Jäger ihrem Wild 
oft tagelang folgen, bis sie zu einem sicheren Schuß kommen können. 
Die Jäger des Jungpaläolithikums werden nicht weniger ausdauernd 
gewesen sein. Sie folgten wohl auch den Herden, bis sie in Kesseln 
und engen Tälern gute Gelegenheit zu möglichst erfolgreicher Jagd 
fanden; sie werden aus dem gleichen Grunde durch dauernde Beun- 
ruhigung die Herden zum Abziehen in bestimmter Richtung, in 
bestimmte Gegenden gezwungen haben. Vielleicht hat man damals 
schon, vor allem im Herbst, Her den jagd getrieben, um sich hinreichende 
Wintervorräte zu verschaffen. Im einzelnen stellt uns die Rentier- 
jagd nicht vor schwierige Fragen, da die Überlegenheit des jung- 
paläolithischen Jägers ganz außer Zweifel steht und sein Jagderfolg 
ohne weiteres begreiflich ist. 

Und ähnliches gilt, wenn auch für einige Arten in sehr stark 
abgeschwächtem Maße, für die anderen, bisher besprochenen Tierarten. 
Aus einem Vergleich mit der Jagd heutiger primitiver Stämme ist 
bei Berücksichtigung der kulturellen Entwicklungshöhe der diluvialen 
Jäger und des Landschaftscharakters ihres Jagdbereichs stets die 
Jagdmethode der Paläolithiker unschwer abzuleiten, die im Beute- 
material dokumentierte Art ihres Jagderfolges jedenfalls meistens 
zu verstehen. Ein höheres Interesse beansprucht demgegenüber die 
Frage, wie haben die diluvialen Jäger die großen Dickhäuter, den 
Elephanten und das Nashorn erlegen können; ihr gelten die 
folgenden Abschnitte. 



VI. Die Jagd auf den diluvialen Wald- 

elephanten. 

(Elephas antiquus Falc.) 

Die Jagd auf den Elephanten hat der Paläolithiker in zwei 
durch Klima, Flora und Fauna sehr unterschiedenen Gebieten aus- 
geübt: Einmal in Waldgebieten auf Elephas antiquus, den Wald- 
elephanten, — dieser deutsche Name ist viel treffender als die 
gebräuchliche aber irreführende Verdeutschung „Urelephant" — 
dann im Steppengebiet auf Elephas primigenius, das Mammut. Die 
Erörterungen über die Jagd auf den Waldelephanten, und zwar 
unter spezieller Berücksichtigung der Taubacher Verhältnisse, stelle 
ich an die Spitze, da der Tatsachenbestand gerade dieses Fundplatzes 
ein sehr einfaches und klares Bild gibt und eine feste Basis bietet für 
weitere Schlußfolgerungen über die Elephantenjagd im allgemeinen. 

Ich habe 1912 versucht, unter Berücksichtigung der Fund- 
verhältnisse in Taubach, des Massenverhältnisses alter und junger 
Tiere unter den erhaltenen Elephantenresten, der möglichen Bewaff- 
nung der paläolithi sehen Jäger und schließlich unter Berücksichtigung 
der heute bei primitiven Stämmen in Waldgebieten gebräuchlichen 
Jagd arten wahrscheinlich zu machen, daß die Taubacher Mousterien- 
jäger den Waldelephanten in Fallgruben gefangen haben. Gegen 
diese Annahmen und einige wesentliche dafür eingesetzte Argumente 
hat Profe eine Anzahl von Bedenken geäußert, die ihn schließlich 
zu der Auffassung führten, daß der Mensch den Elephanten bei 
Taubach überhaupt nicht gejagt habe, daß hier vielmehr ähnlich 
wie in Predmost eine Elephantenherde irgendeiner Katastrophe 
erlag. Der Argumente, die Profe seine Ansicht zu begründen, meine 
zu widerlegen scheinen, sind es folgende drei: 

1. In Taubach ist der Elephant nicht vom Menschen gejagt 
worden, vielmehr eine Herde einem katastrophalen Ereignis zum 
Opfer gefallen. 



79 

2. Das in Taubach von mir gefundene Massenverhältnis 
zwischen alten und jungen Tieren innerhalb der Elephantenreste 
deckt sich mit dem in einer Elephantenherde herrschenden und 
stimmt überein mit demjenigen, das Prof e für das Mammutmaterial 
von Predmost resp. einen Teil davon berechnete, wo nach herrschender 
Ansicht eine Herde zugrunde ging. 

3. Fallgrubenfang ist sehr unwahrscheinlich, schon deshalb, 
weil dem Paläolithiker keine Geräte zur Verfügung standen, solche 
Gruben auszuheben. Das gleiche Bedenken äußert Noack, nach 
dem zur Herstellung solcher Gruben die Paläolithiker viele Wochen 
gebraucht haben müßten. 

Fallgrubenfang kann ferner auf Grund der Lebensweise und 
der Lebensgewohnheiten der Elephanten nicht zu einem Überwiegen 
der jungen Tiere in der Beute führen. 

An der Hand dieser Einwürfe läßt sich die Frage am ein- 
gehendsten diskutieren, sie bedeuten eine gute Gliederung für eine 
kritische Betrachtung der Elephanten jagd überhaupt. 

1. Die biologische Deutnng der Taubacher Fundschicht. 

Handelt es sich in den Taubacher Funden um Reste von 
natürlich umgekommenen Tieren oder um Reste der menschlichen 
Jagdbeute? 

Es hat meines "Wissens bisher noch kein Autor, der die Taubacher 
oder die Ehringsdorfer Fundverhältnisse aus Autopsie kannte oder 
doch aus der Literatur mit ihnen vertraut war, einen Zweifel 
geäußert darüber, daß der Mensch bei dem Zustandekommen der 
Fundschichten die wesentlichste Rolle gespielt hat. Die Verhältnisse 
sind absolut eindeutig und in dieser Eindeutigkeit, wie ich früher 
annahm, auch in prähistorischen Kreisen allgemein bekannt. 
Wenn ich trotzdem hier nochmals ausführlicher auf die Fund- 
verhältnisse und ihre Ausdeutungsmöglichkeit für und wider die 
menschliche Jagd eingehe, so hat das folgenden Grund: In der 
Diskussion über den Jagd -Vortrag Profes, der in Köln auf der 
5. Tagung der „Gesellschaft für deutsche Vorgeschichte" gehalten 
wurde, hat laut Bericht über diese Tagung im „Mannus" niemand 
gegen die Ausführungen Profes über die Ursachen des Vorhandenseins 
der zahlreichen Elephantenreste in der Taubacher Fundschicht 
Einspruch erhoben. Daraus geht hervor, daß die doch keineswegs 
unwichtigen Fundverhältnisse der klassischen deutschen Lokalität 
in prähistorischen Kreisen nicht in hinreichendem Maße bekannt 



80 

sind, tatsächlich dort also eine Lücke besteht, wo man sie niemals 
vermuten würde. 

Die Fundumstände in Taubach lassen es als völlig ausgeschlossen 
erscheinen, daß die gefundenen Elephantenreste einer Herde ange- 
hören, die einer Katastrophe irgendwelcher Art erlag. In einer 
ca. 45 cm mächtigen Schicht porösen, lockeren Kalktuffs, sogenannten 
Charensands, fanden sich regellos eingestreut, ohne irgendwelche 
einheitliche Orientierung, die vorwiegend zerschlagenen Reste zahl- 
reicher Elephanten, Nashörner, Wisente, Hirsche, Bären usw. Dem 
Gestein scheinen die Knochen und Gebißreste ziemlich gleichmäßig 
eingelagert gewesen zu sein; die Literatur, auf die wir mangels 
heutiger guter Aufschlüsse im Taubacher Gebiet im wesentlichen 
angewiesen sind, enthält jedenfalls keine Angaben darüber, daß 
Partien mit größeren Anhäufungen von Knochen und Zähnen 
gewechselt hätten mit ganz fossilfreien Partien. In der fossilführenden 
Schicht bildete das umschließende Gestein bei weitem die Haupt- 
masse, die eingestreuten Knochen und Zähne den viel geringeren 
Teil des ganzen Komplexes. Die Art des Vorkommens läßt nur 
eine Deutung zu für den Modus der Einbettung: Die Knochen und 
Gebißreste sind nach und nach an ihre Stelle gelangt, während die 
Bildung des Tuffs unter Wasser ruhig fortging. Die Knochen sind 
also in ein Wasserbecken, einen Tümpel befördert worden und in 
den auf dem Grund dieser Wasseransammlung sich unter Mitwirkung 
von Charen bildenden lockeren Tuff eingesunken, von ihm um- 
schlossen worden. 

Es handelt sich keineswegs um ein Knochenlager, wie es im 
Löß gelegentlich aufgedeckt wird, wobei das Aufstapeln von Knochen 
resp. die Anhäufung von Tierleichen stets stattgefunden haben muß 
vor Beginn der Ablagerung des sie umschließenden Gesteins. Das 
Einlagern von Knochen und Gebißresten ist in Taubach im Rahmen 
der Fundschicht vielmehr ein ebenso kontinuierlicher Vorgang wie 
die Tuffbildung selbst und gleichzeitig mit ihr, das Vorkommen der 
Knochenreste gründet sich also nicht auf ein plötzlich eintretendes 
und schnell vorübergehendes Ereignis, wie es eine Katastrophe 
darstellt. Die allein schon durch den geologischen Befund wider- 
legte Annahme, daß die Elephanten einer Katastrophe erlegen seien, 
müßte notwendigerweise zu der weiteren Annahme führen, daß alle 
in der gleichen Schicht unter denselben Bedingungen eingebetteten 
und unter gleichen Verhältnissen aufgefundenen anderen Tierarten 
der gleichen Katastrophe zum Opfer gefallen wären. Es müßten 



81 

also Bisonherden, Hirschrudel, eine reiche, sehr merkwürdige An- 
sammlung von im allgemeinen nicht gesellig lebenden Tieren, wie 
Nashorn und Bär, hier zugrunde gegangen sein. Die Reste all 
dieser Tiere finden sich in einer wenig mächtigen Schicht, auf 
relativ beschränkter Fläche. Denken wir uns die Knochen und 
Gebisse wieder zu ganzen Tieren ergänzt, so gäbe das eine solch 
gewaltige Masse, daß nicht einmal die Hälfte Platz finden würde 
auf der Bodenfläche, auf der die Reste sich vorfanden, oder in dem 
Räume, den die Fundschicht vermehrt um die zur Zeit ihrer Bildung 
über ihr stehende Wassermasse von 1 — 2 m. Höhe darstellt. 

Zudem müßte bei katastrophaler Vernichtung ein recht hoher 
Prozentsatz, wenn nicht ganzer Skelette, so doch größerer zusammen- 
hängender Skeletteile sich vorfinden, und gerade diese sind äußerst 
selten. Will man diese Schwierigkeiten dadurch umgehen, daß man 
annimmt, eine x4_nsammlung von Skeletten, die nach der Katastrophe 
hier vorhanden war, ist durch fließendes Wasser auseinander ge- 
schwemmt worden, dabei ist viel von dem Knochenmaterial ver- 
loren gegangen uud uns nur ein kleiner Rest erhalten; oder die 
Katastrophe hat den Wildbestand des ganzen Tales betroffen, das 
Knochenmaterial ist dann von den Hängen, und natürlich nur 
fragmentär in die Wasserbecken eingeschwemmt worden, so ist dem 
entgegenzuhalten, daß erstens jede Spur von Abrollung an den 
Knochen und Gebissen fehlt, daß zweitens das Gestein der Fund- 
schicht und auch das der direkt liegenden und hangenden Schicht 
im weitaus größeren Teil seiner Masse frei ist von Quarzkörnern, 
fast frei von tonigen Gemengt eilen. Es treten also gerade diejenigen 
Bestandteile außerordentlich zurück, die selbst sehr langsam und 
träge fließendes Wasser in Flüssen und Bächen transportiert, die 
Ablagerungen fließender Gewässer niemals fehlen. Das Gestein er- 
weist in unserem Falle ganz einwandfrei, daß wir die Bildung eines 
stehenden Gewässers vor uns haben; erweist damit, daß das Knochen- 
material nicht von der Kraft des Wassers, sondern von einer anderen 
Kraft hinein transportiert sein muß. Ein Hineinfallen oder Ver- 
sinken kranker oder verunglückter Tiere, also die lebende Kraft der 
Tiere selbst, kann nicht in Betracht kommen, da wir eine Auslese 
von Knochen und Gebißresten und vielfach zerschlagener Knochen, 
nicht ganze Skelette und Skeletteile vorfinden. Die in der gleichen 
Schicht vorkommenden Holzkohlenstückchen und vor allem die 
Feuersteine in bearbeiteten Stücken und Absplissen weisen ganz 
eindeutig auf den Menschen als die „Kraft", die Knochen und Zähne 

Soergel, Die Jagd der Vorzeit. 6 



82 

in den Tümpel hineingeworfen hat. Noch evidenter geht die Mit- 
wirkung des Menschen resp. sein ausschließlicher Einfluß auf das 
zahlreiche Vorhandensein von Knochen in einer Schicht hervor aus 
den scherzweise „Frühstücksschichten" genannten Platten aus dem 
älteren Tuff kalk von Ehringsdorf, auf denen sich Aschereste, Holz- 
kohlenstücke vermischt vorfinden mit zerschlagenen, teils angekohlten 
Tierknochen und bearbeiteten Feuersteinen der Moustierstufe. 

Wenn Profe daran erinnert, daß die großen Knochen von 
Elephas meist nicht zerschlagen waren, und darin wohl ein Argument 
gegen eine Jagd der Taubacher Menschen auf dieses Tier erblicken 
zu können glaubt so möchte ich meines Teils daran erinnern, daß 
die Extremitätenknochen von Elephas exzeptionell kleine Markhöhlen 
besitzen, daß fast der ganze innere Knochen mit Spongiosa erfüllt ist. 
Haben die Paläolithiker aber zur Gewinnung des Knochenmarkes 
die Knochen ihrer Beutetiere zerschlagen, so hatten sie kaum Ver- 
anlassung das bei Elephas zu tun, zumal dann, wenn ihnen andere 
Beutetiere mit viel markreicheren Knochen zu Gebote standen. Es 
kann nach alledem also gar kein Zweifel darüber bestehen, daß die 
Elephantenreste der Taubacher Fundschicht Jagdbeutereste des 
diluvialen Menschen darstellen. 

'2. Die Altersstaffelung im Elephantenmaterial verschiedener Fund- 
orte, insbesondere Taubachs und Predmosts, in ihrer Bedeutung 
für die paläolithische Jagd. 

Einen weiteren Beweis für eine Elephantenjagd der Taubacher 
Jäger sah ich und sehe ich auch heute in dem Massenverhältnis, 
in dem sich junge und alte Tiere an dem überlieferten Elephanten- 
material beteiligen. Die Bestimmung des Lebensalters auf Grund 
der Art und des Abkauungsgrades der aufgefundenen Backzähne 
bot keine Schwierigkeiten, da über den Zahnwechsel des indischen 
und des afrikanischen Elephanten eine Reihe sicherer Beobachtungen 
vorliegt. In den Abb. 11 — 17 habe ich eine Anzahl Zähne ver- 
schiedenaltriger Individuen des Elephas antiquus aus dem älteren 
Travertin von Taubach und Weimar wiedergegeben, um auf dieser 
Grundlage anderen eine individuelle Altersbestimmung gefundener 
Elephantenzähne zu ermöglichen oder doch zu erleichtern. 

Das Ergebnis dieser Altersbestimmungen am Taubacher 
Elephantenmaterial, das durch einige mir früher nicht bekannt ge- 
wordene Zähne gegenüber den 1912 veröffentlichten Zahlen eine 
minimale Verschiebung (um 0,1 — 0,3%) erfahren hat, ist folgendes: 



83 



Unter den in der Taubacher Fundschicht gefundenen Resten von 
64 Waldelephanten sind 25,5 % 1 / 4 — 6 Jahre alt, 28,8 % 6—20 Jahre 
alt, 28,8% 20— 50 Jahre alt, nur 16,7% über 50 Jahre alt gewesen, 
als sie das Leben verloren. Der hohe Prozentsatz junger und sehr 
junger Tiere — Elephanten sind erst vom 20. Jahre an fort- 
pfLanzungsfähig — ist sehr auffällig, zumal das Elephantenmaterial 
anderer sehr reicher Fundorte, 
an denen der Mensch weder in 
Skelettresten noch in Artefak- 
ten oder in irgendeiner Einwir- 
kung auf die Zusammensetzung 
des fossilen Knochenmaterials 
nachgewiesen ist, für beide 








Fig. 11. Zwei vorderste Milchbacken- 
zähne des Unterkiefers von Elephas 
antiquus aus Taubach. 1 / 1 n. Gr. 
Zähne wenig angekaut; Lebensalter 
der Tiere wahrscheinlich 2 — 3 Monate. 
Original im Stadt. Museum zu Weimar. 



Fig. 12. Zweiter Milchbackenzahn des Ober- 
kiefers von Elephas antiquus aus Taubach. 
Vi n. Gr. Ungefähr 2 / 5 der Masse des 
Zahnes sind verbraucht. Lebensalter des 
Tieres zwischen 2 und 3 Jahren. Original 
im Stadt. Museum zu Weimar. 



Altersstufen sehr viel geringere Zahlen ergab. % bis 6 Jahre alte 
Tiere fanden sich % unter dem Material von Elephas trogon- 
therii von Süßenborn bei über 200 Individuen, 0% im jüngeren 
Löß von Emmendingen, 0% im Mammutmaterial des gesamten Löß 
von Baden, % unter den gesamten Funden der rheinischen Nieder- 
terrasse in Baden, % unter den Resten des Elephas antiquus von 
Mosbach, nur 6,2 % unter dem Material von Elephas trogontherii 

6* 



84 

von Steinheim a. d. Murr, 8,7 % unter dem Material von Elephas 
trogontherii von Mosbach. 6 — 20 jährige Tiere lieferten die ge- 
nannten Fundstellen gegen 28,8 in Taubach 8,0—18,5% mit einem 
Durchschnitt von 13,1 %. Dieser sehr bedeutende Unterschied, den 
die in der folgenden Tabelle 20 ) gegebenen Zahlen für alte Tiere 
noch weiter veranschaulichen, zwischen Taubach und den anderen 
Fundorten im Massenverhältnis junger und alter Elephanten beruht 
meines Erachten s lediglich auf der Jagd des diluvialen Menschen 
bei Taubach. Gegen eine solche Ausdeutung der genannten Zahlen 
führt Prof e vor allem Zahlen ins Feld, die er an Gebißmaterial von 
Elephas primigenius von Predmost gewann, also von einem Fundort, 
dessen Elephantenmaterial die Überreste einer großen Herde darstellt, 
die durch irgendeine Katastrophe an der Stelle ihres späteren Auf- 
findens zugrunde ging. 



Tabelle über die Altersverhältnisse der diluvialen Elephanten 
von einigen deutschen Fundorten und Fundgebieten. 



Im Gebrauch befindliche Zähne 


MM III -M II 


MM I— M I 


M 11 


M III 


Lebensalter 


7 4 -6 


6—20 


20—50 


50—? Jahre 


Taubach (El. antiquus) . . . 


25,5% 


28,8% 


28,8% 


16,7% 


Mauer (El. antiquus) .... 


31,1% 


26,6 % 


20,0% 


24,4% 


Mosbach (El. antiquus) . . . 


0% 


15,3% 


23,1% 


61,5% 


Mosbach (El. trogontherii) . . 


8,7% 


12,2% 


20,8% 


58,3 % 


Süßenborn (El. trogontherii) . . 


0% 


8,6% 


13,4% 


78,0% 


Steinheim (El. trogontherii) . . 


6,2% 


18,5% 


12,3% 


63,0% ' 


Jüngerer Löß bei Emmendingen 
in Baden (El. primigenius) 


0% 


17,2% 


20,7% 


62,1 % 


Gesamter Jüngerer Löß von Ba- 
den (El. primigenius) . . . 


0% 


8,9% 


14,2% 


76,8 % 


Gesamte Niederterrassenschotter 
von Baden (El. primigenius) . 


0% 


10,8% 


21,7% 


67,5% 



Profe bestimmte nach den Angaben von Kriz 21 ) das Alter 
von 52 Mammuten. Eine Altersstufe von % — 6 Jahren, die für 



20 ) Die Zahlen sind 1912 berechnet worden. An den meisten Fundorten sind 
seither einige weitere Zähne (infolge des stark geminderten Abbaus in Kies- und 
Lehmgruben während des Krieges nur wenige) hinzugekommen, die aber, da jeder 
Rubrik der Tabelle ein sehr großes Material zugrunde liegt, die Verteilung der 
Altersstufen in keinem Fall nennenswert ändern können. 

21 ) M. Kriz, Beiträge zur Kenntnis der Quartärzeit in Mähren, Steinitz 1903. 



85 



die Beurteilung der menschlichen Jagd gerade sehr wichtig ist, hat 
er nicht ausgeschieden. Er fand 48% 1— 20jährige, 40% 20-50- 
jährige und 12 % über 50 Jahre 
alte Tiere. Die Beteiligung der 
1 — 20 jährigen Tiere am gesamten 
Bestand beträgt für das heran- 
gezogene Teilmaterial von Pred- 
most mit 48% ungefähr ebenso- 
viel wie für Taubach mit 54% 
und Prof e stützt auf diese Über- 
einstimmung vor allen Dingen 
seine Ansicht, daß in Taubach 
der Waldelephant ebensowenig 
erlegt wurde wie in Predmost 
das Mammut, daß an beiden 
Stellen eine Herde zugrunde ging. 
In Anbetracht der Bedeu- 
tung, die solche Vergleiche gerade 
zwischen Taubach und Predmost 
für das Jagdproblem besitzen, 
habe ich selbst nochmals für das 
von K r i z veröffentlichte Mammut- 
material von Predmost genaue 
Altersbestimmungen durchge- 
führt. Der Berechnung liegen 
erstens die von Kriz am häufig- 
sten gefundenen Oberkiefer zu- 
grunde, von denen 10 doppel- 
seitige, 22 einseitige linke und 17 
einseitige rechte, da ihnen die 
Zähne ausgebrochen waren und 
Kriz keine Angabe darüber 
macht, welche Zähne darin ge- 
sessen haben können, nicht be- 
stimmt werden konnten. Die 
übrigen Oberkiefer gehören zu 
48 Individuen, unter denen 14,6 

V 4 — 6 jährig, 29,2% 6— 20 jährig, 35,5% 20— 50 jährig und 20,8% 
über 50 Jahre alt sind. Diese von den für Taubach gefundenen 
recht beträchtlich abweichenden Werte, sowohl in der geringen Be- 




W 



Fig. 13. Dritter Milchbackenzahn und 
vor ihm Rest des zweiten des Oberkiefers 
von Elephas antiquus aus Taubach, 
ca. 4 / 5 n. Gr. Zweiter Milchbackenzahn 
zu ca. 4 / 5 , dritter zu ca. 1 / 5 seiner Masse 
verbraucht. Alter des Tieres 5—6 Jahre. 
Original im Stadt. Museum zu Weimar. 



86 

teiligung der % — 6 jährigen Tiere als in der Staffelung der ein- 
zelnen Altersgruppen, sind allerdings einem im Verhältnis zu den 
gesamten Predmoster Mammutfunden recht geringen Material ent- 
nommen, so daß die Möglichkeit einer Beeinflussung des Ergebnisses 




Fig. 14. Unterkiefer von Elephas antiquus aus Taubach mit dem dritten Milch- 
backenzahn und dem nachrückenden, noch in Bildung begriffenen ersten echten 
Backenzahn, ca. l / 3 n. Gr. Vom dritten Milchbackenzahn ist ca. 1 / 3 seiner Masse 



verbraucht; Lebensalter des Tieres ca. 8 Jahre. 

Weimar. 



Original im Stadt. Museum zu 



durch Zufälligkeiten verschiedener Art nicht ausgeschlossen werden 
kann. Um solche Fehlerquellen möglichst einzuschränken, habe ich 
deshalb zweitens die von Kriz mitgeteilen intakten Einzelzähne 
in die Berechnung einbezogen. Da der eine Teil der Individuen 
resp. ihre Altersstaffelung nach den Oberkiefern berechnet wurde, so 



87 

können von den Einzelzähnen naturgemäß nur die Oberkieferzähne 
verwertet werden, denn die weniger zahlreich vorhandenen Unter- 
kieferzähne können zu den gleichen Individuen gehören, deren Ober- 
kiefer früher schon gezählt wurde. In den bestimmbaren Ober- 
kiefern fehlen nun nach Kriz verschiedentlich einzelne, nach ihrer 
Stellung im Gebiß als MI, M II oder M III bekannte Zähne. Diese 
Zähne könnten unter den Einzelzähnen vertreten sein, so daß wir, 
wenn wir sichere Minimalwerte erhalten wollen, diese den bestimm- 
baren Oberkiefern fehlenden Zähne von jeder Zahnserie der Einzel- 
zähne zunächst abziehen müssen. Es bleiben dann zur Einrechnung 
folgende intakte Einzelzähne übrig: 



MM III 


MM II 


MM I 


M I 


M II 


M III 


rechts 


links 


rechts 


links 


rechts 


links 


rechts 


links 


rechts 


links 


rechts 


links 








10 


11 


5 


7 


22 


24 


20 


13 


7 


4 



Je ein rechter und ein linker Zahn einer Serie kann zu 
einem Individuum gehören. Die Möglichkeit, daß je zwei Zähne 
zweier benachbarter Zahnserien, also insgesamt 4 Zähne einem 
Individuum angehören, kann vernachlässigt werden, denn der Fall, 
daß in jeder Kieferhälfte 2 intakte Zähne enthalten sind, ist 
selten und kann zu Lebzeiten des Tieres jedesmal nur auf sehr 
kurze Zeit beschränkt gewesen sein. Die geringe Verminderung 
der Individuenzahl, die bei Berücksichtigung dieses Umstandes 
eintreten müßte, ist gewissermaßen vorweg genommen dadurch, daß 
wir rechte und linke Zähne jeder Serie paarweise zueinander ordnen. 
Da es von vornherein sehr unwahrscheinlich ist, daß beispielsweise 
unter 10 rechten und 11 linken Zähnen der gleichen Serie 10 Zahn- 
paare sind, also mit 10+ 1 = 11 Individuen bei dieser Zahnserie zu 
rechnen ist, vielmehr die 21 Zähne wahrscheinlicher mehr als 11 In- 
dividuen zugehören, so ist durch die paarweise Zuordnung schon 
unserer Tendenz zur Gewinnung von Minimalwerten in höchstem 
Maße Genüge getan. Die Höchstzahl der linken oder der rechten 
Zähne gibt dann die Anzahl der Individuen für jede Zahnserie, und 
wir erhalten aus den Einzelzähnen insgesamt eine Individuenzahl 
von 69 Stück. Ihre Verteilung auf unsere Altersstufen hat zu be- 
rücksichtigen, daß diese intakten Einzelzähne verschieden stark an- 
gekaut sind, also beispielsweise neben nicht oder wenig angekauten 
M I auch stärker angekaute sich befinden werden. Während die 
•ersten noch der Gruppe 6 — 20 jähriger Tiere zugehören, werden von 



öS 



den letzteren einige schon der Gruppe 20 — 50 jähriger zuzuzählen 
sein. Ich habe in diesem Falle stets die größere Anzahl, 3 / 4 der 
betreffenden Individuen der jüngeren Altersklasse zugewiesen, um 
den Fehler zu vermeiden, die Altersstaffelung des Predmoster Ma- 
terials der des Taubacher Materials 
unähnlicher zu machen, als sie ge- 
wesen sein könnte. Wenn nach allen 
diesen Einschränkungen sich aber 
zwischen Taubach und Predmost Unter- 
schiede zeigen, so dürfen wir mit ihnen 
als mit wirklichen Unterschieden un- 
bedingt rechnen. 

Die unten folgende Tabelle (S. 90 
u. 91) enthält die detaillierten Angaben 
und die Ergebnisse meiner Berech- 
nung. Unter 117 Mammutindividuen 
von Predmost sind 12,8% % — 6 jährig, 
35,8% G— 20 jährig, 38,4% 20-50- 
jährig, 17,8% über 50jährig. Auch 
meine Bestimmung ergibt also, daß 
die Beteiligung der 1 — 20 jährigen 
Tiere in Predmost mit 12,8+35,8 
= 48,6% etwa ebensogroß ist wie in 
Taubach mit 54,3 %. Diese Überein- 
stimmung erweist sich aber als völlig 
belanglos, wenn wir das Zahlenmaterial 
im einzelnen analysieren. % — 6 jährige 
Tiere sind nur halb so häufig in Pred- 
most wie in Taubach, die Altersstufen 
6—20 und 20—50 sind in Taubach 
kaum, in Predmost weit häufiger ver- 
treten als die % — 6 jährigen Tiere. 
Außerdem ist in Predmost jede höhere 
Altersgruppe bis zu 50 Jahren indi- 
viduenreicher als die vorhergehende, es 
zeigt sich eine Staffelung, die in Taubach 
fehlt. Und diese Staffelung muß den Verhältnissen innerhalb einer Herde 
nahekommen oder ihnen entsprechen, wie das folgende beweisen wird. 
Genaue Beobachtungen über die Beteiligung der verschiedenen 
Altersstufen am Bestand größerer Herden von lebenden Elephanten 




Fig. 15. Erster echter Backzahn 
des Unterkiefers von Elephas an- 
tiquus aus Weimar (Bruch Ullej. 
ca. 7 / 8 n. Gr. Zahn ungefähr zur 
Hälfte seiner Masse verbraucht. 
Lebensalter des Tieres ca. 15 bis 
16 Jahre. Original im Stadt. 
Museum zu Weimar. 



89 

liegen leider nicht vor. Im Brehm werden unter einer 9 Individuen 
umfassenden gefangenen Herde von Elephas indicus zwei Junge 
erwähnt, ohne genauere Altersangaben; die Jungen können unter, sie 
können auch über 6 Jahre alt gewesen sein. Jedenfalls beweisen 




^ 



«•- 



t: 




Fig. 16. Zweiter echter Backenzahn des Oberkiefers von Elephas antiquus aus 

Taubach. ca. 8 /i5 n - ^ r - Zahn zu 1 j 1 seiner jVIasse verbraucht. Lebensalter des 

Tieres ca. 22 — 24 Jahre. Original im Stäclt. Museum zu Weimar. 



die Angaben der Reisenden, die Elephantenherden gesehen haben, 
und ebenso Photographien solcher Herden, daß ausgewachsene Tiere, 
wenigstens Tiere von 20 Jahren und darüber, durchaus überwiegen. 
Diese Tatsache ist allerdings viel zu allgemein, um einer eingehenden 



90 



Tabelle zur Berechnung der Altersverhältnisse innerhalb des 



Lebensalter 


1 /4-6 


6—20 


Art und Abkauungs- 

zustand der im Gebrauch 

befindlichen Zähne 


MM 111+ MMIJ, 

MM III wenig oder 

voll angekaut 


MM 111+ MM II, 

MM III 
stark abgekaut 


s 


MM 11+ MMl, 

MM II bis etwa zur 

Hälfte verbraucht 


MM II + MM I, 

MM II bis über % 
verbraucht 


i— i 


MM I + M I, 

MMI bis etwa zur 

Hälfte verbraucht 


MM I + M I, 

MMI bis über % 

verbraucht 


i— i 


1. Verteilung der doppel- 
ten Oberkiefer nach den 
Zähnen 


1 


1 


i 




1 


4 




1 


3 


2. Verteilung der Ober- 
kieferhälften nach den 
Zähnen 


2 




2 






3 


2 






3. Summe aus 1 und 2 


3 


1 


3 




1 


7 


2 


1 


3 


4. Verteilung der Summe 
auf die Altersgruppen 


7 


14 


5. Prozentuale Beteiligung 
der Altersgruppen am 
Gesamtmaterial 


14,6 o/ 


29,2% 


6. Die Verteilung der als 
Individuen zu wertenden 
Einzelzähne des Ober- 
kiefers 






11 






7 






24 


7. Verteilung dieser Zähne 
auf die Altersgruppen. 






8 


3 




5 


2 




18 


8. Die Individuenzahl der 
Altersgruppen aus Ober- 
kiefern und Zähnen 


15 


42 


9. Prozentuale Beteiligung 
dieser Altersgruppen am 
Gesamtmaterial 


1 


2,8% 








35, 


8 0/ 
8 /O 







Beurteilung der von uns für Taubach und Predmost gewonnenen 
Zahlen als Grundlage dienen zu können. Wir müssen zunächst aus 
Erfahrungen verschiedener Art den Rahmen aufstellen, der für die 
Altersstaffelung einer Herde unbedingt gelten muß. 

Bei Tieren, deren Gesamtbestand an Individuen im Zunehmen 
begriffen ist oder auch stationär bleibt, muß die Anzahl der 1 /4 — 6jäh- 
rigen Tiere in einer Herde größer sein, als die Anzahl der 6— 12 jäh- 
rigen Tiere. Und zwar um so mehr, je stärker, abgesehen vom 
Alterstod, der natürliche Abgang (durch Raubtiere, Krankheit, Un- 



91 



von Kriz veröffentlichten Mammutmaterials von 


Predmost. 


20—50 


50—? Jahre 




MI + MII, 

M I bis etwa zur Hälfte 

verbraucht 


MI + MH, 

M I bis über % 

verbraucht 


s 


MII + M1II, 

M II bis zur Hälfte 

verbraucht 


,i — ; u -u 

H «^ 

(— 1 CD 


MII + MIII, vonMII 

nur noch ein kleiner 

Rest vorhanden 


3 


Gesamtsumme 


1 


1 


7 


2 


4 


1 


2 


30 




1 


5 




1 


1 


1 


18 


1 


2 


12 


2 


5 


2 


3 


48 


17 


10 


48 


35,5 % 


20,8 o/ 


100,1 % 






20 








7 


69 


6 




15 


5 + 2 




2 


3 


69 


45 


15 


117 




38,4 °/ 


o 






12,8% 




99,8 % 



glücksfälle) ist. Die Elephanten sind durch. Raubtiere so gut wie 
nicht gefährdet, nur ganz junge Kälber werden selten von Löwen 
oder Tigern erbeutet; Krankheiten, die besonders den Nachwuchs be- 
träfen, sind niemals beobachtet worden, und daß gerade junge Tiere 
besonders zahlreich natürlichen Unglücksfällen zum Opfer fielen, 
vielleicht beim Suhlen oder beim Durchschwimmen von Strömen, 
dafür liegt kein Anhaltspunkt vor. Im Gegenteil, es läßt sich am 
fossilen Material beweisen, daß der natürliche Abgang junger Tiere 
durch Verunglücken ein recht geringer sein muß. An allen Fund- 



<»2 

stellen, wo der Mensch sicher keinen Einfluß auf die Altersstaffelung 
des überlieferten Elephantenmaterials gehabt hat, wie beispielsweise 
bei Süßenborn, Mosbach, Steinheim usw., müssen wir in diesem über- 
lieferten Material einen Teil, vielleicht einen nicht unbeträchtlichen 




Fig. 17. Letzter rechter Backenzahn des Oberkiefers von Elephas antiquus aus 



Taubach. ca. 3 / 8 n. Gr. Ungefähr 1 / ( 
Lebensalter des Tieres ca. 40 — 45 Jahre. 



der Masse des Zahnes ist verbraucht. 
Original im Stadt. Museum zu Weimar. 



Teil des natürlichen Abganges der Elephantenherden in dem be- 
treffenden engeren Gebiet sehen. Und dort spielen gerade die jungen 
Tiere eine ganz verschwindende Rolle, der Abgang betrifft in pro- 
gressiv wachsendem Maße die älteren Tiere (vgl. die Tabelle auf 
S. 84 j. Daraus folgt, daß in einer Elephantenherde die 1 / i — 6 jährigen 
Tiere nur relativ wenig häufiger sein müssen als die 6 — 12 jährigen, 



93 

oder anders ausgedrückt, daß die Durchschnittshäufigkeit eines Jahr- 
gangs 22 ) der 1 / 4 — 6 jährigen nur relativ wenig größer als die Durch- 
schnittshäufigkeit eines Jahrgangs der 6 — 12 jährigen sein muß, um 
eine Zunahme der Kopfzahl der Herde, zum wenigsten ein Gleich- 
bleiben der Kopfzahl sicherzustellen. Da vom 12. resp. 20. bis zum 
50. Jahr die Gefährdung der Individuen durch die 3 oben genannten 
Faktoren eine sehr geringe ist, die Abgänge in diesen Altersstufen 
also nur geringe sein können, so wird die auf einen Jahrgang be- 
rechnete durchschnittliche Häufigkeit der 20 — 50 jährigen nur wenig 
geringer sein als die der 6 — 20jährigen Tiere. Erst unter den mehr 
als 50 Jahre alten Tieren wird sich ein natürlicher Abgang, vor allem 
durch Alterstod stärker geltend machen. Wir werden also im all- 
gemeinen annehmen dürfen, daß der Jahrgangsdurchschnitt der 
V 4 — 6 jährigen Tiere etwas größer ist als derjenige der 6 — 20 jährigen, 
und deren Jahrgangsdurchschnitt wieder etwas größer als der der 
20 — 50 jährigen Tiere. Unter besonderen Verhältnissen werden Modi- 
fizierungen in dieser Staffelung eintreten können, so daß der Jahr- 
gangsdurchschnitt der 1 / 4 — 6jährigen Tiere nicht immer größer sein 
muß, als der der 6— 20jährigen. Das kann dann eintreten, wenn 
in einer Herde infolge besonderer prozentualer Beteiligung männ- 
licher und weiblicher Tiere, infolge besonderer Altersstaffelung der 
weiblichen Tiere, geburtenreichere und geburtenärmere Jahre wech- 
seln. Das Verhältnis der Jahrgangsdurchschnitte der 1 / 4 — 6 jährigen 
und der 6 — 20 jährigen kann dann in verschiedenen Jahren ein ver- 
schiedenes sein. Als sicher darf auf jeden Fall gelten, daß der 
Jahrgangsdurchschnitt der 1 / i — 6jährigen zum mindesten ebenso- 
groß, meist größer ist als der der 6— 20jährigen Tiere, daß der 
der 20 — 50jährigen sehr wahrscheinlich kleiner ist als der der 
6 — 20 jährigen. 

Für die Altersstaffelung in jungdiluvialen Mammutherden, und 
um jungdiluviale Mammute handelt es sich in Predmost, sind aber 
noch 2 Faktoren zu berücksichtigen. Das Mammut ist in Europa 
im Laufe der letzten Eiszeit ausgestorben. Aussterben tritt, sehen 
wir von den tieferen Ursachen hier ab, ein, wenn die Abgänge 
progressiv die Geburten übersteigen, wenn der Vermehrungskoeffizient 
zurückgeht. Hat sich ein solcher Rückgang schon zur Zeit des 

22 ) Unter Jahrgangsdurchschnitt verstehe ich den Quotienten aus der auf 
100 umgerechneten Anzahl oder der Prozentzahl der Individuen einer Altersklasse 
und der Anzahl der in dieser Altersklasse zusammengefaßten Jahre, also bei 21% 
6— 20 jährigen Tieren, 21 : 14 == 1,5. 



94 

jüngeren Löß gelten gemacht, so werden in Mammutherden dieser 
Zeit die l /^ — 6jährigen Tiere im Jahrgangsdurchschnitt nicht mehr 
nennenswert oder überhaupt nicht mehr zahlreicher gewesen sein 
als die 6 — 20jährigen im Jahrgangsdurchschnitt. 

Zweitens können beim jungdiluvialen Mammut die Abgänge 
unter den älteren Tieren der Altersgruppe 20 — 50 Jahre zahlreicher 
gewesen sein. Ich habe schon 1912 darauf hingewiesen, wie häufig 
sich beim jungdiluvialen Mammut Gebißanomalien finden, wie häufig 
die als Tortuosität bekannten Umbiegungen am hinteren Ende der 
letzten Molaren angetroffen werden. "Waren mit dem Auftreten 
dieser Anomalien pathologische Erscheinungen verknüpft, die das 
Leben der Tiere gefährdeten, was bei der Unförmigkeit solcher 
letzter Molaren und der damit notwendigerweise eintretenden 
Behinderung des normalen Zahnersatzes sehr wahrscheinlich ist, so 
müssen sie eingesetzt haben in einer Zeit, als der M III im End- 
stadium seiner Bildung begriffen war, eher sogar etwas vorher, 
d. h. sicher schon vor dem 50. Lebensjahre. Da auch am MII sich 
nicht selten schon Anomalien finden, so können Krankheitserschei- 
nungen schon bei relativ jungen, 35 — 40 jährigen Tieren eingetreten 
sein. Der Jahrgangsdurchschnitt für die Gruppe der 20 — 50 jährigen 
Tiere kann durch die dadurch bedingten Abgänge herabgedrückt 
werden, er kann wesentlich kleiner werden als derjenige der 
6— 20 jährigen Tiere. 

In diesen für die Alterstaffelung innerhalb einer jungdiluvialen 
Mammutherde aufgestellten Rahmen fügen sich die Zahlen des 
analysierten Predmoster Materials gut ein, soweit es überhaupt für 
ein Teilmaterial, das etwa den 5. Teil aller der Wissenschaft geretteten 
Mammutreste umfaßt, erwartet werden kann. Einen Jahrgangsdurch- 
schnitt von 2,2 bei den %— 6jährigen steht ein solcher von 2,6 bei 
den 6 — 20jährigen, von 1,3 bei den 20 — 50 jährigen gegenüber. 
Legen wir allein die Bestimmungen der Oberkiefer zugrunde, so 
erhalten wir die Proportion 2,5:2,1:1,2, also eine etwas reichlichere 
Beteiligung der % — 6 jährigen Tiere. Die Bewertung dieser Zahlen 
darf natürlich nicht vergessen, daß sie einem Teilmaterial entnommen 
sind. Die Gesamtzahl der Predmoster Mammute ist auf 800 — 900 
geschätzt worden. Da diese Schätzungen aber nicht von einem 
Paläontologen durchgeführt worden sind, der mit den Abkauungs- 
verhältnissen von Elefantenzähnen und allen Möglichkeiten der 
Zuordnung von Zähnen und Zahnfragmenten zu einem Gebiß voll 
vertraut war, so wird hier, wie so vielfach auf diesem Gebiet, die 



95 

Schätzung zu hoch gegriffen sein. Soweit die Literatur über das 
vorhandene Material orientiert, wird höchstens mit etwa 500 — 600 
Individuen zu rechnen sein, eine Zahl, zu der Kriz auf Grund einer 
allerdings rohen, aber eher Maximal- als Minimalzahlen liefernden 
Berechnungsmethode für die gesamten, jemals in der Fundschicht 
vorhandenen Mammute gekommen ist. Mit 117 Individuen würde 
das unserer Berechnung zugrunde liegende Material etwa den 5. Teil 
umfassen. Über die Alterszusammensetzung des übrigen in Predmost 
ausgegrabenen Mammutmaterials liegen bestimmte Angaben nicht 
vor. Würden aber in dem gesamten Material die % — 6jährigen 
Tiere im gleichen Prozentverhältnis wie in Taubach vorhanden sein, 
so müßten die meiner Berechnung nicht zugänglich gewesenen 4 / 5 
des Mammutmaterials unter 468 Individuen die gewaltige Anzahl 
von 134 1 / 4 — 6 jährige Tiere enthalten. Keine Angabe der Literatur 
rechtfertigt den Schluß, daß in solcher Menge junge und jüngste 
Tiere vertreten sind. Im übrigen ist bei allen Angaben in der 
Literatur zu berücksichtigen, daß Fehlbestimmungen von Elephanten- 
zähnen hinsichtlich ihrer Stellung im Gebiß bis heute recht häufig 
vorkommen, und daß in solchen Fällen stets stark verbrauchte 
Zähne einer älteren Serie für Zähne der nächst, ja der übernächst 
jüngeren Serie gehalten werden. Mir sind aus der Literatur Fälle 
bekannt, in denen von Paläontologen der erste Molar für den zweiten 
Milchmolar, der zweite Molar für den letzten Milchmolar gehalten 
worden ist. Derartige Fehlbestimmungen können natürlich auch 
in dem von uns benutzten, durch Kriz veröffentlichten Material 
vorhanden sein; dann könnten unsere Berechnungen eine zu große 
Zahl junger Tiere, also jedenfalls Maximalzahlen für die jungen 
Tiere ergeben haben. Der Fehler würde darin zum Ausdruck 
kommen, daß die Altersstaffelung des Predmoster Mammutmaterials 
der Altersstaff eilung des Taubacher Waldelephantenmaterials ähnlicher 
erschiene, als sie in Wirklichkeit ist. Da trotzdem der Unter- 
schied zwischen beiden sehr markant ist, haben eventuelle Fehl- 
bestimmungen im Kriz sehen Material keine das Ergebnis beein- 
trächtigende Bedeutung. Fehlbestimmungen sind bei Untersuchungen 
unserer Art eigentlich nur gefährlich in kursorischen Angaben; ist 
eine rechnerische Behandlung möglich, so sichern Minimal- und 
Maximalwerte meist doch ein reines Ergebnis. 

Es wird nach alledem mit hoher Wahrscheinlichkeit damit zu 
rechnen sein, daß die Altersstaffelung der von mir nicht analysierten 
4 / 5 des Mammutmaterials nicht so stark von dem analysierten 



96 

Kr iz sehen Material abweicht, daß für das Gesamtmaterial ein prin- 
zipiell anderes Ergebnis zu erwarten wäre. Die beiden mittleren 
Altersgruppen dürften am individuenreichsten bleiben. Ich sehe 
deshalb an unseren, an einem großen Teilmaterial gewonnenen Zahlen 
vorerst den Beweis, daß die Predmoster Mammutfunde die Reste 
einer Herde sind und hoffe, daß die in Aussicht gestellte Mono- 
graphie über die Predmoster Fundschicht uns bald sicherere Grund- 
lagen zur Beurteilung dieser Frage bietet. 

Ganz anders als in Predmost verhält sich nun in Taubach die 
Altersstaffelung der Elephantenreste zu der in einer Herde zu er- 
wartenden Altersstaffelung, wie nachstehende Tabelle erkennen läßt. 

Tabelle über die prozentuale Beteiligung der Altersstufen im 
Elephantenmaterial von Predmost und Taubach nach Jahrgangs- 
durchschnitten berechnet. 





Taubach 


Predmost 

nach den von Kriz 

veröffentlichten 

Oberkiefern 


Predmost 
nach den von Kriz 

ver offen tlichten 
Oberkiefern und in- 
takten Einzel zahnen 


Relativer Jahrgangs- 
durchschnitt der 
Altersgruppe 1 / 4 
bis 6 Jahre 


4,4 


2,5 


2,2 


Relativer Jahrgangs- 
durchschnitt der 
Altersgruppe 6 bis 
20 Jahre 


2.1 


2,1 


2,6 


Relativer Jahrgangs- 
durchschnitt der 
Altersgruppe 20 
bis 50 Jahre 


0,96 


1,2 


1,3 



Auch in Taubach handelt es sich um einen Elephanten, der 
noch in diluvialer Zeit erloschen ist. Und der Zeitpunkt des Er- 
löschens lag dem Taubacher El. antiquus nicht ferner als dem Pred- 
moster Mammut. Wir werden deshalb von vornherein mit einem 
besonders starken Vermehrungskoefizienten für den El. antiquus der 
Taubacher Zeit nicht rechnen dürfen, höchstens mit einem für Ele- 
phanten normalen, eher mit einem schwächeren. Und doch treffen 
wir gerade die jüngsten Jahrgänge außerordentlich individuenreich 
vertreten. Der Jahrgangsdurchschnitt der 1 / i — 6jährigen beträgt 



97 

mit 4,4 über dopjDelt so viel als der Jahrgangsdurchschnitt der 
6 — 20 jährigen. 

Obwohl bei EL antiquus Grebißanomalien nicht zu Krankheits- 
erscheinungen schon bei den 35 — 50 jährigen Tieren geführt haben 
können, ein besonders hoher Abgang in der Altersgruppe der 
20 — 50 jährigen also nicht zu erwarten steht, ist diese Altersgruppe 
mit einem Jahrgangsdurchschnitt von nur 0,96 vertreten. Das sind 
sehr beträchtliche Abweichungen von der normalen Altersstaffelung 
in einer Elephantenherde. Ich sehe in diesen Zahlen ebenso wie 
in den Fundverhältnissen den schlüssigen Beweis, daß im Taubacher 
Elephantenmaterial nicht die Reste einer Herde vorliegen, daß die 
ganz besondere Art der Altersstaffelung innerhalb dieses Materials 
nur in der Jagdauslese des Menschen begründet sein kann. 

Und das gleiche gilt für das Elephantenmaterial aus dem 
altersgleichen unteren Kalktuff von Ehringsdorf, das trotz seines 
geringen Umfangs und des dadurch möglichen stärkeren Hervor- 
treten s von Zufallsmomenten, eine der Taubacher im Prinzip ähn- 
liche Altersstaffelung erkennen läßt. Die Reste von 10 Individuen 
verteilen sich folgendermaßen auf die einzelnen Altersstufen: 

V 4 — 6 jährig 6 — 20 jährig 20 — 50 jährig 50— ? jährig 

20% 20% 40% 20% 

Die gleichen Prozentzahlen erhalten wir, und in gewissem Maße 
zufälligerweise, wenn wir nur die 5 bisher aus der Homo-Fundschicht 
(Bruch Kämpfe) bekannten Individuen der Rechnung zugrunde legen. 
Übereinstimmend mit Taubach und abweichend von Predmost ist vor 
allem der große Unterschied zwischen dem Jahrgangsdurchschnitt 
der x / 4 — 6jährigen und dem Jahrgangsdurchschnitt der 6 — 20 jährigen 
Tiere, sie verhalten sich wie 3,5 : 1,4. Daß die menschliche Jagd 
hier ausschließlich die Zusammensetzung des fossilen Materials be- 
dingt hat, geht im übrigen aus den Fundverhältnissen ganz ein- 
deutig hervor. 

Wenn Profe meinte, daß „mit dem nachgewiesenen Zahlen- 
verhältnis von Predmost auch die stärkste Stütze" meiner Beweis- 
führung fällt, so kann ich dem auf Grund der soeben vorgetragenen 
Tatsachen und Erwägungen keinesfalls zustimmen. Ich sehe viel- 
mehr in dem Unterschied zwischen den für Taubach und für Pred- 
most gewonnenen Zahlen einen weiteren Beweis für die Elephanten- 
jagd der altpaläolithischen Taubacher Jäger. 

S o e r g e 1 , Die Jagd der Vorzeit. 7 



98 

3. Jagdniethoden der Gegenwart und die Jagdmethode der 
diluvialen Jäger. 

Ich bin früher unter Berücksichtigung der heute von einfachen 
Völkerstämmen in Waldgebieten betriebenen Jagden auf Elephanten, 
unter Berücksichtigung der Bewaffnung der altpaläolithischen Jäger 
von Taubach, der Zusammensetzung ihres Beutematerials und der 
Fundumstände zu dem Resultat gekommen, daß in Taubach Elephas 
antiquus in Fallgruben gefangen worden sein muß. Heute beurteile 
ich die Bewaffnung der Taubacher Jäger günstiger, nehme an, daß 
sie reine Holzspeere besessen haben und es erhebt sich die Frage, 
ob ihnen unter diesen Umständen nicht eine andere Jagd möglich 
war, die ebenfalls die Fundumstände und das Massenverhältnis im 
Beutematerial erklären kann. 

Von vornherein scheiden bei unseren Betrachtungen aus alle 
Jagdmethoden, die in der Steppe, also in einer in Taubach und 
seiner weiteren Umgebung damals nachweislich — laut Flora und 
Fauna — nicht vorhandenen Form der Landschaft heute betrieben 
werden. Es scheidet als wichtiger Jagdfaktor in den Steppenge- 
bieten der Gegenwart hier völlig aus das Feuer, das bei keinerlei 
Jagd in "Waldgebieten eine Rolle spielt, das Noack aber merkwür- 
digerweise für die Elephanten jagd der Taubacher Jäger mit heran- 
ziehen, mit dem er gerade das Überwiegen junger Tiere in der Beute 
erklären will. Ausscheiden müssen wir von vornherein auch die 
in den Waldgebieten Indiens betriebenen Fangmethoden, die auf 
einem Treiben der Herden in vorher im Walde angelegte Hürden 
beruhen. Wenn ein Herstellen solcher Hürden durch Holzwerk und 
Geflecht dem Moustierjäger Taubachs auch möglich gewesen sein 
sollte, so hätte er bei dieser Methode doch stets Herden erbeuten 
müssen. Daß dieses nicht geschah, beweist das Massenverhältnis 
alter und junger Tiere im fossilen Material. Zur Diskussion stehen 
aus der Gegenwart nur folgende 3 Arten von Elephanten jagd: 
Speeren der Tiere vom Baumsitz aus, Speeren oder Erschlagen der 
Tiere mittels primitiver Fall Vorrichtungen, Fangen in Fallgruben. 

Die „Baumjagd" wird in einigen Gebieten Afrikas sowohl 
gegen Elephanten als gegen Nashörner angewandt. Vom Hochsitz 
aus wird dem unten durchziehenden Wild — es werden an begangenen 
Wechseln stehende Bäume benutzt — ein Stoßspeer mit eiserner, 
handbreiter, doppelschneidiger Klinge in den Rücken zwischen die 
Schulterblätter gestoßen. Es ist mir nichts darüber bekannt geworden, 
ob bei gut angebrachtem Stoß dem Tier noch eine Flucht möglich 



.99 

ist oder ob es an Ort und Stelle den weiteren Angriffen erliegt. 
Für die runden oder rundovalen Holzspeere der Paläolithiker ist 
von vornherein eine gleiche Wirkung wie mit breitem, doppel- 
schneidigem Eisenspeer ausgeschlossen. Die Wunde müßte, wurde 
solche Jagd geübt, auf jeden Fall bedeutend harmloser ausgefallen sein. 
Auch ein Schleudern vieler Speere — was heute bei dieser Jagd 
nicht geschieht — vom gesicherten Hochsitz auf ein Tier 
bessert die Aussichten, das Tier an Ort und Stelle zu bezwingen, 
nicht wesentlich, da die Elephanten nach Aussage aller Elephantenjäger 
äußerst zählebig sind und eine große „Fluchtkraft" besitzen, den 
getroffenen Stücken mit hoher Wahrscheinlichkeit also eine Flucht 
möglich war. Die Fundverhältnisse in Taubach, die große Häufig- 
keit von großen Kieferstücken, sowohl des Ober- als des Unter- 
kiefers, von Backzähnen und Stoßzähnen, schließlich von großen, 
vielfach nicht zerschlagenen Knochen, also von Resten des Skeletts, 
deren Wert für die paläolithischen Jäger des Mousterien nicht 
erkennbar ist, die ausgenommen die Stoßzähne heute von Elephanten 
jagenden Eingeborenen niemals von dem Ort der Erbeutung mit 
nach Hause geschleppt werden, weisen sehr bestimmt darauf hin, 
daß die Tiere in der Nähe der Stelle erlegt wurden, wo wir heute 
ihre Reste im Tuffkalk eingebettet finden; daß Jagden, die dem 
Wild eine Flucht gestatteten und dem Jäger das Tier weit entfernt 
vom Orte des Jagdbeginns erst in die Hände lieferten, hier nicht 
in Betracht kommen können. Zudem ist bei dieser Jagdmethode 
ein Überwiegen der jungen Tiere ganz unerklärlich. Denn es besteht, 
ganz abgesehen davon, daß der Jäger ja gar nicht vorher weiß, ob 
überhaupt ein Elephant unter seinem Baum gerade stoßrecht durch- 
kommen wird, absolut keine größere Wahrscheinlichkeit dafür, daß 
gerade ein junger Elefant unter dem Baum vorüberwechseln müßte. 
Im Gegenteil, nach der Wahrscheinlichkeit müßten bei dieser Jagd- 
methode mehr ausgewachsene, in der Vollkraft stehende Individuen 
erlegt werden, da in einer Herde Tiere von über 20 Jahren numerisch 
die 1 / 4 — 20 jährigen überwiegen. Um gerade die jungen, kleinen 
Tiere mit der Stoßlanze tödlich zu treffen, müßte der Jäger ferner 
beträchlich tiefer sitzen, als um ein großes zu erbeuten. Bei der 
Ungewißheit, ob ein großer oder kleiner Elephant durchzieht und bei 
der größeren Wahrscheinlichkeit, daß es ein großer ist, auf den er 
zum Stoß kommt, wäre die Wahl eines besonders tiefen Jagdsitzes 
unpraktisch und gefährlich, da der Jäger damit in den Wehrbereich 
des großeu Tieres rückt, das als Mutter sein junges gegen Angriffe 



100 

zu verteidigen pflegt. Es ist ganz augenscheinlich, daß diese Jagd- 
methode von den Moustierjägern von Taubach nicht geübt worden 
sein kann. Wir können für Taubach überhaupt jede Angriffsjagd 
ausschließen, — eingehende Erörterungen über solche Jagdmethoden 
finden sich im Abschnitt über die Mammutjagd — da die Jäger 
mit ihren Holzwaffen, auch wenn 20 Speere ein Tier trafen, niemals 
eine Flucht verhindern konnten, die das Tier dem Jäger weit vom 
Schußort erst in die Hände lieferte, aus obengenannten Gründen 
aber ein Erbeuten in nächster Nähe der Fundstelle der fossilen 
Reste stattgefunden haben muß. Über die Zählebigkeit der Elephanten 
habe ich mich a. 0. 1. c. Anm. 1 und nochmals in den hinten fol- 
genden Darlegungen über die Mammutjagd ausgelassen; ich verweise 
hier auf diese Ausführungen und vor allem auf Brehm, aus dem 
ich geschöpft habe. 

Eine zweite Jagdmethode, die Weule aus Deutschostafrika 
beschrieb, beruht darauf, daß eine über dem Wechsel im Gras oder 
Buschwerk ausgespannte Schnur in dem Moment, da der Fuß des 
schreitenden Elephanten sie berührt, durch einfache Hebelvorrichtung 
einen oben im Astwerk verdeckten Holzklotz mit Eisenspitze aus- 
löst, der dem Elephanten ins Genick fällt. Diese Methode könnte, 
ersetzen wir die Eisenspitze durch eine Holzspitze oder einen kurzen 
Holzschaft mit eingelassener Feuersteinspitze, dem Paläolithiker 
Taubachs vom Standpunkt seiner technischen Mittel vielleicht 
möglich gewesen sein; die Schwere des herabstürzenden Klotzes 
konnte die Mängel einer Stein- oder Holzspitze wohl ausgleichen. 
Auf diese Weise würde aber stets nur der vorderste Elephant einer 
auf dem Wechsel ziehenden Herde erlegt werden, — auf dem Wechsel 
gehen Elephanten bekanntlich im Gänsemarsch — das ist aber stets 
ein älteres, weibliches Tier. Diese Jagdmethode kann also das merk- 
würdige Überwiegen junger und sehr junger Tiere in Taubach nicht 
erklären und kommt deshalb nicht in Betracht. 

Es bleibt von den in der Gegenwart betriebenen Jagdmethoden 
nur der Fallgruben fang übrig, den ich früher schon für die Mou- 
sterienjäger Taubachs, für diluviale Elephantenjäger überhaupt, zu 
begründen suchte. Dagegen sind zwei Einwände erhoben worden. 
Profe und Noack glauben nicht, daß die Taubacher Jäger Werk- 
zeuge besaßen, die ihnen die Anlage von Fallgruben gestatteten, 
verurteilen also vom paläotechnischen Standpunkt aus die Fallgruben- 
jagd. Ferner sucht Profe wahrscheinlich zu machen, daß Fallgruben- 
jagd nicht das Überwiegen junger Tiere in der Beute erklären könnte. 



101 

Gestehen wir den Paläolithikern mit Noack Holzwaffen zu, 
so müssen wir ihnen konsequenterweise auch den Besitz von höl- 
zernen „Grabstöcken" zugestehen, wie sie verschiedene Stämme auf 
primitiver Kulturstufe, z. B. die Buschmänner, heute besitzen. Mit 
Hilfe solcher Grabstöcke — jedes größere Werk über Völkerkunde, 
z. B. Batzel, unterrichtet über Gestalt und Gebrauch dieses Werk- 
zeuges — war es aber durchaus möglich in nicht hartem Boden in 
verhältnismäßig kurzer Zeit Gruben anzulegen, mit denen Elephanten 
erbeutet werden konnten. Es sind ja zu diesem Zwecke keineswegs 
übermäßig große Gruben nötig, keineswegs so geräumige als sie die 
dem Noack sehen Aufsatz über Mammutjagd beigegebene bunte 
Tafel zeigt. In etwas versumpften Gebieten, in Flußtälern mit weit 
verbreitetem Sandboden, schließlich in der engeren Flußaue selbst 
mit lockeren, d. h. leicht abzugrabenden, mit den Händen auszu- 
schaufelnden Sand und Sandschlickmassen, konnte die Anlage solcher 
Gruben dem Paläolithiker keineswegs besondere Schwierigkeiten 
bereiten und brauchte nicht, wie Noack meint, viele Wochen in 
Anspruch zu nehmen. Solche Gebiete, die von den wasserliebenden 
Elephanten und Nashörnern in früheren Zeiten wie heutigen Tages 
ständig aufgesucht wurden, boten der Fallgrubenjagd aber noch 
weitere, ganz besonders günstige Aussichten. Bekanntlich paddeln 
sich Elephanten in trockenem Sandboden häufig „tiefe, der Größe 
der Elephanten entsprechende Kessel" aus; geschieht das bei den 
Elephanten vorwiegend auf trockenem, staubigen Grund, so haben 
die Nashörner große Vorliebe für „Suhlen" in feuchtem, sumpfigem 
Terrain. An solchen wasserreichen Stellen mit Lehm- und Schlick- 
böden, also zumeist in der Nachbarschaft der Tränken, wühlen sich 
Nashörner stets große „Suhllöcher" aus, und es ist äußerst wahr- 
scheinlich, ja sicher, daß in der nächsten Umgebung des Taubacher 
Gebiets, daß in der Ilmaue, die — wie wir aus floristischen und 
allgemein geologischen Daten erschließen können, — diesen Tieren 
geradezu ideale Lebensbedingungen bot, solche Suhllöcher entsprechend 
der großen Häufigkeit der Art in der damaligen Tierwelt in großer 
Zahl vorhanden waren. Was lag näher für die Jäger als diese Suhl- 
löcher ihrer Jagd nutzbar zu machen, sie durch Einsetzen spitzer 
Holzpfähle auf dem Grunde, durch Verblenden mit Holz und Busch- 
werk und aufgestreuter Losung der Tiere in Fallgruben umzuge- 
stalten? Aus solchen tiefen, halbkugelförmigen Wannen Fallgruben 
mit steilen Wänden herzustellen — oft dürfte das gar nicht nötig 
gewesen sein, vielleicht nur auf der Stelle wünschenswert, von 



102 

welcher das Tier herankommen mußte, um den Sturz recht plötzlich 
zu machen — war mit Hilfe der „Grabstöcke", mit Hilfe der Hände 
für den Paläolithiker durchaus keine unmögliche Arbeit. Eine solche 
in der Ilmaue und vor allem auf der wasserüberrieselten Oberfläche 
der älteren Ilmterrasse, in direkter Nachbarschaft des Bildungs- 
bereichs des Tuffkalks betriebene Fallgruben jagd wird vor allem 
auch der Tatsache gerecht, daß wir an der Fundstelle so viel gerade 
von denjenigen Skeletteilen der Beutetiere finden, die für den Paläo- 
lithiker augenscheinlich ganz unbrauchbar waren, die er von entlegenen 
Jagdplätzen nicht herbeigeschleppt haben kann, um sie in die Tümpel 
und Wasserbecken zu versenken, die über der älteren Ilmterrasse 
im Ablagerungsbereich des älteren Tuffkalkes zahlreich vorhanden 
waren. Benutzte der Jäger aber immer wieder die in der Nähe 
liegenden Suhllöcher als Fallgruben, so ist leicht verständlich, daß 
er nach gelungenem Fang die Grube wieder völlig leerte und alle 
für ihn unbrauchbaren Reste des Beutetiers in die benachbarten 
Tümpel versenkte, alle Spuren seiner Jagd verwischte, um die Grube 
benutzbar zu erhalten, und auch um keine Raubtiere anzulocken. 

Vom paläotechnischen Standpunkt aus sehe ich also absolut 
keine Bedenken gegen eine Fallgruben] agd. 

Gegenüber dem zweiten Einwand, daß Fallgrubenfang nicht 
das Überwiegen junger Tiere erklären könnte resp. ein solches "Über- 
wiegen nicht bedingen müßte, sei auf folgendes hingewiesen. Bei 
wandernden Elephantenherden gehen, wie mir der bekannte Afrika- 
forscher Prof. Pechuel-Loesche auf eine Anfrage vor mehreren 
Jahren mitteilte und wie auch im neusten Brehm zu finden ist, 
Muttertiere mit den Jungen voran; sie geben gewissermaßen das 
Tempo an. Dieser Vortrab muß die durch Fallgruben gefährdete 
Zone also zuerst erreichen. Da in diesem Vortrab, aus dem die 
alten männlichen und die kinderlosen weiblichen Tiere ausgeschieden 
sind, junge Tiere relativ viel häufiger sein müssen als in der ganzen 
Herde, ja sich hier vielleicht zu den alten wie 1 : 1 verhalten, da 
ferner die Gefährdung der noch wenig gewitzigten jungen Tiere 
eine größere sein muß als die der erfahrenen alten, so ist in einer 
diesem Vortrab entnommenen Beute ein dem in Taubach nachgewie- 
senen ungefähr entsprechendes Massen Verhältnis alter und junger 
Tiere ganz selbstverständlich. Da die Fallgruben auf breiter Fläche 
wohl dort angelegt waren, wo die Herde nach Verlassen des engeren 
Wechsels den „Gänsemarsch" aufgibt und in breiterer Front dem 
Wasser zustrebt, so ist es gar nicht nötig, daß jedesmal das führende, 



103 

alte weibliche Tier auch einer Fallgrube zum Opfer fällt. Waren 
die Fallgruben aber relativ klein im Verhältnis zur Größe eines 
ausgewachsenen Elephas antiquus — wegen Benutzung der an sich 
kleineren Suhllöcher der Nashörner oder weil die Anlage großer 
Gruben dem Paläolithiker wirklich aus technischen Gründen in 
wünschenswert kurzer Zeit nicht möglich war — so ist klar, daß 
durch sie größere Tiere überhaupt weniger gefährdet wurden als 
kleine, daß sie teilweise über die Gruben einfach hinwegschritten, 
in die die kleineren unfehlbar stürzen mußten, daß sie schließlich, 
selbst wenn sie einbrachen, sich doch nicht so stark verletzten, daß 
sie sich nicht selbst wieder hätten herausarbeiten und eine Flucht ver- 
suchen können. Solcher Fallgrubenfang ist also sehr wohl, und von 
allen möglichen Jagdarten allein imstande, das in dem Taubacher 
Elephantenmaterial nachgewiesene Massenverhältnis alter und junger 
Tiere zu erklären. Auch heute noch werden in Fallgruben vor 
allem junge Tiere gefangen. Kormos 23 ) zitiert Kaufmann (Aus 
Indiens Dschungeln, Bd. IL p. 240, 1911) dafür, daß „in Afrika, be- 
sonders aber in Indien, wo man wilde Elephanten auch heute noch 
mittelst Gruben fängt", „zumeist jugendliche Tiere in Gefangen- 
schaft" fallen. 

Ich sehe keinen Grund, der gegenüber den vorgetragenen Tat- 
sachen und Erwägungen gegen eine Fallgrubenjagd der Taubacher 
Jäger geltend gemacht werden könnte. 

Berücksichtigt man bei Beurteilung der Elephanten- 
jagd der Taubacher Mousterienjäger alle in Betracht kom- 
menden Momente, also Fundumstände, Zusammensetzung 
des Knochen- und Gebißmaterials der erbeuteten Tiere 
nach Altersstufen, Lebensweise und Wehrhaftigkeit des 
"Wildes, Jagdarten primitiver Stämme auf Elephanten in 
der Gegenwart, schließlich Jagdmöglichkeiten des paläo- 
lithischen Jägers auf Grund seiner durch die Feuerstein- 
artefakte belegten Kulturhöhe, so kann man konsequenter- 
weise nur zu einem Schlüsse kommen: Die Mousterienjäger 
von Taubach haben den Waldelephanten in Fallgruben 
gefangen. 



23 ) Th. Kormos, Die paläolithische Ansiedlung bei Tata. Mitt. aus d. Jahrb. 
d. Kgl. ungar. geol. Reichsanstalt. XX. Bd., 1. H. 1912. 



104 

4. Elepliantenjagd des Homo Heidelbergensis. 

Das gleiche auffällige Massenverhältnis zwischen alten und 
jungen Tieren wie in Taubach fand ich in dem fossilen Material 
des Elephas antiquus aus den Kiesen von Mauer bei Heidelberg, 
die beträchtlich älter sind als die der 3. Zwischeneiszeit zuzurech- 
nenden Tuffkalke von Taubach und zu ihrem größten Teil der 
1. Zwischeneiszeit angehören. 25,5% Tiere im Alter von 1 / 4 — 6 Jahren 
in Taubach entsprechen in Mauer 31,1%, 28,8% Tieren im Alter 
von 6 — 20 Jahren in Taubach entsprechen 26,6% in Mauer. In diesem 
Moment unterscheidet sich Mauer also genau so wie Taubach von 
allen reicheren Fundstellen, an denen der Mensch nicht nachge- 
wiesen ist, also einen Einfluß auf die Zusammensetzung des auf uns 
gekommenen fossilen Materials nicht gehabt haben kann. Das merk- 
würdige Massen Verhältnis zwischen jungen und alten Elephanten 
scheint also an das gleichzeitige Vorkommen des Menschen gebunden. 
Da für Taubach evident ist, daß nur die menschliche Jagd dieses 
Verhältnis hervorgebracht haben kann, habe ich früher auch für 
Mauer den Einfluß des Menschen als urhebend, also eine Fallgruben- 
jagd des Homo Heidelbergensis angenommen. Eine andere Jagd- 
methode, irgendeine Angriffsjagd könnte bei Menschen, die viel- 
leicht noch auf einer eolithischen Kulturstufe standen, noch viel 
weniger in Frage kommen als für Taubach. Gegen diese Ausdeutung 
des Fundbestandes sind mir mündlich von befreundeter Seite wieder- 
holt Einwendungen gemacht worden, ohne daß meine Hypothese 
durch eine befriedigendere oder auch nur wahrscheinlichere Erklärung 
des Tatbestandes ersetzt werden konnte. Die vorgebrachte Ansicht, 
daß die besondere Lage der Ortlichkeit im Bereich einer relativ 
engen Flußschlinge großen Raubtieren hier besonders günstige 
Gelegenheit bot, junge Elephanten zu erbeuten, ist keineswegs stich- 
haltig. Von den in Mauer vorkommenden Raubtieren — Löwe, 
Panter, Wildkatze, Hyäne, 2 Bären, kleiner Wolf — kann als ge- 
fährlicher Feind sehr junger Elephanten auf Grund von Beobachtungen 
aus der Gegenwart ausschließlich der Löwe in Frage kommen. 
Dieser erbeutet heute nachweislich junge Elephanten nur sehr selten 
und überhaupt nur sehr junge Kälber. Die Mehrzahl der jungen 
Tiere in Mauer hatte aber, wie ich früher schon betonte, das Alter 
überschritten, in dem die Tiere durch den Löwen gefärdet sind; es 
sind zumeist Tiere, die der Obhut der Mutter eben entwadhsen 
wollen oder entwachsen sind. Bot die Lage der Ortlichkeit, die Art 
ihrer Umgebung usw. dem Löwen besonders günstige Gelegenheit, 



105 

Elephanten zu erbeuten, so müßte doch, meine ich, eine noch gün- 
stigere Gelegenheit auf solche Arten bestanden haben, die viel 
weniger wehrfähig sind als Elephanten, die aber laut fossilem 
Material häufiger oder ebenso häufig waren und wie Hirsch, Reh, 
Bison, Elch, Pferd Größenstufen angehören, unter denen heute noch 
der Löwe am liebsten, ja ausschließlich seine Beute sucht. Bei der 
Häufigkeit dieser Arten in der Mauerer Fauna ist es aber ganz un- 
verständlich, weshalb der Löwe sich so stark auf ein Wild verlegt 
haben sollte, das er heute so selten jagt, ja meidet. Das wäre in der 
Tat nur bei sehr großer Armut an anderen Arten verständlich. 
Wären aber Raubtiere für das auffällige Massenverhältnis in Mauer 
verantwortlich zu machen, so wäre es sehr merkwürdig, daß in der 
Fauna von Mosbach, in der Raubtiere eine größere, zum mindesten 
eine ebenso große Rolle spielen wie in Mauer, das Massenverhältnis 
alter zu jungen Elephanten ein grundsätzliches anderes ist, also von 
einer auch nur einigermaßen so intensiven Raubtierjagd auf Ele- 
phanten, wie wir sie in Mauer annehmen müßten, gar nicht die 
Rede sein kann. Ich finde aus diesen Gründen heute wie früher 
für das Massenverhältnis eine Erklärung nur in der Anwesenheit 
des Menschen, als dem einzigen prinzipiellen Unterschied, der zwischen 
der Fauna von Mauer und den Faunen besteht, in denen das 
Massenverhältnis zwischen alten und jungen Elephanten ein anderes, 
nämlich ein im Hinblick auf die Entstehungbedingungen Knochen 
führender Schichten „normales" ist. 

Die Frage, auf welche Weise der Mensch in Mauer die Ele- 
phanten erlegt hat, findet eine Antwort aus den für Taubach fest- 
gestellten Verhältnissen. Über die Kulturstufe des Homo Heidel- 
bergensis können wir, da uns Artefakte fehlen, nur sagen, daß sie 
zeitlich weit vor dem Chelleen liegt, günstigstenfalls ein primitives 
Prächelleen sein kann, möglicherweise eine eolithische Stufe; also 
Benutzung passend erscheinender Steine, wie sie die Natur bietet, 
kein Zuschlagen der Steine zu bestimmten Formen, zu besimmten 
Zwecken, kein Retouchieren. Ob er fähig war, Holzwaffen sich zu 
fertigen, ist in gewissen Grenzen wahrscheinlich. Ein Vergleich 
mit den Tasmaniern, die gute Holzwaffen besaßen, ist deshalb nicht 
ohne weiteres statthaft, da viele „Eolithen" der Tasmanier gar keine 
Eolithen sind, sondern Werkzeuge von ausgesprochenem Mousterien- 
charakter mit recht gut retouchierten Kanten. In gewissen Grenzen 
dürfte dem Mauerer Jäger aber ein Gebrauch des Holzes möglich 
gewesen sein. Holzpfähle kann man mit Feuer und jedem gekan- 



106 

teten Stein von einiger Härte leicht znschärfen und mit einer recht 
achtbaren Spitze versehen. 

Die Tatsache, daß das Massen Verhältnis junger und alter Ele- 
phanten unter der Beute des Mauerer und des Taubacher Jägers 
genau das gleiche ist, rechtfertigt von vornherein den Schluß, daß 
die Jagdmethode dieselbe oder doch eine äußerst ähnliche gewesen 
sein muß. Die für Taubach aber als unmöglich erwiesenen Jagd- 
methoden sind es für den Mauerer Menschen mit viel primitiverer 
Kultur, mit geringerer Angriffskraft, mit einer viel weniger gefes- 
tigten Position innerhalb einer zahlreichen große Raubtiere um- 
schließenden Tierwelt noch viel mehr. Diskutabel und möglich bleibt 
nur die Fallgrubenjagd. Auch in Mauer, an der seeartig erweiterten 
Flußschlinge boten sich die Suhllöcher der sehr zahlreichen Nas- 
hörner als einfache Fallgruben dar, die selbst der primitivste Jäger 
mit Holzpfählen versehen und oben verblenden konnte. Ich sehe 
gegen eine solche Annahme, die allein imstande ist, den Tatbestand 
zu erklären, keine diskutabelen Bedenken. Ich halte also auch 
heute noch das mit Taubach übereinstimmende Massen- 
verhältnis alter und junger Elephanten in Mauer für be- 
weisend dafür, daß Homo Heidelbergensis Elephanten in 
einfachen Fallgruben gefangen hat, nachdem aus der Bio- 
logie der Fauna, aus den geographischen Verhältnissen 
der Ortlichkeit und anderen Daten eine nur einigermaßen 
befriedigende, nicht sofort durch Vergleiche mit den Ver- 
hältnissen anderer Fundorte zu widerlegende Deutung un- 
möglich war. 

Außer in Taubach und Mauer ist Elephas antiquus zweifellos 
noch an vielen Ortlichkeiten auf ähnliche Weise erbeutet worden, 
ohne daß die Zeugnisse solcher Jagd alle auf uns gekommen oder 
schon alle aufgedeckt wären. Sehr wahrscheinlich ist sie jedenfalls 
für verschiedene Vorkommen im Themsetal und für verschiedene 
Fundstellen in Frankreich. Der bündige Nachweis hat für diese 
Örtlichkeiten mangels einer genauen Statistik des fossilen Materials 
aber noch nicht erbracht werden können. 

5. Das Aussterben des Waldelephanten. 

Diese Jagd ist nicht die Ursache des Erlöschens des Wald- 
elephanten gewesen, wie überhaupt die menschliche Jagd zur Dilu- 
vialzeit ziemlich bedeutungslos war für das Verschwinden einer 
Reihe großer Säuger während oder am Ende dieser Periode. Das 



107 

Aussterben hat, wie ich früher (1. c. Anm. 1) ausführte, in der Ent- 
wicklung der Stämme begründete Ursachen. Meinen Ansichten in 
diesen Fragen hat sich Profe angeschlossen, ja ergeht darin noch 
weiter als ich und leugnet auf Grund seiner Annahme, daß der di- 
luviale Mensch in Taubach und wohl überhaupt den Elephanten 
nicht gejagt habe, jeden Einfluß des Menschen auf das Verschwinden 
des Elephas antiquus und Rhinoceros Merkii. Ich habe für das 
Erlöschen dieser Arten letzten Endes auch nicht den Menschen ver- 
antwortlich gemacht — was man aus Profes Ausführungen (1. c. 
Anm. 3, S. 119) allerdings leicht herauslesen könnte — aber doch 
gerade hier, wo seine Jagd laut Fossilmaterial wirklich ziemlich 
erfolgreich war und besonders den Nachwuchs stark lichtete, seine 
lokal beschränkte ausrottende Tätigkeit betont. Ich bin heute noch 
dieser Ansicht. 

Elephas antiquus und das später zu besprechende Rhinoceros 
Merkii wären • natürlich auch ohne menschliche Jagd noch vordem 
Ausklingen der Diluvialzeit erloschen. Beide Arten waren in eine 
Entwicklung gedrängt, die bei Änderung ihrer spezifischen Lebens- 
bedingungen, wie sie im Gefolge eines Klimaumschwungs eintreten kann, 
zum Erlöschen führen mußte. Vom Beginn eines solchen Umschwungs 
an waren es also gewissermaßen erlöschende Arten. Wie äußert sich 
ein solches allmähliches Erlöschen? Sicher nicht ausschließlich in 
einer Häufung pathologischer Erscheinungen am Individuum. Na- 
türlich wird die Art, deren Leben an andere als an die neueinge- 
tretenen Bedingungen in extremer Weise angepaßt war, in ihren 
einzelnen Individuen Krankheiten, Epidemien usw. besonders zu- 
gänglich sein und dadurch Abbruch erleiden. Als letzte Ursache 
des Erlöschens ist doch aber der Umstand zu betrachten, daß die 
neuen Lebensbedingungen für die Lebenshaltung des Individuums 
so viel Kräfte absorbierten, daß dadurch die Zeugungsfähigkeit, 
Fruchtbarkeit herabgesetzt wurde. Dem Nationalökonomen ist diese 
Erscheinung am Menschen wohl bekannt. Wird der Kampf um die 
Existenz größer und schärfer, so führt das zum Rückgang der Ver- 
mehrungsmöglichkeit und der Vermehrung und damit natürlich kon- 
sequenterweise zum Erlöschen der Art. Sehr stark an bestimmte 
Bedingungen angepaßte, mit einem Wort spezialisierte Arten, werden 
also bei der Änderung dieser Bedingungen einen fortschreitenden 
Rückgang ihrer Vermehrungsmöglichkeit erleiden. 

Zur Zeit der Mauerer und wohl auch zur Zeit der Taubacher 
Jäger dürfte Elephas antiquus allerdings noch nicht in dieses Sta- 



108 

dium gedrängt gewesen sein, der entscheidende Umschwung in den 
Lebensverhältnissen wird erst nach der Taubacher Zeit und wahr- 
scheinlich mit dem Beginn der 4. Eiszeit eingetreten sein. Der sehr 
erfolgreichen Jagd des Menschen aber, der mit der Höherentwicklung 
seiner Kultur und der damit verbundenen Verbesserung seiner Lebens- 
bedingungen, die Möglichkeit wachsender Vermehrung erwarb, gerade 
vor Eintritt dieses Umschwunges, kann ein gewisser — ich sage 
nicht entscheidender — Einfluß keineswegs abgesprochen werden. 
Schon allein der Umstand, daß die Art in gewissen Landstrichen 
durch fortdauernde Vernichtung des Nachwuchses an Bestand ein- 
büßte, daß das weite Verbreitungsgebiet der Art durch solche an 
Zahl allmählich zunehmenden lokalen „Jagdplätze" oder Gebiete 
dauernder Beunruhigung abgeteilt wurde in dicht und weniger 
dicht bestandene Gebiete, konnte nicht ohne Bedeutung bleiben in 
dem Moment, wo mit dem Umschwung der Geburtenrückgang und 
größere Sterblichkeit einsetzten. Von diesem Moment an muß die 
menschliche Jagd den Niedergang der Art mindestens lokal beschleu- 
nigt haben. Ein anhaltender Konnex des ganzen Bestandes durch 
in ihren Wanderungen nicht behelligte Herden konnte selbstverständ- 
lich dem Niedergang erfolgreicher widerstehen als durch mensch- 
liche Jagd getrennte, oder doch in ihrem Zusammenhang etwas 
gelockerte Bestände. Denn gerade bei Arten, die erlöschen müssen, 
wird Inzucht auch in wenig ausgesprochener Form von besonderer 
Wirkung sein. Daß menschliche Jagd, solange sie nur der Ernäh- 
rung halber und mit einfachen Waffen betrieben wird, den Bestand 
einer lebenskräftigen Art nicht beträchtlich mindern oder gar 
gefährden kann, beweist der afrikanische Elephant, der des Fleisches 
wegen seit sehr langer Zeit von den Negern gejagt, von den Euro- 
päern aber trotzdem einst in sehr zahlreichen und großen Herden 
angetroffen wurde. Wo die primitive Jagd als ein das Erlöschen 
einer Art beschleunigender Faktor erscheint, ist unbedingte Voraus- 
setzung eine aus tieferen Ursachen fließende Minderung der Lebens- 
möglichkeit dieser Art. 

Daß Elephas antiquus nicht der menschlichen Jagd erlag, be- 
weist schließlich die Tatsache, daß er resp. seine asiatische Wander- 
form Elephas antiquus namadicus auch dort erlosch, wo die Lebens- 
verhältnisse den Menschen nicht in dem Maße als in Europa auf 
die Jagd verwiesen, wo sich reine Jägervölker überhaupt niemals 
entwickelt haben. 



VII. Die Jagd auf das Mammut. 

(Elephas primigenius Blumenb.) 

Unter wesentlich anderen Bedingungen als auf den Wald- 
elephanten, Elephas antiquus, erfolgte die Jagd der Paläolithiker 
auf das Mammut, den Elephanten der eiszeitlichen Steppen. Dabei 
ist es nicht nur der ganz andere Charakter seiner Wohngebiete, in 
denen der Wald nur als Oase oder als „Galerie" an den Ufern der 
Ströme eine bescheidene Rolle spielte, der der Jagd ganz bestimmte 
neue Möglichkeiten eröffnete, andere oben diskutierte von vorn- 
herein ausschloß. Das Verhältnis zwischen Jäger und Mammut ist 
in zweifacher Hinsicht ein anderes als zwischen Jäger und Wald- 
elephant; diese Änderung betrifft einmal die „Schutzkraft" des 
Wildes und zum anderen die „Wehrkraft" des Jägers. Von Elephas 
antiquus wissen wir zwar nicht, wie stark sein Haarkleid entwickelt 
gewesen ist; in Berücksichtigung der Tatsache aber, daß die Art in 
ozeanischen Klimagebieten zu Hause war, daß sie als ausgesprochener 
Waldbewohner ein etwa vorhandenes dichteres Haarkleid in gleicher 
Weise durch „Abreiben" eingebüßt haben dürfte wie unsere heutigen 
Arten, — das an sich vorhandene dünne Haarkleid der heutigen 
Elephanten würde viel sichtbarer resp. kräftiger sein, wenn die 
Elephanten es nicht durch „Abreiben" bekanntlich stark ver- 
minderten — darf man annehmen, daß Elephas antiquus keinenfalls 
einen so dichten Pelz getragen hat, als es für das Mammut in ver- 
schiedenen sibirischen Funden erwiesen ist. (Abb. 17 zeigt die unter 
Berücksichtigung der sibirischen Funde durchgeführte bildliche Re- 
konstruktion des Elephas primigenius Fraasi: Abb. 18 eine paläo- 
lithische Mammutzeichnung von Combarelles, auf der der Behang 
aus kräftigen Grannenhaaren eine beträchtliche Länge aufweist. 
Es erscheint bemerkenswert, daß das Mammut auch unter dem zu 
allen Zeiten milderen Klima Frankreichs eine so starke Behaarung 
besessen hat.) Desgleichen dürfte der in milderen Klimaten heimische 
Waldelephant keinesfalls eine so starke Fettschicht unter der Haut 



110 

entwickelt haben als das Mammut in seinen beträchtlich kühleren 
Wohngebieten. Der größere Schutz, den das Mammut im Vergleich 




Fig. 18. Rekonstruktion des Elephas primigenius Fraasi, einer älteren schwäbischen 
Mammutrasse, aus W. 0. Dietrich: Elephas primigenius Fraasi ect. 




Fig. 19. Graviertes Mammut aus Combarelles. 
ca. ] /io n. Gr. Nach L. Capitan, J. Peyrony und H. Breuil, aus Verwom: 

ldeoplastische Kunst. 

mit dem Waldelephanten in einem dichten Pelz und einer dicken, 
bis 10 cm starken Fettschicht unter der 2 bis 3 cm starken Haut 



111 

gegen Angriffe von außen besaß, wurde aber bis zu einem gewissen 
Grade dadurch ausgeglichen, daß die Menschen, die mit dem Mammut 
so recht eigentlich das Wohngebiet teilten, im allgemeinen besser 
bewaffnet waren als die Jäger des Waldelephanten. Wenn auch 
schon der altpaläolithische Mensch (Neandertalrasse) Zeitgenosse 
des Mammuts gewesen ist und mit ihm vielfach in direkter 
Nachbarschaft lebte, so sind doch erst die Rassen des Jung- 
paläolithikum im vollen Sinne Bewohner der freien Steppe 
geworden, die sie wandernd durchzogen. Erst im Jungpaläo- 
lithikum, mit dem Beginn der Aurignacperiode, finden wir den 
Menschen in zahlreicheren Horden in der Steppe, der eigentlichen 
Heimat des Mammut, erst seit dieser Zeit fällt der Schwerpunkt 
des Wohngebiets des europäischen diluvialen Menschen zusammen 
mit dem Schwerpunkt des Wohngebiets des Mammuts. Unseren 
Erörterungen über die Mammutjagd können wir deshalb so gut wie 
ausschließlich das jungpaläolithische Fundmaterial zugrunde legen, 
zumal in fast allen Stationen des Altpaläolithikums, soweit die bis- 
herigen Funde unterrichten, das Mammut als nachweisliches Jagd- 
objekt des Menschen eine geringere Rolle spielte. Nur in der 
Mousterienstation von Tata ist es die herrschende Art in der mensch- 
lichen Beute und ist hier, worauf schon Kormos 1. c. Anm. 23 
hinwies, nach Ausweis der vorwiegend jungen Tiere ebenso in Fall- 
gruben gefangen worden, wie der Waldelephant in Taubach. Diesen 
älteren Elephanten Jägern gegenüber besaßen die Menschen des 
Jungpaläolithikums aber viel wirkungsvollere Waffen. Die Bearbei- 
tung von Hörn (Geweih) und Knochen hatte begonnen, die ein- 
fachen Holzspeere wurden ersetzt durch Speere mit langen Horn- 
und Knochenspitzen, die allerdings auch jetzt noch, was zu betonen 
ist, stets einen runden oder rundovalen Querschnitt besitzen; breite, 
flache, doppelschneidige Spitzen fehlen auch diesen Perioden. Ein 
weiterer Fortschritt besteht oder scheint zu bestehen in dem Vor- 
handensein von sogenannten Wurfstöcken (Propulseurs), mit deren 
Hilfe den Speeren größere Wurfweite, größere Durchschlagskraft 
verliehen werden konnte. Es ist allerdings nicht unwahrscheinlich, 
daß auch die Altpaläolithiker diese Wurfhölzer besessen haben, die 
uns aber, da sie nur aus Holz gefertigt gewesen sein können, nicht 
erhalten geblieben sind. 

Dieser Unterschied in der Wehrhaftigkeit der beiden Jäger 
ist natürlich nur ein gradueller, der den besonderen Schutz, den 
dem Mammut gegenüber dem Waldelephanten ein dichter Pelz und 



112 

eine starke Fettschicht verlieh, keineswegs ganz illusorisch machen 
konnte. 

In den afrikanischen Steppen werden heutigen Tages drei 
Jagdarten auf Elephanten geübt, die wir für die paläolithischen 
Jäger und ihr "Wild auf ihre Möglichkeit — auf Grund der Lebens- 
weise des Mammuts, seiner Wehr- und Schutzkraft und auf Grund 
der Wehrhaftigkeit der Jäger — und auf ihre Wahrscheinlichkeit 
— auf Grund der tatsächlichen Funde — im folgenden zu prüfen 
haben werden. Diese Jagdmethoden der Gegenwart, sind: 

1. Einkreisen von Herden durch weit angelegte Feuerbrände 
in Grassteppen und Erlegen der erschöpften und ver- 
wirrten Tiere durch Sjueere. 

2. Direkter Angriff auf einzelne Tiere unter Zuhilfenahme von 
Pferden, Lanzen und Schwert. 

3. Fallgrubenfang. 

1. Jagd mit Hilfe von Steppenbränden auf ganze Herden. 

Das Einkreisen einer Elephantenherde in der Grassteppe durch 
Feuerbrände gehört zu den erfolgreichsten Jagdmethoden auf die 
großen Dickhäuter, ist aber nur ausführbar mit großem Menschen- 
material. Brehm sagt darüber: „Die Njam-Njam rufen durch weit- 
tönende Lärmtrommeln binnen weniger Stunden Tausende von Be- 
waffneten zusammen, wenn es ein wichtiges Unternehmen gilt." 
„Dies geschieht vor allem", schreibt Schwein furth, „wenn sich 
Elephanten gezeigt haben, zu deren Vernichtung die dichtesten und 
vom stärksten Graswuchs erfüllten Steppen eigens geschont und 
vor dem Steppenbrande in acht genommen zu werden pflegen. 
Dahinein treibt man die Tiere, umstellt den ganzen Bereich mit 
Leuten, die Feuerbrände bei sich führen, und der Brand beginnt 
von allen Seiten, bis die Elephanten teils von Rauch betäubt, teils 
durch Feuer selbst lahmgelegt, eine wehrlose Beute der Menschen 
werden und ihnen durch Lanzenwürfe der Rest gegeben wird." 
Auch im Graslande Kameruns pflegt man unter großem Menschen- 
aufgebot die Elephantenherden mittels umfassend angelegter Gras- 
brände einzukreisen und zu töten. Ein sehr wichtiger Faktor dieser 
Jagd ist also nach diesen Angaben, wie ja auch leicht zu begreifen, 
ein großes Menschenmaterial. Die afrikanischen Stämme, die heute 
diese Jagd betreiben, sind seßhaft und deshalb, soweit man das für 
Stämme mit primitiver Kultur sagen kann, volkreich. Nomaden- 
stämme vermehren sich viel langsamer, sind volkarm — man denke 



113 

nur an die Buschmänner — und zu solcher Jagd deshalb von vorn- 
herein wenig prädestiniert. Daß die paläolithischen Jäger Europas 
vorwiegend — es mag vielleicht vereinzelte Ausnahmen in Südwest- 
europa gegeben haben — nomadisierten, beweisen klar die Fund- 
verhältnisse, das Fundmaterial fast aller paläolithischen Stationen. 
Es sind verschwindend wenige, deren Fundmaterial an menschlichem 
Gerät und an Resten der Beutetiere durch seine Menge darauf hin- 
deutet, daß der Mensch an dieser Stelle Wochen oder gar Monate 
gehaust hätte. Von längeren Zeiträumen kann im Sinne einer 
dauernden, nicht unterbrochenen Siedelung an keiner Stelle ge- 
sprochen werden. Da nun zur Zeit des Jungpaläotithikums, dessen 
erste Stufen zeitlich mit der Ablagerung des jüngeren Löß zusammen- 
fallen, das Mammut nachweislich sehr häufig war, bei Herdentieren 
aber ein direkter Zusammenhang besteht zwischen der allgemeinen 
Häufigkeit und der Kopfzahl der Herden, so müssen wir annehmen, 
daß das Mammut im Jungpaläolithikum im allgemeinen in sehr 
großen Herden verbreitet war; müssen weiter annehmen, daß zur 
Vernichtung solcher großer Herden durch Feuereinkreisung ein 
recht großes Menschenmaterial „Tausende von Bewaffneten" nötig 
waren. Die bisherigen Funde aus paläolithischen Stationen berech- 
tigen uns aber nicht auch nur Hunderte von Bewaffneten in einer 
Wanderhorde vorauszusetzen. Diese Tatsachen und Erwägungen 
lassen eine solche Jagd für den Paläolithiker sehr unwahrscheinlich 
erscheinen, rechtfertigen zum mindesten den Schluß, daß diese Me- 
thode der Mammutjagd bei den Paläolithikern nicht die Rolle ge- 
spielt haben kann wie bei den Elephanten jagenden Eingeborenen 
der afrikanischen Steppengebiete heutigen Tages. 

Sehen wir uns schließlich unter den paläolithischen Funden 
Mitteleuropas um, so können wir auch keinen einzigen aufführen, 
für den mit einiger Sicherheit eine Erbeutung einer auch nur kleinen 
Mammutherde vermittels dieser Jagdmethode erwiesen werden oder 
aus allen Fundumständen wahrscheinlich gemacht werden könnte. 
"Wäre diese Jagd gebräuchlich gewesen, die durch die reiche Beute, 
die sie bei relativ geringer Kraftentfaltung und Gefährdung des 
Jägers stets liefert, sehr verlockend sein mußte, so müßten wir doch 
irgendwo einmal Kohle- oder Ascheschichten, zum Teil als dünne 
Lagen weithin im Löß verfolgbar, zum Teil an bestimmten Stellen 
im Löß aufgehäuft resp. vom Winde zusammengeweht, also lokal 
dem Löß eingelagert, oder verschwemmt in Gehängebildungen usw. 
auffinden. Die wenigen Reste verkohlten Holz- oder Pflanzen- 

Soergel, Die Jagd der Vorzeit. 8 



114 

materials, die sich an einzelnen Fundstellen gelegentlich zeigen, 
ebenso die Kohlepartikelchen, die Noack aus dem Löß von Thiede 
erwähnt und für solche Jagd für beweiskräftig hält, rühren zumeist 
von Herdfeuern her, ja brauchen nicht einmal von Menschen an- 
gelegten Bränden ihr Entstehen zu verdanken, geschweige denn 
weit ausgedehnten Bränden und beweisen für unsere Frage gar 
nichts. Wäre solche Jagd geübt worden, so müßten in den jeweils 
betroffenen Gebieten ferner in größerem Maßstabe die Kleinformen 
unter den Säugern der diluvialen Steppen, die durch Flucht dem 
Brande nicht entgehen konnten, vernichtet worden sein, Kleinformen, 
wie sie hier viel arten- und wohl auch individuenreicher lebten als 
in den heutigen afrikanischen Grassteppen . Wir müßten also im 
Lösse doch gelegentlich angekohlte Skelettreste dieser kleinen 
Steppennager und ihrer Feinde unter dem kleineren Raubzeug vor- 
finden oder doch über weitere Strecken hin häufiger Skelette und 
Skeletteile dieser kleinen Tiere, die in ihren Bauten erstickten und 
vom Löß eingedeckt sich bis auf den heutigen Tag erhalten haben 
müßten. Daß von alledem in dem zu erwartenden Ausmaße eigent- 
lich jede Spur in dem doch recht gut aufgeschlossenen Löß fehlt, 
scheint mir für unsere Frage recht beachtenswert. Das fossile Ma- 
terial liefert also keinen Beweis dafür, daß diese Jagdmethode von 
den Paläolithikern geübt worden ist. Es bleibt natürlich, auch 
wenn bisher keine Beweise dafür erbracht werden konnten, die 
Möglichkeit bestehen, daß sehr kleine Mammutherden gelegentlich 
so erbeutet wurden; wahrscheinlich ist sogar, daß so ausschließlich 
auf die Jagd angewiesene Menschen sich des Feuers als Jagdmittel 
bedient haben. Daß das aber keinesfalls in dem Maße geschehen 
sein kann, als heutigen Tages bei den Eingeborenen afrikanischer 
Steppen, dafür sprechen die Fundumstände an allen Stellen, wo 
menschliche Reste oder Artefakte zusammen mit Resten erbeuteter 
Mammute gefunden wurden, dafür sprechen die vorgetragenen Tat- 
sachen und Erwägungen. 

2. Angriffsjagd auf einzelne Tiere. 

Von direkten „Angriffsjagden" sind heute in Steppengebieten 
eigentlich nur zwei dem gleichen Typus angehörige auf Elephanten 
in Gebrauch: Die „Schwertjagd" im Atbaragebiet im nördlichen 
Abessinien und die Speerjagd der Sagumi im Tschadseegebiet. Auf 
schnellen Pferden verfolgen die Jäger die flüchtende Elephanten- 
herde, isolieren ein Stück, ermüden es auf langwieriger Verfolgung, 



115 

bis schließlich ein Jäger, während das Gros das ermattete Tier von 
vorn mit den Lanzen angreift, mit einem scharfen Schwerte von 
hinten die Sehnen der Hinterfüße durchschlägt oder sie mit einem 
Speer durchsticht. Es ist ohne weiteres klar, daß diese Jagd, die 
gezähmte Pferde und den Besitz einer einem scharfen Eisenschwert 
oder einem eisenbewehrten Speer entsprechenden Waffe voraus- 
setzt, für den Paläolithiker, dem beides fehlte, gar nicht in Betracht 
kommen kann. Damit ist jede Angriffsjagd aber noch nicht ausge- 
schieden. Mit den recht achtbaren Speeren der Jungpaläolithiker 
ist ein direkter Angriff auf das riesige Wild an sich denkbar. Haupt- 
sache ist, daß der Jäger sich nah genug heranpirschen konnte, um 
seine im Verhältnis zur Größe des Wildes sehr kleine Waffe mit 
möglichstem Erfolg zu versenden. 60 — 70 m dürften nach den 
Erfahrungen der Gegenwart die größte Entfernung bedeuten, die 
eine erfolgreiche Benutzung des Wurfspeers gestattet. 

Wir wissen, daß Elephanten jäger auf Ceylon sich unbemerkt 
so nah an den wilden Elephanten heranpirschen, daß sie mit einer 
Schlinge seine Hinterbeine an einen Baum festmachen können. Aus 
solcher Nähe läßt sich ein Speer naturgemäß sehr gut anbringen, 
sogar als Stoßwaffe. Ich will hier nicht erörtern, ob es in den im 
Vergleich zu den dichten Wäldern Ceylons nur sehr wenig, oft gar 
keine Deckung bietenden Steppen (wo das Mammut, das wie alle 
Elephanten über ein nur mäßiges Auge verfügt haben dürfte, viel- 
leicht von anderen Tieren gewarnt wurde — ich erinnere an das 
Verhältnis zwischen Nashornvogel und Nashorn, Strauß und Zebra 
und andere „Zweckfreundschaften" — ) im allgemeinen möglich war, 
unbemerkt so nah an das Wild heranzukommen. Es sei als möglich 
angenommen. Dann konnte der Jäger mit Erfolg seinen Speer an- 
bringen, führte er mehrere, so vielleicht mit ähnlichem Erfolg einen 
zweiten. Sofort tödlich wirkende Verwundungen oder Lähmungen 
kann er dem Tier auf diese Weise aber keinesfalls beigebracht haben, 
kann überhaupt auch aus solcher Nähe sogar mit dem Stoß keinen 
schnellen Erfolg erzielt haben, da bei dem gewaltigen Größenunter- 
schied zwischen Wild und Jäger — fast alle Abbildungen zeigen, 
worauf Profe mit Recht hinweist, das Mammut zu klein im Ver- 
hältnis zum Menschen — der größte Teil des Leibes dem Stoß ent- 
rückt und auch aus solcher Nähe nur durch Schleudern des Speeres 
erreichbar war. — (Abb. 20 gibt einen ungefähren Eindruck von 
dem Größen Verhältnis zwischen Mammut und Mensch, wenngleich 
die Menschen, da sie zurückstehen, auf der Photographie etwas zu 



116 

klein erscheinen. Diese Verkürzung fällt für unsere Zwecke aber 
deshalb nicht besonders ins Gewicht, weil die Mammutjäger des Alt- 
paläolithikums und des älteren Jungpaläolithikums auffallend klein- 
wüchsig waren, so daß das Größenverhältnis zwischen dem Mammut 
und den vorn rechts stehenden Männern dem für uns in Betracht 
kommenden entsprechen dürfte. Zu dem dargestellten Mammut selbst 
ist zu bemerken, daß die Stoßzähne falsch zusammengesetzt und 
falsch am Schädel orientiert sind.) — Daß diesem Sj:>eer, auch mit 




Fig. 20. Mammut, Museum von St. Petersburg. Nach einer Photographie aus 

Obermaier 1. c. Anm. 5. Über das Größen Verhältnis von Menschen zu Mammut, 

Form und Orientierung der Stoßzähne siehe Text S. 115, 116. 



gut geschärfter Knochenspitze, ein dichtes verfilztes Fell aus teil- 
weise sehr groben Haaren (siehe Abb. 21, die ich der Liebenswürdig- 
keit von W. Pfizenmayer, z. Z. in Stuttgart, verdanke), eine dicke 
Haut und eine nicht gewöhnliche Fettschicht starken Widerstand 
boten, ist oben schon betont worden. Die Zahl der angebrachten 
Speere läßt sich durch die Annahme, daß mehrere Jäger beteiligt 
waren, auch nur sehr begrenzt vermehren. Ein so nahes Heran- 
pirschen dürfte stets nur einem — wie in Ceylon — im Höchstfall 
2 Jägern aus der gleichen Richtung möglich gewesen sein. Ein 



117 

gleichzeitiger Angriff auf ein isoliertes Stück von verschiedenen 
Seiten her ist nur bei der gezwungenen Annahme absoluter Wind- 
stille denkbar, da die Elephanten eine außerordentlich feine Witte- 




I HautstiKk 

, \^<tSxsuwizUJtMisMSa von 

i hcfunäfn mitjdpdet u 3ktlm- 
| peilen an denen sitty mt^UH^i 
i | tetlretfc befanden u nisHt von 

UerctojanfMimJakuttkgiebift, 
: {Frühjahr iiOO. UP fiten moyrr 



Fig. 21. Fellstück vorn Mammut mit Grannen- und Wollhaaren, gefunden mit 

Schädel und Skeletteilen unweit von Werchojansk im Jakutsgebiet, Frühjahr 1900. 

ca. 1 / 5 n. Gr. Original im Besitz von W. Pfizenmayer. 



118 

rung haben. Zudem dürfte sich das Wild nach den ersten Treffern 
weiteren Belästigungen durch schnellste Flucht entzogen haben, die 
die Jäger niemals hindern konnten. Wäre aber selbst ein kombi- 
nierter Angriff auf ein Stück möglich gewesen, was können 10, was 
15 solcher Speere bedeuten für ein Tier, das in der Mehrzahl seiner 
Vertreter größer und gewaltiger war als unsere heutigen Elephanten, 
zu deren Erlegung wir die Elephantenbüchse erfunden haben; das 
in Pelz und Fettschicht einen viel wirkungsvolleren Schutz besaß? 
Über die außergewöhnliche Lebenskraft der Elephanten (Elephas 
africanus) lesen wir bei Brehm: 

„Selous folgte der Spur eines, das er mit 5 schweren Kugeln 
in Leib und Kopf, für tot hatte liegen lassen und zu seinem Er- 
staunen nachher nicht mehr vorfand, vom frühen Morgen bis zum 
späten Abend und bekam es nicht einmal zu Gesicht." „Die Tiere 
sind zählebig, und Geschosse aus gewöhnlichen Gewehren haben 
höchstens die Wirkung, daß die getroffenen Stücke nachher elend 
zugrunde gehen. (Brehm)." Ziehen wir diese Tatsachen in Betracht, 
so erscheint die Annahme gerechtfertigt, daß in den allermeisten 
Fällen den durch Speere der Paläolithiker verwundeten Tieren eine 
Flucht möglich war. Und mit dieser Möglichkeit sinkt die Renta- 
bilität dieser Jagdweise für den Paläolithiker außerordentlich herab. 
„Arg erschreckte oder angeschossene Tiere" — und als solche nur 
kann man von paläolithischen Speeren getroffene Mammute be- 
zeichnen — „gehen stetig ohne anzuhalten 60 — 70 km weit und 
weiter (Brehm)." Wie wir später sehen werden, war es dem Pa- 
läolithiker nicht möglich, auch nur kurze Strecken eine Verfolgung 
im gleichen Tempo mit dem Mammut durchzuhalten. Und jede 
Vergrößerung des Vorsprungs des fliehenden Wildes mußte die Aus- 
sichten des Jägers verringern, da der Schweiß des getroffenen Tieres 
bald andere Räuber auf seine Fährte lockte, die wie Wolf und 
Hyäne in großen Rudeln die diluvialen Steppen bevölkerten. Fiel 
dem Jäger aber die Beute nach einer Verfolgung über 30—40 km 
schließlich zu, so ist es ausgeschlossen, daß er Teile der Beute zum 
Ausgangspunkt der Jagd, zu seiner Horde zurückschleppte; an Ort 
und Stelle müßte das Wild verzehrt worden sein und die ganze Horde 
müßte sich allmählich eingefunden haben. Das wäre eine sehr an- 
strengende, aufreibende Jagd, die Weiber und Kinder stets zu den 
weitesten Märschen gezwungen haben würde. Sie wäre nur be- 
greiflich, wenn große Not dem Jäger keine Wahl ließ, wenn ihm 
kein anderes Wild zu Gebote stand, das er mit geringerem Aufwand 



119 

an Kraft und Zeit erlegen konnte. Das ist aber im allgemeinen 
durchaus nicht der Fall gewesen. Bison, Rentier, Pferd waren laut 
Fundmaterial in der damaligen Tierwelt äußerst zahlreich, waren 
auch viel leichter zu erbeuten, da auf jedes dieser Tiere sein Speer 
in dem Maße wirkungsvoller sein mußte, als die Tiere kleiner und 
weniger geschützt waren als das Mammut. 

Hat der Jäger sich seine Beate vor allem unter den jungen 
Mammuten gesucht, so erscheint die Jagd zwar etwas aussichtsvoller, 
da einige der eben geäußerten Bedenken nur noch in abgeschwächtem 
Maße Geltung haben, andererseits aber auch gefährlicher und besonders 
aus diesem Grunde weniger rentabel für den Jäger als jede Jagd 
auf anderes Wild von mittlerer Größe. Wurde ein junges Tier 
getroffen, so wird es, wie bei den lebenden Arten, sofort unter den 
Leib der Mutter verschwunden und damit, zum mindesten im Gras 
und Buschland, dem Blick des Jägers und weiterer Gefährdung 
entzogen gewesen sein. War die Verwundung keine ernste, das Tier 
am Laufen nicht sofort behindert, so dürfte die gesamte Herde 
sofort die Flucht ergriffen haben. Geht das Junge ein oder kann 
später infolge Entkräftung die Flucht nicht fortsetzen, so dürften 
Wolf und Hyäne eher zur Stelle gewesen sein als der menschliche 
Jäger. War die Verletzung schwer, so daß eine schnelle Flucht 
nicht möglich war, so wird sich wie bei den lebenden Elephanten 
sicher die Alte, wenn nicht die ganze Herde gegen ihre Bedränger 
gewandt haben, für welche die Aussichten bei einem feindlichen 
Zusammenstoß in der offenen, wenig Deckung bietenden Steppe 
äußerst ungünstig waren. Es wird auf die jeweils gegebenen Um- 
stände, wie sie von der Szenerie der Landschaft, der Anzahl der 
Jäger usw. bestimmt werden, angekommen sein, ob es der Herde 
möglich war, ohne weitere Belästigung abzuziehen und ihren Ver- 
wundeten in Sicherheit zu bringen. Gelang es den Jägern mit 
einigen Treffern einem jungen Tiere schwere Verletzungen beizu- 
bringen, so dürfte es ihnen bei ihrer Ausdauer meistens auch gelungen 
sein, des Tieres habhaft zu werden. Der Erfolg solcher Jagdweise, 
auch unter Bevorzugung des Jungwildes, hing aber ausschließlich 
ab vom Zusammentreffen einer Reihe günstiger Umstände, auf deren 
Eintreten der Jäger niemals mit Bestimmtheit rechnen, auf die er 
keinen entscheidenden Einfluß ausüben konnte. Auf jeden Fall 
muß diese Jagdmethode auf Mammute gegenüber den Jagdmöglich- 
keiten der Jäger auf anderes Großwild, das ihm außer Fleisch und 
Fell noch das Rohmaterial für Knochen- und Hornwerkzeuge liefern 



120 

konnte, als im höchsten Maße unrentabel und deshalb als nicht 
wahrscheinlich bezeichnet werden. Gegen die Annahme einer solchen 
Jagd spricht ferner die Tatsache, daß von den zahlreichen, viel besser 
bewaffneten Eingeborenenstämmen Innerafrikas ein Beschleichen von 
Herden und Speeren einzelner Stücke nicht geübt wird, doch wohl 
weil es mit zu großer Gefahr für den Jäger eine zu geringe Aussicht 
auf sicheren Erfolg verbindet, eben unrentabel ist. 

Den Typus der im Jungpaläolithikum geübten Mammutjagd 
dürfte diese „Angriffsjagd" aus den genannten Gründen keinesfalls 
gebildet haben, wenn wir überhaupt von einem Jagdtypus bei einem 
Wild reden können, das nachweislich an den meisten „Stationen" 
nur einen sehr geringen Anteil an der tierischen Beute ausmacht, 
also nur gelegentlich gejagt worden ist. Rentabler konnte diese 
Jagd nur dort werden, wo die landschaftlichen Verhältnisse eine 
Zuhilfenahme weiterer Faktoren, Feuer und Fallgruben, gestat- 
teten, wobei aber einschränkend betont werden muß, daß die geringe 
Kopfzahl der jagenden Horden ein Ausnützen des Feuers, ein Treiben 
von Herden in gewünschten Richtungen — auf Fallgruben zu — 
keineswegs in dem Maße gestattete, als es den heutigen Eingeborenen 
Afrikas möglich ist. Auf jeden Fall aber war diese Jagd möglich. 
Und überrall dort, wo wir Mammut reste in reichlicher Menge neben 
wenigen Resten anderer Tiere finden zusammen mit nachweislichen 
Spuren menschlicher Tätigkeit, da werden wir eine solche Erbeutung 
in Erwägung ziehen müssen. Es bleibt dabei allerdings stets zu 
bedenken, daß solche Jäger, wie einige Eingeborenenstämme Afrikas, 
auch Aas nicht verschmäht haben dürften, also das Zusammenvor- 
kommen von Mammutresten und menschlichen Artefakten an einer 
Fundstelle nicht beweisen muß, daß der Mensch die Mammute 
wirklich erlegt hat. Ich erinnere an die berühmte Fundstelle im 
Löß von Predmost in Mähren, wo der Mensch zweifellos eine schon 
tote Mammutherde antraf (vgl. S. 34, 35). Schließlich ist, da diese 
Jagdmethode junge Tiere stärker gefährden konnte als alte, überall 
dort die Möglichkeit solcher Erbeutung am Fundmaterial zu prüfen, 
wo junge Individuen überwiegend oder ausschließlich vorkommen. 
Und das ist die Stelle, wo sich für diese Jagdmethode im fossilen 
Material eine Stütze finden ließe, wenn auch dort, wie wir weiter- 
hin sehen werden, eine andere Erklärung die höhere Wahrschein- 
lichkeit für sich hat. Wo es sich im Beutematerial um alte Tiere 
handelt, da sind die Fälle, die auf Erbeutung durch „ Angriff sjagd" 
hindeuten, im gesamten bekannten Fundmaterial sehr selten; ein 



121 

überzeugender Wahrscheinlichkeitsbeweis, der andere Möglichkeiten 
gänzlich ausschließt, ist eigentlich für keinen Fundplatz zu führen, 
das fossile Material ist für unsere Frage eigentlich niemals wirklich 
eindeutig. 

Alles in allem wird man die Möglichkeit einer solchen Jagd 
wohl zugeben können, ihre Wahrscheinlichkeit aber recht gering 
ansetzen dürfen, da Arbeitsleistung und Gefährdung des Jägers in 
jedem Falle in einem Mißverhältnis standen zur Wahrscheinlichkeit 
des Erfolges und nach allem, was wir erschließen können, für die 
paläolithischen Jäger im allgemeinen nicht die Notwendigkeit vorlag, 
eine solche Mammutjagd der leichteren, gefahrloseren und erfolg- 
versprechenderen Jagd auf ihm viel nützlicheres Großwild vorzu- 
ziehen. 

Die Aussichten einer solchen Angriffsjagd könnten sich natürlich 
wesentlich erhöhen, wenn wir annehmen dürften, daß die Jäger ihre 
Speere mit Gift bestrichen hätten. Heute erlegen verschiedene 
Stämme Innerafrikas die Elephanten mit Giftpfeilen. Die Wüte 
besitzen ein Gift aus der Madapflanze, das den Elephanten in einer 
halben Stunde töten soll. Eine so schnelle Wirkung erscheint mir 
zweifelhaft, nachdem durch zahlreiche Versuche erhärtet ist, daß 
der Elephant viele schwere Gifte, selbst in großen Dosen, verträgt. 
Daß die Fauna und Flora Europas dem diluvialen Jäger die Her- 
stellung eines so wirkungsvollen Giftes für Elephanten nicht ermög- 
lichte, wie es die Wüte aus der Madapflanze gewinnen, ist im 2. Kapitel 
erörtert worden. Weniger wirkungsvolle Gifte hätten dem ange- 
schossenen Stück aber stets eine längere Flucht ermöglicht, die die 
Rentabilität auch dieser Jagdmethode stark herabdrücken mußte. 
Wäre den Paläolithikern mittels Gift bei dieser Jagd ein schneller, 
unmittelbarer Erfolg möglich gewesen, so müßten wir das Mammut, 
das an sich wegen seiner großen Fleischmassen dem Paläolithiker 
ebenso begehrenswert gewesen sein dürfte als der afrikanische Ele- 
phant heutigen Eingeborenenstämmen Afrikas, unter der Beute der 
Paläolithiker weit zahlreicher vertreten finden, als es in Wirklichkeit 
der Fall ist. 

3. Fallgrufoenfang. 

Eine Fallgrubenjagd auf Mammute ist in ähnlicher Weise 
möglich gewesen, wie wir sie oben für den Waldelephanten von 
Taubach geschildert haben. Grabstöcke, ähnlich jenen, mit denen 
der Buschmann heute noch seine Fallgruben gräbt, ermöglichten es 



122 

dem Jungpaläolithiker zweifellos, im lockeren, sandigen Boden auch 
größere, jedenfalls hinreichend große Gruben anzulegen. In der 
Nähe der Tränken wird es nicht an großen Suhllöchern, auf den 
Wechseln selbst nicht an tiefen Kesseln gefehlt haben — wie sie 
sich der lebende afrikanische Elephant in sandigem, staubigem 
Boden gern auswühlt — in denen Mammut und wollhariges Nas- 
horn ihre Staubbäder nahmen, die bei so dicht behaarten Tieren 
eine größere Rolle als Schlammbäder gespielt haben dürften. Der- 
artige Löcher konnte der Jäger leicht in Fallgruben umgestalten. 
Es ist selbstverständlich, daß auch hier aus den gleichen Gründen, 
die oben für die "Waldelephantenjagd angeführt wurden, die Fall- 
grubenjagd in höherem Maße das Jungwild gefährdet haben muß, 
daß überall dort, wo diese Jagd geübt wurde, junge Tiere im Beute- 
material überwiegen müssen. Ein ganz eindeutiges Kriterium für 
Fallgruben jagd ist die besondere Häufigkeit junger Tiere hier aller- 
dings nicht, da, wie wir oben sahen, auch durch Angriffsjagd ein 
ähnliches Resultat erzielt worden sein könnte und die für Taubach 
begründete Notwendigkeit, daß die Tiere ganz in der Nähe der 
Stellen, wo wir heute ihre Überreste finden, angegriffen worden 
sein müssen, hier nicht immer zu bestehen braucht. Da aber 
heutigen Tages eine solche Angriffsjagd nirgends im Gebrauch ist, 
nach unseren früheren Ausführungen auch als höchst unrentabel 
angesehen werden muß, demgegenüber aber der Fallgrubenfang so- 
wohl heute noch geübt wird als auch für den Moustierjäger von 
Taubach in hohem Grade wahrscheinlich gemacht werden konnte, 
so halte ich die Annahme von Fallgruben jagd für alle die Fund- 
stellen, in denen Reste junger Mammute stark überwiegen und an 
denen- der Mensch als Jäger nachweisbar ist, für wahrscheinlicher, 
für besser begründet. Zu diesen Fundstellen gehören vor allem das 
Keßlerloch, wo nur Reste einiger junger Tiere gefunden wurden, 
die "Wildscheuer mit fast ausschließlich jugendlichen Individuen, die 
Lindentaler Hyänenhöhle bei Gera. Schließlich ist hierher zu 
rechnen auch die „Station" am Hundssteig bei Krems, für die 
Hoernes ausdrücklich die Häufigkeit jugendlicher Individuen unter 
den vorgefundenen Mammuten betont, und die als prähistorische 
Station bisher noch nicht bekannte Fundstelle in den Kiesgruben 
des Neckarschuttkegels bei Rohrbach bei Heidelberg. An Artefakten 
ist hier bisher nur ein Knochendolch aus dem proximalen Teil einer 
Ulna des Rens gefunden worden (Abb. 22), der dem von Kriz 1. c. 
Anm. 21 S. 530 abgebildeten aus dem Kostelik sehr ähnlich ist. 



123 

Unter den im geologischen Institut zu Heidelberg und im Museum 
zu Darmstadt aufbewahrten Tierresten, die zum größten Teil als 
Beutereste des menschlichen Jägers aufzufassen sind, steht an erster 
Stelle das Pferd, neben dem auch das Mammut, das Ren, der Bison, 
vielleicht auch das wollhaarige Nashorn und der Riesenhirsch gejagt 
worden sind. Unter den 5 nachgewiesenen Mammutindividuen ist 
je eines ca. 50, ca. SO, ca. 10, ca. 2, ca. % Jahr alt, also ein be- 
merkenswertes Vorherrschen der jungen Tiere, das mich schon vor 
Erkennen des Knochendolches zu der Überzeugung geführt hatte, 
daß hier menschliche Beutereste vorlägen. 

Die Liste dieser Fundstellen mit Resten vorwiegend junger 
Mammutindividuen ließe sich zweifellos durch Untersuchungen am 
Originalmaterial noch bereichern, nicht aber aus der Literatur, die 




Fig. 22. Knochendolch aus Rentierknochen, Neckarschuttkegel, Rohrbach bei 
Heidelberg, ca. y 2 n. Gr. Original im Geologischen Institut der Universität 

Heidelberg. 

leider nur in seltenen Fällen über die Altersverhältnisse innerhalb 
der Beutetiere des diluvialen Jägers Aufschluß gibt. Im Rahmen 
aller aus dem Jungpaläolithikum bekannten prähistorischen Stationen 
spielen diejenigen, an denen der Mensch als Mammut Jäger zu er- 
weisen ist, eine geringe Rolle. Das Mammut hat für den Jung- 
paläolithiker niemals die Bedeutung besessen wie der Waldelephant 
für die Jäger von Taubach und Mauer. Zu der Zeit, als Mensch 
und Mammut das gleiche Wohngebiet teilten, als Jägerhorden die 
Steppen Mitteleuropas durchstreiften, war eine Elephantenjagd als 
Lebensnotwendigkeit schon überwunden, war im Rahmen der er- 
reichten Kultur und ihrer Erfordernisse unrentabel. In steigendem 
Maße vom Aurignacien bis zum Spätmagdalenien konzentrierte sich 
die menschliche Jagd auf Tiere, die außer Fleisch, Fell, Sehnen 
und Därmen, vor allem feste Knochen und Geweih zur Verarbeitung 
boten und das waren vor allem das Pferd und das Ren. Die Mammut- 



124 

jagd dürfte stets mehr oder weniger Gelegenheitsjagd gewesen sein, 
die geübt wurde, wenn besonders günstige Umstände sowohl in der 
Häufigkeit der xlrt als in der Szenerie der Landschaft vorhanden 
waren oder wenn die Not, Mangel an anderem Wild, sie gebot. 
Diese Stellung der Mammutjagd in der paläolithischen Gesamt jagd 
hat es wohl mit sich gebracht, daß sich für sie ein fest umrissener, 
allgemein betriebener Jagdtypus — wie er für Tiere, die an eine 
ganz bestimmte Landschaftsform in ihrem Vorkommen gebunden 
sind, zu erwarten wäre — nicht herausbildete, sich jedenfalls weder 
aus dem fossilen Material noch aus den Erfahrungen der Elephanten- 
jagd in der Gegenwart wahrscheinlich machen läßt. 

Nachweisbar resp. wahrscheinlich zu machen ist am 
Fundmaterial die Fallgrubenjagd, nachweisbar mit ge- 
ringerer Sicherheit das Erbeuten einzelner oder einiger 
weniger Tiere durch Angriffsjagd, möglich aber nicht 
nachweisbar und deshalb unwahrscheinlich das Erbeuten 
kleinerer Herden durch Einkreisen mit Feuer. Vielfach 
dürfte der Jäger eine Kombination dieser drei Möglichkeiten an- 
gewandt haben, was wir für jeden einzelnen Fall aus dem Fund- 
material natürlich nicht mehr erschließen können. Weitere Speku- 
lationen in dieser Richtung würden uns, da hier sichere Anhalte 
im Fossilmaterial sowohl als in den Erfahrungen der Gegenwart 
fehlen, aus dem Rahmen einer kritischen Erörterung ins Gebiet des 
rein Hypothetischen führen. 

4. Kritische Bemerkungen zu Noacks Schilderung einer 
Mammutjagd. 

Eine derartige Kombination aus den erörterten möglichen 
Jagdmethoden hat Noack mit einer Schilderung einer Mammutjagd 
in den Lößsteppen Mährens versucht: Die aufgespürte kleine Herde 
wird durch Feuer gezwungen in einer gewünschten Richtung abzu- 
rücken, sie wird von den Jägern verfolgt und mit im Feuer zugespitzten 
Pfählen angegriffen. In der Fluchtrichtung der Herde — zwei 
junge Mammute werden von den Pfählen so stark verletzt, daß das 
Gescheide herausquillt und sie der allgemeinen Flucht nicht mehr 
folgen können — liegt ein Felsabsturz. Vermeidet die Herde diese 
Gefahr und biegt in die letzte mögliche Richtung ab, die ihr eine 
weitere Flucht in die Steppe gestattet, so können ihr noch einige 
Fallgruben verhängnisvoll werden. Felsen und Fallgruben erliegen 



125 

je ein Tier; 3 von insgesamt 7 Tieren entkommen. Wenn man be- 
rücksichtigt, daß in einer Jägerzeitschrift eine spannende und zu- 
gleich erfolgreiche Jagd geschildert werden sollte, so wird man 
gegen eine Häufung günstiger Umstände, wie sie sich in der Wirk- 
lichkeit weniger oft zusammengefunden haben werden, nichts ein- 
zuwenden haben, solange sich diese günstigen Momente im Rahmen 
des Möglichen bewegen. Das scheint mir aber für einige Punkte 
der Noack sehen Schilderung nicht der Fall zu sein. Schon ehe 
die Jäger selbst auf dem Plan erscheinen, werden nach Noack die 
Mammute unruhig durch die in nicht allzuweiter Ferne aufsteigen- 
den Rauchsäulen des Grasbrandes, den die Jäger anlegen, und be- 
wegen sich langsam nach der von den Jägern gewünschten Seite 
zu. Nach den Erfahrungen an lebenden Elephanten hätten die 
Tiere sicherlich sofort ein sehr schnelles Tempo der Flucht einge- 
schlagen, da ihnen die Gefahr eines Grasbrandes, wie er in Steppen 
auch ohne Zutun der Menschen gelegentlich entstehen kann, wohl 
bewußt war; wären ferner zwei junge Mammute, die Noack so 
schnell den Holzpfählen der Jäger erliegen läßt, sofort unter den 
Leib ihrer Mütter verschwunden. „Wenn eine Herde in Schrecken 
gerät", schreibt Sanderson, „so verschwinden die Kälber sofort 
unter den Leib ihrer Mütter und kommen dann selten wieder in 
Sicht. Nur zweimal habe ich gesehen, daß so verborgene Kälber 
beim Flüchten und Durcheinanderstürmen großer Herden beschädigt 
wurden, obwohl ich diese Vorgänge oftmals beobachtete." (Brehm.) 
Ein besonders günstiges Ziel, das zuerst getroffen werden müßte, 
boten die kleinen, durch das Gras der Steppe und die Beine der 
Mutter verdeckten Tiere dem paläolithischen Jäger in diesem Falle 
keineswegs. Da der Körper der Mammutkälber in jedem Moment 
zu einem großen Teil durch die Beine der Mutter verdeckt war, so 
erscheint ein Treffer viel wahrscheinlicher auf ein altes als auf ein 
junges Tier. Erstere dürften durch Treffer aber entweder zu Wider- 
stand und Angriff auf die Jäger oder, was bei Vorhandensein von 
Feuerbränden wahrscheinlicher ist, zu schnellerer Flucht veranlaßt 
worden sein. Daß ein Treffer eines solchen Speeres in die Weiche 
eines jungen Mammuts die Gescheide herausquellen läßt, halte ich 
übrigens für unmöglich. 

Noch weniger möglich als der Anfang der Jagd mit den 
schnellen Erfolgen auf zwei junge Tiere erscheint mir ihr Fortgang, 
wenigstens soweit die körperlichen Leistungen des Paläolithikers 
direkt in Betracht kommen. Daß bei der Flucht ein Mammut über 



126 

eine Felsklippe herabstürzt, ein anderes in eine verblendete Fall- 
grube, ist natürlich durchaus möglich; nicht aber die Art der Ver- 
folgung durch die Jäger, wie Noack sie schildert: 

„Wir sehen, wie die Wilden gleich Hyänenhunden in schnell- 
stem Lauf die in raschem, schlürfendem Schritt flüchtenden 
Mammute verfolgen und immer wieder die dicken, spitzen Pfähle 
gegen sie schleudern." „Die fünf übrigen Stücke" — zwei junge 
Tiere sind schon erlegt — „stürmen in einiger Entfernung an uns 
vorbei: schon sind die Verfolger so nahe, daß sie ihre Pfähle in die 
Hinterschenkel der Kolosse senden können." 

Hier scheint mir die Leistungsfähigkeit des paläolithischen 
Jägers im ganzen, besonders die Geschwindigkeit seiner Fort- 
bewegung stark überschätzt. Er hält nicht nur Schritt mit den 
Mammuten, die in wirrer Hast und doch wohl größtmöglicher Eile 
flüchten — da die Mütter nach Noacks Schilderung an eine Ver- 
teidigung ihrer Jungen gar nicht denken, ist größte Verwirrung 
und schnellste Flucht anzunehmen — sie kommen ihnen sogar näher. 

Wir wissen aus der Gegenwart, daß Elephanten eine sehr be- 
trächtliche Geschwindigkeit entwickeln können, wenn ihre Gangart 
auch gewöhnlich eine ruhige ist. „Dieser ruhige Gang aber kann 
so beschleunigt werden, daß ein Reiter Mühe hat, dem trabenden 
Elephanten nachzukommen." (Brehm.) Im neuesten Brehm finden 
sich genauere Angaben über die Geschwindigkeit seiner Fort- 
bewegung. Danach vermag der Elephant bei schnellster Flucht 
kurze Zeit hindurch ein Tempo durchzuhalten, das in einer Stunde 
20 — 25 km fördern würde, wenn er solange aushalten könnte; 15 bis 
20 km weit vermag er sich mit einer Stundengeschwindigkeit von 
8 — 12 km fortzubewegen. Über die Schnelligkeit wilder Jäger- 
völker liegen vergleichbare Daten nicht vor, wohl aber die Daten 
für die Rekordleistung trainierter europäischer Schnelläufer, die 
nach einigen Korrekturen eine Vergleichsbasis bieten. Wilde 
Stämme dürften diese Rekordleistungen nicht erreichen, keinesfalls 
übertreffen können, ihre besondere Stärke liegt in der Ausdauer. 
Für alle solche Stämme mag das gelten, was Ratzel über die 
Buschmänner sagt: „Die körperliche Leistungsfähigkeit ist nach 
der eben geschilderten Anlage mehr auf der Seite der Ausdauer, 
als der augenblicklichen, konzentriert wirkenden Kraftäußerung zu 
suchen." Ein trainierter Schnelläufer läuft auf ebener Bahn 2,6 m 
pro Sekunde bei langer Wegstrecke, 8,93 m pro Sekunde bei kurzer 
Wegstrecke. Die höchste Geschwindigkeit der Elephanten würde 



127 

bei kurzer Wegstrecke — wobei kurze Wegstrecke allerdings einen 
sehr erheblich weiteren Weg bedeutet als beim Schnelläufer — 7 m 
pro Sekunde betragen. Danach ist es also möglich, daß ein trai- 
nierter Schnelläufer auf ebener Bahn bei kurzer Wegstrecke einen 
Elephanten einholen kann. Der paläolithische Jäger lief aber unter 
wesentlich anderen Bedingungen. Erstens war sein Weg keineswegs 
eine glatte Bahn. Was den Elephanten auf seiner Flucht und im 
Tempo seiner Flucht nicht im geringsten hindern konnte, Gestrüpp, 
Buschwerk, kleine Geländewellen usw., das sind für den verfolgen- 
den Menschen mehr oder weniger beträchtliche Hindernisse, auf. die 
er sein Augenmerk richten muß. Der verfolgende Jäger läuft nicht 
so ausschließlich wie der Schnelläufer bei rein sportlichen Veran- 
staltungen. Während dieser seine ganze Willenskraft, sein ganzes 
Denken nur auf das Laufen konzentrieren kann, hat der Jäger 
gleichzeitig die Hindernisse seiner Bahn, die seine Geschwindigkeit 
verringern müssen, im Auge zu behalten, gleichzeitig auf das Wild 
zu achten und den Moment abzupassen, in dem er seinen Speer 
möglichst erfolgreich anbringen kann. Unter solchen Umständen 
ist es ganz ausgeschlossen, daß der paläolithische Jäger einer in 
größter Schnelligkeit fliehenden Mammutherde folgen konnte, ge- 
schweige denn sie einholen. Wenn die Jäger schließlich, wie Noack 
schreibt, ihre Speere immer wieder gegen die Tiere entsandten, so 
müssen sie entweder in einer Hand mehrere gehabt haben oder die 
fehlgeschossenen immer wieder aufgehoben haben, was beides einer 
besonderen Schnelligkeit hinderlich sein muß. Mit dem Anwachsen 
des zu durchmessenden Raumes wurden schließlich die Aussichten 
des Jägers, mit dem fliehenden Wild Schritt zu halten, immer ge- 
ringer. Denn die hohe Rekordleistung von 8,93 m pro Sekunde 
bei kurzer Wegstrecke sinkt bei langer Wegstrecke zurück auf 
2,6 m pro Sekunde auf glatter Bahn, während der Elephant bis 
20 km mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 3,3 m pro Se- 
kunde auf natürlicher Bahn zurücklegen kann. An eine Verfol- 
gung mit fortwährenden Angriffen ist unter solchen Umständen 
natürlich gar nicht zu denken. 

Für die Annahme schließlich, daß die größeren Mammute sich 
nicht so schnell fortbewegt haben könnten als unsere heutigen 
Elephanten, liegen gar keine Gründe vor. Im Gegenteil dürfte die 
bedeutendere Größe, besonders auch der Extremitäten, ein weiteres 
Ausgreifen und damit eine beträchtlichere Geschwindigkeit ermög- 
licht haben. 



128 

Die dargelegten Gründe lassen mir die von Noack geschilderte 
Mammutjagd als nicht wahrscheinlich, ja als nicht möglich er- 
scheinen. Daß ein Zusammentreffen günstiger Momente, und wohl 
nur in solchen Fällen dürfte der Jäger, wenn ihn die Not nicht 
zwang, zur Mammut jagd geschritten sein, gelegentlich eine über- 
raschend große Beute liefern konnte, gebe ich gerne zu. Eine kri- 
tische Beurteilung dieser Möglichkeiten ist aber auf der Basis des 
fossilen Materials und der Gegenwartserfahrüng nicht möglich, 
würde jedenfalls genaueste Detailstudien für jeden Fundort voraus- 
setzen und auch damit wohl nur selten über Möglichkeitsbeweise 
zu Wahrscheinlichkeitsbeweisen vordringen können. Wir begnügen 
uns hier damit, die drei möglichen Grundelemente der Mammutjagd, 
Feuer jagd, Speer jagd, Fallgruben jagd festgestellt und auf ihre 
Brauchbarkeit für den Paläolithiker untersucht zu haben. In welcher 
Weise die drei Jagdmethoden kombiniert wurden, hing in jedem 
einzelnen Fall von Umständen ab, die heute nicht mehr einwand- 
frei rekonstruiert werden können. Mir will aber scheinen, daß bei 
diesen Kombinationen Fallgruben jagd die größte Rolle spielte, daß 
ein Treiben von Herden unter Zuhilfenahme von Feuer bei der ge- 
ringen Kopfzahl der Jägerhorden und der durchschnittlich wahr- 
scheinlich hohen Kopfzahl der Mammutherden von sehr geringer 
Bedeutung war und schließlich eine direkte Angriffsjagd als Teil- 
moment eines Jagdzuges wohl nur unter besonders günstigen, aus- 
sichtsreichen Umständen zur Anwendung kam. . 



VIII. Die Jagd auf das Merksche Nashorn 

(Rhinoceros Merkii Jag.). 

Die gleichen Bedenken, die eine Fallgrubenjagd der Paläoli- 
thiker auf Elephanten unwahrscheinlich machen sollen, führt Profe 
auch gegen eine Fallgrubenjagd auf Nashörner, speziell für Tau- 
bach, ins Feld. Daß den Paläolithikern das Ausheben von Fall- 
gruben mit Hilfe einfacher Grabstöcke möglich war in Gebieten, 
die wie die Ilmaue und das flache terrassierte Talgehänge zwischen 
Meilingen und Weimar, von zahlreichen Tümpeln und Wasserlachen 
durchsetzt, weite Flächen mit sumpfigem, weichem Boden auf- 
gewiesen haben müssen, habe ich schon oben hervorgehoben. Habe 
dort auch hingewiesen auf die Bedeutung der Suhllöcher, die be- 
sonders die Nashörner in weichen Lehmböden sich auswälzen, für 
das Anlegen von Fallgruben. Vom technischen Standpunkt und 
dem des Jägers steht der Annahme, daß der Mensch in Taubach 
die Nashörner in Fallgruben gefangen hat, also nichts entgegen. 
Diese Jagdart wird von jeher auf Java betrieben, wo enge Fall- 
gruben auf dem Wechsel ausgehoben werden, und hat den dortigen 
Bestand an Nashörnern außerordentlich vermindert. Profe zieht 
schließlich in Zweifel, ob die Nashörner überhaupt gejagt worden 
sind, er scheint auch das Vorhandensein so zahlreicher Rhinozeros- 
reste in der Taubacher Fundschicht, wie bei den Elephanten, durch 
ein katastrophales Ereignis erklären zu wollen. Demgegenüber sei 
festgestellt, daß die oben besprochenen Fundumstände in Taubach 
absolut eindeutig auf menschliche Jagd hinweisen. Die Deutung 
' der in der ca. 40 cm mächtigen Fundschicht aufgedeckten zahl- 
reichen Reste von Rhinozeros als Reste einer großen aus irgend- 
welchen Ursachen zugrunde gegangenen Herde, was Profe für die 
Elephanten befürwortet, ist schon deshalb nicht möglich, weil Nas- 
hörner nicht in Herden, sondern einzeln und paarweise leben, höchst 
selten sich zu kleinen Trupps bis zu 10 Stück zusammenschlagen, 
in solcher Zahl aber stets nur kurze Zeit beieinander bleiben und 

Soergel, Die Jagd der Vorzeit. 9 



130 

nur sehr losen Zusammenhalt haben. Die starke Häufung von Rhi- 
nozerosresten auf engem Raum und in wenig mächtiger Schicht ist 
unter solchen Umständen schon allein ein starkes Argument für die 
menschliche Jagd, von dem später zu erörternden Massenverhältnis 
/wischen alten und jungen Tieren ganz abgesehen. Wäre für Tau- 
bach katastrophale Herdenvernichtung auch nur für eine der dort 
vorkommenden Arten anzunehmen, so müßte sie, zu diesem Schluß 
zwingen die Fundumstände, das enge Zusammen- und Durchein- 
andervorkommen der Reste aller Arten in einer Schicht, für alle 
hier vorkommenden Arten gelten; es hätten also vor der Kata- 
strophe, da ein Zusammengeschwemmtsein der Tierreste durch 
fließendes Wasser laut geologischer Daten ganz ausgeschlossen ist, 
hier eine sehr merkwürdige Ansammlung von Elephantenherden, 
Bisonherden und Hirschrudeln, ein Zusammenströmen zahlreicher 
Nashörner und Bären, also nicht gesellig lebender Tiere, stattfinden 
müssen. Eine solche Annahme wäre absurd. 

Ebenso beweiskräftig wie die Fundumstände ist aber für Tau- 
bach das von mir errechnete Massenverhältnis alter und junger 
Tiere. Bei Wiedergabe dieser Zahlen ist Profe ein Irrtum unter- 
laufen, den ich, da er den tatsächlichen Befund entstellt, berichtigen 
muß. Profe schreibt: „Auch für das Rhinoceros Merk hat So er gel 
ähnliche Verhältnisse gefunden: in Taubach fanden sich 75% junge, 
d. h. kräftige, fortpnanzungsfähige Exemplare." Dieser letzte Zu- 
satz wird den Tatsachen, wie ich sie meines Erachtens doch ziem- 
lich eindeutig dargestellt habe, nicht gerecht. Ich berechnete wohl, 
daß 75% aller Individuen junge Tiere wären, führte aber Seite 25 
weiter aus, daß die Gebißreste des bei weitem größten Teils dieser 
75% jungen Tiere Individuen angehörten, deren Kiefer „meist wenig 
über halb so groß als die Kiefer ausgewachsener, alle Zähne im 
Gebrauch habender Individuen" seien und schloß daraus auf ein 
Alter dieser Tiere von höchstens 2 y 2 — 3 y 2 Jahren. Das sind aber keines- 
wegs „kräftige, fortpnanzungsfähige Exemplare". „Zirka 00% der 
Taubacher Rhinozeroten waren so jung, daß sie noch unter der Obhut 
der Alten standen, die ja — wenigstens bei den rezenten Arten — 
mindestens 2 Jahre lang das Kleine säugt." (So er gel, La Anm. 1.) 
Das Verhältnis von sehr jungen und jungen zu erwachsenen und 
erwachsenen alten Tieren ist also bei den Rhinozeroten von Tau- 
bach ein von diesem Verhältnis innerhalb einer „Herde" — wenn 
wir mit diesem Wort den Gesamtbestand an Nashörnern in einem 
größeren Verbreitungsgebiet bezeichnen dürfen — noch stärker ab- 



131 

weichendes als bei Elephas und erscheint besonders merkwürdig im 
Vergleich mit dem Befund der Faunen von Süßenborn, Mosbach 
und Mauer, wo solche jungen Tiere nur 31 — 33% ausmachen. 
Dieses Massenverhältnis zwischen alten und jungen Tieren in Tau- 
bach spricht vollständig gegen die Annahme, daß hier in kürzerer 
Zeit kleinere Trupps immer wieder „natürlichen" Katastrophen zum 
Opfer fielen. 

Eine nochmalige Untersuchung des Taubacher Rhrinozeroten- 
materials hinsichtlich seiner Zusammensetzung aus verschiedenen 
Altersstufen ergibt infolge Hinzutretens einiger früher von mir nicht 
berücksichtigter Reste die folgenden, von meinen früher genannten 
Werten nicht nennenswert abweichenden Zahlen. 

Dabei verstehe ich unter sehr jungen Tieren solche mit Milch- 
gebiß oder nicht angekautem ersten Molar, unter jungen solche mit 




Fig. 23. Unterkiefer von Rhinoceros Merkii aus dem Travertin von Taubach mit 
wenig angekauten Milchzähnen und dem noch nicht angekauten, herausrückenden 
ersten echten Backzahn, ca. 3 / 16 n Gr. Lebensalter des Tieres vermutlich — 
sichere Daten aus der Gegenwart fehlen — 1 — l 1 /- Jahr. Original im Stadt. 

Museum zu Weimar. 

kaum angekautem zweiten Molar und noch nicht durchgebrochenem 
dritten, unter erwachsenen schließlich solche mit allen Zähnen in 
Funktion und unter alten solche mit sehr stark abgenutztem Gebiß 
und selbst sehr stark abgekautem letzten Molar. 

Sehr jung jung erwachsen alt 

55,4% 16,0% 16,0% 12,6%. 

Die Gesamtheit der jungen Tiere bildet also gegen 75% früher 
jetzt 71,4%, die aller erwachsenen gegen 25, jetzt 28,6%. 

Die Abbildungen 23, 24 und 25 veranschaulichen einige Alters- 
stadien des Taubacher Rhinozeros. Der in Abb. 23 abgebildete 
Kiefer gehört einem ca. 1 — iy 2 Jahr alten Tiere an, wie sie allein 
55,4 des Gesamtmaterials ausmachen; es sind nur die Milchzähne im 

9* 



132 

Gebrauch. Figur 24 zeigt den Kiefer eines etwas älteren Tieres 
mit sehr abgebrauchtem letzten Milchmolar und den ersten beiden 
echten Molaren schon in Funktion; innerhalb meiner Alterseinteilung 
steht der Kiefer an der Grenze zwischen „sehr jung" und „jung" ; 




Fig. 24. Unterkieter von Rhinoceros Merkii aus Taubach mit stark abgekauten 

Milchzähnen und teils angekauten, teils nicht angekauten, erst hervorbrechenden 

echten Backzähnen, ca. 3 / 16 n. Gr. Lebensalter des Tieres vermutlich 2 l j 2 bis 

3 Jahre. Original im Stadt. Museum zu Weimar. 




Fig. 25. Unterkiefer von Rhinoceros Merkii aus dem Travertin von Taubach mit 
stark abgekauten echten Backzähnen (Molaren und Prämolaren), ca. 3 / 16 n. Gr. 
Lebensalter dieses sehr alten Tieres mangels Daten aus der Gegenwart nicht abzu- 
schätzen. Original im Stadt. Museum zu Weimar. . 



er dürfte einem 2% — 3 Jahre alten Tiere angehören. Der in Ab- 
bildung 25 dargestellte Kiefer gehört schließlich einem sehr alten 
Tiere an, dessen sämtliche Zähne schon stark abgenutzt sind. 

Den in den Faunen von Süßenborn, Mosbach und Mauer ge- 
fundenen Prozentzahlen für alte und junge Rhinozeroten in mancher 



133 

Beziehung etwas näher stehen die Werte, die ich für das Material 
einer Ehringsdorfer Fundschicht berechnete. Es handelt sich um 
die Gebißreste, die zusammen mit vielen zerschlagenen Knochen 
und Feuersteinen in einer Linse lockeren Tuffs sich vorfanden, die 
im Sommer 1914 den ersten Kiefer des Homo primigenius lieferte. 
Es ergaben sich folgende Zahlen: 

sehr jung j un g erwachsen alt 

23,5% 17,0% 41,3% 17,6%. 

Sehr jung und jung zusammen also 41,1% gegen 71,4% in Taubach. 
Eine benachbarte Linse, die mit der vorigen der gleichen 
Schicht porösen Tuffs angehört, geologisch gesprochen also gleich alt 
mit ihr ist, ergab folgende Zahlen für die Altersstufen: 

sehr jung j un g erwachsen alt 

27,7% 16,7% 38,8% 16,7%. 

Das Material beider Fundstellen: 

sehr jung j un g erwachsen alt 

22,8% 19,4% 40,4% 17,6%. 

Also 22,8+19,4-42,2% jugendliche Individuen gegen 71,4% der 
gleichen Altersstufen in Taubach. 

Diese Zahlen wurden an dem bis Herbst 1915 gefundenen 
Material gewonnen. Es hat sich seither gezeigt, daß die beiden 
Fundlinsen einer großen Fundschicht angehören, deren Material bio- 
logisch als Einheit gewertet werden kann, wenn auch die das ge- 
samte Material liefernde Jagd sich über einen längeren Zeitraum 
erstreckte. Berücksichtigen wir das gesamte, bis Frühjahr 1921 ge- 
fundene Nashornmaterial dieser Fundschicht, so erhalten wir folgende 
Altersstaffelung: 

sehr jung jung erwachsen alt 

23,8% 22,4% 37,3% 16,4%, 

also allein junge Tiere 46,2%. Ist der Prozentsatz junger Tiere 
hier, wo alle Reste zweifellos von Beutetieren des Menschen 
stammen, auch geringer als in Taubach, so ist er doch auch hier 
größer als in dem Nashornmaterial aus den Kiesen von Süßenborn 
und Mosbach (31,6 und 33,3 %), wo die Tiere nur aus natürlichen 
Ursachen zugrunde gingen. Deutlicher noch tritt der Unterschied 
hervor bei einem Vergleich der Zahlen für erwachsene und alte 
Tiere. Während in Ehringsdorf unter 53,7% dieser Altersstufen 



134 

die alten nur 16,4% des gesamten Bestandes ausmachen, bilden diese 
in Mosbach und Süßenborn unter 66 fi und 68,4% allein 25-30% 
des gesamten Bestandes. 

Der Unterschied zwischen Taubach und Ehringsdorf könnte 
mit einer höheren kulturellen Entwicklung der Ehringsdorfer Jäger 
in Zusammenhang stehen, die im Artefaktmaterial deutlich zum 
Ausdruck kommt; könnte aber auch in biologischen Ursachen be- 
gründet sein, da die Taubacher Jäger, wie in einer anderen Arbeit 
gezeigt werden soll, im Herbst und "Winter, die Ehringsdorfer im 
Frühjahr und Sommer jagten, und gerade bei primitiver Jagd die 
Methode und ihr Erfolg von den Jahreszeiten und den verschiedenen 
von ihnen gebotenen Möglichkeiten in hohem Maße abhängig 
sein kann. 

Für die Beurteilung der von den Paläolithikern angewandten 
Jagdmethoden ist es wichtig, daß das Vorhandensein sehr zahlreicher 
Reste aus allen Skeletteilen darauf hindeutet, daß die Tiere nicht 
weit von der Stelle, wo wir heute ihre Reste im Gestein finden, 
erbeutet worden sein müssen. Ein Verschleppen von großen Knochen, 
oder gar Schädel- und Gebißresten — letztere besonders waren für 
die Jäger doch völlig wertlos und wurden zu keinerlei Verrich- 
tungen benutzt — von entlegenen Jagdplätzen ist äußerst unwahr- 
scheinlich und damit jede freie, nicht an die Nähe der heutigen 
Fundstellen gebundene Jagdmethode. 

Die Annahme von Holzwaffen gegenüber mit Feuersteinspitzen 
bewehrten Speeren kann den Erwägungen, die mich früher zur An- 
nahme von Fallgruben jagd führten, ihre beweisende Kraft nicht 
beschränken, eröffnet andererseits kaum neue Möglichkeiten, die das 
eigentümliche Massenverhältnis zwischen alten und jungen Tieren, 
überhaupt eine so erfolgreiche Jagd erklären könnten. Die trockene 
und harte, zum Teil verhornte Haut der Nashörner ist gegen Wurf- 
und Stoßwaffen noch widerstandsfähiger als die der Elephanten. 
Es ist deshalb nicht anzunehmen, daß die mit Eisenspeeren betrie- 
benen Jagdmethoden einzelner Eingeborenenstämme Afrikas mit 
ähnlichem Erfolg damals hätten Anwendung finden können, zudem 
keine dieser Jagdarten das starke Überwiegen junger Tiere ver- 
ständlich macht, die doch von der Alten stets grimmig verteidigt 
werden. In Betracht kommen könnte eine im Kilimandscharogebiet 
übliche Jagd, bei der der Jäger vom Baum aus dem unten durch- 
ziehenden Nashorn den Speer neben der Wirbelsäule in den Rücken 
treibt. Diese Jagd wird mit Stoßlanzen mit breiter doppelschneidiger 



135 

Spitze ausgeführt, und es bleibt in hohem Maße fraglich, ob Holz- 
speere von rundem Querschnitt mit gleichem Erfolg zu verwenden 
waren. Im übrigen würde auch diese Methode, wie überhaupt 
irgendeine Speerjagd, das Überwiegen junger Tiere nicht erklären 
können. Es fragt sich vor allem, ob mit den Waffen des Paläoli- 
thikers eine in kürzerer Zeit tödlich wirkende, eine längere Flucht 
des Tieres ausschließende Verwundung möglich war. Die Abessinier 
Speeren häufig ein Tier mit 50 — 60 Lanzen und schlagen ihm dann 
die Sehnen der Hinterbeine mit dem Schwert durch. Also ein sehr 
starker Angriff auf ein einzelnes Tier. Die Tiere sind danach und 
nach anderen Jagdberichten sehr zählebig und von großer Wider- 
standskraft. Die „Fluchtkraft" dieser Tiere ist selbst bei ernsten 
Verwundungen eine erstaunlich große, die dem Jäger das Wild oft 
entschlüpfen läßt oder es ihm erst nach mühseliger Verfolgung in 
die Hände liefert. Es ist mehr als fraglich, ob solche Methoden bei 
seinen weit einfacheren Waffen für den Paläolithiker rentabel oder 
überhaupt möglich waren, denn Wolf und Hyäne, deren Rudel 
wohl damals wie heute jagenden Menschenhorden resp. jagenden 
Raubtieren folgten, dürften des angeschossenen Wildes sich häufig 
vor dem Jäger bemächtigt haben. Der Mensch der Diluvialzeit war 
durchaus nicht der Herr seines Jagdgebietes, er war Raubtier unter 
Raubtieren, die sich unter größter Ausnutzung ihrer Fähigkeiten 
die Beute streitig machten; er war selbst ständig gefährdet, da in 
seinem Revier nicht nur Wolf und Hyäne, sondern auch Löwe, 
Panther und Bär recht häufig waren. Und diesen großen Raubtieren 
stand er mit seinen primitiven Waffen weit hilfloser gegenüber als 
heutige primitive Jägerstämme, die mit Löwen und Panther das 
Jagdgebiet teilen, die aber trotz ihrer weit besseren Waffen sich 
vielerorts ihrer Bedränger nicht entledigen konnten vor Einführung 
der Feuerwaffen. Die „Verfolgungskraft" des Paläolithikers war 
durch die geschilderten Umstände in viel stärkerem Maße gehemmt, 
war eine viel geringere als bei heutigen primitiven Jägern, da er 
in viel höherem Grade an die eigene Sicherheit zu denken hatte. 
Er mußte deshalb ganz besonders bemüht sein, sein Wild auf eine 
Methode zu erjagen, die ihm das Wild am Angriffsort oder in 
nächster Nähe desselben überlieferte. Und diese Möglichkeit bot 
ihm bei seinen einfachen Waffen keine der „Angriffsjagden" der 
heutigen primitiven Stämme, die zudem niemals zu einem solchen 
Überwiegen junger Tiere in der Beute führen können. Jagden mit 
anschließender Verfolgung hätten ihm das Wild zumeist auch weit 



136 

von der Stelle des Angriffs entführt, ihm die Beute an einer vorher 
nicht zu berechnenden Stelle überliefert, was mit den oben ge- 
schilderten Funduniständen und der Art des Fundmaterials in Tau- 
bach und in Ehringsdorf nicht vereinbar ist, da beide auf eine in 
der Ilmaue, in der Nähe der Fundstellen betriebene Jagd mit Be- 
stimmtheit hindeuten. Ein Treiben der Tiere, vielleicht mit Hilfe 
von Feuer, wie es Noack auch für Nashörner für möglich hält, hat 
erstens in der Gegenwart keine Parallele, muß ferner demjenigen, 
der sich mit der Lebensweise und dem Charakter der Nashörner 
vertraut gemacht hat, von vornherein wenig Erfolg versprechend 
erscheinen und war in Waldgebieten wie Taubach selbstverständlich 
unmöglich. 

Nehmen wir dagegen an, daß die Jäger Taubachs und Ehrings- 
dorfs in dem die Ilmaue säumenden überwässerten oder stark durch- 
feuchteten Gelände Fallgruben mit Hilfe von Grabstöcken aushoben 
unter geschickter Benutzung der zweifellos zahlreich vorhandenen 
Suhllöcher, daß sie nach gelungenem Fang die Gruben von allen 
Resten der Beutetiere säuberten, um sie benutzbar zu erhalten, daß 
sie zu diesem Zwecke alle nicht brauchbaren Knochen, Schädel- 
und Kieferreste in die Tümpel warfen, so erklären sich auf einfache 
Weise sowohl die reiche Ausbeute der Jäger trotz ihrer einfachen 
Waffen gegenüber einem so gut gesicherten und wehrhaften Wild, als 
alle Fundumstände, als schließlich die starke Beteiligung junger Tiere 
an der Beute. Denn wie heute bei Rhinoceros simus, so kann auch 
bei Rhinoceros Merkii das Kalb vor der Alten gegangen und zuerst 
in eine Fallgrube gestürzt sein, die sie auf ihrem Wege antrafen. 
Zudem muß die Größe der Fallgruben eine Art Größenauslese des 
Wildes bedingen, da kleine Gruben größere, erwachsene Tiere weniger 
gefährden als kleine, junge und wo sie benutzt wurden, stets ein 
Überwiegen junger Tiere in der Beute hervorrufen mußten. Daß 
diese Menschen aber ihre Fallgruben bei ihren primitiven Hilfs- 
mitteln nicht größer gemacht haben als eben nötig, ist ohne weiteres 
anzunehmen. Für die javanische Fall gruben jagd auf das Nashorn 
wird gerade die Enge der auf dem Wechsel ausgehobenen Gruben 
betont. 

Fassen wir das Ergebnis unserer Erwägungen zusammen: 

1. Die Fundumstände in Taubach und Ehringsdorf weisen ein- 
deutig auf menschliche Jagd. 

2. Die Anhäufung von Resten aus allen Skeletteilen, von aller- 
hand Extremitätenknochen, Wirbeln, besonders von Schädel- 



137 

teilen, Kiefern und Zähnen, vieles zerschlagen, deutet darauf 
hin, daß die Tiere in der Nähe ihres fossilen Vorkommens 
und nicht an weit entlegenen Jagdstellen erbeutet wurden. 
3. Das Massenverhältnis alter und junger Tiere in der Beute, 
die auf Grund des Artefaktmaterials und der Tatsachen der 
Ethnographie zu erschließende Wehrhaftigkeit des Jägers, 
die Wehrhaftigkeit, passive Widerstandskraft und Lebens- 
weise des Wildes schließen alle heute betriebenen Angriffs- 
jagden aus und machen Fallgrubenfang in höchstem Maße 
wahrscheinlich. 
Diese Jagdmethode ist vielleicht auch schon vom Homo Heidel- 
bergensis auf Rhinoceros etruscus angewandt worden. Bei einer 
Gliederung des Mauerer Nashornmaterials in junge und alte Tiere 
erhalten wir allerdings die gleichen Zahlen wie für das Material 
aus den Mosbacher Sanden, in denen der Mensch nicht nachgewiesen 
ist. „Zwischen beiden Fundorten aber besteht ein Unterschied in- 
sofern, als die jungen Tiere von Mauer etwas andere Alters Ver- 
hältnisse aufweisen. Eine Anzahl jugendlicher Unterkiefer entspricht 
nämlich in ihrem Alter den jungen Unterkiefern von Taubach voll- 
ständig, während der größte Teil der jungen Individuen von Mos- 
bach geringeres Alter besitzt und wahrscheinlich Raubtieren zum 
Opfer gefallen ist. 

Diese Analogie zwischen Taubach und Mauer läßt die Annahme 
nicht ganz von der Hand weisen, daß auch der Mensch in Mauer 
gelegentlich Rhinoceroten erbeutet hat, was um so wahrscheinlicher 
ist, als Rhinoceros und Elephas häufig die gleichen Wechsel be- 
nutzen und daher in die für die eine Art angelegten Fallgruben auch 
die Tiere der anderen Art hineingeraten können, ja müssen. Das 
Vorhandensein großer Raubtiere vermag das Vorkommen gerade 
dieser Altersstadien in Mauer nicht zu erklären, da nur ganz junge 
Kälbchen mit Milchgebiß durch Löwen, Bären und Hyänen ge- 
fährdet sind." (So er gel 1. c. Anm. 1). 

Daß die Anlage von Fallgruben auch dem Homo Heidelbergensis 
bei dem sicher zahlreichen Vorhandensein von Suhllöchern der Nas- 
hörner im Gebiet der weiten Flußschlinge keine besonderen Schwierig- 
keiten bereitet haben kann, wurde früher schon erwähnt. 

Bezüglich der Bedeutung der menschlichen Jagd auf Rhino- 
ceros Merkii — die Art ist zweifellos auch an anderen Ortlichkeiten 
Europas gejagt worden (Burgtonna in Thüringen, Krapina in Kroatien, 
La Micoque in Frankreich, Grimaldigrotten bei Mentone, Grays 



133 

Thurrock in England), das Ausmaß dieser Jagd ist aber mangels 
genügender Angaben in der Literatur heute nicht zu erkennen — 
für das Aussterben der Art vor oder im Verlaufe der 4. Eiszeit 
weise ich auf das über die gleiche Frage bei Elephas antiquus Aus- 
geführte hin. Die andauernde Vernichtung des Nachwuchses dürfte 
das aus anderen Ursachen erfolgte, damals wohl noch nicht direkt ein- 
geleitete Erlöschen der Art beschleunigt haben dadurch, daß es den 
Gesamt bestand in einzelne Revierbestände aufteilte und isolierte, 
in denen sich die verderblichen Folgen einer Inzucht stärker geltend 
machen mußten. 




Fig. 26. Unterkiefer von Rhinoceros Merkii aus der Homofundschicht im Bruch 
Kämpfe zu Ehringsdorf mit anormaler Ausbildung des Zahnschmelzes. 1 / s n. Gr. 
Original als Leihgabe von E. Kämpfe im Stadt. Museum zu Weimar ausgestellt. 

Besonders beachtenswert ist in diesem Zusammenhang das Vor- 
kommen anormal gebildeter Zähne an zwei Individuen des Rhino- 
ceros Merkii aus der Ehringsdorfer Homofundschicht. An einem 
Unterkiefer (Abb. 26) zeigen besonders die Prämolaren, an den 
Molaren noch schwach der M I, eine merkwürdige Löcherigkeit des 
Schmelzes, die bei P III und P II auf die untere Zahnhälfte be- 
schränkt ist, bei P I bis ins obere Zahnviertel hinaufgreift. Diese 
Erscheinung ist als Hypoplasie des Schmelzes bekannt, sie ist auch 
bei Zähnen des Neandertalmenschen von Krapina gefunden worden. 
Sie deutet unbedingt auf eine Stoffwechselstörung oder Stoff- 
wechselerkrankung hin, wie sie sonst von wildlebenden Tieren nicht 
bekannt ist und wie ich sie sonst an keinem der zahlreichen deutschen 



139 

diluvialen Nashorngebisse gefunden habe. Sie fehlt ebenso allen 
mir aus Autopsie oder aus der Literatur bekannten außerdeutschen 
diluvialen und tertiären Nashornzähnen. Ihr erstmaliges Auftreten 
in einem Stamm kurz — geologisch gesprochen — vor dem Er- 
löschen des Stammes, kann nicht als Zufall gelten. Wir sehen 
darin vielmehr den Beweis dafür, daß am Niedergang und schließ- 
lichen Erlöschen der Art natürliche Ursachen wirksam waren, die 
letzten Endes in der Stammesentwicklung wurzeln. Die Fähigkeit, 
neuen Verhältnissen sich einzupassen, war dem Organismus verloren 
gegangen. Wir können ijin einem Segler vergleichen, dem die 
Möglichkeit Segel und Steuer nach den eintretenden Verhältnissen 
umzustellen verloren ging, der mit einem bestimmten Wind in guter 
Fahrt bleibt, beim Umschlagen des Windes aber mehr und mehr 
an Fahrt verliert und schließlich unter dem Zwang der äusseren 
Verhältnisse kentern muß. 



IX. Die Jagd auf das wollhaarige Nashorn. 

(Rhinoceros antiquitatis Blumenb.) 

Während der Waldelephant (Elephas antiquus) und das Merk- 
sche Nashorn (Rhinozeros Merkii) in Mitteleuropa erloschen vor dem 
Zeitpunkt, von dem an wir das Jungpaläolithikum datieren, also 
vor Beginn der Geweih- und Knochenbearbeitung, geht neben dem 
Mammut in diese jüngere Zeit auch das wollhaarige Nashorn, 
Rhinoceros antiquitatis, hinein. Dieses Tier ist vom diluvialen 
Jäger nur sehr selten erbeutet worden, fehlt in den meisten paläo- 
lithischen Stationen und spielt in anderen eine ganz untergeordnete 
Rolle. Wo es häufiger auftritt und höhere Prozentsätze im Gesamt- 
material der fossilen Knochenreste bildet, wie z. B. in der Linden- 
taler Hyänenhöhle bei Gera, in den Aurignacienschichten der Ofnet 
und des Sirgensteins, da läßt sich aus den Fundverhältnissen wahr- 
scheinlich machen, daß weniger der Mensch als die abwechselnd 
mit diesem resp. vor oder nach ihm die Höhle bewohnenden Hyänen 
als Jäger der Nashörner anzusehen sind. Mit Ausnahme des Löß- 
gebietes in der weiteren Umgebung von Brunn, wo zahlreichere 
Fundstellen auf den Menschen als Nashorn Jäger, vielleicht teilweise 
nur als Aasjäger hinweisen — es handelt sich zumeist um die Reste 
einiger oder eines Tieres, die zusammen mit menschlichen Werk- 
zeugen gefunden wurden — kann man sagen, daß laut Fund- 
material das wollhaarige Nashorn unter den Beutetieren des diluvialen 
Menschen einen sehr bescheidenen Platz eingenommen hat, daß es 
nur gelegentlich gejagt wurde. Darauf deuten auch die seltenen 
bildlichen Darstellungen unseres Tieres. Denn der relativen Häufig- 
keit einer Art in der paläolithischen Gesammtbeute entspricht un- 
gefähr die relative Häufigkeit der bildlichen Darstellungen dieser 
Art unter den Gravierungen und Höhlenbildern. Stets sind wenig 
gejagte Wildarten, worauf übrigens schon Obermaier 1. c. Anm. 5 
hinwies, weniger oft zur Darstellung gebracht worden. Diese Parallele, 
die die beherrschende Stellung der Jagd auch im geistigen Leben 



141 

dieser Menschen ins hellste Licht rückt, ist besonders deutlich für 
die großen Raubtiere, für Ur, Saiga, Gemse, Steinbock, Vögel und 
Fische; ihre Darstellungen verschwinden gegen die Fülle der gra- 
vierten und gemalten Rentiere, Pferde, Wisente und Mammute. 
Aus der seltenen Darstellung des wollhaarigen Nashorns darf ange- 
sichts dieses Parallelismus ebenfalls der Schluß gezogen werden, 
daß es nicht zu den bevorzugten Beutetieren gehörte. Ob dort, wo 
es mit hoher Wahrscheinlichkeit als Beutetier des Menschen anzu- 
sehen ist, Reste jüngerer Tiere im Beutematerial besonders zahlreich 



jfefc* 




Fig. 27. Rekonstruktion des wollhaarigen Nashorn (Rhinoceros antiquitatis), nach 
einem Original von Charles Knight im American Museum of Natural History. 

Aus Hoyer. 



sind, läßt sich mangels bestimmter Angaben in der Literatur nicht 
entscheiden. An keiner mir bekannten Lokalität überwiegen sie 
jedenfalls in dem Maße als bei Rhinoceros Merkii in Taubach. 

Bestimmte Anhaltspunkte für die geübte Jagdmethode lassen 
sich aus den Fundumständen, aus der Zusammensetzung des Knochen- 
materials bei der ganz geringen Bedeutung der Art als menschliches 
Jagdobjekt überhaupt nicht gewinnen, besonders auch deshalb, weil 
in nur wenigen Fällen der Mensch als Jäger des Tieres mit Sicher- 
heit in Anspruch genommen werden kann. Eine kritische, am 



142 

Fundmaterial zu kontrollierende Erörterung über die Jagdmöglich- 
keiten der Paläolithiker auf diese Art steht daher auf einer sehr 
schwachen Basis und kann sich schließlich nur auf die Lebensge- 
wohnheiten der Nashörner im allgemeinen und die Wehrkraft der 
Jäger stützen, ohne aus einer Analyse des Beutematerials bestimmte 
Anregungen zu empfangen oder Einschränkung zu erfahren. 

Das Wohngebiet dieser Art, wie es die geologischen Daten der 
Fundstellen erschließen lassen, Steppe und wohl die wasserreicheren 
Teile dieser Landschaft, zum Teil also Buschwälder, die in der 
Steppe die Wasserläufe begleiten, deutet nicht auf eine bestimmte, 




Fig. 28. Gemaltes wollhaariges Nashorn aus Font-de-Gaume. Nach H. Breuil 
aus H. Obermaier 1. c. Anm. 5. 



gerade für diese Art besonders aussichtsreiche Jagdmethode. Eine 
direkte Angriffsjagd auf dieses außer seiner starken Haut noch durch 
ein dichtes Haarkleid geschützte Wild (Abb. 27 — 28) erscheint auch 
für die Jäger des Jungpaläolithikums sehr gefährlich und wenig 
Erfolg versprechend und ist deshalb für diese Art ebenso unwahr- 
scheinlich wie für B-hinoceros Merkii. Fallgrubenfang unter Be- 
nutzung der Suhllöcher scheint auch hier das Gegebene. Da die 
Jagd auf dieses Tier, wie seine geringe Häufigkeit im menschlichen 
Beutematerial erweist, in hohem Maße Gelegenheitsjagd gewesen 
sein muß, also nicht planmäßig betrieben wurde wie auf die Tiere, 
die der Mensch zum Lebensunterhalt, zur Lebenshaltung notwendig 



143 

brauchte, so wird sie stets in starker Anlehnung an die Szenerie 
der Landschaft geübt worden sein und schließlich nur dort, wo alle 
Bedingungen für einen Erfolg verwirklicht schienen, die Möglich- 
keit der Erbeutung von vornherein in keinem Mißverhältnis stand 
zum Kraftaufwand und der Gefährdung des Jägers. Ein „Jagdtypus" 
ist deshalb für diese Art noch weniger als für das Mammut für 
irgendeine Fundstelle wahrscheinlich zn machen. Fallgrubenfang 
und Angriff mit Speeren können zur Anwendung gekommen sein. 
Eine kritische Überprüfung dieser Möglichkeiten ist aber, wie ge- 
sagt, am Fundmaterial nicht durchzuführen und eine weitere Dis- 
kussion über die Jagdmöglichkeiten deshalb nur von sehr bedingtem 
"Wert. In Anbetracht des Verhältnisses zwischen den Angriffs- 
mitteln des Jägers und den Abwehrmitteln des Wildes scheint aber 
nur eine Jagd wahrscheinlich und rentabel , in der der Fallgruben- 
fang eine entscheidende Rolle spielte. 



X. Jagd und Jäger. 

Wir haben in den vorhergehenden Abschnitten verschiedentlich 
darauf hingewiesen, daß im Verlaufe des Paläolithikums die Wahl 
des jeweils bevorzugtesten Jagdwildes und die Jagdmethode auf 
bestimmtes Wild einem wiederholten Wechsel unterworfen gewesen 
sind: es besteht eine Art Entwicklung der vorzeitlichen Jagd. 
Diese Entwicklung ist aber, wenigstens bei uns, keine kontinuierliche 
gewesen, jede neue, höhere Stufe ist an das Erscheinen einer neuen, 
bei uns wurzelfremden Menschenrasse geknüpft ; die einzelnen Stufen 
der Wildwahl und der Jagdmethode lösen sich unvermittelt ab, sie 
sind keineswegs Glieder einer Entwicklungsreihe, in der das Neue 
aus dem Alten herauswächst. Im allgemeinen läßt sich sagen, daß 
im älteren Paläolithikum die größten Tiere, Elephant und Nashorn, 
in höherem Maße an der Beute beteiligt sind als im jüngeren 
Paläolithikum, daß Pferde, Bisonten und Hirsche, obwohl mindestens 
zwei dieser Familien in einer oder mehreren Arten jederzeit im 
Verbreitungsgebiet des diluvialen Jägers reichlich vorhanden waren, 
eine dominierende Stellung in der menschlichen Beute erst im Laufe 
des jüngeren Paläolithikums erhalten, an den Fundstellen des älteren 
aber meist stärker zurücktreten. 

Dieser Unterschied hat seine Ursachen einmal in der ver- 
schieden hoch entwickelten Waffentechnik, dann aber auch in den 
verschiedenen körperlichen und geistigen, keineswegs allein in der 
Höhe der Waffentechnik zum Ausdruck gelangenden Eigenschaften 
der einzelnen Menschenrassen: diese drei bestimmten in erster Linie 
die Jagdmöglichkeiten. Charakteristisch für die Jagd der älteren 
Rassen ist ihre lokale Bindung, ihre starke Abhängigkeit von Land- 
schaft und Umwelt. Der Kreis der Jagdmöglichkeiten war eng; 
man jagte mit einfachen Waffen und so gut wie ausschließlich zum 
Nahrungserwerb. Die fleischreichste war die begehrteste Beute. 
Deshalb sind unter der Beute dieser Zeit junge Tiere unter allen 



145 

den Arten selten, auf die mit Wurfwaffen gejagt wurde, sie herrschen 
vor bei denjenigen "Wildarten, auf die Fallgrubenfang getrieben 
wurde; und diese Jagdmethode stand in älteren Zeiten durchaus 
im Vordergrund, sie lieferte jedenfalls den Hauptteil der Beute, 
vielleicht nicht immer an erlegten Individuen, aber an Fleischmasse. 
Das gilt für die Jagd des Homo Heidelbergensis, an der nicht 
mehr gezweifelt werden kann und ebenso für die des Neandertalers, 
für den die Eingrenzung der Jagdmöglichkeiten und der Jagd- 
methode durch die körperlichen und geistigen Eigenschaften des 
Jägers besonders deutlich ist. Es war ein plumper, schwer be- 
weglicher Menschenschlag, ganz ungeeignet für eine erfolgreiche 
Jagd auf flüchtiges Herdenwild. Nie erbeutete er Herden oder 
Rudel oder auch nur größere Teile von ihnen; soweit er Speer jagd 
trieb, war es stets Einzeljagd, die sich am liebsten große und 
fleischreiche Tiere aus einer Herde wählte. Der Neandertalmensch — 
und das gleiche gilt, wahrscheinlich sogar in höherem Maße für 
den Homo Heidelbergensis, den wir von diesen Betrachtungen nur 
ausschließen, weil die tatsächlichen Unterlagen zu einer allgemeinen 
Beurteilung noch zu gering sind — war nicht eigentlich Jäger in 
dem hohen und freien Sinn dieses Wortes, er war ein Mensch, der 
von einem mühevollen Erjagen lebte. Er war ein Jäger auf tiefster 
Stufe, der keineswegs alle ihm gebotenen Möglichkeiten zum jagd- 
lichen Nahrungserwerb zu nutzen verstand, der manche einfachen, 
nicht an besondere Waffen gebundenen, unter heutigen primitiven 
Stämmen allgemein verbreiteten Methoden nicht kannte. Er war 
ein Jäger von außerordentlich engem Gesichtskreis, den seine ein- 
fachen, in sehr bescheidenem Maße auf die Angriffskraft seiner 
Waffen gestützten Methoden nur in einem wildreichen Gebiet er- 
nähren konnten. Seine neben sehr primitiven, zum Teil auch sehr 
spezialisierten körperlichen Eigenschaften und im engsten Zusammen- 
hang damit der enge Rahmen seiner geistigen Fähigkeiten, sperrten 
ihm den Weg zur Höhe, den Aufschwung zum freien Jäger. Die 
Entwicklungsrichtung, die sein Stamm eingeschlagen hatte, ver- 
urteilte ihn zum Untergang, sobald neue, körperlich und geistig 
besser gerüstete Jägerstämme in sein Gebiet einzogen und er zu 
einem Kampf um seine Existenz, direkt und indirekt, gezwungen 
war. Ohne Nachkommen in reinen oder in Mischrassen zu hinter- 
lassen, erlag diese in der Hauptsache mitteldiluviale Bevölkerungs- 
schicht Europas den von Osten hereinbrechenden Stämmen des 
Jun gp al äolithikum s. 

Soergel, Die Jagd der Vorzeit. 10 



146 

Das Einrücken der Aurignacmenschen bringt den großen Um- 
schlag in die europäische vorzeitliche Jagd. Der leichte, auf große 
Beweglichkeit und Gewandtheit deutende Bau dieser Rasse und ihre 
viel höhere Waffentechnik waren die Grundlage für eine intensivere 
Jagd auf Herdenwild. Die Benutzung von Knochen und Geweih 
zu Waffen und Werkzeugen wiesen den Jäger auf Wild, das außer 
Fleisch, Fell und Sehnen, auch geeignetes Knochen- resp. Geweih- 
material liefern konnte. Das Pferd wird zunächst bevorzugtestes Jagdob- 
jekt, das im Aurignacien und Solutreen nicht nur in Einzeljagd, sondern 
auch in Treibjagden erbeutet wurde. Daneben spielt das Ren eine 
beträchtliche Rolle, während Mammut und Nashorn stark, teilweise 
völlig zurücktreten, und nur dann gejagt wurden, wenn die Jagd- 
bedingungen besonders günstige waren; sie waren aber kein wich- 
tiger Faktor mehr im Haushalt der jungpaläolithischen Menschen. 
Die Höhe ihrer kulturellen Entwicklung gestattete ihnen in weiteren 
Grenzen eine bestimmte Einstellung, eine Wildwahl nach speziellen 
Bedürfnissen; ihre Jagd konnte sich freier entfalten und war nicht 
in dem Maße wie bei dem Neandertalmenschen von mancherlei 
Unzulänglichkeiten belastet. In diesem Sinne könnte die Jagd der 
jüngsten paläolithischen Jäger, der Jäger des Magdalenien als das 
Ergebnis einer nicht unterbrochenen Weiterentwicklung erscheinen, 
wenn nicht auch hier wieder eine neue Rasse der Träger der höchst 
entwickelten Jagd wäre. Das Rentier wird bevorzugtestes Beute- 
tier, auf ihm allein beruht, fast in dem Maße wie bei den heutigen 
Lappen, Tungusen und Jakuten, die Lebenshaltung der Stämme; 
wenngleich natürlich auch Pferd und Bison, und wo es noch vor- 
kam gelegentlich auch das Mammut oder sonst eine im Jagdgebiet 
gerade häufige Art gejagt wurde. 

Es ist eine Stufengliederung, keine Entwicklung im engeren 
Sinne, die im zeitlichen Ablauf der paläolithischen Jagd und ihrer 
Methoden zutage tritt. Und doch dürfen wir in dieser Stufen- 
folge die Grundzüge einer allgemeinen Entwicklung sehen, denn es 
ist anzunehmen, daß auch die Rassen von Aurignac und Cro-Magnon 
in frühesten Zeiten nur einfache Methoden gekannt und geübt haben, 
daß sie ihre jagdliche Höhe über ein primitives Stadium, ähnlich dem, 
wie es die Jagd der Neandertaler charakterisiert, gewonnen haben. 
Gemeinsam aber ist eines allen Stufen der paläolithischen Jagd: 
Entscheidend für Wild wähl und Jagdmethode war in jedem Falle 
allein die Rentabilität, das Gleichgewicht zwischen aufzuwendender 
Arbeitsleistung und dem wahrscheinlichen Erfolg. Das ist das ein- 



147 

zige Prinzip, das diese Jagd beherrschte, der jede sportliche Note 
fehlte. Solches Empfinden ist jung und bei primitiven Völkern 
nur dort ausgebildet, wo die Art der Bewaffnung dem Menschen 
schon eine gewisse sichere Herrschaft über die Mitwelt verliehen 
hat, die Not nicht mehr die unmittelbar treibende Kraft jeder 
jagdlichen Betätigung ist. 

Die Jagd war die Lebensgrundlage der Lebensinhalt des paläo- 
lithischen Menschen. Sie war der Brennpunkt seiner gesamten Kultur. 

Wie die aufgefundenen Stationen und ihr Fundmaterial er- 
weisen, sind diese Menschen nicht seßhaft gewesen. An besonders 
günstigen Jagdstellen mögen sie länger verweilt sein, sie immer 
wieder aufgesucht haben, die überwiegende Menge der aufgedeckten 
Stationen aber deutet darauf hin, daß diese Menschen an einer 
Örtlichkeit sich nur vorübergehend anfgehalten haben, daß sie 
nomadisierend umherzogen. Ihre Lebensweise muß nach allem, was 
wir erschließen können, eine große Ähnlichkeit gehabt haben mit 
der der Buschmänner und was Ratzel (Völkerkunde I. S. 159) über 
diese sagt, möchte man fast wörtlich auf die Paläolithiker Europas 
übertragen: „Abhängig vom Wild, ist der Jäger genötigt, mit diesem 
seinen Aufenthalt zu wechseln. Er kann nur in kleinen Trupps zu- 
sammenleben, da größere Gemeinden das Wild verscheuchen, und 
da auf einem gewissen Raum immer nur wenige von der Jagd sich 
zu nähren vermögen. Es wirkt dieses Leben ungünstig auf die 
Volks Vermehrung, indem die schwangeren Frauen und die Kinder 
alle Strapazen ihrer Männer mitzumachen haben, und die notwendige 
Ruhe und Pflege fast vollständig entbehren müssen. Es fehlt also 
ganz jene Bedingung eines ruhigen, zu dauerhaften Kulturerwer- 
bungen befähigenden Daseins, welche in der Zuzammenschließung 
einer größeren Anzahl von Menschen zu wenn auch noch so lockeren 
Gemeinden oder Stammesverbänden, gegeben ist". 

Groß kann unter solchen Umständen der Bestand der materiellen 
Kultur der Paläolithiker — die Feuerstein- und Knochen- und Ge- 
weihgeräte können selbstverständlich nur als ein kleiner Teil der- 
selben aufgefaßt werden — nicht gewesen sein, keinesfalls vergleichbar 
mit dem, über das in der Gegenwart primitive, aber seßhafte 
Stämme verfügen. Hausgerät, überhaupt alle wegen zu beträcht- 
licher Größe oder zu großer Zerbrechlichkeit nur schwer zu 
transportierenden Gerätschaften dürften sie, wie die Buschmänner 
heutigen Tages, nicht besessen haben. Selbst die aus Stein ge- 
fertigten Artefakte, die Werkzeuge zur Herstellung aller ihrer aus 

10* 



14* 

vergänglichem Material bestehenden Gerätschaften — und dasselbe 
gilt für viele Knochenartefakte — haben nur in sehr bescheidenem 
Main 1 zum dauernden, d. h. auch auf den Wanderzügen mitgeführten 
Besitz gehört. Ihr häufiges Vorkommen an fast allen ausgegrabenen 
Lagerstellen der Paläolithiker, ihr Liegenlassen also von Seiten 
dieser Menschen neben den wertlosen Resten der Beutetiere beweist. 
daß sie keinesfalls zum besonders geachteten wertvollen Besitz ge- 
hörten, daß sie vielmehr stets — es gibt wenige Ausnahmen, wo diese 
Menschen ihre Artefakte aus ortsfremdem, also mitgebrachtem 
Material fertigten — ad hoc, neu gefertigt und nach Gebrauch 
weggeworfen wurden. Diese Geringachtung des Artefakthand Werk- 
zeugs durch den Paläolithiker wird den nicht wundern, der weiß, 
wie unglaublich schnell Angehörige heutiger primitiver Stämme 
aus geeigneten Steinen sich Werkzeuge und Waffenspitzen herstellen 
können, sogar in Stücken, die uns als sehr kunstvoll gearbeitet er- 
scheinen. Die Artefakte waren, soweit sie nicht als Spitzen 
für Waffen dienten, in hohem Maße nur gelegentlicher Besitz, 
der im Bedarfsfall stets neu geschaffen wurde. 

Waffen, Schmuck und zum Teil das Kleingerät der Frauen, 
letzteres wohl erst in jungpaläolithischer Zeit, haben im wesent- 
lichen den dauernden Besitz ausgemacht. Eine Kleidung im eigent- 
lichen Sinne, die ja bei manchen heutigen Nomaden der gemäßigten 
und kalten Zone einen beträchtlichen Teil des Dauerbesitzes dar- 
stellt, hat es in altpaläolithischen Zeiten höchstwahrscheinlich 
nicht gegeben, und es fehlt auch in den jungpaläolithischen Skulp- 
turen und Gravierungen und auf den Höhlenbildern, soweit sie 
sicher diluvial sind, jedes Anzeichen dafür. Aber die erstenfAnfänge 
der Kleidung, größere Schmuckgegenstände, insbesondere aus Tier- 
fellen gefertigte, werden schon vorhanden gewesen sein. Sicher im 
Jungpaläolithikum, wo zum Teil sehr fein gearbeitete Knochennadeln 
nur zum Nähen von Fellen und Leder zwecks Herstellung von 
Schmuckgegenständen, vielleicht schon einer größere Teile des 
Körpers deckenden Kleidung, und möglicherweise zur Herstellung 
bestimmter Waffen oder Waffenteile (Lasso, Bola) gedient haben 
können. Die Verwendung des Felles der Beutetiere läßt sich außer- 
dem für Jung- und Altpaläolithikum aus manchem paläobiologischen 
Befund sehr wahrscheinlich machen. Dupont 24 ) hat an dem 
Knochenmaterial vom Diluvialmenschen erbeuteter Pferde in 
belgischen Höhlen, Studer 1. c. Anm. 10 am Pferdematerial der 

24 ) M. E. Dupont, Les temps prehistoriques en Belgique. Paris 1872. 



149 

Magdalenienschicht am Schweizersbild festgestellt, daß Wirbel. 
Rippen und große Extremitätenknochen recht selten, Schädel- und 
Gebißreste und die unteren Teile der Extremitäten dagegen zahl- 
reich vertreten sind. Studer schloß daraus mit Recht, daß die 
Tiere fern vom Lagerplatz erlegt und zerstückt worden sind und 
„häufig nur das Fell, in dem noch Schädel und Fußknochen hingen, 
zur Höhle gebracht" wurden. Ebenso sind nach Ausweis des ge- 
fundenen Knochenmaterials die Altpaläolithiker von Taubach mit 
dem braunen Bären verfahren. Im Fell, in dem Schädel und Pratzen 
noch hingen, wurden wohl die besten Fleischstücke zur Lagerstätte 
getragen. Ich möchte gleichzeitig daraus schließen, daß auch das 
Fell selbst schon eine Verwendung gefunden hat, und es ist im 
Vergleich mit heutigen primitiven Rassen naheliegend, an eine Ver- 
wertung zu Schmucktrachten zu denken. Damit erschöpft sich das, 
was wir den Paläolithikern als dauernden Besitz zusprechen können. 
Die Grundlage ihrer Existenz war die Jagd, die Voraussetzung 
ihrer Jagd, die bis ins Jungpaläolithikum hinein ein auch für sie 
meist gefährlicher Kampf war und unter der ständigen Drohung 
einer raubtierreichen Umwelt stand, war eine möglichst große Be- 
wegungsfreiheit, ein möglichstes Ungehindertsein zu jeder Zeit. Es 
ist natürlich, daß eine solche Jagd, auf der die ganze Lebenshaltung 
dieser Menschen bis ins jüngste Paläolithikum hinein aufgebaut war, 
und ihre Erfordernisse einer höheren kulturellen Entwicklung dieser 
Stämme bestimmte Grenzen gezogen haben, die, wie die Entdeckungen 
Hausers in Frankreich zu erweisen scheinen — Hauser fand eine 
paläolithische Kultstätte — nur an wenigen, eine dauernde Siedelung 
begünstigenden Ortlichkeiten überschritten worden sein mögen. 

Was aus dem jungdiluvialen Jäger nach der letzten Eiszeit 
geworden ist — die Jäger des Azilien, der jüngsten noch dem 
Paläolithikum zugewiesenen Kulturstufe, die unter einer der ger- 
manischen (zu Tacitus Zeiten) fast vollständig entsprechenden Tier- 
welt jagten, sind hier, wo die Menschen des Eiszeitalters im Vorder- 
grund des Interesses stehen, nicht mit berücksichtigt worden — 
entzieht sich vorerst noch einer sicheren Beurteilung. Vielleicht 
sind sie erloschen, vielleicht aufgegangen in neuen, wahrscheinlich 
von Osten einströmenden Rassen, mit deren Erscheinen in Europa 
eine neue, mit den letzten Phasen des Paläolithikums genetisch 
nicht verknüpfte Epoche, die jüngere Steinzeit, das Neolithikum 
einsetzt: Das Zeitalter der Jagd ist in Europa durch das Zeitalter 
des Ackerbaus abgelöst. 



Verlag von Gustav Fischer in Jena 



Weitere Schriften von 



W. Soergel 



Tübingen 

Löße. Eiszeiten und paläolithische Kulturen. Eine Gliederung und 

Altersbestimmung der Löße. Mit 14 Abbildungen im Text und 1 graphischen 
Darstellung. IX, 177 S. gr. 8° 1919 Mk 20.— 

Den Entwicklungsgang aufzudecken, den das Menschengeschlecht und die Tierwelt 
vom Eiszeitalter bis auf den heutigen Tag genommen haben, bedarf es einer gesicherten 
Gliederung der eiszeitlichen Ablagerungen, die uns gestattet, das Alteisverhältnis zwischen 
den einzelnen paläontologischen oder prähistorischen Funden festzustellen. Eine wesent- 
liche Grundlage einer solchen Gliederung bilden die „Löß" genannten Absätze eiszeitlicher 
Staubstürme. Ihre Anzahl und im einzelnen ihr heute noch viel umstrittenes 
Alter möglichst festzulegen und damit einer regionalen Gliederung der eiszeit- 
lichen Ablagerungen einen gesicherten Boden zu bereiten, ist die besondere Aufgabe 
dieses Buches, das versacht, die vielartigen Ergebnisse der Diluvialforschung der letzten 
Jahrzehnte mit eigenen Untersuchungen zu einem einheitlichen stratigraphischen 
Bilde zusammenzufassen. 

Das Aussterben diluvialer Säugetiere und die Jagd des dilu- 
vialen MenSChen. Mit 3 Tafeln. Sl S. 4°. (Festschrift zur 43. allge- 
meinen Versammlung der deutschen anthropologischen Gesellschaft. Weimar, 
4.— 8. August 1912. Heft II.) 1912 Mk 20.— 

Inhalt: Pflanzenfresser: Elefanten. Rhinocerotidae. Equidae. Bovinae, 
Cervidae. — Fleischfresser: Feiida. Uridae. Hyaenidae. Canidae. — Zusammen- 
fassung. — Die Jagd des diluvialen Menschen. — Literaturverzeichnis. 

Der Verfasser erörtert hier an eigenen Untersuchungen der Funde von Süßenborn, 
Taubach, Mosbach, Mauer und der Lindenthaler Hyänenhöhle die Hypothese Steinmanns, 
ob es ein Aussterben von Tieren überhaupt in dem bisher angenommenen Maße gebe 
oder nicht, vielmehr nur der Mensch als Jäger an der Ausrottung der Tiere der Vorzeit 
schuld sei. Von der Jagdmethode zieht er die Schlüsse auf die Funde, von den Funden 
Schlüsse auf die Jagd des Menschen, und damit kommt er auf interessante Ergebnisse. 
Die Arbeit beschränkt sich im allgemeinen auf die diluvialen Säugetiere Europas, jedoch 
werden Arten anderer Kontinente, avo es zum Vergleich erforderlich erscheint, erwähnt. 
Manches wichtige Ergebnis für die Lösung dieses interessanten Problems ist hier nieder- 
gelegt und macht das Werk für Anthropologen, für Ethnologen und Kulturhistoriker, für 
Jäger, Naturfreunde und schließlich auch überhaupt für jeden Gebildeten wertvoll. 

ElephaS COlumbi FalCOner. Ein Beitrag zur Stammesgeschichte der Ele- 
phanten und zum Entwicklungsmechanismus des Elephantengebisses. Mit 
15 Abbildungen im Text und 8 Tafeln in Lichtdruck. (Geologische und palae- 
ontologische Abhandlungen. Bd. 18 [N. F. Bd. 14] Heft 1/2.) 99 S. Fol. 
(23,5 x 31 cm). 1921 Mk 150.— 

Diese Arbeit behandelt die diluvialen Elefanten Amerikas, die bisher eine recht 
stiefmütterliche Beachtung gefunden haben. Es fehlte bisher eine, das nordamerikanische 
und das reiche mexikanische Material zusammenfassende Darstellung, die zugleich in aus- 
gedehnten Vergleichen mit anderen Arten die Stellung der amerikanischen Elefanten im 
Stammbaum der Elefanten festlegt. 



Die angegebenen Preise sind die im Januar 1922 gültigen ; für das Ausland erhöhen sie sich durch 
den vorgeschriebenen Valuta-Zuschlag. Die Preise für gebundene Bücher sind unverbindlich . u 



Verlag von Gustav Fischer in Jena] 

Die steinzeitliche Technik und ihre Beziehungen zur Gegenwart. 

Ein Beitrag zur Geschichte der Arbeit. Von Dr. Ludwig Pfeiffer, 

Geh. Med.-Rat in Weimar. (Festschrift zur 43. allgemeinen Versammlung der 
deutschen anthropologischen Gesellschaft. Weimar, 4. — 8. August 1912. Heft 1.) 
Mit 250 Originalabbildungen im Text. 340 S. Lex. 8° 1912 Mk 52.— 

Inhalt: I. Zur Geschichte der Technik in der Steinzeit. — 2. Die physikalischen 
Unterlagen der Steintechnik. — 3. Von den Werkzeugen. — 4. Die steinzeitliche Knochen- 
verarbeitung. — 5. Die steinzeitliche Holzverarbeitung. — 6. Das Zerlegen der Jagdtiere 
in der Steinzeit. — 7. Das Erlöschen der Steinzeittechnik. 

Frankfurter Zeitung vom 8. Juni 191 3: Der Wert des durch und durch 
originellen Buches liegt vor allem darin, daß der Verfasser nicht nur die Waffen und 
Werkzeuge der Steinzeiten abbildet und beschreibt, sondern daß er versucht, ihrer 
Herstellung nachzugehen. Eigene Experimente in großer Zahl, Besuche und eifrige 
Studien bei den letzten Feuersteinspaltern in England und Frankreich und viele, in den 
Illustrationen gut wiedergegebene Verwendungsversuche zur Fellbearbeitung, zum Sägen, 
Schaben, Bohren usw. zeigen ernste Arbeit und lange Erfahrung ... Es ist wohl einer 
der ersten Versuche, die Stein waffen und Werkzeuge nicht chronologisch aufzustellen, 
sondern ihre Verwendung und die allmähliche Vervollkommnung des primitiven Arbeits- 
gerätes Schritt für Schritt zu verfolgen, unter fortwährendem Hinzuziehen jetzt üblichen 
Handgeräts. Hierbei kommt das weniger glanzvolle Material, die abgenutzten Werkzeuge, 
zur Geltung, ja es erlangt besondere Wichtigkeit. Die Tafeln, die einzelne Zweige dieser 
alten Technik wiedergeben, müssen als kleine didaktische Musterarbeiten bezeichnet werden. 

Die Werkzeuge des Steinzeit-Menschen, von Geheimen Med. Rat Dr. 

Ludwig Pfeiffer in Weimar. Mit 540 meist Originalabbildungen im 
Text. X, 415 S. gr. 8° 1920 Mk 72.—, geb. Mk 85.50 

Inhalt: 1. Werkzeuglehre. — 2. Werkzeuge für den steinzeitlichen Ackerbau. — 
3. Die primitive Keramik. — 4. Das steinzeitliche Werkzeug im Schulplan von Lehran- 
stalten. — Register. 

Die vorliegende reich illustrierte Studie führt in die älteste Technik ein, und zwar 
in eine Periode, die um so interessanter ist, weil in ihr die Werkzeuge erfunden wurden. 
Sie bringt im Zusammenhange alles, was auf dem Gebiete der Steintechnik erforscht ist 
und bildet in ihrer Form einen Leitfaden, der sich vorzüglich zur Einführung in die 
Technik eignet, speziell für Museen, Volkshochschulen, landwirtschaftliche oder technische 
Schulen. Darüber hinaus wird das Werk aber auch Paläontologen, Ethnographen und 
Sammlern zur willkommenen Orientierung dienen. 

Die SteinzeitÜChe MuSCheltechnik und ihre Beziehungen zur Gegen- 
wart. Ein Beitrag zur Geschichte der Arbeit und zur Psychologie der Geräte. 
Von Dr. Ludwig Pfeiffer, Geh. Med.-Rat in Weimar. Mit 332 Abbil- 
dungen im Text. VIH, 334 S. Lex. 8° 1914 Mk 60.— 
Dieser Beitrag zur Geschichte der Arbeit ist die Ergänzung der 1912 in Weimar 
den Teilnehmern am 43. Anthropologen-Kongreß dargebotenen Festschrift: Die steinzeit- 
liche Technik und ihre Beziehungen zur Gegenwart (Beschreibung der Stein-, Fell-, Fleisch-, 
Holz- und Knochentechnik.) Der zweite Beitrag stellt die Muschel technik dar, wie sie 
sich als Mitträgerin der materiellen Kultur und in Konkurrenz mit der Steintechnik ent- 
wickelt hat, sowohl in Ozeanien, Amerika, Afrika als auch in Europa, hier allerdings ver- 
schiedene Jahrtausende früher. Der Schwerpunkt der vorgeführten Untersuchungen ist auf 
die Technologie gelegt Verfasser will noch nachzuweisen versuchen, daß auch in Europa 
das Muschelmaterial im Besitz des steinzeitlichen Menschen eine Rolle spielt, welche 
I größer ist als bisher angenommen wird. 



I Die angegebenen Preise sind die im Jamiar IQ22 gültigen; für das Ausland erhöhen sie sich dweh 
den vorgeschrieberien Valuta-Zuschlag. Die Preise für gebundene Bücher sind unverbindlich. 



Verlag von Gustav Fischer in Jena 



Die vorzeitlichen Säugetiere, von o. Abel. Mit 250 Abbildungen und 

2 Tabellen im Text. VII, 309 S. gr. 8° 1914 Mk 34.—, geb. Mk 44.— 

Inhalt: Einleitung. — Die erhaltenen Überreste der fossilen Säugetiere. — Der 
Erhaltungszustand der vorzeitlichen Säugetierreste. — Die wichtigsten Fundorte größerer 
vorzeitlicher Säugetierfaunen. — Die ältesten Säugetierreste. — Die Einreihung der vor- 
zeitlichen Säugetiere in das System der lebenden Säugetiere. — Übersicht der vorzeitlichen 
Säugetiere. — Aufstieg, Blüte und Niedergang der Säugetierstämme. — Sachregister. 

Geologische Rundschau, Bd. V, Heft 9: Eine mit vielen guten Abbildungen 
ausgestattete Darstellung der fossilen Säugetierwelt. Sie ist weniger für den eigentlichen 
Fachmann als für einen weiteren Kreis entsprechend vorgebildeter Lehrer bestimmt. St. 

Lebensbilder aus der Tierwelt der Vorzeit, von Dr. othenio 

Abel, 0. ö. Prof. der Paläobiologie an der Universität Wien. Mit 507 Ab- 
bildungen im Text und 1 farbigen Titelbild. VIII, 643 S. gr. 8° 1922 
(erscheint im Dezember 1921) 

Inhalt: 1. In der Lößsteppe von Krems in Niederösterreich. — 2. In der Busch- 
steppe von Pikermi in Attika zur unteren Pliozänzeit. — 3. Landschaft und Tierleben 
des Wiener Beckens in der mittleren Miozänzeit. — 4. Am Bridgersee zwischen den Vul- 
kanen von Wyoming in der mittleren Eozänzeit. — 5. Das Niobrarameer der oberen 
Kreideformation Nordamerikas. — 6. In den Sumpfwäldern Belgiens zur unteren Kieidezeit. 

— 7. Das Tierleben am Atlantosaurusstrome in Nordamerika und am Tendagurudelta in 
Ostafrika während der unteren Kreidezeit und oberen Jurazeit. — 8. Am Strande von 
Solnhofen in Bayern in der Oberjurazeit. — 9. In der Holzmadener Bucht des süddeutschen 
Liasmeeres. — 10. In den Wüstengebieten der südafrikanischen Karroo 2ur Permzeit; 

— Sachregister. Autorenregister. 

Das Tierleben der Vorwelt nicht nur in seinen Einzelgestalten, sondern in seiner 
Gesamtheit als Lebensbild im Rahmen seiner einstigen Umwelt dem Verständnis näher 
zu bringen, ist eines der wichtigsten Ziele der Paläobiologie. Diesem Ziele, das der auf 
dem Gebiete der Paläozoologie rühmlichst bekannte Verfasser auf neuen, bisher noch nicht 
beschrittenen Wegen zu erreichen sucht, dient das vorliegende Buch. Weiteren Kreisen 
werden erstmals die Methoden der paläobiologischen Forschung vertraut gemacht, deren 
Kenntnis es ermöglicht, sich über die Grundlagen der wissenschaftlichen Rekonstruktionen 
vorzeitlicher Lebensbilder ein vollständiges Urteil zu bilden. Das Buch hilft damit bei- 
tragen, der noch vielfach verbreiteten Meinung, daß es sich bei den oft sehr mühevollen 
Versuchen um phantastische Spekulation ohne tieferen wissenschaftlichen Wert handelt, 
den Boden zu entziehen. Die Darstellung wird durch vorzügliche und sorgfältig ausge- 
wählte Abbildungen in reichem Maße unterstützt. 

Lehrbuch der Paläozoologie. von o. Abel, o. 0. Professor der Paiäo- 

biologie an der Universität Wien. Mit 700 Abbildungen im Text. XVI, 500 S. 
gr. 8° 1920 Mk 60.— , geb, Mk. 73.50 

Die Naturwissenschaften. 1921, Nr. 4 : . . . Das lebensvollste, frischeste 
und anregendste Lehrbuch der Paläozoologie, das es in irgendeiner Sprache der Erde 
gibt . . . 

Die Umscha-u. 1921, Nr. 44: . . . Abels Lehrbuch wird wohl für die Palä- 
ontologen und Zoologen — und hoffentlich auch für die Geologen! — das Lehrbuch 
der Paläozoologie werden . . . Die bildliche Ausstattung ist hervorragend. Dr. Loeser 

Die angegebenen Preise sind die im Januar 1922 gültigen; für das Ausland erhöhen sie sich durch 
den vorgeschriebenen Valuta-Zuschlag. Die Preise für gebundene Bücher sind unverbindlich. 






Verlag von Gustav Fischer in Jena 



DSP MenSCh, sein Ursprung und seine Entwicklung. In gemeinverständ- 
licher Darstellung. Von Wilhelm Leche, Prof. an der Universität 
zu Stockholm. (Nach der zweiten schwedischen Auflage.) Mit 369 
Abbildungen im Text. VIII, 376 S. gr. 8° 1911 Mk 30.—, geb. Mk 45.— 

Inhaltsverzeichnis: I. Deszendenztheorie. 2. Der Mensch und die Wirbel- 
tiere. Die Ausbildungsstufen der Wirbeltiere. 3. Die Aussage der ausgestorbenen Lebe- 
wesen. 4. Der Mensch im Lichte der vergleichenden Anatomie. 5. Das Ergebnis der 
Embryologie. 6. Die rudimentären Organe des menschlichen Körpers. 7. Das Gehirn. 
8. Der Mensch und seine nächsten Verwandten. 9. Die ersten Menschen. 10. Der Affen- 
mensch von Java. — Die Menschheit der Zukunft. 

Die 2. deutsche Auflage befindet sich im Druck. 
Frankfurter Zeitung. 25. Juni 19.11: Mit der Flut „gemeinverständlicher 
naturwissenschaftlicher" Werke schlechthin ist das Buch von Leche keinesfalls zu ver- 
wechseln, wenn auch auf dem Titel steht „in gemeinverständlicher Darstellung". Es steht 
vielmehr hoch über dem Schwall aller der Bücher, die anstatt Goldkörner Stroh bieten. 
Leche hat es meisterhaft verstanden, den schon so viel behandelten Stoff in ein neues 
Gewand zu kleiden und ihn durch die Art der Behandlung „gemeinverständlich" zu ge- 
stalten, d. h. jeder logisch denkende, gebildete Leser, einerlei ob Fachmann oder Laie, 
kann seinem Gedankengang folgen, wobei sich von Kapitel zu Kapitel der Gesichtskreis 
des Lesers erweitert. Dabei ist das Buch in streng wissenschaftlichem Rahmen geschrieben ; 
nicht kühne Hypothesen bringt oder verteidigt es, nur nackte Tatsachen läßt der Verfasser 
sprechen, ohne in ein dürres Aufzählen dieser Tatsachen zu verfallen. 

Das Buch von Leche wird ein Handbuch für Lehrer und Studierende 
werden. Durch seine leicht faßliche Darstellung eignet es sich auch zur Lektüre für Schüler 
von Oberklassen höherer Schulen. Freunden naturwissenschaftlicher Werke sei es ganz 
besonders empfohlen, da es sie in wirklich klassischer Weise mit dem gegenwärtigen Stand 
unserer Kenntnisse über unsern eigenen Werdegang vertraut macht. 

Populäre biologische Vorträge, von Hans Moiiscii, o. 0. Professor 

und Direktor des pflanzen physiologischen Instituts der Universität Wien. Mit 
63 Abbildungen. IV, 280 S. gr. 8° 1920 Mk 24.—, geb. Mk 34.50 

Inhalt: I. Goethe als Naturforscher. 2. Eine Wanderung durch den javanischen 
Urwald. 3. Reiseerinnerungen aus China und Japan. 4. Das Leuchten der Pflanzen. 
(Mit 8 Abbild.) 5. Warmbad und Pflanzentreiberei. (Mit 4 Abbild.) 6. Ultramikroskop 
und Botanik. (Mit I Abbild.) 7. Das Erfrieren der Pflanzen. (Mit 7 Abbild.) 8. Über 
den Ursprung des Lebens. 9. Das Radium und die Pflanze. 10. Der Naturmensch als 
Entdecker auf botanischem Gebiete. 11. Der Scheintod der Pflanze. 12. Die Verwertung 
des Abnormen und Pathologischen in der Pflanzenkultur. 13. Biologie des atmosphärischen 
Staubes (Aeroplankton). 14. Die Wärmeentwicklung der Pflanze. 15. Über die Her- 
stellung von Photographien in einem Laubblatte. 16. Über die Kunst, das Leben der 
Pflanzen zu verlängern. 17. Botanische Paradoxa. 

Die Anthropologie in ihren Beziehungen zur Ethnologie und Prä- 
historie. Eine akademische Antrittsrede von Dr. Otto Schlaginhaufen, 

a. o. Professor der Anthropologie und Direktor des Anthropologischen Instituts 
der Universität Zürich. 20S.gr. 8° 1913 Mk 3.20 

Schweizerische Pädagogische Zeitschrift, 1913, Heft 3: Die Rede unter- 
wirft die drei Quellen für das Material zu anthropologischen Arbeiten: den lebenden Menschen, 
das tote Objekt und Äußerungen der Kultur — einer kritischen Untersuchung, um darauf 
die unabhängige Bearbeitung der Beobachtungsresultate zu fordern und ein Merkbuch für die 
mannigfachen Beziehungen zwischen Anthropologie und Ethnologie anzuregen. Der Vortrag 
gibt im einzelnen mannigfache Einblicke in die Arbeit der Anthropologen und Ethnologen. 

Die angegebenen Preise sind die im Januar ig 2 2 gültigen; für das Ausland erhöhen sie sich durch 
1 den vorgeschriebenen Valuta-Zuschlag. Die Preise für gebundene Bücher sind unverbindlich. 11 



Verlag von Gustav Fischer in Jena 



Die paläolithischen Funde von Taubach in den Museen zu Jena und 

»eiiiuir. Festschrift nun 35Q jährigen Jubiläum der Universität Jena. Von 
Dr. (»iiMtav Eichhorn, Konservator am Germanischen liuseum der 1 ni- 
versit&l Jena. Mil 29 Abbildungen im Texl und 272 Abbildungen auf 39 Tafeln 
(mit w Blatt Erklärungen) 4" 1909 kart. Mk 72.— 

Lehrerzeitung für Thüringen und Mitteldeutschland, 1909, Nr. 7: Wer 
kennt nicht den Namen Taubach? In der gesamten wissenschaftlichen Welt hat er eine 
Ehiensteilung. Die dortigen Funde haben insofern einen außerordentlich hohen Wert, weil 
durch sie unwiderleglich bewiesen und, daß schon (mindestens) zur Diluvialzeit Menschen 

haben (zusammen mit Elephas antiquus, Bison priscus, Ursus spelaeus, Hyaena 

Die besonders auch für die Entwicklungsgeschichte des Menschen gute Dienste 
leistenden Funde aus Steinmaterial und Tierknochen sind in dem Prachtwerke, soweit 
m Jenaer und Weimarer Museum aufbewahrt sind, sämtlich durch wirklich ausge- 
zeichnete Photographien wiedergegeben und kurz beschrieben. Dem Spezialisten bietet 
kunstl' lisch vollendete Zusammenstellung sicherlich einen wahren Genuß. 

Die Biologie und ihre Schöpfer, von William a. L.©cy, Ph. d., sc. 

D.. Professor an der Northwestern University. Autorisierte Übersetzung der 

zweiten amerikanischen Auflage von E. Nitardy. Mit einem Geleitworte von 

Prof. Dr. J. Wilhelmi. Mit 97 Abbildungen im Text. XII, 416 S. gr. 8» 

L914 Mk 30.— geb. Mk 44.— 

Der Hauptzweck des Buches liegt in der Aufdeckung der Quellen biologischer 

nken und der Hauptwege der biologischen Entwicklung, und weiterhin 

tiarin, den Leser mit jenen vornehmen Gestalten bekannt zu machen, deren 

Arbeit die Epochen der Geschichte der Biologie bezeichnet, sowie zu zeigen, 

dab die Entwicklung der biologischen Anschauungen eine lückenlose ist. 

Zoologische Annalen, Bd. VII, 1: ... Wir möchten das Buch in der Hand 
jedes sehen, der sich mit biologischen Wissenschaften beschäftigt, der Studierenden sowohl 
wie der bereits irn Berufe stehenden und auch sonstigen Interessenten; sie alle werden es 
mit hoher Befriedigung benutzen und reichen Gewinn davontragen. M. Braun 

Die Abstammungslehre. Zwölf gemeinverständliche Vorträge über die Des- 
zendenztheorie im lichte der neueren Forschung. Gehalten im Wintersemester 
1910 l'.ill im Münchner Verein für Naturkunde von Rieh. Hertwig (München), 
U ich. Goldschmidt (München), Rieh. Semon (München), Paul Kammerer 
(Wien), Franz Doflein (Breslau), August Brauer (Berlin), Edgar Dacque 
München), Othenio Abel (Wien), Otto Maas (München), Kari Giesen- 
bagen (München). .Mit 325 teils farbigen Abbildungen im Text. IV, 489 S. 
3° 1911 Mk 44.-, geb. Mk 58.— 

Naturwissenschaftliche Rundschau 1911, Nr. 44: Gerade darin liegt ein 
besondere] Reiz dieser Vorträge, daß sie nicht nur von dem berichten, was die Forscher 
einigt, sondern auch von dem, was sie trennt. ... So gibt das Buch ein ziemlich getreues 
tt'ld in denen sich die deszendenztheoretischen Ansichten der Mehr- 

zahl der Biologen bewegen. Das Buch sei allen empfohlen, die einen Einblick gewinnen 
möchten in die Wege und Ziele der heutigen deszendenztheoretischen Forschung. Die 
Redner haben ihren Gegenstand zum Teil in sehr anziehender Weise darzustellen gewußt, 
»nd j Ine Vortrag beansprucht das größte Interesse, wenn der Leser auch nicht 

n gleichmäßig Beifall zollen wird. F. M. 



Preise und die >>n Ja, mar xg22 gültigen; für das Ausland erhöhen sie sich durch 
' / '" """ Valuta-Zuschlag. Die l'rrise für gebundene Bücher sind unverbindlich. 



JJ 



Name List p^c t 






<D 
CS 
U 

o 

bß> 



9 



U 
bO <D 

«-* — 
O t3 

bO«H 

(D 
O 



5 



H 

to 

CO 



PS 

w 

o 

PS 

PS 
o 

O 

w 

ä 



University of Toronto 
Library 



DO NOT 

REMOVE 

THE 

CARD 

FROM 

THIS 

POCKET